#71 | Hinter Schwedischen Gardinen in Indonesien | 980. Reisetag

Wahyu drückte mir also die Schlüssel zu seinem Zweirad in die Hand. Manuelle Gangschaltung mal wieder. Wird schon klappen. Am frühen Morgen machte ich mich dann alleine auf dem Weg um die umliegende Natur und Dörfer der Sonderverwaltungszone Yogyakarta zu besuchen. Meinen ersten Stopp machte ich in einem Kiefernwald auf einem Hügel. Überall waren kleinen Fotoecken für Touristen installiert. Daher kommen also die immer gleich aussehenden Bilder von den Instagram-Reise-Sternchen bzw. von denen, die es versuchen damit erfolgreich zu sein. Doch der Park war schön und das Klima perfekt. Auch ich besuchte das ein oder andere Baumhaus und schwang mich aber nach kurzer Zeit wieder auf den Roller. Es gibt so viel zu entdecken. Die zwei wohl berühmtesten Sehenswürdigkeiten der Region, lass ich auf dieser Reise außen vor. Horrende Eintrittspreise werden für einen Besuch der Tempel Prambanan oder Borobudur von ausländischen Touristen verlangt. Sie sind sicher schön anzusehen und erzählen interessante Geschichten, doch ein mehrfaches meines Reisebudgets für Eintritte zu investieren um dann in einer Masse von Menschen durch Hindu-Tempel oder Buddhistische Tempel zu landen, ist es mir auf dieser Reise nicht wert. In sechs Monaten Indien und diversen Monaten in Südasien konnte ich ausreichend Hindu- & Buddhistische Religionsstätten besuchen. Zudem gibt es massenweise Kulturstätten hier in der Region zu entdecken und da fokussiere ich mich lieber auf die zwar etwas weniger gigantischen, dafür aber fair gepreisten und weniger stark besuchten antiken Tempel.

Mein Weg führte mich über eine Hügelkette langsam in Richtung des gigantischen Vulkans Merapi. Von den kleinen Gipfeln erhaschte ich ausgezeichnete Vistas über Yogyakarta und die fantastische Natur. Ich stoppte an der Tempelanlage von Candi Ijo, ging auf individuelle Entdeckungstour durch dessen Ruinen und Rekonstruierten Tempel. Ein paar Kilometer weiter statte ich einem alten Steinbruch meinen Besuch ab. Der historische Tebing-Breksi Tagebau wurde bereits vor hundert Jahren stillgelegt, da der damalige Sultan Risiken für die Arbeiter und irreversible Zerstörung der Natur befürchtete. Lokale Künstlergruppen nutzen daraufhin die Möglichkeit, den Steinbruch mit traditionellen Motiven, Skulpturen und Gravuren aufzuwerten. So entstand im Laufe der Zeit eine weitere Touristenattraktion. Im Allgemeinen ist dieser Ort ganz cool, vor allem da man hier und dort im alten Steinbruch herumklettern kann. Bemerkenswert lächerlich jedoch sind die künstlichen Fotoecken, die auf dem Hauptfelsen eingerichtet wurden. Für ein paar Tausend Einheiten Indonesischer Rupiah, darf man das Fotomotiv betreten und sein Selfie schießen. Massenweise sind diese nebeneinander aufgereiht und haben mit der eigentlichen Attraktion überhaupt nichts zu tun. Das ist definitiv nichts für mich. Durch weitere Dörfer und an Reisfeldern vorbei, besuchte ich noch zwei weitere kleinere Tempelanlagen.


Warnstufe 1 - Ausbruch zu erwarten

An einem anderen Tag knöpfte ich mir dann den Vulkan Merapi vor. Merapi was wörtlich übersetzt ganz simpel „Feuerberg“ heißt, ist einer der aktivsten und gefährlichsten Vulkane der Welt. Mit seinen 2.914m thront er nur ein paar Kilometer von der Studentenstadt Yogyakarta entfernt. Und ich machte mich nun, noch vor der Morgendämmerung, mit Wahyus Roller auf den Weg dorthin. Es herrscht wieder erhöhte Warnstufe und ich war gespannt, wie nahe ich dem Krater wohl kommen kann. Quer über kleine Dörfer und von Palmen umringten Reisfeldern ging es auf ca. 1200 Höhenmeter. Dort kämpfte ich mich dann über wilde Schotterpisten durch dichter werdenden Wald. Eine andere Rollerfahrerin gesellte sich zu mir und wie sich heraus stellte ist sie Lehrerin in einer Dorfschule nicht weit entfernt. Sie half mir dabei die am einfachsten zu befahrenen Pfade zu nehmen und hieß mich erneut herzlich willkommen. Zudem bot sie mir an jederzeit, bei irgendwelchen Problemen oder Fragen in ihre Schule zu kommen, wo mich Hilfe und Unterstützung erwarten wird. Unglaublich gastfreundlich die lieben Leute hier! Von der Schule ging es dann weiter zu einem Aussichtspunkt. Ich hatte brutales Glück, denn noch während ich die Gegend erkundete und meine Fotos schoss, hüllte sich der Kegel und Gipfel des Vulkans in dichte Wolken.

Ich schaute noch einmal kurz bei der Dorfschule vorbei und fuhr dann mit meinem Zweirad über Schotterstraßen, die wohl gerade erst gebaut werden. Ich kämpfte mich an Straßen- und Brückenbaumaschinen durch ein kleines Tal und erreichte schließlich das Dorf, welches der Mündungen des Vulkans am nächsten ist. Beziehungsweise das, was von dem Dorf noch übrig ist. Bei der letzten großen Eruption wurde es von einer pyroklastischen Wolke vollkommen vernichtet. Häuser wurden bis zum Giebel in Asche, Schotter und Lava gehüllt. Dramatische Anschauungsstücke und Fotos erzählen heute in einem kleinen Dorfmuseum die katastrophale Geschichte dieses Ereignisses. Danach ging es für mich dann wieder bergab. Ich lernte viel über Vulkanismus generell, wie die indonesische Regierung damit umgeht und natürlich über Merapi selbst in einem Museum auf halbem zurück zur Stadt. Besonders interessant war die Sektion, wie die hiesigen Bewohner zum Verhalten im Ernstfall geschult werden. Viele Schulklassen diversen Alters wurden von Fachleuten instruiert, wie man im Falle der verschiedenen Warnstufen Vorkehrungen trifft und bei einer Eruption seine Überlebenschancen steigert. Denn natürlich sind die Ackerflächen und der Wald des Vulkans, die sich voll in der gefährdeten Zone befinden, Lebensgrundlage vieler Bewohner und seit Jahrhunderten Heimat und Zuhause für viele Menschen. Auch wenn die Regierung und Wissenschaftler hier gerne eine stetige Evakuierung installieren möchten, ist es leider nicht so einfach, ökonomisch fordernd und sozial/ethisch schwer vermittelbar, die Menschen umzusiedeln.


Träumereien

Bevor es zum Hostel zurückging, schaute ich noch im Nationalmonument Yogyas vorbei. Ein von außen recht attraktives Gebäude enttäuschte mich jedoch leider sehr. Ich konnte zwar über die Geschichte der Region und Unabhängigkeit Indonesiens lernen, aber die Ausstellung war minderwertig und verrückte Leuchtskulpturen aus Fantasiefiguren gepaart mit Panzern und Flak-Geschützen setzten das Ganze in eine surreal-lächerliche Szenerie. Naja, ein Versuch war es wert. Abends brachte uns Amy dann in ihr Dorf im Dschungel. Sie lebt zwar in ihrem Hostel in der Stadt, kommt aber ursprünglich aus einem kleinen, nativen Dorf im Dschungel. Dort leben noch ihre fünf Hunde und sie besitzt dort ein kleines Haus und Grund. Durch das grüne Dickicht fuhren wir tief in den Wald. Die Dämmerung brach leider über uns herein, doch war es außerordentlich schön auch noch diese Seite der Region kennen zu lernen. Gemeinsam mit Amy und Wahyu schwelgten wir in Träumen dieses Haus und Grund in eine Hostel für abenteuerliche Rucksacktouristen umzuwandeln. Doch fürs Erste soll es beim Träumen bleiben.

Nachdem wir bei Freunden vorbeischauten, die im Dschungel eine kleine Anlage für Hobbyangler betreiben (ein spannender Selbstbau aus einfachsten Mitteln), hielten wir überraschender Weise an einem Militärposten. Ein weiterer Freund, der offenbar Soldat ist, gesellte sich zu uns. Ich wurde als stolz den Freunden präsentiert und genoss dies auch irgendwie. Es bieten sich mir ungeahnte Erlebnisse und Dialoge. Sehr spannend. Wie aßen an einem kleinen, traditionellen Restaurant am Rande einer Straße. Auf einem Pappkarton saßen wir auf dem Boden unter dem Sternenhimmel und mir wurden diverse lokale Spezialitäten, wie Hühnerherz gereicht. Hier probierte ich auch zum ersten Mal Hühnerkopf. Also Hühnerfüße oder Innereien sind ja nichts Besonderes mehr, aber Kopf war durchaus eine neue Erfahrung für mich. Nicht unbedingt zu empfehlen… Zurück im Hostel spielte ich noch etwas Karten mit der Belegschaft und Sofia, einem Gast aus Österreich. Amy lud mich noch zum Abendessen ein und erzählte mir von ihrem Leben und den dramatischen Ereignissen als sie von einer Bekannten, mit der sie ein gemeinsames Geschäft eröffnet hatte, um Millionen-Milliarden Rupiah betrogen wurde. Sie versucht nun nach Australien auszuwandern, sobald das Hostel zu einem Selbstläufer geworden ist. Ich wünsche ihr alles Glück dabei, denn sie ist eine gute Seele. Am Morgen bestieg ich dann den Zug zu meiner nächsten Destination. Ich hätte hier locker noch ein paar Wochen verbringen können, denn Yogya hat immens viel zu bieten. Doch ich habe einen Termin. Suki wird Surabaya, im Osten Javas, einfliegen! Dort werden wir uns treffen und gemeinsam weiterreisen. Der Zug war hervorragend und ich muss wohl niemandem erzählen wie glücklich ich darüber war, dass der Zug mitten auf der Strecke hielt, sodass alle Passanten aussteigen und eine Raucherpause genießen durften. So geil, das habe ich auch noch nie erlebt!


Im Knast – Eingebuchtet im Niemandsland

In Surabaya angekommen stoppte ich einen lokalen Linienbus an einer Hauptstraße. Eine Passantin die ein wenig English sprach, half mir dabei. Sie verabschiedete sich mit einem freundlichen „Hati-Hati“ was so viel bedeutet wie „Obacht-Obacht“. Sie wünschte mir also eine sichere Weiterreise. Diesen Ausdruck hört man täglich im Austausch mit den Bewohnern hier. Sehr angenehm. Der Bus brachte mich zum großen Busbahnhof am Rande der Großstadt. Hier checkte ich bereits die Optionen für Suki und meine Weitereise zu den großen Vulkanen und Naturparks im Osten Javas aus. Dann sprach ich mit mehreren Hoteliers um eine Unterkunft für uns zu finden. Suki landet sehr spät, kurz bevor Mitternacht. So kümmerte ich mich eben schon mal um alles. Ein paar der Rezeptionisten verwies mich freundlich darauf, dass sie keine unverheirateten Personen verschiedenen Geschlechts beherbergen dürfen. Ein Ding, mi dem man sich in muslimisch-konservativen Ländern gerne einmal auseinandersetzen muss. Doch ich fand schließlich ein sehr gutes und relativ preisintensives Hotel. Da Suki spät anreist besorgte ich auch gleich ein Abendessen, Willkommens-Getränk und Snacks für sie. Es war also alles bestens vorbereitet. Kurz vor ihrer Landung hüpfte ich auf den Sozius eines Motorradtaxis, dass mich fußläufig zum Flughafen absetzte. So erwartete ich also ihre Landung. Bis hier hin lief alles glatt. Und dann nicht mehr…

Ich sah viele Menschen aus dem Ankunftsbereich strömen und Suki sollte jeden Moment auftauchen. Doch das tat sie nicht. Ich wartete weiter und schließlich erhielt ich Nachricht von ihr. Sie ist bei der Einreise stecken geblieben. Die Grenzbeamten sind sich über die Formalitäten ihrer Einreise unsicher und halten sie erst einmal fest. So ein Mist. Ich machte mich auch sofort auf intensive Recherche. Es ist wie folgt. Suki hat zwei Reisepässe. Einen aus Hong Kong und einen Britischen, da Hong Kong während ihrer Lebzeiten eben noch Britische Kolonie war. Menschen die mit einem Reisepass aus Hong Kong einreisen, bekommen 30 Tage visumfreien Aufenthalt in Indonesien. Das gleiche gilt für Menschen mit Britischem Reisepass. Dies nahmen wir also als Bestätigung für eine Einreise an. Falsch Gedacht. Wie sich heraus stellte ist Indonesien das einzige Land, welches einen Unterschied macht, dass in ihrem Britischen Pass die Nationalität „British Citizen Overseas (Hong Kong)“ vermerkt ist. Dieser bürokratische Unsinn führt dann eben dazu, dass von den Behörden vor Ort keine Visafreiheit ausgesprochen werden kann. Und blöder Weise hatte Suki ihren Hong Kong Pass nicht dabei. Wer nimmt auf eine zweiwöchige Reise schon zwei Reisepässe mit. So war Suki also hinter den Kulissen der Immigrationsbehörde gefangen und ich stand auf der anderen Seite. Ich war wohl schneller mit meiner Recherche als die Behörden, denn es dauerte noch eine ganze Weile bis Suki mir das erfolglose Ergebnis per Textnachricht mitteilte. Sie war natürlich total aufgelöst. Was für eine Misere!

Doch für mich ward noch nicht der Moment für ergebnislose Emotionen. Ich wechselte in den Organisations-Modus und bat Suki mich mit ihr und den Behörden in Kontakt zu bringen. Dies geschah dann auch. Ich konnte Suki erst etwas trösten und begab mich dann auf Lösungssuche mit Grenzbeamten, Sicherheitsbeamten des Flughafens, Zoll und Airline. Auch stimmte ich mich mit Suki ab, dass wir vorsichtig und ergebnisorientiert mit unseren Aussagen sind. Die Behörden waren alle sehr freundlich und fühlten sogar Mitleid schätze ich. Diese beknackte Regelung war für alle Beteiligten neu und jeder wollte nur seinen Job korrekt erfüllen. Von meiner Zeit im internationalem Veranstaltungsmanagement konnte ich nun wieder enorm profitieren. So lernte ich während meiner Zeit in der Gästebetreuung und Logistik wesentliche Richtlinien und Rechte, die ich nun mit freundlichem Druck und Verständnis einfordern konnte. Wie fast immer im Leben erreicht man viel mehr, wenn man mit Freundlichkeit und Empathie im direkten Kontakt mit Menschen Probleme lösen will. Einen etwas strengeren Ton und Verweise auf internationale Fahrgastrechte musste ich dann mit der Airline ansetzen. Wird einem Passagier die Einreise verweigert so trägt nämlich die Airline die Verantwortung und muss den Passagier kostenfrei zu seinem Ursprungsland zurückbefördern. Während alle Beteiligten das weitere Vorgehen in ihren Abteilungen ermittelten, nutze ich die Gelegenheit mich mit meinen Freunden in Kuala Lumpur, wo Suki einen Zwischenstopp hatte, in Verbindung zu setzen. Wir versuchten ihren Rückflug auf Kuala Lumpur zu begrenzen. Dort könnten wir den anderen Reisepass per Expressversand hinsenden und einen neuen günstigen Flug nach Indonesien buchen. Meine großartigen Freunde in Malaysien boten auch hervorragende Hilfe dabei an.

Doch daraus wurde leider nichts. Wir konnten jedoch Flugtickets noch in derselben Nacht zurück nach Hong Kong bekommen. Die Lösung war also gefunden. Suki fliegt nach sechs Stunden Aufenthalt also nach Hong Kong zurück. Dort wird sie am Flughafen den anderen Pass erhalten und wir buchten noch in dieser Nacht die weiteren Flüge zurück nach Indonesien. Da das ganze Procedere natürlich unsere Planung durcheinanderwarf, einigten wir uns darauf den Osten Javas zu überspringen und uns einen Tag später auf der indonesischen Insel Bali zu treffen. So galt es für mich also am nächsten Tag einen Langstrecken-Bus nach Bali zu besorgen. Was ein logistisches Meisterwerk! Das Ganze nahm natürlich einige Stunden in Anspruch bis alles geregelt war. Viele Optionen mussten ab gewägt und recherchiert und mit allen Beteiligten (hier und Übersee) abgesprochen werden. Ich lief auch Hochtouren und bin auch etwas stolz darauf um ehrlich zu sein. Die Grenz- & Sicherheitsbeamten waren großzügiger Weise dazu bereit mich bis zu Sukis Ausreise an ihrer Seite zu lassen. Sobald alles geklärt war führten sie uns zu den Gefängniszellen. Hier sollen wir warten. Die Türen wurden nicht verschlossen, jedoch wurde ein Wächter für uns abgestellt. Ein wirklich komisches Gefühl sage ich euch! Doch wir konnten etwas Ruhen und ich bin froh, dass ich an ihrer Seite sein konnte und niemand alleine die besondere Situation durchstehen musste. Später brachten uns die Behörden sogar noch eine warme Mahlzeit und ausreichend Trinkwasser. Wir wurden also relativ gut versorgt und ich bin glücklich und dankbar über das Verhalten und Verständnis der örtlichen Behörden.

Kurz vor 5 Uhr morgens begleiteten dann zwei Sicherheitsbeamte, ein Angestellter der Airline und ich Suki zum Check-In. Dort verabschiedete ich mich von ihr und verließ den Flughafen. Was ein Abenteuer! Ich war körperlich, emotional und durch Müdigkeit erschöpft. So schaffte ich nur eine Runde Preisverhandlungen mit dem Taxifahrer und war froh bald wieder im Hotel zu sein… Wo noch alles für ein großes Wiedersehen vorbereitet war. Ich konnte mir ein ironisches Lächeln nicht verkneifen bevor ich todmüde ins Bett viel. Natürlich verpasste ich das großartige Hotelfrühstück und schaffte es nur knapp, nach 4 Stunden Schlaf, die Check-Out Zeit einzuhalten. Wenigsten konnte ich dann das Willkommensessen, das für Suki gedacht war, als mein Frühstück verwerten. Dann machte ich mich auf um meine Reise nach Bali zu organisieren. Hier entschied ich mich schließlich für eine mehr komfortable Variante. An jenem Tag stritt ich nicht um 20 Euro hin oder her. In der Lobby des Hotels überbrückte ich die Wartezeit bis zur Abfahrt und saß schließlich im Van der mich über Nacht nach Bali bringen wird. Los geht’s!

BALI

Die Fahrt nach Bali war relativ angenehm. Wie immer, konnte ich aber nicht viel Schlaf finden. Der Fahrer mit dem ich mich schnell anfreundete war aber sehr cool und die Zeit verflog relativ fix. Die Fähre brachte setzte uns dann irgendwann auf die andere Insel über und während wir durch die wunderschöne Natur und an beeindruckenden Vulkanen vorbeifuhren, ging auch schon langsam die Sonne auf. Obwohl eigentlich nicht inbegriffen, fuhr mich der Fahrer direkt an den Flughafen. Ich war bereits wieder mit Suki in Kontakt. Denn sie ist nach 50 Stunden und 6 verschiedenen Flügen nur ein paar Minuten vor mir am Flughafen in Bali gelandet und erfolgreich in Indonesien eingereist. So konnten wir uns also direkt wieder Treffen und die ganze Misere hat uns im Endeffekt nur unter 100 Euro, eineinhalb Reisetage, Schlaf und viel Aufregung gekostet. Ein vergleichsweise niedriger und akzeptabler Preis. Das wird Suki sicher nicht noch einmal passieren. Mir ebenso. Total motiviert und glücklich, dass alles so gut ausgegangen ist winkten wir die penetranten Taxifahrer ab, die uns weismachen wollten, dass es hier keinen Fußweg aus dem Flughafen herausgäbe. Natürlich gab es ihn und wir fanden ihn auch ohne Probleme. Ich buchte uns ein Online-Taxi, welches auf dem Flughafenareal nicht gestattet wird und ein freundlicher und fließen Englisch sprechender junger Fahrer brachte uns zu unserem Gasthaus im Süden der Insel, namentlich Uluwatu. Das Gasthaus war eher enttäuschend, doch wir waren so erschöpft, dass für uns beide erst einmal ein langer Mittagsschlaf von Nöten war.

Wir fühlten uns wie neue Menschen nachdem wir endlich unseren Schlaf bekamen. Nun konnten wir uns also endlich daran machen die Insel zu erkunden. Der Süden, Uluwatu, ist Surfer Paradies und bekannt für seine wunderschöne Steilküste. Wir genossen also unseren ersten Abend am Rande einer Klippe und aßen Fleischbällchen. Bali ist wie zu erwarten deutlich teurer als Java. Klar, Bali gehört weltweit zu einem der beliebtesten Reiseziele. In Uluwatu kommt man ohne fahrenden Untersatz leider nicht weit. Die Attraktionen sind relativ weit voneinander entfernt. So mieteten wir uns also einen Motorroller. Taxis sind hier übrigens nicht bezahlbar. Die Taxi-Mafia hat ganze Regionen in Bali für sich beansprucht und hat überall Warnschilder aufgestellt das Online-Taxis (a la Uber) nicht geduldet werden. Die hiesigen Taxifahrer stellen auch Wachen auf und alles. Und deren Preise sind natürlich ein Mehrfaches des Normalpreises. Sehr krass. Doch mit Roller war es hervorragend. Natürlich trafen wir auf dem Weg auch auf viele der großen 5-Sterne-Hotelresorts die hier überall anzutreffen sind. Hier und dort wanderten wir Klippen entlang oder stiegen hinab zu den Stränden. Bali enttäuscht nicht! Und wir sind gerade erst angekommen! Es ist wunderschön hier. Es stand direkt eines der berühmtesten Attraktionen Balis auf dem Plan. Der Uluwatu Tempel am Rande einer Klippe. Wir versuchten auf einem längeren Wanderweg den Erwerb von Tickets zu umgehen, wurden dann aber schnell von einem hiesigen Ranger gestoppt und zum offiziellen Eingang geschickt. Er meinte es wäre zu gefährlich hier zu wandern…aufgrund der Affen. Naja…vielleicht hat er Recht, vielleicht auch nicht. So bezahlten wir eben brav unsere Tickets, warfen uns in die vorgeschriebenen Tücher und folgten dem Touristenpfad zu den Klippen.

Wow! Das ist wirklich beeindruckend! Wunderschön wie das Meer tief unter uns auf die Felsen prescht und der Tempel auf einer kleinen Anhöhe, etwas ausgesetzt, auf den Klippen thront. Der perfekte Moment also um meine Neuanschaffung, die von euch mitfinanzierte Actionkamera zu testen. Wir verbrachten eine ganze Zeit in der Tempelanlage und dessen Gärten. Wir konnten vom Ausblick einfach nicht genug bekommen. Doch irgendwann ging es auch für uns weiter. Wir stoppten an vielen kleinen schönen Ecken wie einer Paragliding-Startbahn oder einem verlassenen Flugzeug, welches als Fotomotiv in einem ehemaligen Steinbruch geparkt wurde. Dort trafen wir auf einen Deutschen, der hier auf Bali lebt und als Fotograf vor allem Instagram-Models in den Luxushotels fotografiert. Ein sehr interessanter Typ. Er empfahl uns noch ein paar andere coole Orte und Sehenswürdigkeiten. Wir besuchten einen Park, bei dem wir die Gewalt der Wellen hautnah erleben konnten. Bis sechs Meter hoch wird das Wasser hier bei normalem Wellengang durch natürliche Kanäle und Riffe in die Luft geschossen. Als sich die Sonne wieder langsam senkte, gönnten wir uns ein Bier an einem der beliebten Bars mit fantastischem Ausblick über die Steilfelsen und das Meer. Wunderschön. Hier trank ich nach langer Zeit auch mal wieder mein erstes Bier. Das letzte hatte ich glaube ich vor knapp einem Monat in Jakarta.


Am nächsten Morgen wollten wir dann weiter ins Inselinnere ziehen. Doch Transportmittel zu organisieren war wirklich schwer. Bei der Taximafia war unter 800 Geldeinheiten nichts zu holen. Doch wir wollten uns das wirklich nicht leisten. So wanderten wir eben umher um eine etwas größere Straße zu erreichen und versuchte online mein Glück. Widererwarten meldete sich tatsächlich ein Online-Taxi und nach etwas Smalltalk, um zu prüfen ob meine Anfrage legitim und keine Fake-Anfrage von der Taximafia ist, gab er uns genaue Instruktionen wo und wie wir ihn treffen können. Er fuhr zu uns und wir sollten so tun als wäre er unser Privatfahrer für den kompletten Urlaubsaufenthalt. Gesagt getan. Wir taten so als würden wir uns schon ewig kennen und später im Taxi klärte er uns dann genau auf was es mit der Taximafia so auf sich hat. Sehr interessant. Am Ende zahlten wir ihm 250 Geldeinheiten. Ein guter Deal für alle Beteiligten. Man muss halt nur clever sein und sein Glück versuchen… Als nächste Station wartet die Hügellandschaft und Vor-Vulkanregion um Ubud auf uns. Jeder Reisefotograf, Hobbyinstagramer oder auch stinknormale Reisende besuchen diese Region, welche für seine atemberaubende Schönheit des Dschungels bekannt ist. Das wollen wir uns auch nicht nehmen lassen.

Zum Glück verlief der Transfer nach Ubud überraschend zügig. Es stehen große Feiertage an in Bali. So sind viele Balinesen bereits zurück in ihre Dörfer gefahren um sich vorzubereiten und bei der Familie zu sein. Das hiesige Neujahrsfest ist nur ein paar Tage entfernt und wir werden dieses quirlige und faszinierende Fest zum Neujahr und Gedenken der Ahnen direkt aus seinem Herzen erleben. Es wird spannend und sicher einiges auf uns zu kommen.

 

Ich freue mich sehr darauf euch in meinem nächsten Bericht davon erzählen zu können. Meine Kameras sind schussbereit und die Feder will geschwungen werden. Wir hören also bald wieder voneinander hoffe ich. Bis dahin dir alles Gute und einen wundervollen Frühling!

 

Dein Schilli


Funfacts

- In Yogya verließ meine Mitbewohnerin Sofia sehr früh das Hostel um von einem Privatfahrer abgeholt zu werden. Leider war zu der Zeit noch alle Türen und Tore fest mit Eisenstangen verriegelt. Nach einigen Versuchen kletterte sie dann aus dem Innenhof über das Dach zur Straße. Die hält so leicht nichts auf. Mir ging es am Tag zuvor ähnlich. Aber ich klingelte einfach die Hotelbesitzerin raus und ließ mir aufschließen. Wer es nicht im Kopf hat, hat es in den Beinen sagt man doch….oder wie war das?

- Als wir durch den Dschungel zu Amys Haus fuhren, blieb das Auto stecken. Ein Rad hing komplett in der Luft. Ein neues Projekt! So bastelte ich aus getrockneten Bananenblättern, Kokospalmen und Bambus eine Konstruktion und schwupps waren wir wieder unterwegs.

- Ich hatte mich gerade zum Mittagsschlaf hingelegt, da weckte mich Amy. Aufgebracht teilte sie mir in ihrem gebrochenen Englisch mit, dass wir sofort aufbrechen sollten um Wahyu zu sehen (Er war gerade zur Schule). Panisch fragte ich was los sei, doch sie konnte mir nicht antworten. Ich hielt es für eine Art Notfall… ich packte meinen Erste-Hilfe Beutel und Werkzeug ein und ich folgte ihr… So verwirrend. Am Ende stellte sich heraus, dass sie lediglich Wahyus Schule einmal besuchen wollte und sie dachte, dass ich daran eventuell auch Interesse haben könnte. Nur mal so vorbei gucken! Es war lieb gemeint, aber mir hat es Nerven und den Mittagsschlaf gekostet. Sowas passiert eben, wenn Kulturen aufeinandertreffen sich nur wenig spezifisch kommunizieren können. Ein herrliches Missverständnis.

- Eines Morgens im Gästehaus in Uluwatu freuten sich Suki und ich auf ein leckeres Frühstück. Wir fragten nach der Speisekarte und diese wurde uns auch ausgehändigt. Als wir bestellen wollten signalisierte man uns aber, dass plötzlich kein Frühstück oder gar andere Speisen angeboten werden. Grundlos. Danke auch! So kauften wir uns wir uns für den nächsten Tag unser eigenes Frühstück. Was auch nach hinten los ging. Eine ekelhaftere Schinkenwurst habe ich noch nie gekostet. Mit Frühstück hatten wir also soweit kein Glück in Bali.



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