#67 | Herrenincentive & Traumstrände | 933. Reisetag

Zurück in Hong Kong galt es noch schnell ein paar Besorgungen und Vorkehrungen zu treffen. Denn nach zwei Tagen erwartete ich bereits hohen Besuch. Vier meiner engsten Freunde kommen über Weihnachten in die asiatische Metropole. Ungefähr alle zwei Jahre halte ich mit meinen Freunden einen gemeinsamen Ausflug ab. So waren wir 2015 zum Beispiel drei Wochen in Schweden auf einem Fernwanderweg unterwegs. So ehren wir unsere Freundschaft, welche bereits seit dem Gymnasium besteht und schaffen regelmäßig Gemeinschaftserlebnisse in der Natur, trotz der Entfernung, die das echte Leben, Arbeit und Familie zwischen uns gesetzt hat. Bereits zum vierten Mal halten wir diesen gemeinsamen Urlaub ab, bei dem nebenbei bemerkt, nur Männer teilnehmen. So tauften wir diese relativ neue Tradition auch “Herrenincentive“. Und dieses Mal führt uns das Herrenincentive eben nach Hong Kong. Natürlich habe ich stark dafür geworben, Hong Kong als erstes Reiseziel außerhalb Europas anzusteuern. Anderenfalls hätte ich wohl leider gar nicht teilnehmen können. Da meine Freunde jedoch brutal geile Typen sind, nahmen sie die 20 Stunden lange Anreise in Kauf und das nötige Geld in die Hand um mich in Hong Kong zu besuchen.

So legte ich mir also auch entsprechend die Verantwortung auf, ein attraktives Programm für die Gruppe zusammen zu stellen. Ganze zwei Wochen galt es zu füllen und ein abwechslungsreiches Programm und spannende Erlebnisse zu schaffen. Doch ich kenne die Jungs und bin ja nicht neu in Hong Kong. So kreierte ich ein ausgefallenes und aktives Programm rund um Hong Kong. Das Programm spannte sich um eine 7-tägige Wanderung durch die Country-Parks und über die Inseln des Archipels. 7 Tage in der Natur, fantastische Zeltplätze und heftige Bergetappen. Natürlich waren die Kerle überrascht, welche Natur und Abgeschiedenheit Hong Kong zu bieten hat. Wir zelebrierten sogar ein kleines gemeinsames Weihnachtsfest mit original Schweizer Fondue. Ein Kumpel brachte ganze 5kg Schweizer Käse mit! Und während des Besuches musste auch meine Gesichtsfrisur daran glauben. Wie euch natürlich aufgefallen ist, habe ich meinen Bart in den letzten Monaten freien Lauf gelassen. Der Deal war klar. Ich lasse wachsen bis meine Jungs da sind, um diese mit einem echten Langzeitreisenden-Bart willkommen zu heißen. Und dann: Von 100 auf 0! Glattrasur bis sich mein Gesicht anfühlt wie ein Baby-Popo. Grausam übrigens…ich vermisse meinen Bart. Ich sehe zwar locker 10 Jahre jünger aus, aber das möchte ich im Moment gar nicht. Wachse, wachse mein Freund…


Den Rest der Zeit stellte ich meinen Freunden meine Lieblingsplätze und Aktivitäten in und um Hong Kong vor und wir sparten uns auch die Hot-Spots der Stadt nicht. Aus diversen Gründen werde ich hier aber weder Details noch Fotos davon veröffentlichen. Erstens habe ich schon von einigen Erlebnissen und Orten in meinen früheren Geschichten gesprochen, zweitens halten wir innerhalb des Herrenincentive eine eigene Dokumentation dafür fest. Als meine Männer dann wieder abgereist waren, war es auch schon Zeit meine Sachen zu packen, die erste Unterkunft im Süden Thailands zu buchen und… achja… in das Jahr 2019 zu feiern. Wobei feiern wäre zu viel gesagt. Ich zog wieder bei Sukis Familie ein und Suki und ich ließen es an jenem Abend sehr ruhig angehen. Hat doch das Herrenincentive ordentlich Energie gekostet. So hatten wir natürlich keinerlei Interesse uns in die Massen im Stadtzentrum zu stürzen und wir verfolgten das Neujahrsfeuerwerk vom Dach des Wohnhauses. Am nächsten Nachmittag ging dann schon mein Flieger nach Phuket, im Süden Thailands. Ich werde 2019 erst einmal solo unterwegs sein. Suki und ich werden uns schon immer wieder treffen, jedoch fokussiert sie sich erst einmal darauf, in Hong Kong ihr Reisebudget aufzustocken. Und ich persönlich habe entschieden, dass es keinen allzu großen Unterschied macht, ob ich in Hong Kong – bei den Ausgaben hier – nur etwas sparen kann oder auf Reisen in Südost-Asien relativ günstig reisen kann. Ich habe mich also für das Reisen entschieden. So kümmerte ich mich am Neujahrstag um die Abrechnung des Herrenincentive, packte meine sieben Sachen und Suki begleitete mich zum Flughafen.


Thailand die Zweite

Dies ist nun bereits mein zweiter Aufenthalt in Thailand während meiner Asien-Rundtour. Beim ersten Mal habe ich den Norden des Landes für einen Monat bereits. Zu jener Zeit habe ich nicht ein einziges Mal das Meer und die berühmt-berüchtigten Strände und Küsten des Landes gesehen. Aus diesem Grund ging es nun ab in den Süden. Der Flieger setzte mich kurz vor Mitternacht in Phuket ab und ich lief zu einem Hostel in der Nähe. Es war eher eine Bar mit Fremdenzimmer im zweiten Stockwerk als ein Hostel, doch ich konnte gut schlafen um am nächsten Tag Recherchen anzustellen was ich hier eigentlich genau machen will. Bei Freunden in Hong Kong konnte ich bereits ein paar Thailändische Bhat wechseln, somit ich hier bei Ankunft mir um Bargeld hier erst einmal keine Sorgen machten musste. Ich hatte vor Hong Kong Dollar irgendwo zu einem guten Kurz in der Stadt zu wechseln (niemals am Flughafen…totale Abzocke). Hong Kong Dollar, da ich immer noch zu viel Bargeld davon habe und zweitens da ich so die relativ teure Gebühr, die die Thailändische Regierung für jede Geldabhebung am Automaten einfordert, umgehen kann. So nahm ich einen Bus nach Phuket-Stadt. Ich wollte mir die Massen an den Stränden erst einmal sparen und mir ein Plätzchen suchen, wo ich entspannt an meinen Reiseberichten arbeiten und mich zurück an das Solo-Reisen gewöhnen kann. Und ich fand auch ein günstiges Hostel unweit des Busbahnhofs. Es war zwar ein Holzverschlag und hatte auch keine Klimaanlage, doch – warum auch immer – stand ein kleiner Pool für Hostelgäste parat. Sobald ich mich eingerichtet hatte, entdeckte ich, dass mein Geldbeutel geklaut wurde! 

Irgendwo, vom Gepäckband bis hier her, hatte sich jemand am Kopfteil meines Rucksacks zu schaffen gemacht und einen Geldbeutel entwendet. Idiot! Doch der Schreck, die Panik und der Verlust hielten sich in Grenzen. Der Dieb ist nämlich auf mein Lockmittel hereingefallen. Klar, ist natürlich blöd, dass er nun weg ist, aber genau für diesen Zweck habe ich einen Geldbeutel direkt im oberen Teil meines Rucksackes liegen. Der Geldbeutel ist gefüllt mit ein paar minderwertigen Münzen, invaliden Kreditkarten und ein paar Geldscheinen, die ich von vorherigen Ländern nicht zurücktauschen konnte. Falls also jemand Böses im Sinn hat, kann er direkt etwas finden, sich freuen und den Rest unversehrt lassen. Ein Fake-Geldbeutel sozusagen. Und meine Rechnung ging auf. Alle anderen Wertsachen, die ich gut verstaut hatte, waren unberührt. Klever, nicht wahr?! Im Hostel war kaum was los und so freundete ich mich schnell mit den zwei weiteren Gästen Sergio (Chile) und Paola (Argentinien) an. Die zwei sind mittleren Alters und auch solo unterwegs. So philosophierten wir bei Bier und Abendessen am Pool und ich hatte die Möglichkeit tagsüber meine Berichterstattung fort zu führen.

Jahrhundertsturm

Großes Thema überall war natürlich der Jahrhundertsturm, der in den Nächsten Tagen auf den Süden Thailands treffen wird. Die Stadtverwaltung arbeitete stark an der Erhöhung der Dämme für die Kanäle, die durch die Stadt führen und viele der Touristen, vor allem Russen, folgten dem Aufruf ihrer Reiseagenturen, die Insel so schnell wie möglich zu verlassen. Keine wusste wirklich was auf uns zu kommt, doch die Thailändische Regierung ließ höchste Warnstufe ausrufen und stellte zusätzliche Mittel zur Verfügung um für die Sicherheit der Millionen von Touristen zu sorgen. Klar, denn wenn es die Touristen trifft, dann sinkt daraufhin die Anzahl von Reisenden nach Thailand enorm und der wichtigste Wirtschaftssektor des Landes bricht zusammen. Ich persönlich ließ die Sache auf mich zukommen. Es blieb auch nicht viel Anderes übrig. So checkte ich die Lage des Hostels und eventuelle „sichere“ bzw. höher gelegene Orte in der Nähe und legte mir einen Vorrat an Trinkwasser zu. Das war es auch schon. Phuket liegt auch auf der anderen Seite der Landzunge, wo der Sturm auf Land treffen soll. Kurz darauf wurden dann alle Flughafen und Hafen für öffentliche und auch private Transporte gesperrt. Der Sturm kam…

Einige Inseln im Osten des Landes hat es heftig mitgenommen, auch das Festland bekam an der Ostküste ordentlich das Fell weg. Und hier in Phuket … naja … um ehrlich zu sein… war ich sogar etwas enttäuscht. Natürlich bin ich froh, dass wir verschont wurden, jedoch war der Wolkenbruch und die Windböen wesentlich schwächer als die Berichterstattung zuvor es vermuten ließ. Komplett Thailand hat den Sturm relativ gut überstanden und es kamen nur ein paar wenige lokale Thais (die zum Beispiel trotzdem zum Fischen rausgefahren sind) zu Schaden. Ein paar Dörfer und Inseln wurden heftig mitgenommen, doch es gab kaum Schaden, der nicht bald behoben werden könnte. Glück gehabt also. Und nach dem Sturm nutzte ich auch endlich die Gelegenheit etwas die Insel zu erkunden, in der Hoffnung, dass der Sturm den Großteil der Touristen bereits nach Hause geschickt hat. Denn es war heftig viel los gewesen. Natürlich hatte ich erwartet, dass der Süden Thailands deutlich stärker besucht und auch kostenintensiver sei, doch das Gedränge war teilweise für mich wirklich unerträglich. Vor allem Russen und Deutsche kommen wohl gerne hier her.

Doch ich konnte ein paar Ecken, wie zum Beispiel die Chinesisch-Portugiesische Altstadt von Phuket und die kleinen, geschäftigen Gassen der unbekannteren Ecken der Stadt. Einmal fuhr ich auch zum Patong Strand hinaus. Die Hauptregion der Insel, wo die großen Resorts, Touristenmärkte, Shoppingmalls und Partymeile untergebracht sind. Ganze 45 Minuten hielt ich es dort aus. Länger ging nicht. Alle 2 Minuten wurde man von irgendeinem Verkäufer angelabert, der Strand war übertrieben voll, Masseusen boten ihre Körper feil und der Lärm von Lautsprechern die für Eimer saufen, Thai-Box-Wettbewerbe oder Strip-Schuppen werben, ging mir brutal auf die Nerven. Schnell sprang ich zurück in den Bus, der Busfahrer der mich bereits hier her gebracht hatte nickte mir nur Verständnisvoll zu und ich war wieder auf dem Weg zurück ins Hostel. Das ist also wirklich nichts für mich. Nicht heute und wer weiß? Vielleicht nie mehr… Sobald ich wieder gut entspannt war, einen neuen Reisebericht veröffentlichen konnte und das Wetter wieder gewohnt gut war, brachte mich die Fähre zu meinem nächsten Ziel.

MALLORCA = MYKONOS = IBIZA = CANCUN = GOA = PHI PHI

Die große Fähre brachte uns langsam an die Inselgruppe von Phi Phi. Diese Inselgruppe gehört zu den berühmtesten Orten im Süden Thailands, nicht zuletzt durch den enormen Aufschwung, den Leonardo Di Caprios Film „The Beach“, der hier gedreht wurde, gebracht hatte. Glücklicher Weise hat die Regierung hier nun einen Schlussstrich gezogen und das ehemalige Filmset, die Maya Bucht, für Besucher gesperrt. Die Heerschaare an Touristen haben das Ökosystem bis kurz vor den Zusammenbruch gebracht und nun ist sie also erst einmal auf unbestimmte Zeit geschlossen. Doch immer noch können zahlungswillige Touristen sich für eine teure Nationalparkgebühr mit einem Boot in die Bucht fahren lassen. Das Boot darf aber nicht festmachen und verlassen werden. Ich war total überrascht und höchst entzückt, dass sogar unsere Fähre, bevor wie die Hauptinsel von Phi Phi erreichten, einen kleinen Abstecher in die Bucht machte. So konnte ich selbst einmal einen Blick auf die tatsächlich wunderschöne Kulisse ergattern. Ein Traum Ort ohne Zweifel…und dank des Verbotes, auch keine Menschenseele dort zu sehen. Hervorragend! Die komplette Inselgruppe ist wirklich wunderschön! Steile Kalksteinfelsen, dichter Dschungel, weiße Sandstrände und türkises Wasser überstiegen selbst meine Erwartungen. Es hat also definitiv seinen Grund, warum Thailand so gut besucht ist…es ist zauberhaft.

Doch der Massentourismus erschlug mich dann nur ein paar Minuten später, als uns schließlich ein Tenderboot auf die Insel brachte. Und nicht nur der Massentourismus, sondern ganz besonders auch der Partytourismus machen Phi Phi für mich fast unerträglich. Ich hatte mir ein offenes Ticket für die Fähre zu meinem nächsten Stopp gekauft, könnte hier also so lange bleiben wie ich möchte. Doch bereits nach zwei Stunden war mir klar, dass ich am nächsten Morgen bereits weiterziehen werde. Das Dorf auf der Insel war eng bebaut und es reihen sich Bars neben Hostels neben Massagesalons neben Bar neben Gasthaus neben Bar neben Convenience-Store. Und von Thais war wenig zu sehen. Die Verkäufer der Kneipen, Restaurants, Gasthäuser und Tauchschulen waren meist selbst Touristen, Europäer oder aus den Amerikas die hier hängen geblieben sind. Klar ist es cool, dass die hier einen Job gefunden haben, aber die Masse davon macht es für mich irgendwie uninteressant. 

Wer Bock auf Party und Sextourismus hat, der kann hier viel Spaß haben, da bin ich mir sicher. Doch für mich war es leider nichts. Ich streunte etwas über die Insel und besuchte ein paar Ecken des an sich wirklich schönen Ortes. Auch am Abend ließ ich es mir nicht nehmen einen Spaziergang über die Partymeile zu machen. Und mit Partymeile meine ich die komplette Insel. Laute Musik dröhnt aus Lautsprechern, Eimer voller Alkoholika werden auf der Straße verkauft und verzehrt und viele Lokalitäten locken Besucher mit witzigen Spielen oder artistischen Shows an. Es ist ein Sehen und Gesehen-Werden von Touristen aus der westlichen Welt. Es ist spannend dies einmal gesehen zu haben. Und wer weiß…für ein langes Wochenende, mit der richtigen Begleitung und dem richtigen Budget kann es auch ganz lustig sein. Doch wie gesagt war es für mich deutlich zu viel Partykultur und das Gleiche, was man eben auch an so vielen Orten in der Welt erleben kann. Dazu braucht man nicht nach Thailand kommen, finde ich… Aber das ist nur meine Meinung, aufgrund meiner Erfahrung. Viele von euch waren sicher bereits selbst in Thailand und ihr habt sicher auch eure eigene Meinung dazu… Vielleicht bin auch einfach zu alt für diesen oberflächlichen Schabernack…


Paradies Ao Nang

Ein Boot brachte mich zurück auf das Festland. Obwohl mein Ticket bis zu der Kleinstadt Ao Nang gültig war, verließ ich die Fähre mit einem der Langschwanzboote bereits etwas früher. Dadurch konnte ich die paradiesische Küste von Railay erreichen. Railay ist ein kleines Dorf, eingekesselt von gigantischen Kalksteinfelsen. Nur ein paar wenige Gasthäuser und Resorts befinden sich hier und das Einöd ist nur durch die Langschwanzboote zu erreichen, die direkt am Strand Halt machen. Die Felsen hinter dem Strand oder direkt im Wasser sind wahrlich beeindruckend. Ich hatte recherchiert, dass hier eines der Hauptorte für Kletterer im Süden Thailands ist und das wollte ich mir natürlich nicht entgehen lassen. Nachdem ich mein Brunch in eines der kleinen Restaurants zu mir genommen hatte, musste ich leider feststellen, dass die Unterkünfte hier weit über meinem Budget liegen.


Doch wusste ich auch, dass ich durch eine Wanderung über die Felsen, durch den Dschungel, den kleinen Strand Ton Sai erreichen kann, der direkt neben Railay liegt und hier die meisten Kletterer in entspannter Atmosphäre zusammenwohnen. Dort soll es auch günstigere Unterkünfte geben und bestimmt auch die Option Klettermaterial auszuleihen und Kletterpartner zu finden. Also marschierte ich mutterseelenalleine durch den Wald. Das war total cool! Ich hörte die Affen rufen und kämpfte mich in der Hitze den Berg hinauf und an der anderen Seite wieder hinab. Dann erreichte ich auch das Dorf, welches neben ein paar Shops quasi nur aus Gästehäusern, Baumhäusern und Holzterrassen bestand. Alles schien auf Menschen ausgerichtet zu sein, die hier zum Klettern herkommen und die Gemeinschaftliche Atmosphäre des Ortes hüllte mich sofort ein. Ich sprach mit ein paar Gästen und Gastwirten und war wirklich begeistert vom Ort. Doch leider war hier bereits alles ausgebucht. So ein Mist. Mir blieb also nichts Anderes übrig als am Strand eines der Boote zu besteigen und sobald ausreichend Gäste vorhanden waren, fuhr uns der Kapitän schließlich nach Ao Nang. Doch komme sicher wieder zurück. Das Eck um Railay und Ton Sai ist wahrlich wunderschön und da deutlich weniger los ist, kann ich nun auch endlich das Paradies genießen.

In Ao Nang bezog ich ein Hostel in der Nähe des Strandes. Ao Nang ist eine Kleinstadt unweit von Krabi, die zwar auch fast ausschließlich vom Tourismus lebt, jedoch deutlich entspannter ist als Phi Phi oder Phuket. Die Hostelmutter, eine großartige Frau, die voller Witz und Gutmütigkeit ihre Gäste umsorgt, war definitiv ein Charakter für sich. Und die Betten des Hostels waren sooooo gemütlich. Und als ich endlich eingerichtet war, meldete sich plötzlich mein Freund Bene aus Deutschland, er erwähnte, dass er gerade zufällig auch in Thailand ist und am nächsten Mittag schon in Ao Nang sein könnte. So hatte ich am kommenden Tag bereits einen Reisepartner für ein paar wenige Tage. Phantastisch! Nachdem wir uns ausgiebig ausgetauscht hatten, besorgten wir uns ein Kajak und fuhren die großartige Küste entlang. Dinge, die zu zweit einfach viel Spaß machen als alleine. Insgesamt muss ich zugeben, dass ich schon eine ganze Weile brauchte mich an das Solo-Reisen zu gewöhnen. Wieder 100% sich eigenständig auf sich und seine Sachen Acht zu geben, jede Entscheidung selbst zu treffen und bei jeder Option Kosten oder/und Erfahrungen teilen zu können einen Fremden ins Boot zu holen, war doch anstrengender als ich es in Erinnerung hatte. Am Abend wagten Bene und ich dann auch mal ins Getümmel und gingen mit den anderen Hostelbewohnern, Flo (UK) und eine Gruppe Schweizerinnen zusammen auf die Gass´!

Bene und ich machten uns auch nochmal gemeinsam auf nach Railay um mit dem See Kajak die beeindruckende Küste abzupaddeln, etwas zu Schwimmen und einfach nur das Paradies zu bewundern. Bene buchte sich auch eine Kletterpartie mit einer hiesigen Agentur. Der Preis war okay, jedoch über meinem Budget und ich entschloss, dass ich das Geld lieber in Dinge investieren werde, die ich NICHT in Deutschland erleben kann. Klettern ist groß in Deutschland und mit dem Equipment einfach auch so gut wie kostenfrei. Zwar hat man hier schon die Möglichkeit in einem brutal schönen Szenario sehr spannende Routen zu klettern, doch für mich hat Schnorcheln, Tauchen und Inselbesuche erst einmal höhere Priorität. Doch natürlich verfolgte ich gerne Benes Kletterpartien und war schon beeindruckt. Von Bene wie auch von der Faszination der Felsen. Ich wanderte solo durch das Paradies, entdeckte Höhlen ganz für mich alleine und bestieg auch einen Felsen (eine Kletterei durch den Dschungel für sich) von wo aus ich einen einzigartigen Blick über Railay gewinnen konnte. Bis dato definitiv mein Lieblingsort im Süden Thailands. Ich möchte hier gerne einmal mit Freunden für einen Kletterurlaub herkommen!


Im Natur- & Marinepark

Freundlicher Weise ließ mir mein Kumpel Bene seine frisch gekauften Schwimmflossen da, bevor er seine Reise zurück nach Deutschland antrat. Bist ein Guter, Bene, ein sehr Guter! So nutzte ich die Zeit und angenehme Atmosphäre in Ao Nang um weiter mit meinen Reiseberichten aufzuholen. Eines Tages buchte ich mir dann, nach langer Recherche und fleißigem Feilschen eine Ausfahrt zu den vorgelagerten Inseln inklusive diverser Schnorchel Einheiten. Mit dem Langschwanzboot ging auf wundervolle kleine Inselchen mit weißen Sandstränden, gigantischen Felsen und beeindruckender Fauna. Teilweise waren diese Strände natürlich enorm überlaufen, doch ich war froh zu sehen, dass viele Informationsschilder und Beamte sich um den Schutz des Natur- & Marineparks sorgten. Mit Benes Flossen an den Füßen schnorchelte ich begeistern die Korallenriffe entlang und freundete mich bald mit zwei Paaren aus Malaysien an, die hier gemeinsam Urlaub machten. Wir scherzten viel und waren bald schon unzertrennlich. Jackie, Jaylynn, Raymond und Sharon erhellten mir meinen Tag enorm und ich konnte die Vier beim Grillen am Strand mit meinen Fähigkeiten Reis mit den Fingern zu essen sogar etwas beeindrucken.

Nach dem organisierten Abendessen am Strand, bestiegen wir wieder das Boot und tuckerten langsam die Küste entlang. Und dann… WIE GEIL IST DAS DENN?!?!?! Der Kapitän des Bootes stoppte, begann das Wasser um unser Boot aufzuwirbeln und wir befanden uns plötzlich in einem Meer von blauem Licht. Es hieß zwar im Vorfeld, dass wir eventuell auf Biolumineszenz – also Mikroorganismen (Plankton) die bei kinetischem Reiz blaues Licht werfen – stoßen werden, doch mit dieser Pracht habe ich nicht gerechnet. Ein paar der Gäste spielten mit den Händen im Wasser und es ertönten überall Geräusche des Erstaunens und Begeisterung. Ich war hin und weg! Ohne lange zu überlegen legte ich dann mein T-Shirt ab und sprang geradewegs aus dem Fenster des Bootes hinein in das leuchtende Nass. Es muss wohl ziemlich cool ausgesehen haben wie plötzlich mein Körper die Millionen von Kleinstlebewesen zum Leuchten gebracht hat. Also ließ ich mir vom Boot schnell Taucherbrille und Schnorchel reichen und ging – in kompletter Dunkelheit – auf Schwimm- und Tauchkurs. Ein unbeschreibliches Gefühl. Es schien ganz so, als würde mein Körper blaues Licht abstoßen… so wie man es aus asiatischen Animationsserien kennt. Mega geil! Ich wollte gar nicht mehr zurück ins Boot. Alleine wegen diesen 20 Minuten hat sich der Trip gelohnt. Sogar mehr als das! Leider jedoch, wie ihr bemerkt, habe ich davon kein Bildmaterial. Ich war leider zu sehr in der Faszination der Realität gefangen als dass ich ans Foto schießen gedacht hätte…zu schade. Aber meine Erinnerung wird nicht so schnell versiegen. Tut mir leid, liebe Leser, gerne hätte ich euch daran teilhaben lassen.

Bevor uns der Fahrer vom Hafen zurück zu unseren Unterkünften brachte, gab es noch eine kleine Feuershow, die die Tour beendete. Ein enorm schöner Tag neigte sich also dem Ende und ich viel brotfertig ins Bett, nicht jedoch ohne mich für den nächsten Tag mit meinen neuen Malaysischen Freunden zu verabreden. Mit Bier und Snacks setzten wir uns in das Zentrum von Ao Nang, diskutierten über Gott und die Welt und lachten viel. Irgendwann entschlossen wir dann kurzerhand für ein Bad im Mondlicht. Zwar können nicht alle Schwimmen, doch in tat mein Bestes daran mit Tipps und Hilfe zur Seite zu stehen. Nach einem kleinen Fotoshooting am Strand sprangen dann auch alle außer Jackie bei Mondschein ins Meer. Dann galt es aber „Auf Wiedersehen“ zu sagen. Ich wollte meine letzten Tage in Thailand noch an einem Ort verbringen, der mehr echtes Leben, normale Thais und kaum Tourismus verspricht. So bestieg ich früh morgens einen Minivan, der mich innerhalb der nächsten fünf Stunden nach Hat Yai, einer Stadt ganz im Süden des Landes, in der Nähe zu Malaysien, im Zentrum des Festlandes, brachte.

Liebe Thais die Nix verkaufen

In Hat Yai angekommen lief ich durch das Wohnviertel unweit des Busbahnhof und fand ein kleines Hostel in einer Seitengasse. Nur ein weiterer Tourist aus Frankreich hatte sich hier her verirrt. Die Straßen waren voller netter und herzlicher Thais die interessiert und respektvoll fragten, was mich wohl hierherführte. So traf ich, nachdem ich lange im Norden unterwegs war, endlich wieder auf das normale Leben in Thailand, welches zwar auch, aber nicht ausschließlich, dem Tourismus aus dem Westen verschrieben ist. Der hibbelige Besitzer des Hostels war gerade am Renovieren und mit seinem Gebrochenen Englisch konnte er mir ein paar Tipps geben, was man hier wohl machen könnte. Doch ich hatte keine großen Pläne. Ich wollte die Gegend erkunden, Märkte und Nachtmärkte besuchen, gutes Thailändisches Essen genießen und Menschen treffen. Besonders faszinierend für mich war der enorme Preisunterschied. Das Landesgericht Pad Thai zum Beispiel, was ich in Ao Nang für ganze 60 Bhat bekommen habe, gibt es hier bereits für 15 Bhat. Und wenn ich dann 20 dafür bezahle, 5 Bhat inoffizieller Touristenaufschlag, bin ich damit auch mehr als einverstanden. So gewinnen wir alle! Ich besorgte mir ein paar Dinge wie zum Beispiel einen Regenschirm, neue Flip-Flops einen Vorrat an Zigaretten und ein neues Nähest für meinen „Werkzeugbeutel“. Ich wollte die Gelegenheit nutzen bevor ich in das deutlich kostenintensivere Malaysien reise.


Der Regen brach immer wieder über uns herein doch ich genoss es irgendwie. Das einzige was mich irgendwie verstörte war der Besitzer des Hostels. An sich ganz nett, aber man merkte schon bei normalen Gesprächen, dass bei dem Kerl irgendetwas total daneben ist. Und so kam es dann auch, dass er eines Nachts komplett nackt durch unser Zimmer lief und versucht hat uns in wirre Unterhaltungen zu drängen. Mein französischer Mitbewohner hat es noch schlimmer erwischt. Der Besitzer machte es sich im Bett über ihm bequem und versuchte ihn zu homosexuellen Handlungen zu drängen… Sehr verrückt!!! Irgendwann jedoch begann er einen total anderen Trip zu schieben und Hustete die Nacht hindurch, schrie im Schlaf und sogar die ein oder anderen Kotzgeräusche konnte ich wahrnehmen… Uncool! Und ihr müsst wissen, dass das Hostel diverse leere Schlafzimmer zur Verfügung hatte, doch der Typ ließ sich einfach nicht abwimmeln. Wir vermuten, dass er auf irgendwelchen chemischen Drogen war, die ihm garantiert nicht wohltaten. 

Zum Glück waren wir zu zweit und wir konnten uns so gegenseitig Sicherheit vermitteln. Als am nächsten Tag, kurz bevor der Franzose und ich in Richtung Malaysien aufbrachen, zwei Argentinierinnen einchecken wollten, informierten wir sie natürlich über die Vorfälle und raten ihnen, hohe Vorsicht walten zu lassen oder ein alternatives Hostel aufzusuchen. Man weiß ja nie… Der Franzose entschied nach der Horror-Nacht, verständlicher Weise, auch das Hostel zu verlassen und mit mir die Grenze nach Malaysien zu überqueren. Er wollte zwar danach direkt wieder umdrehen um weitere 30 Tage Visum für Thailand zu bekommen, doch so hatte ich wenigstens bis zur Grenze eine Begleitung. Die Fahrt ging recht fix, die Grenzbeamten auf beiden Seiten waren sehr freundlich und hilfsbereit und im Duty-Free Shop im Niemandsland konnte ich noch meine letzten Thai Bhat loswerden. Ich hatte das Bargeld perfekt geplant und konnte bereits zu gutem Kurs ein Tagesbudget in Malaysische Ringgit tauschen, war also bestens vorbereitet.

Nun steht also Malaysien auf dem Programm. Viel fantastische Geschichten habe ich bereits gehört und noch besser: Ich habe bereits Freunde hier! Noch an der Grenze konnte bei ich Jaylynn, Jackie, Sharon und Raymond eine Nachricht absetzen. Wir werden uns bald wiedersehen! Wie bald? Das erfährst du dann in meinem nächsten Bericht!

 

Ich hoffe du hattest Spaß an diesem Bericht aus Thailand und wenn wir uns treffen, freue ich mich darauf zu hören wie deine Erfahrungen in Thailand waren. Denn mir ist natürlich klar, dass Thailand nicht mehr als „Exotisches Reiseland“ zu definieren ist. Dennoch hatte ich alles in allem sehr viel Spaß dort!

 

Bis bald und liebe Grüße nach Deutschland, Europa und die Welt!

 

Dein Schilli!


Funfacts

- Mein Laptop, der mir seit Beginn meiner Reise Probleme bereitet hatte (diverse Tasten funktionieren nicht mehr, Akku spinnt manchmal etc.) hatte nun komplett den Geist aufgegeben. So kaufte ich mir ein chinesisches Billigteil, dass durchaus einen akzeptablen Dienst leistet. Und dann stellte sich heraus, dass mein alter Laptop nun doch funktionierte…oder so halb… Egal! Jetzt nutze ich das neue Teil.

- Nun war ich bereits zwei Mal in Thailand. Knapp zwei Monate in Summe. Und nicht einmal habe ich die Hauptstadt Bangkok besucht. Verrückt, nicht wahr? Aber irgendwie reizt mich die Stadt nicht so sehr… Nach all dem was ich gehört habe. Alleine der Fakt das die Stadt über 1.200 Hostels beherbergt, macht mich stutzig. Aber irgendwann, werde ich mir davon selbst ein Bild machen.

- Zum Glück hatte mich Joey aus Hong Kong bereits im Vorfeld darauf aufmerksam gemacht. Es war im Süden tatsächlich günstiger, seine Transporte wie Minivan, Bus oder Fähre über eine Agentur vor Ort zu buchen als auf eigene Faust den Trip zu starten.

- Nach meinem Mittagsschlaf in Phi Phi wollte ich eine Runde im Meer schwimmen gehen. Daraus wurde leider nichts da die Ebbe eingetreten war und sich das Meer hunderte Meter zurückzog. Wahrlich beeindruckend…und auf planschen im Korallenriff hatte ich keine Lust…war irgendwie auf Sand eingestellt.

- In Ao Nang findet jeden Abend ein großes Varieté mit Transvestiten statt. Und die Damen machen fleißig Werbung auf der Strandpromenade. In feschen Kostümen laden die Mädels zum Varieté und Fotos ein. Und die sind teilweise richtig hübsch! Ernsthaft! Wahnsinn was heutzutage alles möglich ist. Ich bin beeindruckt, Chapeau!

- Die Flip-Flops, die ich mir in Hat Yai gekauft hatte, waren ein kompletter Reinfall. Noch bevor ich in Malaysien angekommen war, hatte ich diverse offene Stellen und Blasen an den Füßen. Nicht gut. Aber auch nicht viel Verlust. Zum Glück habe ich meine Alten noch nicht entsorgt.



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