#73 | 1.000 Tage | 1,000. Reisetag


!!! AKTUELLE NEUIGKEITEN – SCHILLI KOMMT NACH EUROPA !!!

Wie der regelmäßige Besucher dieser Seite sicher weiß, hinke ich mit den Veröffentlichungen meiner Berichte deutlich hinterher. Ich möchte dich jedoch heute bereits darüber informieren, dass ich in den nächsten paar Wochen bereits wieder einmal in Deutschland vorbeischauen werde.

 

Glücklicherweise hat Suki ein Jahresvisum für Deutschland erhalten und nun die Chance einmal meinen Ursprung zu erforschen. Nachdem ich ja bereits einige Monate in Hong Kong mit Suki und ihrer Familie verbringen durfte, ist es nun an der Zeit, dass Suki zum ersten Mal in ihrem Leben Asien verlässt und sich in das Abenteuer-Europa begibt. Ein schöner Anlass natürlich auch für mich, nach über 3 Jahren, mal wieder nach Deutschland zu kommen. Ich freue mich bereits wie Bolle euch dort wieder zu treffen! Suki und ich haben noch keinen konkreten Plan für unseren Aufenthalt und wie wir in Deutschland Arbeit angehen werden (Suki hat ein Arbeitsvisum), jedoch werden wir sicher auf Deutschland-Tour gehen und bestimmt auch bei dir vorbeischauen um „Hallo“ zu sagen! Wir freuen uns jetzt schon enorm auf euch!

 

Natürlich werde ich weiterhin die noch offenen Reiseberichte nach und nach veröffentlichen. Ich habe noch von mindestens fünf weiteren Ländern in Fernost und im Mittleren Osten sowie unzähligen, extraordinären Erlebnisse zu berichten. Das mache ich natürlich sehr gerne und ich würde mich freuen, wenn du auch weiterhin Gefallen an den Geschichten findest.

 

Dies als kurze Zwischeninfo für dich und nun „Feuer-frei“ für meinen ersten Reisebericht aus den Philippinen. Viel Spaß dabei, dein Schilli


Es hätte mich ja wenigstens jemand vorwarnen können! Dass der Philippinische Präsident Duterte ja mit drakonischen Strafen und martialischen Mitteln den Drogen und der Korruption hier im Land ja die Front bietet, war mir ja durchaus bewusst. Aber Rauchverbot im ganzen Land? Wie hat er den das durchgesetzt, bitte? Nur gut, dass sich in vielen Bereichen niemand daran hält, trotz der heftigen Strafen. Mit Zwischenstopp in der Hauptstadt in Manila, landete ich schließlich in Cebu, der zweitgrößten Stadt des Landes und damit im Herzen des Archipels. Die Einreise lief zügig und die Filipinos hießen mich herzlich willkommen. Auf beinen meiner Flüge wurde mir sogar ein Platz mit mehr Beinfreiheit angeboten, was ich natürlich dankend annahm. Mit über 7.000 Inseln haben die Philippinen sicher Unmengen an schönen Ecken, Menschen und Kulturen zu bieten… Ich bin gespannt was auch mich warten wird. Cebu an sich hat relativ wenig Attraktionen zu bieten. Es ist eine quirlige Stadt, die von supermodernen Einkaufshäusern mit Luxusmarken bis hin zu Slums, eine große Bandbreite an Menschen ein Zuhause bietet. Ein guter Ort für mich also, um mich mit dem Land und seinen Seelen vertraut zu machen. 

So bezog ich mein Hostel nahe des Zentrums und ließ die Stadt ein paar Tage auf mich wirken. Ich tauschte mich viel mit Reisenden und Einwohnern aus und schusterte so langsam meine Idee einer Reiseroute durch das Land zusammen. Der aus Frankreich stammende Tauchlehrer Guillaume war von großer Hilfe aber auch die lieben Menschen der Familie, die das Hostel betreibt und im Erdgeschoss wohnt, inspirierten mich und halfen mir sehr. Hin und wieder wurde ich sogar von der Familie zum Essen geladen. Und einmal kam sogar währenddessen ein „Krankenpfleger“ vorbei, der bei zwei Filipina und einem Filipino einen Zugang legte und mit einer Spritze etwas injizierte. „Eigentlich dient das Zeug zur Entgiftung, aber wir nutzten es eigentlich wegen der Nebenwirkung. Sie lässt die Haut heller erscheinen!“ Also dieser Wahn nach heller Haut ist wirklich verrückt. Überall in Asien gibt es tausende von „Weißmacher-Cremes“ und Schönheitssalon bzw. –Chirurgie. Ein gigantischer Markt! Aber bei mir bleibt da nicht viel als ein fassungsloses Kopfschütteln…

Hier in Cebu, schaute ich natürlich auch bei einer der großen Kathedralen an, die die Spanier während ihrer 300jährigen Kolonialzeit hier errichtet hatten. Sogar das erste Holzkreuz, dass die Spanier in die Philippinen gebracht haben sollen, sei hier ausgestellt. Und da kennen die Filipinos nichts: Religion, genau gesagt der Katholizismus, ist allgegenwärtig und wird von Jung und Alt gerne öffentlich praktiziert. Jede zweite Straßenecke beherbergt ein Gotteshaus mit blumenhaften Namen, eine farbenfrohe Statue eines Heiligen oder einen Einzelhändler für religiöse Artikel, bei dem man alles bekommt, was für die nächste Prozession wohl wichtig sein könnte. Sehr interessant. Die Filipinos sind überwiegend sehr stolz darauf, dass sie dem Christentum der Spanier angenommen haben und entgegen ihren Nachbarn (Indonesien, Taiwan etc.) dem Buddhismus oder gar Islam soweit die Stirn bieten konnten. Neben den Kirchen gibt es in Cebu nicht viel zu sehen. Die alte Festung ist überraschend klein und hat auch nur wenige Geschichten zu erzählen. Was einem natürlich stets in Auge springt, ist die brutale Armut der Einen und der enorme Reichtum der Anderen. Wie in Indien oder Indonesien kommt es schon einmal vor, dass ein zahnloses Kind, komplett nackt und mit verwuselten Haaren, an deinem Hosenbein zupft um um Geld oder Essen zu bitten, während direkt daneben ein junger Filipino in seinen Porsche 911 steigt und sein privater Sicherheitsmann die Straße vor ihm von Menschen, Straßenverkäufern und schließlich auch von dir selbst befreit. Richtig hart.

Leyte

Nach all meinen Recherchen und Gesprächen, entschied ich mich die Insel Cebu doch relativ früh wieder zu verlassen um mich in den kommenden drei Wochen in etwas weniger bekanntere Ecken des Philippinischen Osten in unbekannte Abenteuer zu stürzen. In naher Zukunft werde ich nochmals die Chance haben gemeinsam mit Suki ein paar der bekannteren und touristisch ausgebauten Traumorte zu besuchen. Deswegen geht es nun, solo, in die andere Richtung. Eine große Fähre brachte mich in der Nacht auf die Insel Leyte. Die Betten an Bord erinnerten mich leicht an die Situation in indischen Fernzügen, waren die Betten doch von ähnlicher Natur. So gemütlich es auch zu Beginn war, so wenig Schlaf konnte ich doch bekommen. Es war recht windig und die Filipinos an Bord hatten andere Pläne als schlafen. So befand sich eine Karaoke-Bar direkt neben meinem Bett. Doch ich konnte wenigstens etwas Ruhen. Gegen vier Uhr morgens erreichten wir dann die Insel Leyte. Noch vor Sonnenaufgang nahm ich einen der passierenden Vans bis an die Südspitze der Insel. Im Dorf Padre Burgos sprang ich dann ab und genoss den Sonnenaufgang an einem verlassenen und Palmengesäumten Strand. Von hier aus wollte ich mir eine Unterkunft für die nächsten paar Nächte erfragen. Padre Burgos ist bekannt für seine Lage an einer großen Bucht, die verschiedenste Meerestiere, darunter auch Wal-Haie, als natürliches Rückzugsgebiet nutzen. Zudem ist die Insel Leyte noch nicht vom Massentourismus betroffen, was natürlich sehr viel Vorteile bringt.

Die Menschen die hier leben sind per se freundlicher, man taucht in echtes, authentisches Leben und die Kultur der Einheimischen ein, denn die meisten sind nicht von deinem Besuch abhängig. Sie zeigen also echtes Interesse und Neugier dir gegenüber. Darauf freute ich mich. Und in der Tat, als ich so die Straße entlang der Küste entlanglief, hatte ich wundervolle Begegnungen. Auch wenn ein Teil hier kein Englisch spricht, konnten wir uns doch überraschend gut austauschen. Ob es sich hier um eine junge Dame handelt, die gerade ihre Morgendusche am Hüttenrand nahm, oder die 70jährige Oma, die ihre Hausziege an der Leine durch die Nachbarschaft führte, ich wurde von allen freundlich und mit Begeisterung empfangen. Doch hat diese Abgeschiedenheit vom Tourismus auch ihren Preis. Ich kloppte bei diversen Häusern, Gasthäusern und auch Tauchshops an um eine geeignete Unterkunft zu finden. Doch leider war fast alles bereits belegt. Nur ein paar Hotelzimmer – weit über meinem Budget – wären verfügbar. Das war natürlich sehr schade. So entschied ich mich nach einem kleinen Frühstück einen der berühmten, kreativ gestalteten Jeepneys zu nutzen um in die nahe gelegene Stadt zu gelangen. Diese Jeepneys sind überlebenswichtiger Bestandteil des Philippinischen Transportsystems und für mich als Besucher ein kleines Abenteuer für sich. Die bunt bemalten und mit den absurdesten Motiv-Kombinationen und/oder Texten lackiert, werden vom Großteil der Bevölkerung genutzt und voller Stolz den Touristen präsentiert. Einmal machte ich den Fehler und zog den Vergleich zu Thailändischen Songtheaws und Indischen Bussen ähnlicher Art und zog damit den Ärger meiner Philippinischen Freunde auf mich. Die Jeepneys seien Unikate und mit nichts in der Welt vergleichbar. Ein alleinstehendes Weltkulturerbe sozusagen… Na gut, dann soll es so sein.

In der Kleinstadt Maasin fand ich schließlich ein bezahlbares Hotelzimmer und konnte meine weitere Reise und meinen Aufenthalt etwas besser planen. Doch auch Maasin war leider keine optimale Lösung für mich. Der…sagen wir mal „polarisierende“… Präsident Duterte hat landesweit ein Rauchverbot auf offenen Plätzen eingerichtet. Jede Region entscheidet selbst in wie weit sie dieses Verbot verfolgt. So war das bisher auch kein Problem. Man raucht nicht an öffentlichen Einrichtungen und schon gar nicht an Schulen oder Monumenten. Versteht sich von selbst. Kein Problem. Man geht um die Ecke und raucht eben dort, wo auch die Einheimischen Rauchen. Doch Maasin hat für Süd-Leyte eine Null-Toleranz-Politik eingerichtet. Und die Einwohner sind auch sehr stolz darauf. So war es total schwer für mich geeignete Plätze zu finden. Erst ein paar Tage später fand ich einen netten Herrn, der in seinem Garten rauchte. Nur ein paar Gehminuten von meiner Unterkunft entfernt bot er mich an, dass ich – wann immer ich möchte – sein Haus und Grund zum Rauchen betreten darf. Er freute sich auch jedes Mal ungemein mich zu sehen. Doch generell war es wegen des Rauchverbots ungemütlich für mich hier in Süd-Leyte. Wenn sie wie in Singapur wenigstens ein paar Raucherzonen ausrufen würden, wäre es deutlich angenehmer gewesen. Aber na gut, ich richtige mich nach den Gepflogenheiten der Einwohner. So wird meine Anwesenheit hier kurz sein und ich war nach ein paar Nächten bereits Richtung Norden unterwegs.

Noch während ich in Maasin war, wurde ich Zeuge von einer großen Wahlveranstaltung. Der amtierende Senator kam mit ein paar seiner Kollegen in die Stadt und es war Chaos überall. Militär säumte die Straßen, Gassen wurden abgesperrt und Helikopter kreisten über unseren Köpfen. Sehr interessant das ganze Spektakel. Obwohl die unzähligen privaten oder parteifinanzierten Fahrzeuge mit Lautsprechern auf dem Dach, die Werbung für Kandidaten und Programme machten, mir irgendwann tierisch auf die Senkel gingen. In Cebu und Maasin konnte ich mich auch mit dem lokalen Essen auseinandersetzen. Ich persönlich finde einen deutlichen Unterschied zu den Gerichten der anderen Nationen in Südostasien. Deutlich ungesünder um es mal vorweg zu nehmen. Viel mehr Fleisch und massenweise Fett (Öl) werden zu verschiedenen Gerichten verarbeitet. Und dazu gibt es Reis. Sehr viel Reis! Das Essen schmeckt gut. Sehr gut. Etwas weniger gut als in den anderen Asiatischen Ländern vielleicht? Vielleicht erinnert es mich aber (abgesehen vom Reis) doch zu sehr an die deftigen Europäischen Gerichte? Ich weiß es nicht… Jedenfalls suchte ich mir für meine Mahlzeiten immer eine kleine „Eatery“ aus. Ein privat geführtes Restaurant am Straßenrand, mit ein paar wenigen Sitzgelegenheiten aber vielen verschiedenen, bereits vorbereiteten Gerichten. So wählte ich mir aus diversen Töpfen die Speisen aus, die mir gefielen, orderte noch 1-2 Portionen Reis dazu und stürzte mich ins Abenteuer. Immer wurde ich satt und konnte ein paar leckere oder komische neue Dinge probieren.

Grenzenlose Philippinische Gastfreundschaft

Per Internet war ich immer wieder mit meiner Bekannten „Abbz“ in Kontakt. Sie ist Filipina und selbst Rucksackreisende. Sie war ein Jahr lang in Südamerika unterwegs und bereitet sich gerade auf ihr nächstes Abenteuer vor. Abbz war also Beschäftigt, doch als sie hörte, dass ich im Osten des Landes unterwegs bin, setzte sie mich gleich mit ihrem Kumpel Jude in Kontakt. Und Jude, ohne zu wissen wer ich bin oder was ich mache, schrieb mir sofort zurück und bot an, dass ich bei ihm Wohnen könnte und er mir herzlich gerne seine Gegend zeigt. Was für ein Glück für mich. Ich zögerte natürlich nicht und machte mich dann also gleich auf den Weg zu ihm. Und wie viel Glück und welche Freundschaft mich bei Jude erwarten würde, damit hatte ich selbst in meinen kühnsten Träumen nicht gerechnet. Jude lebt in Legazpi. Einer Stadt an der Südspitze der Insel Luzon. Legazpi ist Hauptstadt der Bicol Region und zählt zu einer der „größeren“ Städte des Landes. So galt es für mich von Leyte über die Insel Samar und dann mit der Fähre weiter nach Luzon zu reisen. In einer anstrengenden Nacht, war dies dann aber auch gemeistert. Wir verabredeten uns an einer Tankstelle und Judes freundliches Lächeln wartete dort bereits auf mich, als ich das Jeepney verließ. Nun also soll meine schönste, abenteuerlichste, freundlichste, familiärste, aufregendste, lustigste und anstrengendste Zeit in den Philippinen beginnen…

Judes Familie kommt ursprünglich von der Insel Leyte und besitzt einen Mittelklassen-Werkzeughandel. Er selbst leitet die neue Niederlassung in Legazpi. Hier wohnt er über seinem Büro. Ich durfte bei ihm im Zimmer auf einem recht komfortablen Klappbett einziehen. Witzig, das es sich um einen Werkzeughandel handelt, wenn man bedenkt, dass ich ja jahrelang für die Würth Gruppe gearbeitet hatte. Doch damit hatte Jude nicht wirklich zu tun. Er lebt also als Teil-Inhaber dieses Geschäfts im gehobenen Mittelstand in den Philippinen. Damit hat er also sehr viel Glück gehabt und musste dafür auch schwer arbeiten. Und Jude ist ein überaus sozialer und großzügiger Mensch. Er unterstütz seine Angestellten und Freunde wo er nur kann und bringt sich auch enorm in die lokale Gemeinschaft ein. Aber dazu später mehr. Nach einem kleinen Schläfchen – ich war mal wieder vom Transport gerädert – gesellte ich mich zum gemeinsamen Mittagessen mit Jude, ein paar Freunden und den Angestellten. Eine herrliche und gastfreundliche Gemeinschaft hat mich hier mit offenen Armen, viel Liebe und Humor empfangen. Ich fühlte mich sofort wohl und war gespannt darauf, was mich in den nächsten Tagen hier erwarten wird. Jude meinte gleich, dass ich so lange bleiben kann wie ich mag und er wird mich dabei unterstützen hier eine gute Zeit zu haben… Er lud mich dann am Abend sogleich zu einem gemeinsamen Abendessen und eine Runde Halo-Halo ein. Halo-Halo ist etwas ganz Verrücktes! Wörtlich übersetzt bedeutet es „Mix-Mix“ und macht seinem Namen auch alle Ehre. Das Dessert bietet eine total bizarre Mischung, schmeckte mir aber überraschend gut. Hier wird zerschlagenes Eis mit bunter aromatisierter Gelatine, Mais, Eiscreme, Gummibärchen, Käse, Bohnen, Banane (oder andere Früchte) zusammengemischt und verspeist. Total verrückt!

Während des Abendessens konnte ich auch Judes Kumpel Richie besser kennen lernen. Richie ist ein total witziger und cooler Typ, der mich auf meinen kompletten Abenteuern in Legazpi begleiten wird. Naja…ehrlich gesagt hat Richie diese Abenteuer erst möglich gemacht. Irgendwie hatte wohl Jude Richie den Auftrag erteilt, mir eine gigantische Zeit zu liefern und ich musste ihm zeitweise die Stirn bieten und Dinge ablehnen, da es mir sonst zu viel des Guten geworden wäre. Die Jungs und Mädels hier waren zu großzügig und unternehmungslustig, dass es mir zeitweise fast unangenehm wurde. Die Menschen hier sind einfach der absolute Oberhammer. Was habe ich nur für ein Glück! Zu sehen gibt es hier wirklich einiges. Legazpi liegt am Fuße des wohl am perfektesten, stereotypischen Vulkans der Welt. Mit seiner idealen konischen Form thront der Vulkan „Mayon“, 2.463m hoch und alleinstehend, über der Stadt und der wundervollen Bucht an der Ostseite der Insel. Fast überall ist seine mächtige Präsenz zu erblicken und die Menschen hier in ständiger Gesellschaft mit dem lavaspeienden Riesen. Ja, er ist aktiv und stößt rund um die Uhr heiße Aschewolken in den Himmel. Wenn man Glück hat, kann man des Nachts auch Glühen und kleine Lavaflüsse erblicken. Kein Wunder ist der Vulkan auf halber Höhe gesperrt und die Umgebung in ständiger Warnbereitschaft. Ab und an gibt es Erdbeben, kleinere Ausbrüche, doch die Einheimischen haben gut gelernt damit umzugehen.

Trotz der unfassbaren Schönheit des Vulkans, ist Legazpi noch nicht auf dem Touristenradar gelandet. Zumindest noch nicht so sehr. Es gibt nur 2-3 kleine Hostels und Hotel in der Region und vor allem westliche Gesichter sieht man hier nicht so häufig. Doch gibt es neben dem Vulkan so viele weitere Dinge zu entdecken. Wir schlenderten die neu präparierte Promenade entlang und bestaunten das Gewusel und Getriebe als ein Fischerboot nach einwöchiger Tour beim Hochseefischen zurückkam. Hier aß ich auch mein erstes „Balot“. Eine Philippinische Delikatesse, die durchaus viele Zweifler hervorbringt und so manchen Besucher den Magen herumdreht. Es handelt sich um ein befruchtetes Hühnerei, welches noch ca. 15-18 Tagen gebrütet wird um dann erst abgekocht zu werden. Man ist also das Hühner-Embryo. Komplett mit Federn, Knochen, Eidotter und allem was sonst so dazu gehört. Mein Fazit: Es schmeckt wie Ei-Plus! Es ist besser als Ei und schmeckt hervorragend. Keine ekelhafte Konsistenz und der Geschmack ist top. Definitiv meins! Und in der Tat werde ich Balot noch so einige Male während meines Aufenthalts hier in den Philippinen verzehren. Ich genoss es hin und wieder durch die Stadt zu schlendern und hier legte ich mir auch eine neue Mütze zu. Die Alte hatte seit Nepal einen hervorragenden Job getan, doch wurde es wieder Zeit für eine Neue. Schön, einmal wieder „Shoppen“ gehen zu können. Immer wenn ich mir neue Ausrüstung zulegen darf ist es ein ganz besonderes Ereignis für mich.


Auf Abenteuer mit Abbz & Richie

Jude war natürlich schwer mit seinem Betrieb beschäftigt. Verständlich. Ich bot ständig meine Hilfe an, jedoch wurde diese stets freundlich abgelehnt. Richie, wie bereits erwähnt, kümmerte sich um mein Wohlergehen und führte mich durch die Gegend. So nahm er mich mit zu einem der bekannteren Aussichtspunkte auf dem Vulkan Mayon. Dieser ist aktiv und direkt hinter diesem Aussichtspunkt beginnt die Sperrzone. Einheimische bieten hier lokalen und internationalen Besuchern von Eisenwaren bis Bonsai-Bäumchen diverse Kleinigkeiten feil. Es ist einfach ein wunderschöner Berg, sehr beeindruckend! Über die ganze Zeit meines Aufenthaltes konnte ich mich nicht an seine massive Präsenz gewöhnen. Man biegt um ein Häusereck in der Stadt und „Boom!“ da ist er. Nach einer kurzen Zeit stoß dann auch unsere gemeinsame Bekannte Abbz zu uns. Sie war selbst auf ein paar kleineren Inseln unterwegs und kam nach Legazpi um mich endlich persönlich kennen zu lernen. Sie ist ein wunderbarer Mensch und stets auf der Suche nach neuen Abenteuern und interessanten Geschichten. Wir verstanden uns also auf Anhieb prächtig. So waren es nun also Abbz, Richie und ich, die gemeinsam durch die Dörfer, Felder und Wälder der Umgebung zogen.

Richie führte uns auf einer kleinen Wanderung durch den Dschungel auf dem Vulkan. Ohne ihn wären Abbz und ich auch total verloren gegangen. Doch nach einer der unzähligen Böschungen standen wir plötzlich vor einer Gruppe junger Menschen. Herzlich begrüßten sie ihren Kumpel Richie und auch uns. Die Gang war gerade dabei einen ihrer Downhill-Mountainbike-Trails zu präparieren und abzufahren. Richie selbst ist begeisterter Mountainbiker und baut seit Jahren bereits hier und dort Downhill-Pisten. Wir verfolgten gespannt das Treiben und genossen frisch gepflückte Kokosnüsse am Rande der Piste. Ein paar anerkennende Blicke erntete ich als ich diese dann mit ein paar gekonnten Macheten Hieben eigenhändig öffnete. Es ist eine sehr witzige und heterogene Truppe und auch das Mountainbiking an sich, weckte durchaus mein Interesse. Später, nachdem wir etwas weiter gewandert sind um einen weiteren faszinierenden Blick auf den Vulkan zu erhaschen, sprang ich dann auch über meinen inneren Schweinehund und sauste auf Richies Rad die Pfade hinab zur Straße. Natürlich eskortiert von zwei seiner erfahrenen Kumpels. Was ein Spaß! Es ist deutlich anstrengender aber auch witziger als ich erwartete. Und ich bin glücklich, das mich Richie es hier einmal versuchen ließ, obwohl er selbst durch den Dschungel den Berg hinabwandern musste. Was ein toller Typ! Nach diesem Abenteuer brachte er Abbz und mich noch zu seinem Haus am Meer, wo er uns einige seiner Kunstwerke zeigte. Er ist auch als Künstler und Bildhauer unterwegs und mit Sicherheit einer der interessantesten Menschen die ich auch meiner Reise kenne lernen durfte.


Später zogen wir dann weiter in das Ruinendorf von Cagsawa. Das Dorf wurde bei einem der größeren Eruptionen des Mayon, im Jahre 1814, von einer pyroklastischen Wolke erfasst und in Lava und Asche gehüllt. Lediglich ein paar Ruinen, darunter auch der Kirchturm, sind heute noch erhalten. Bei jeder weiteren Eruption des Vulkans, versinkt dieses historische Dorf immer weiter in den Auswürfen der Naturgewalt, ist damit Augenzeuge von diversen historischen Epochen und dient als dramatisches Beispiel von der zerstörerischen Wirkung der Natur. Hier überraschte uns dann Richie (im Auftrag von Jude) mit einem weiteren großartigen Erlebnis. Cagsawa war unser Startpunkt für eine ATV-Tour (All-Terrain-Vehicle). Mit diesen überraschen starken Maschinen ging es über Lava-, Geröll- & Reisfelder in Richtung des majestätischen Riesen. Was ein Spaß! Natürlich nicht die nachhaltigste Art der Fortbewegung, aber eine sehr spaßige! Total cool und enorm beeindruckend, was diese Maschinen doch alles an Hindernissen überqueren können. Ein einzigartiges Erlebnis, welches ich mir selbst wohl nie geleistet hätte. Herzlichen Dank Jude und Richie dafür!


Dank der großartigen Unterstützung, Großzügigkeit und Herzlichkeit aller hatte ich also in Legazpi eine außerordentlich positive Zeit. Jeden Tag stand irgendetwas Neues für mich auf dem Plan und in den vielen Gesprächen die ich mit so vielen neuen Menschen führen durfte, lernte ich enorm viel. Es ist eine wundervolle Dynamik in den Menschen, die Jude um sich versammelt hat und ich bin so glücklich ein Teil davon geworden zu sein. Eines Abends, Jude führte uns zu einem Street-Food Komplex neben dem Flughafen aus, lernte ich noch zwei ganz verrückte Kerle und Freunde der Gruppe kennen. Toni und Budz. Diese Zwei sind wahnsinnige Typen. Im positivsten Sinne. Alkoholiker, Sänger, Tänzer, Schwätzer, Philosophen, Surfer, Komiker, Politiker, Störenfriede, Querdenker und gute Freunde. Alles in einem irgendwie. Ihr werdet im nächsten Bericht mehr von Toni & Budz hören, das verspreche ich euch. 

 

Jude, Richie, Abbz, Toni & Budz teilten mir noch an dem Abend mit, dass ich für den nächsten Morgen lieber einmal meine Sachen zusammenpacke. Sie wollen mit mir für ein paar Tage raus aus der Stadt fahren. Irgendwie konnte (oder wollte) mir keiner genau sagen was passieren wird. Ich hörte nur heraus, dass es wohl etwas südwärts gehen wird, wir einen Roadtrip haben werden und Angeln eine große Rolle spielen wird. Was auch immer: Ich bin dabei!

 

Ich bin sehr gespannt auf diese „Fahrt ins Blaue“ und kann es kaum abwarten euch bald davon berichten zu dürfen. Wenn diese 5 Menschen auf Tour gehen, dann kann es nur außergewöhnlich werden, das verspreche ich euch!

 

 

Bis bald also meine Lieben. Ich melde mich bald wieder! Tschüdeldü! Euer Schilli



Funfacts

- Im Hostel in Cebu unterhielt ich mich lange mit einem Franzosen der gerade vom Arzt zurückkam. Arme und Beine in Bandagen gehüllt. Er hatte einen brutalen Roller-Crash und war komplett zerstört. Ein Auge funktioniert nicht mehr richtig und Gehen war auch nicht mehr drin… Doch er war zu geizig sich vor Ort behandeln zu lassen. Er wartet lieber ab…

- Nachdem mich der Bus in Padre Burgos noch vor dem Sonnenaufgang absetzte und ich am Strand abwartete bis die ersten Gasthäuser öffneten, sprach mich ein Herr mit Taschenlampe an. Die hiesige Nachbarschaftswache. Ein freundlicher Herr, der nur zu gerne Polizist wäre, checkte mich nur kurz aus, freute sich jemanden zum Quatschen zu haben und sprach mir ein paar Empfehlungen aus. Nett aber auch irgendwie gruselig.

- Als die Autofähre an der Insel Luzon festzurrte, sprangen Familien von Filipinos ins Wasser uns schwammen um die Fähre. Sie baten die Gäste auf der Fähre darum Münzen ins Wasser zu werfen und sie Tauchen dann danach. Eine einzigartige und unterhaltsame Form des Bettelns. Da bin ich dabei!

- Daran konnte ich mich in Legazpi nicht gewöhnen: Das Beten vor dem Essen.

- Richie lebt in einem kleinen Dorf namens Santo Domingo. Viele Philippinische Städte sind von den spanischen Kolonialisten in der 300-jährigen Besatzung gegründet bzw. umbenannt worden. Bei jenem Dorf hatte ich aber sofort einen Ohrwurm des gleichnamigen Deutschen Schlagers aus dem Jahre 1965 (Wanda Jackson). Vielen Dank an dieser Stelle an meine Mutter und SWR4.

- So spannend. Richie wurde als Experte zu einem Meeting geladen. Eine Gruppe hat ein Stück Land erworben um einen großen Downhill-Mountainbike-Park zu gestalten und öffentlich zu vermarkten. Richie soll bei der Konzeption mitwirken und den Bau koordinieren. So durfte auch ich als Neuling meinen Senf zur Konzeption eines Bike-Parks mit einbringen.



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