#68 | Neue Freunde in schnellen Autos | 944. Reisetag

Mein Französischer Freund Adi wurde von den Grenzbeamten zurückgehalten. Kurz nachdem wir die Grenze zu Malaysien überquert hatten und erste Malay-Luft schnuppern durften, hatte Adi eigentlich vor den Weg zurück nach Thailand zu gehen. Ein klassischer Visa-Run eben. So kann er weitere 30 Tage Aufenthalt in Thailand ergattern. Doch der Schuss ging nach hinten los. Laut neuen Regelungen muss er mindestens eine Nacht in Malaysien verbracht haben, bevor Thailand ihn wiederaufnimmt. Ich wartete derzeit auf meinen Zug, der mich etwas weiter südlich, in die Hafenstadt Butterworth bringen soll. Der Zug war überraschend günstig und sehr modern und neu war. Die Malay nahen mich herzlich auf. Diverse Male wurde ich angesprochen, es wurde kurz gescherzt und ich wurde freundlich willkommen geheißen. Adi blieb in der Nähe der Grenze und ich erreichte Butterworth mit dem Elektrozug bereits nach ein paar Stunden. Von hier aus setzte ich auf die Insel Penang. Hier befindet sich Georgetown, die Hauptstadt der Briten während der Kolonialzeit und heutzutage eines der Anziehungspunkte für Touristen und Geschichtsliebhaber. Ich bewunderte den faszinierenden Mix aus Überresten des Commonwealth, Indischen- sowie Chinesischen Einflüssen und natürlich der einheimischen Kultur der Malay. Ein sehr interessanter Schmelztiegel in welchen Kirchen, Tempel und Moscheen friedlich und kompromissbereit koexistieren. So erscheint es mir zumindest. 

Penang

Leider verpasste ich knapp die Ladenschlusszeiten der Geldwechselstuben, die noch akzeptable Wechselkurse anbieten. So musste dies erst einmal warten. Ich begutachtete diverse Straßengemälde und leistete mir bereits die ein oder andere kulinarische Exkursion an Street Food. Dann schnürte ich meine Schuhe und legte einen Zahn zu. Zu Fuß werde ich Georgetown verlassen und durch die Stadt in Richtung Westen wandern. Denn ich hatte bereits eine Verabredung! Unterwegs am Fährhafen, an McDonald´s die ich passierte oder mit freundlicher Unterstützung von Passanten nahm ich immer wieder Kontakt zu meinen Freunden Jaylynn und Jackie auf. Wie der Zufall so wollte waren sie gerade geschäftlich in Penang unterwegs und sie hatten eine AirBnB Wohnung für uns klargemacht. Da die zwei jedoch erst kurz vor Mitternacht eintreffen werden, ich also Zeit totschlagen musste, entschied ich die 11 Kilometer zur Wohnung zu laufen. Und so tat ich es. Ich passierte diverse Wohnsiedlungen und Industriegebiete. So konnte ich schnell eine Übersicht über das Leben auf Penang erhaschen und mich mit der Umgebung vertraut machen. Am Ziel angekommen hielt ich ein Schwätzchen mit dem Besitzer eines kleinen Lebensmittelladens. Ein großartiger Kerl. Generell war ich sehr erfreut darüber, wie viele Leute hier doch Englisch sprechen. Wesentlich mehr und besser als es noch in Thailand der Fall war. Der knapp 60-jährige Mann, der früher im Internationalen Handel tätig war und sogar bereits in Deutschland gearbeitet hatte, war hier natürlich auch keine Ausnahme.

Nach einer kurzen Verwirrung, wo die Unterkunft nun genau war, fragte ich schließlich einen Sicherheitsmann, der die Zufahrt zu einer Wohnsiedlung bewachte, ob ich kurz sein Telefon benutzen könnte um meine Freunde zu erreichen. Als es am anderen Ende klingelte, fuhr plötzlich ein weißer BMW M5 an und Jackie & Jaylynn winkten heraus. Was ein Timing wieder mal. Und was ein AUTO! Holla die Waldfee. Doch damit nicht genug, wie sich herausstellte, hatten die Beiden ein Zimmer in einer der Villen hier in der Wohnsiedlung gemietet. Mit dem Lebensstandard hatte ich so gar nicht gerechnet. Wunderbar und sogar ganz gut finanzierbar. Trotz des gehobenen Lebensstandards der Beiden, sind sie dennoch Pfennigfuchser und zumindest für die Zeit die wir gemeinsam verbrachten, legten sie sehr großen Wert darauf, dass ich im Budget bleibe und umsorgten mich sehr fürsorglich. Ein tolles Team die Zwei! Wir verbrachten drei Tage in Penang, besuchten die Altstadt, einen Tempel mit brachialer Aussicht auf die Insel und gigantischer Statue und sie halfen mir dabei eine Sim-Karte sowie Bargeld zu besorgen. Auch besuchten wir die schwimmenden Dörfer. Hier teilen sich etliche Generationen einer Familie einen Steg der weit ins Wasser hinein reicht. Links und rechts davon hat die Familie diverse Wohneinheiten, Shops und sogar Tempel eingerichtet. Zurück am Festland, kann man dann den Steg der Nachbarfamilie erkunden und so weiter und so fort… Richtig cool. Natürlich ist dies eine der Top Destinationen der Insel und so war es teilweise richtig eng auf den Familien-Stegen.

Natürlich zeigten und servierten mir die Zwei auch allerlei lokale Spezialitäten und beantworteten mir jede Frage, die mir zu Malaysien und das Leben hier, auf der Zunge brannte. Eine wahnsinnig große Chance für mich und unglaubliches Glück, dass ich hier direkt diesen engen Kontakt knüpfen konnte! Die zwei kommen ursprünglich aus dem Bundesstaat Kelantan im Nordwesten des Landes. Dort leben auch ihre drei Kinder. Aus geschäftlichen Gründen verbringen sie viel Zeit in der Hauptstadt Kuala Lumpur und haben sich deswegen auch hier ein Apartment zugelegt. Jackie & Jaylynn sind sehr erfolgreich im Multi-Level-Marketing und Verkauf der amerikanischen Gesundheits- und Beauty-Linie „Nu Skin“. Ein System à la Avon oder Lifeplus, wer davon schon einmal gehört hat. Dieses Schneeball- oder Pyramidensystem, in welcher alle Mitglieder als Selbstständige Vertriebler arbeiten polarisiert die Gesellschaft und Gesetzgeber weltweit, doch ich als Beobachter verfolgte die Arbeit der Zwei mit großer Neugier und Interesse. Sie scheinen recht erfolgreich zu sein haben ihr Team für sich arbeiten, immer auf der Suche dieses mit neue begeisterte Menschen zu vergrößern. So liegt ihr Fokus weniger auf dem Verkauf der Produkte, eher auf die Generierung und Rekrutierung neuer Teammitglieder. Faszinierend. So nahmen sie mich auch mit zu dem Nu Skin Büro in Penang, wo ich diversen Motivationsvorträgen lauschen durfte (Ich habe natürlich kein Wort verstanden) und Nu Skin näher kennen lernen durfte. Auch einem umfassenden Gesundheitstest hat mich Jaylynn freundlicherweise unterzogen. Ich habe – natürlich – miserabel abgeschnitten…

Gebirge, Tee & Politik

Jackie & Jaylynn verstanden uns so gut und die zwei haben mich wirklich herzlich aufgenommen. So entschied ich erst ein Zwischenziel auszulassen und mit den Beiden nach Kuala Lumpur weiter zu ziehen, nur um dann mitzubekommen, dass die Zwei ihre Pläne geändert hatten um mich zu eben jenem Ziel zu fahren und die Zeit mit mir dort gemeinsam verbringen wollen. Was für ein krasses Glück habe ich bitte, so unglaublich großzügige Menschen meine Freunde nennen zu dürfen? Ich fasse es nicht! So verließen wir, nachdem wir Jaylynns Bruder und ihre kleine Nichte besucht hatten, zurück aufs Festland in Richtung der Berge! Die sogenannten Cameron Highlands, wieder einmal ein Farmland und Rückzugsort englischer Imperialisten die dem heißen Wetter entfliehen wollten, inmitten der Berge. Penang ist durch zwei riesige Brücken mit dem Festland verbunden und so preschten wir mit dem Sportwagen über die hervorragenden Autobahnen des Landes. Ein paar Stunden zuvor, so erfuhren wir kurz darauf, gab es einen heftigen Unfall auf einer der Brücken, wo ein junger Mann mitsamt Auto über die Fahrbahnbegrenzungen hinweg in die starke Strömung der See katapultiert wurde. Echt erschreckend…es war überall in den Nachrichten. Wir jedoch schossen im M5 die Serpentinen in das Hochland hinauf.

Kurz vor dem Ziel wurde unsere Fahrt dann bedeutend langsamer. Am Straßenrand säumten sich Fahnen und Flaggen, die für die kommende Regionalwahlen für eine der zwei großen Parteien werben. Auch führt es die Tage hochrangige Politiker in die Region um für ihre Kandidaten zu werben. Erst vor kurzem wurde national die langjährige alte Regierung abgewählt. Die neue jedoch, hat bisher für großen Ärger gesorgt und der Ton in den politischen Lagern, auch regional, wurde deutlich schärfer. Echt spannend, die politischen Geschehnisse in Malaysien zu verfolgen. Der Sultan übrigens, hat in dieser konstitutionellen Monarchie– analog zu England oder Schweden – nur noch repräsentative Aufgaben. Anders als der König in Thailand oder der Sultan in einigen Regionen von Indonesien. So standen wir in einigen Staus, die aufgrund Straßensperren für Politiker-Konvois entstanden sind bevor wir unser Ziel anfahren konnten. Auch mussten wir einmal für eine Parade stoppen. An jenem Tag fand ein großes Hindu Festival statt. Beim Thaipusam, huldigen gläubige Tamil-Hindus der Geburt des Shiva-Sohnes Murugan und dessen Sieg gegen den Dämonen Soorapadman. Die Parade zog an uns vorbei und sobald die singenden und festlich gekleideten Tamil vorbei waren, konnten auch wir zum Hotel einfahren.

Das Hochland von Cameron besticht durch fruchtbare Böden und Klima, das die Früchte der Natur nur so sprießen lässt. Besonders beliebt ist der hiesige Tee und Kaffee. Doch auch Erdbeeren und viele weitere Früchte werden hier in gigantischen Farmen hochgezogen. Im Laufe der Zeit hat sich Cameron auch eben deswegen zur großen Touristenattraktion entwickelt. Die angenehmen Temperaturen locken lokale, wie auch internationale Touristen an. So gut wie jede Farm bietet Erdbeerensammeln oder Teeverköstigungen an. Diverse Attraktionen wurden kurzerhand aus dem Boden gestampft und es entstanden viele kleine Dörfer mit Gasthäusern und Hotels. Jaylynn, Jackie und ich besuchten ein paar davon, wenn das Wetter es zuließ ergatterten wir wunderschöne Aussichten auf die bestellte Natur und wir schlenderten natürlich auch über den ein oder anderen Bauernmarkt. Auf dem Nachtmarkt gönnten wir uns auch einen gemeinsamen Hotpot mit lokalen Spezialitäten. Hier wird dieser – aufgrund seines ausgefallenen und wie ich finde witzigen Aufbaus – treffend als Steamboat, also Dampfschiff, genannt.


Genting Highlands

Doch das Wetter in Cameron war nun nicht das Beste und so fuhren wir bald in die Hauptstadt des Landes. Ich verbrachte dort eine Nacht bei Jackie und Jaylynn. Dort konnte ich auch kurz ihren kleinen Bruder kennen lernen, der gerade auf dem Sprung zu einem Geschäftsmeeting in Vietnam war. Von Kuala Lumpur berichte ich euch später, denn die Beiden hatten für den nächsten Tag direkt eine Überraschung und Ausflug für uns geplant. Es ging in ein weiteres Hochland, nahe Kuala Lumpurs. Auf dem Weg gabelten wir Paul, einen Freund und Malayen indischer Herkunft auf, der uns begleiten wird. Ich hatte keine Ahnung was uns erwarten wird, ich wusste lediglich, dass es in die Genting Highlands ging. Der M5 schoss die Serpentinen auf über 2.000m hinauf und ich war überrascht, wie gut ausgebaut die Straßen doch sind. Und dies hatte dann auch seinen Grund. Genting Highland ist eine Sonderzone Malaysiens, ungefähr 50 Autominuten von KL, wie die Hauptstadt genannt wird, entfernt. Hier befindet sich ein großer Unterhaltungskomplex rund um die einzigen Casinos des Landes. Da haben die Malayen riesige Casinos und Themenparks auf das Hochland geklatscht! 

Wir zogen in das First World Hotel ein und ich verfolgte gespannt den Check-In an einem Automaten. Und dass wir an einer Maschine eincheckten, fand kurz darauf auch seinen Grund. Das Hotel ist das größte Hotel der Welt (nach Anzahl der Zimmer). Ganze 7.351 Zimmer bieten hier Unterkunft für die Gäste der Casinos und Freizeitparks. Krass! Nicht schön, aber selten! Leider war draußen nichts zu sehen. Das Hochland war komplett in dichte Wolken gehüllt. Schade. In dem gigantischen Komplex gab es aber genug zu entdecken. Diverse Shows, Attraktionen, Fahrgeschäft, Shoppingmalls und natürlich einige Casinos und Restaurants. Natürlich alles weit über meinem Budget, doch wir waren so gewieft uns unser Abendessen und Frühstück selbst mitzubringen. Nach dem Frühstück besorgte ich mir noch zwei gratis Kaffees im Casino und genoss auch dort meine Frühstückszigarette. Denn Rauchen war hier erlaubt. So war es doch eine schöne Gelegenheit Genting kennen zu lernen. Brutal, was man dort hin gebaut hat. Riesige LED Screens, abwechslungsreiche Architektur und ausgefallene Ecken. Doch eine Nacht ist auch mehr als ausreichend, wenn man nicht das nötige Geld dabei hat. Auf dem Weg hinab nach Kuala Lumpur klarte dann der Himmel auf und so konnten wir an einem Tempel doch den Blick über Kuala Lumpur und auf die Gondeln, die spielwillige Glückspilze und Pechvögel in die Casinos transportiert, schweifen lassen.


KL - Kuala Lumpur

In KL zog ich in J&Js Wohnung ein. Sie leben in einem Condomium im 18. Stockwerk und haben mir sogar ein Privatzimmer bereit gemacht. So cool! Mit so viel Komfort hatte ich gar nicht gerechnet. Am ersten Abend bereits traf ich auch wieder auf Raymond & Sharon, das andere Paar, dass ich in Thailand kennen lernen durfte. Gemeinsam genossen wir ein ausgiebiges Hot-Pot Abendessen und planschten etwas im Pool des Condos. Auch durfte ich J&J bei ihren Großeinkäufen in Vorbereitung auf das kommende lunare Neujahr, welches ein großes Fest der Chinesen und deren Abkömmlinge ist, begleiten. So besuchten wir einen Markt, der auch Produkte anbietet, die nicht halal sind. Der Großteil der Malayen und die traditionelle Religion der Natur ist Muslimisch. Manche moderner, andere konservativ. So dürfen Schweineprodukte nur in besonders gekennzeichnet und abgetrennten Arealen vertrieben werden. Aber in Malaysien kommt man an alles, sehr offen finde ich. Ich hatte viel Spaß dabei mit den beiden über die Märkte zu schlendern und war erstaunt wie günstig vieles doch ist. Irgendwie hatte ich mir Malaysien teurer vorgestellt. Aber gut, ich war auch mit Sparfüchsen unterwegs, die wissen wo man gute Qualität zu einem angemessenen Preis bekommen kann.

Als die beiden wieder zu einem Termin im Nu Skin Büro vorbeischauen mussten, nutzte auch ich die Gelegenheit das Wahrzeichen der Stadt, KLCC Türme (auch Petronas Tower genannt), zu besuchen. Das Büro befindet sich in Laufweite und so stolzierte ich etwas durch den Park des Convention Centers und genoss die Aussicht auf die doch wirklich wunderschönen Türme. Größer hatte ich sie mir allerdings vorgestellt. Doch die Architektur ist formidabel! Sehr schön anzusehen! Das enorme Einkaufszentrum, welches sich zwischen den Türmen befindet ist, genauso wie jede andere Shoppingmall der Welt, nichts Besonderes. Doch der Park ist sehr schön angelegt und man kann die Zeit hier im Stadt- & Finanzzentrum ganz gut verbringen. J&J führten mich auch ins Nationalmuseum, wo ich viel über die Entstehung, Kultur, Geschichte und Entwicklung von den ehemaligen Königreichen, Sultanaten, Kolonien bis hin zu einem der führenden Elektrotechnik-Staaten der Welt verfolgen. Es gab wieder viel zu lernen und zu erleben. Faszinierend, wie die vielen Kulturen und Traditionen es geschafft haben, dieses Land mit ihren verschiedenen Facetten zu bereichern und weitestgehend friedlich miteinander zu gestalten. Sie hatten natürlich einen schweren Weg mit vielen Hürden und Kriegen hinter sich, doch heute erreicht der Wohlstand und weitgehende Gerechtigkeit zumindest einen Großteil der Bevölkerung. Sehr spannend!

Wir ließen uns auch ein Besuch im Königlichen Museum nicht entgehen. Der ehemalige Palast des Sultans lehrt einiges über Diplomatie und Geschichte des Landes. Wir konnten unsere Runden durch das Haus des Sultans und seine Arbeitsbereiche ziehen, aber leider war das Fotografieren verboten. Zumindest so lange, bis uns ein älterer Herr ansprach und in ein Smalltalk-Gespräch verwickelte. Der Herr heißt Pakcit und wie sich herausstellte – und die Uniform bezeugte dies – ist er ein persönlicher Bediensteter des Sultans. Bereits seit 40 Jahren steht er in den Diensten des Sultans. A propos, der Sultan in Malaysien wird nicht durch Geburtsrecht ernannt, sondern – jetzt kommt’s… - demokratisch gewählt. Wer sich selbst also für würdig empfindet Sultan zu werden, der kann sich aufstellen lassen und seine Chance nutzen. Für mich persönlich ist das aber erst einmal nichts. Pakcit fand uns wohl irgendwie toll, denn er erlaubt uns dann auch abgesperrte Bereiche zu erkunden und sogar Fotos zu schießen. Nur auf den Thron durften wir uns nicht setzen. Ein geiler Typ. Er erzählte uns Anekdoten über seine Zeit als Bediensteter und war ein echt spaßiger Zeitgenosse. Gerade ist er dabei die Habseligkeiten des alten Sultans, dieser hat vor einigen Monaten aufgrund einer Sex-Affäre abgedankt, in dessen Residenz im Nordwesten des Landes zu verschiffen. Ein paar Tage später trafen wir Pakcit zu einem gemeinsamen Mittagessen wieder und dann – ohne Uniform – durften wir auch endlich ein Foto mit ihm gemeinsam schießen.

Nach dieser außergewöhnlichen Erfahrung, durften wir uns natürlich auch Pakcits neuen Arbeitsplatz nicht entgehen lassen. Den neuen Palast des Sultans. Dieser ist deutliche pracht- und prunkvoller als der historische. Doch Besucher sind hier noch nicht erlaubt. Erst im Laufe des Jahres, wird es organisierte Führungen geben. Auch unser Freund konnte uns keinen Zugang gewähren und so betrachteten wir den Palast eben nur von außen. Von dort aus ging es zu einem Kriegsdenkmal, bei welchem mich Horden von Reisenden aus Indonesien für gemeinsame Fotos belagerten. Doch zum Glück wesentlich respektvoller und erträglicher als ich es noch aus Indien gewohnt war. J&J brachten mich noch in das alte Stadtzentrum zum Platz der Unabhängigkeit. Hier befinden sich die kolonialen Gebäude und einer der größten Fahnenmasten, den ich bisher erleben durfte. Wir ließen den Tag gemütlich ausklingen und am nächsten Morgen verabschiedete ich mich von Jaylynn und Jackie. Doch nicht ich verließ KL, sie taten es. Sie reisen geschäftlich nach Kuching. Eine Großstadt im Malaysischen Teil der Insel Borneo. Leider steht Borneo während dieses Besuches für mich nicht im Plan, aber sicher werde ich der Insel, die von drei verschiedenen Nationen (Brunei, Malaysien, Indonesien) bewirtschaftet wird, irgendwann einmal einen Besuch abstatten. So überließen J&J mir freundlicherweise ihre Wohnung für ein paar Tage.

Schilli allein zu Haus

Ich nutzte die Zeit für Schreibarbeiten und kochte mir selbst ein paar tolle Gerichte. Eines schönen Tages wagte ich mich dann alleine auf die Touristenpfade der Stadt. Ich besorgte mir eine Chipkarte für den öffentlichen Nahverkehr und kam ohne Probleme zurecht. So zog es mich in die hektischen Gassen von Chinatown und marschierte entlang kolonialer Fassaden durch die Stadt. Ich besuchte wunderschöne Moscheen und traf überaus freundliche Leute auf meinem Weg. KL hat einen ganz angenehmen Charme finde ich. Es ist zwar eine riesige Stadt, fühlt sich aber wenig so an. Die Stadt besetzt eine große Fläche und so findet man inmitten der Metropole auch Ecken, die fast dörflich auf einen wirken. Klar gibt es im Finanzzentrum auch riesige Wolkenkratzer, doch werden die verschiedenen Distrikte auch mit Grünflächen und Parks getrennt. Für eine asiatische Metropole also durchaus angenehm und besonders wie ich finde. Ich war positiv überrascht. Ein Zug brachte mich dann in den Norden der Stadt, denn dort wollte ich die zweitberühmteste Attraktion KLs, neben den Petronas Towers, besuchen. Ich hatte Glück, die Kartenscanner am Endterminal waren defekt und ich bekam die Fahrt dorthin sogar gratis.

Durch den großen und lärmenden Hindu-Markt kämpfte ich mich durch Heerscharen von Menschen indischer Herkunft und westlichen Touristen. Es ging zu den weltbekannten Batu-Höhlen und den hinduistischen Tempelanlagen in den selbigen. Bunt strahlten mir die indischen Tempel und Treppen zum Höhleneingang entgegen. Ich stieg die Treppen hinauf und spazierte durch die Höhle mit einer gigantischen Deckenhöhe. Die Tempel waren schön aufbereitet und locken natürlich viele Touristen an. Mich selbst haben sie weniger interessiert als die Höhle selbst. Nach einer Zeit dort schlenderte ich noch über den Markt und stieg schließlich in den Zug zurück nach KL. Einer der weniger Gratisbusse der Stadt brachten mich dann bis zu den Petronas Towers und ich ging zum Gebäude nebenan, dem Four Seasons Hotel. Dort hatte ich mich mit einer Freundin aus Deutschland verabredet, die es halb-geschäftlich nach KL verschlagen hatte. Es total schön Doro wieder zu treffen und ich war überglücklich, dass sie mich mit Käse und Sonnencreme aus Deutschland/Schweiz versorgte.

Mit Doro besuchte ich den Park vom Convention Center und gemeinsam genossen wir die Wasserspiele, die hier jeden Abend vor den Petronas Towers abgespielt wird. Fontänen mit Musik und Licht. Wie an fast jedem anderen prestigeträchtigen Wolkenkratzer der Welt. Doch diese hier waren ehrlich gesagt etwas enttäuschend. Doch vielleicht war es genau das Richtige, denn Doro und ich konnten uns darüber amüsieren und feierten es bei einer Dose Bier dennoch ab! Dann nahmen den Bus in das hippe Viertel Bukit Bintang. Hier befinden sich Einkaufszentren der teuren, internationalen Marken, Straßenkünstler, diverse Straßen voller Street Food und internationaler Restaurants und natürlich viele Bars und Clubs. Nach dem Abendessen trafen verabredeten wir uns mit Sharon und Raymond um gemeinsam noch ein paar Dosen Bier in einer der angesagtesten Straßen der Stadt zu trinken. Schlau wie wir sind besorgen wir unsere Getränke in einem Markt und genossen die Atmosphäre ohne viel Geld für die teuren Bars liegen zu lassen. Es scheint hier auch eine Art Dosenpfand zu geben, denn sobald wir unsere leeren Dosen neben einem Mülleimer platzierten, waren sie nach Sekunden bereits verschwunden. Es sind also Sammler unterwegs. Großartig! Raymond hatte noch die Güte Doro zurück zum Hotel zu bringen, wo ich mich schon wieder von ihr verabschieden musste. Eine gute Zeit dir Doro! Genieße deinen Fam-Trip und die Wochen Reisen durch Malaysia! So cool, dass wir uns sehen konnten!!!


Am nächsten Tag reisten Jaylynn und Jackie spät abends wieder an. Doch auch sie hatten nur eine Nacht in KL geplant. Chinesisches Neujahr rückt näher und so werden sie am nächsten Morgen in ihre Heimat Kelantan zu ihren Kindern und Familie reisen. Unser Freund Paul brachte am nächsten Morgen Frühstück vorbei und das große Packen begann. Ich packte meine sieben Sachen für meine Weiterreise und auch J&J richteten ihre Besorgungen für die Fahrt nach Kelantan. Für mich geht es dann solo weiter. Noch ein paar Tage und zwei Destinationen habe ich in Malaysien vor mir. J&J setzten mich am Bahnhof ab und mit einem Fernbus brach ich in Richtung Osten auf.

 

Lieben Dank Jaylynn, Jackie, Sharon und Raymond. Ihr habt mir den Kontakt zu eurem Land und Kultur so einfach gemacht und mich außerordentlich willkommen geheißen. Ihr habt aus meinem Aufenthalt in Malaysien ein einzigartiges Erlebnis gemacht, was nicht mit Geld zu bezahlen ist. Ich bin überglück euch als neue Freunde gefunden zu haben. Ich hoffe wir sehen uns sehr bald wieder! Danke für alles!

 

Wie ich in Malaysien alleine klarkommen werde und was für Abenteuer auf mich warten erfährst du in meinem Bericht. Ich hoffe dieser hat dir Freude bereitet und du schaust auch beim nächsten wieder vorbei. Ich freue mich auf dich!

 

Dein Schilli


Funfacts

- Die Malayen sind sehr freundliche und respektvolle Menschen! Auch sehr hilfsbereit sind sie. Ein Herr machte sich mit mir über mich lustig, warum ich so weit weg vom Bahnhof rauche. Er zeigte mir einen Platz direkt neben dem Gleis.

- Ich war überrascht wie kalt es doch in den Cameron Highlands war. Die Luftfeuchtigkeit drang mir unter die Haut und ließ mich wahrscheinlich mehr frieren als J&J es taten.

- Als wir das Casino-Hotel auf dem Berg erreichten, fing der BMW M5 an Probleme zu machen. Er wollte nicht mehr anspringen… Na super, da musst ich mir als Deutscher das Gespött natürlich anhören. Doch am nächsten Tag, ohne ersichtlichen Grund, funktionierte alles wieder einwandfrei.

- In einem Dorf auf dem Weg besorgen wir Pattaia, sogenannte Stinke-Bohnen. Gemeinsam mit Jaylynn lernte ich diese zuzubereiten. Sie schmecken übrigens grausam und ich werde diese für eine lange Zeit nicht wieder probieren…


Vielen Dank auch an Jackie & Jaylynn fuer ein paar der Bilder!


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