#61 | Maximal Intensive Monster | 826. Reisetag

Ich habe natürlich wieder heftig gerödelt um mir meine baldige Weiterreise durch Asien möglich zu machen. Kunden aus aller Welt darf ich als lokaler Spezialist für Events & Incentives hier in Hong Kong betreuen. So unterstützte ich einen spanischen Kunden dabei eine Party in einem der angesagtesten Clubs im Party-Viertel „Lan Kwai Fong“, im Zentrum der Stadt“ zu verwirklichen. Wir hatten den kompletten Club gemietet und ließen auch auf dem Dach des Hochhauses heftig die Korken knallen. Ich muss zugeben, es ist ganz geschickt, dass ich durch meine Tätigkeit Ort und Momente genießen darf, die ich mir persönlich nie leisten wollen würde! Doch selbstverständlich verlangt der Job auch einiges ab. Ich lerne viel und gerne hier im Büro wie auch an der „Front“, draußen, beim Kunden! Es gibt doch wesentliche Unterschiede zu meinem Beruf und meiner letzten Agentur und dem Arbeitsleben hier. Doch dieses Thema würde wohl einen eigenen Artikel verdienen und ist hier doch etwas fehl am Platze. Falls du Interesse hast, erzähle ich dir das gerne einmal bei einer Flasche Wein. Du besorgst den Wein und ich die Anekdoten, einverstanden? Nach dem also auch der offizielle Teil dieser Party, früh morgens gegen 3:00 Uhr, vorbei war, genoss ich den auch des Nachts wohl organisierten öffentlichen Personennahverkehr. Verrückter Weise stolperte ich kurz vor meinem Zuhause sogar noch über einen kleinen Laden, der zu dieser unchristlichen Zeit noch Sandalen verkauft. So ein kleiner, privater Einzelhandel muss wirklich 24/7 arbeiten um die horrenden Mieten bezahlen zu können. Furchtbar!


Panoramen, Durst & Monsterspinnen

Ich muss das zum Glück nicht. So begab ich mich mal wieder auf Wanderung. Dieses Mal jedoch sehr nahe dem Stadtkern. Es ging zu einem der beliebtesten Touristenziele Hong Kongs. Wenn nicht sogar dem beliebtesten Ort. Ich war alleine unterwegs und habe das echte Touristen Leben genossen. Mit allem was so dazu gehört. Ich ließ mich von Souvenierhändlern ansprechen, Taxifahrer die mir überteuerte „Freundschaftspreise“ anbieten und fand mich in einigen klassischen Small-Talk Gesprächen mit anderen Reisenden. Der Blick auf die Wolkenkratzer der Stadt und die historischen Denkmäler ließ ich mir natürlich vom berühmten Viktoria Peak auch nicht entgehen. Doch schon bald verließ ich die betretenen Pfade und es zog mich wieder ins Gebüsch. Auf einem abenteuerlichen Pfad bin ich zur Südseite der Hong Kong Insel in das Fischdorf Aberdeen gewandert. Wieder einmal ist „Dorf“ mehr als irreführend. Aber wenn du Lust hast, kannst du dir das genauer in dem Video ansehen, dass ich hier für euch und mich zusammengebastelt habe. Und zur Krönung des Ganzen stelle ich euch am Ende des Clips noch meine Begegnung mit einer der Monsterspinnen in Hong Kongs Dschungeln vor. Viel Spaß dabei!


Doch auch mit Suki gemeinsam unternahm ich eine große Wanderung. Wir fuhren auf die größte der Inseln hinaus und starteten direkt mit dem heftigen Anstieg. Die U-Bahn und ein Bus brachten uns zu dem für Touristen gestalteten Bergdorf und Kloster „Ngong Ping“. Ich war hier bereits einmal geschäftlich mit einer russischen Gruppe zu Besuch. Das Dorf und seine Attraktionen gefallen weder Suki noch mir sonderlich, weswegen wir uns direkt auf den Wanderweg in die Berge und Hügel von der Insel Lantau begaben. Es ging in Richtung des höchsten Gipfels der Insel. Kurz nach Beginn trafen wir noch auf den sogenannten „Pfad der Weisheit“. Einer zum Dorf gehörenden buddhistischen Attraktion. Ein Pfad in Form einer 8 (Unendlichkeit), welcher mit großen hölzernen Tafeln die buddhistische Weisheiten enthalten, gespickt ist. Als wir uns dann weiter den steilen Berg hinauf kämpften, kamen uns immer wieder top ausgestattete Trailrunner entgegen oder überholten uns. Der Trendsport, der auch in Europa an Beliebtheit gewinnt, das möglichst schnelle Rennen/Joggen über mäßig präparierte Wanderpfade, zieht hier auch mächtig an. Hunderte von Euro geben die Sportler für ihre Ausrüstung aus und lassen sich von ihren schlauen Uhren die neuesten Rennstatistiken (Puls, Distanz, Kalorienverbrauch, Zeit etc.) in Echtzeit per Bluetooth direkt ins Ohr flüstern. Aber warum auch nicht. Jedes Hobby kostet Geld und für jede Aktivität gibt es Nischenprodukte für die man schnell Leidenschaft gewinnen kann. Da ging es mir ja nicht anders als ich mir noch vor Jahren ein kleines Ultraleicht-Zelt für satte 600 € zugelegt hatte. Für mich ist das Trailrunning jedoch nichts. Viel zu hektisch, viel zu anstrengend und viel zu viel Wettbewerb. Ich habe da einfach nicht diesen kompetitiven Sportsgeist, sondern folge lieber meinem eigenen Tempo, genieße die Zeit und erweitere/erreiche meine persönlichen Grenzen eben in anderen Formen.

Auf einem Seitengipfel des Lantau Peak, machten Suki und ich dann Vesperpause und genossen die fantastische Aussicht auf die umliegenden Berge, steilen Klippen, einzigartigen Felsformen, satten Wiesen und blau schimmernden Seen, Wasserreservoirs und natürlich dem Südchinesischen Meer. Noch heute überrascht mich Hong Kong mit seiner natürlichen Schönheit immer wieder! Hier entschlossen Suki und dann, klassisch, den Hauptwanderweg zu verlassen und uns auf einem kleinen Seitenpfad die gegenüberliegende Seite des Berges hinab zu steigen. Und es ging richtig steil hinunter. Teilweise war anstrengendes Kraxeln und Klettern gefragt. An der ein oder anderen ausgesetzten Stelle, musste ich mich selbst und auch Suki einen Extraschub Motivation verpassen, doch wir meisterten alles ohne Probleme und hatten enormen Spaß dabei! Dann kämpften wir uns – mit einem toten Ast vor uns wedelnd um Spinnen zu verscheuchen bzw. zu entdecken – wieder durch dichtes Gebüsch. Richtig cool.

Cool so lange, bis uns das Trinkwasser ausging. Es war richtig heiß geworden und wir hatten die Schwierigkeit des Weges und damit den Zeitaufwand erheblich unterschätzt. So durstig wie an jenem Tag habe ich mir schon lange nicht mehr gefühlt. Ein schreckliches Gefühl. Immer wenn wir dachten, wir haben es bald geschafft, zeigte uns der Pfad eine neue Herausforderung die Energie und Zeit kostete. Doch wir schafften es die Motivation hoch zu halten und kamen schließlich an einer Straße an, der wir dann zum nächsten Dorf folgten. Dort konnten wir leider niemanden finden, der uns Wasser anbieten konnte, jedoch konnten wir schnell einen Bus besteigen der uns zurück zur größten Siedlung auf der Insel brachte. Hier stürmten wir einen Supermarkt. Ohne Übertreibung: Ich trank eine große Flasche Wasser, 1,5 Liter, in einem Zuge weg. Ein wahnsinnig erlösendes Gefühl. Ernsthafter Durst ist etwas Schreckliches und vermag es mir kaum vorzustellen wie es den Menschen in ärmeren Regionen der Welt wohl ergehen muss diesen Durst als ständigen Begleiter zu haben. Und jene Gedanken durchzogen mein inneres Auge während mich quasi im Herzen von Hong Kongs Konsumgeilheit befand. Der Supermarkt befindet sich in den Citygate-Outlets nahe dem Flughafen. Hier haben sich große internationale Marken zusammengeschlossen um stark rabattierte Waren den Pendlern, Geschäftsreisende, Touristen und Bürgern des Landes feil zu bieten. Ein Mekka für den Einkaufsfreund und Shoppingqueen von heute. Auch Suki und ich zogen eine kleine Runde über das gigantische Areal, doch dank unserer kurzfristig gewonnenen Erfahrung, erreichten uns das Marketing und die Verlockungen dieses Konsumtempels heute zumindest nicht.

Bevor das Wetter einen dramatischen Wechsel vollzog, dazu später mehr, ging es noch einmal raus in Hong Kongs Natur. Wir erklommen einen Gipfel in den „Neuen Territorien“, einem Verwaltungsbezirk im Norden des Landes. Wir erkämpften uns die Aussicht von der Spitze des Berges und genossen den Blick über das Meer und das Naturschutzgebiet. Selbst die Wolkenkratzer und gigantischen Fabriken in der chinesischen Nachbarstadt Shenzhen waren sehr gut zu erkennen. Wir hatten überraschender Weise bestes Wetter und die Sonne brannte auf uns nieder. Komisch, denn am nächsten Morgen sollte dies schon ganz anders aussehen. Wie dem auch sei. Wir spielten etwas mit den improvisierten Trainingsgeräten nahe dem Gipfel und machten uns auf den Weg hinunter in das Naturreservat. Unser Ziel war es den Kanal zu erreichen, der China von Hong Kong trennt. Wir kletterten steile Hänge hinauf und hinab und die Hitze setzte uns ganz gut zu. 


Bis schließlich – als hätten wir vom letzten Wochenende nichts gelernt – wieder das Trinkwasser ausging. Keine Menschenseele lief uns über den Weg und wieder bekamen wir den schrecklichen Durst zu spüren. Suki verlor sogar einmal die Konzentration und rutschte etwas einen der felsigen Hänge hinab. Da war die Aufregung kurz auf 180. Doch sie zog sich nur ein paar Blessuren an der Hand zu und wir konnten unseren Weg fortsetzen. Natürlich haben wir die Route sofort geändert um möglichst zügig zurück in Zivilisation zu gelangen um an Wasser zu kommen. Plötzlich hörten wir das Summen eines unbemannten Fluggerätes – einer Drohne. Dann erblickten wir diese auch. Kurz darauf stapften uns vier Parkwächter bzw. Feuerwehrmänner und Ersthelfer entgegen. Sie hatten einen Notruf von einem Wanderer erhalten und sind nun auf der Suche nach dem Hilfesuchenden.

Wir gaben Infos von allen Menschen die wir von der Anhöhe in der Ferne erblicken konnten und hielten die Männer aber nicht länger auf. Unser Durst war zwar groß, jedoch waren wir noch weit von einer Notfall-Lage entfernt. Zudem konnten wir in der Ferne bereits zwei Krankenwagen und das Feuerwehrauto erblicken. So wanderten wir behutsam doch zügig dort hin, klopften beim Krankenwagen an und bekamen freundlich eine Flasche Wasser gereicht. Uns wurde sogar angeboten im klimatisierten Laderaum des Krankenwagens etwas auszuruhen. Doch das Trinkwasser aktivierte uns im Nu und wir konnten unseren Weg schnell wieder fortsetzen. Zur Sicherheit blieben wir dabei die nächste Stadt anzusteuern und verbrachten dort die restlichen Sonnenstunden auf dem Markt. Wieder ein sehr erlebnisreicher Tag!

Jahrtausend-Taifun Mankhut

Bereits seit Tagen gibt es kaum ein anderes Thema: Mit wem man auch spricht, irgendwann landet man beim gegenseitigen Austausch ob und wie man sich auf die Ankunft des Super-Taifuns „Mankhut“ vorbereitet hat. Stündlich werden Neuigkeiten zur Intensität und Weg des Tropensturm-Zyklons veröffentlicht und breit diskutiert. Die brutalen Katastrophen die der Selbe Sturm in den benachbarten Philippinen verursacht hat, veranlassen auch die Öffentlichkeit von Hong Kong zu größter Vorsicht. Noch NIE seit Beginn der Aufzeichnung hat es ein Taifun dieser Stärke so nah nach Hong Kong geschafft. Windgeschwindigkeiten bis 250 km/h treffen auf die gigantischen Wolkenkratzer, Fischerdörfer und eine der am dichtesten besiedelten Region der Welt. Zudem können die steilen Gebirge hier, bzw. deren Täler, die Winde nochmals deutlich beschleunigen.

Bereits Tage vor Eintreffen des Taifuns waren Supermärkte leer gekauft und bestimmte Regionen des Landes wurden vom Katastrophenschutz zwangs-evakuiert. Es wird also richtig heftig! Bisher erlebte ich nur ein paar kleine bis mittlere Ausläufer von Taifunen hier in Hong Kong. Warnsignale T1 bis T3. Ab T8 gilt Katastrophenwarnung und der Alltag wird eingestellt. Keine Arbeit, keine öffentlichen Dienste. Lediglich Alarmbereitschaft für alle öffentlichen und privaten Einrichtungen. Mankhut soll jedoch auch diese Marke sprengen und mit höchster Warnstufe T10+ auf Hong Kong knallen. Also da hat sich die Natur wohl gedacht: Wenn Schilli schon einen Taifun erleben soll, dann richtig! Hong Kong ist selbstverständlich gut auf diese heftigen Naturphänomene vorbereitet. So wird jedes Jahr vereinzelt Warnstufe T8 ausgerufen. Doch man merkt schon, dass die Bevölkerung in Anbetracht des Super-Taifuns sehr vorsichtig und verängstigt wirkt. Besser ist das.

In dem Stadtteil, in dem ich lebe, Kwun Tong, ist relativ gut geschützt. Zwischen uns und dem Zentrum des Taifuns liegt Hong Kong Island (das Stadtzentrum). Zwar ist unsere Wohnung sehr nahe am Viktoria Hafen und damit am Meer, jedoch schützt uns der neu gebaute Kreuzfahrtschiff-Hafen und ein  Taifun-Schutzhafen für private Boote vor halsbrecherischen Wellen. Und besonders unsere Wohnung im ersten Stock eines Industriekomplexes, welches nicht einmal Fenster besitzt, ist quasi der perfekte Ort um einen Taifun dieses Ausmaßes zu erdulden. Denn andere Chancen hat man auch nicht. Am schlimmsten wird es also Hong Kong Island, die Dörfer, die teilweise auf Stelzen bis ins Meer reichen, sowie die Menschen die auf den vorgelagerten Inseln leben treffen. Und so trat es dann auch ein. Es ist mir leider nicht wirklich möglich das Erlebte zu beschreiben. Suki und ich machten uns natürlich, naiv und abenteuerlustig wie wir eben sind, auf einen kleinen Spaziergang um die Gewalt der Natur am eigenen Körper zu erfahren. Richtig heftig. Leider kann auch das Video, welches ich für uns versucht habe zu filmen nicht übermitteln mit welcher Kraft Mankhut seine Macht demonstrierte. Ein einzigartiges Erlebnis, dass uns natürlich mit gemischten Gefühlen füllte. Die Faszination der Naturgewalt, der Respekt gegenüber der Natur und die Furcht vor der zerstörerischen Kraft des Zyklons. Mega krass… einfach nur mega krass! Wie erwartet sind wir in Kwun Tong relativ glimpflich davon gekommen. Andere Regionen hat es doch heftiger erwischt. Doch unterm Strich muss man deutlich sagen, dass eine Stadt wie Hong Kong, die reich, international wichtig, Mittel zur Vorbereitung besitzt und gut erreichbar für Hilfsgüter ist, bei einer Katastrophe wie dieser ganz deutlich die besseren Karten hat als zum Beispiel die von Leid und Zerstörung geplagten Menschen in den Philippinen. Die Philippinen sind Mankhut deutlich mehr zum Opfer gefallen und ihnen gebührt die volle Aufmerksamkeit und Unterstützung.


Doch noch heute, zur Zeit der Veröffentlichung dieses Reiseberichtes, arbeiten viele Frauen und Männer auch hier in Hong Kong noch daran die Schäden die der Super-Taifun hinterlassen hat zu beseitigen. Mein Arbeitsweg ist noch immer gesäumt von entwurzelten oder vom Wind gebrochenen Bäumen. Glasscherben von umliegenden Gebäuden und vom Winde verwehte Stoff-, Plastik- und Metallteile hängen oder liegen an den verrücktesten Plätzen. Richtig heftig und definitiv ein Erlebnis welches ich nicht vergessen werde! Doch es ist auch faszinieren wie schnell doch wieder alles zur Normalität über zu gehen scheint. Der „normale“ Hong Kong Alltag beginnt wieder und die Menschen folgen ihren Tätigkeiten und verfolgen ihre Träume als wäre nichts gewesen. Was bleibt auch anderes übrig.

Da sich die Supermärkte jedoch nur langsam füllten, sah ich die Chance und backte unser Brot eben selbst. Sabrina hatte mir eine Backmischung aus Deutschland mitgebracht. So konnte ich gutes Deutsches Sauerteig-Brot genießen. Es sind eben die kleinen Dinge im Leben, nicht wahr?! Als ich eines Abends Suki von der Arbeit abholte, besuchten wir auch einen der hippen Orte von Hong Kong. Beliebt vor allem bei Instagram-Influencern und die, die es werden wollen. Der Mega-Gebäudekomplex eines Wohnviertels bietet tatsächlich ein krasses Beispiel von der Bevölkerungsdichte des Landes. Bekannt wurde es durch eine Kampf-Szene in einem der Transformers-Filme. Heute steht man Schlange um ein Foto schießen zu dürfen. Und das kann dauern, da der ein oder andere Instagramer sogar Pyrotechnik (in meinem Fall ein brennendes Ölfass für Feuer und Raucheffekte) installiert um den perfekten Shot zu bekommen… Kein Kommentar…

Quelle: YouTube.com | Sheitla D. Modore  | 17.01.2017


Chinesisches Lichterfest

Kurz nach dem Taifun trat dann das nächste Highlight ein, wenn man so will. Das Chinesische Mondfest steht an. Ein altes chinesisches Familienfest welches mit einigen wunderschönen Traditionen jedes Jahr abgehalten wird. Analog zu westlichen Feierlichkeiten, wie das Ernte-Dank-Fest in Deutschland, wird auch hier der Natur (bzw. Göttern) für seine Früchte und Speisen gedankt. Der Mond spielt hier eine große Rolle. Im Laufe der Jahrtausende umweben diverse Mythologien jenes Fest. Hier werden nach Chinesischer Tradition bei Vollmond diverse Legenden gefeiert. Die zwei unterhaltsamsten und prägendsten Mythologien sind wohl die Sonne-Mond-Kind und die Geschichte vom Bogenschützen. Ein historisches Chinesisches Volk preiste jenen Vollmond da es ihn für Fruchtbarkeit und Verjüngung verantwortlich hielt. Dies basierte auf den Parallelen des Mond- & Menstruationszyklus der Frau. Laut dieser Geschichte ist die Mond eine weibliche Gottheit, die Sonne eine Männliche und die Sterne deren Nachwuchs. Bei Vollmond ist die Dame trächtig und bei abnehmendem Mond gebärt die Gottheit einen neuen Stern. 

Eine noch phantasievollere Geschichte wird vom Bogenschützen Hou Yi erzählt. Eines Tages erhoben sich 10 Sonnen über der Erde und brachten großes Leid über die Welt. Der Bogenschütze Yi, Meister seines Fachs, schoss neun davon herunter, ließ eine für Licht und Wärme am Himmel stehen und wurde von einer Gottheit mit einem Trank belohnt, der ihn unsterblich macht und in das Reich der Götter erhebt. Yi, der seine Frau Chang‘e über alles liebte und sie nicht verlassen wollte, weigerte sich diesen Trank zu trinken und übergab ihn seiner Liebsten. Später wollte ein böser Mann den Trank ergaunert. Doch Chang’e wollte ihm den Trank aber nicht überlassen und sie schluckte das Elixier selbst. So erhob sie sich zu den Göttern und ließ sich auf dem Mond nieder um möglichst nahe bei ihrem Geliebten Yi zu sein. Als dieser von der Jagd zurück kam und vom Vorfall hörte begann er damit regelmäßig die Lieblingskuchen und –früchte seiner Frau zuzubereiten und in seinem Garten seiner Frau auf dem Mond zu opfern. Traurig und schön, nicht wahr?

So ist auch heute noch das Chinesische Mondfest eine Mischung aus einer Huldigung des Mondes, der Ernte, des Lichtes, der Fruchtbarkeit und natürlich der Liebe! Überall in der Stadt werden farbenfrohe und phantasievoll gestaltete Laternen entzündet und präsentiert. In öffentlichen Parks werden große Lichtinstallationen gezeigt und auf Bühnen werden von Theater bis Artistik diverse Aufführungen gezeigt. Vor allem Kinder basteln ihre eigenen Laternen und führen diese öffentlich spazieren. Doch auch hier hat die moderne Marktwirtschaft seinen Stempel aufgedrückt und viele Menschen stellen ausgefallene elektrisch-leuchtende Spielzeuge und Klamotten zur Schau. Die Stadt ist dekoriert und es leuchtet in allen Farben. Vor allem in Parks, Einkaufszentren und öffentlichen Einrichtungen werden faszinierende Leuchtskulpturen präsentiert.

Natürlich ist dies auch die Zeit für ausgiebige Familienzusammenkünfte und –feste. So durfte ich auch an zwei Familienabenden jeweils mütterlicherseits und väterlicherseits von Sukis Familie teilnehmen. Wieder mit reich gedeckten Tischen und gut gelaunten Großfamilien. Suki Schwester brachte sogar selbst gebackenen Mondkuchen mit. Der Mondkuchen ist das traditionelle Essen, welches in jener Zeit gereicht wird. Das Gebäck enthält eine Paste aus süßen Bohnen oder Lotussamen, in welchem ein Eigelb (Mond) eingeschlossen ist. Traditionell werden Mondkuchen auch unter Geschäftspartnern oder/und der eigenen Belegschaft verteilt. Aber auch in der Familie und vor allem seiner großen Liebe gehört es sich einen dieser Kuchen zu überreichen. Ganz im Stil vom Bogenschützen Yi!


In jener Nacht findet man auch vor allem junge Liebespaare in Parks und freien Plätzen unter dem Licht des Vollmondes sitzen. Die romantische Seite dieses Festivals wird von vielen Touristen unterschätzt, denn die enormen Lichtinstallationen ziehen schon die große Aufmerksamkeit auf sich. Doch wenn man noch spät nachts einen Spaziergang unternimmt, findet man viele Paare mit kleinen Laternen und Mondkuchen kleine Kerzen zu entzünden um ein Picknick im Vollmondlicht abzuhalten. Dieses Jahr jedoch brach noch vor Mitternacht ein heftiger Regen über uns herein, was etwas die Romantik aus der Sache hinaus nahm. So verdichtete sich das Ganze und ein Paar oder eine Familie drängte sich unter den vom Regen geschützten Plätzen neben das Andere. So entstand eine Art eigenes kleines Picknick-Festival mit Lichtern und Laternen. Eine ganz besondere Atmosphäre um ehrlich zu sein. Mir hat es trotz Regen und trotz der vielen Menschen sehr gut gefallen.

Der Feuerdrache von Tang Hai

Ein weiteres Spektakel, von welchem ich euch berichten möchte ist der Tanz des Feuerdrachens. Seit ca. 100 Jahren feiert das Dorf Tang Hai, heute gänzlich in der Stadt von Hong Kong eingeschlossen, diesen Brauch. Das ehemalige Fischerdorf, so die Legende, hatte eine große Pechsträhne. Zuerst wütete ein Taifun und zerstörte ein Großteil des Dorfes. Unmittelbar danach fegte eine große Plage über das Dorf und raffte einen beträchtlichen Teil der Bevölkerung dahin. Doch damit noch nicht genug. Noch während die Bevölkerung mit der Krankheit zu kämpfen hatte, nistete sich eine Riesen Python im Dorf ein. Die Schlange fras fast das komplette Nutzvieh der Bewohner! Da hatten die Dorfbewohner natürlich die Schnauze voll. Kann ich durchaus verstehen! Ein Wahrsager empfahl den Bürgern zur Besänftigung der Götter einen brennenden Drachen drei Tage lang durch das Dorf zu führen. Gesagt getan. Und siehe da! Die Pest versiegte und die Python zog auch ab. Der Fluch war behoben!

Und so geschieht es auch heute noch. Die Bewohner von Tai Hang setzen einen gigantischen Drachen aus 24.000 Räucherstäben und ganzen 67m Länge zusammen. Dieser wird unter großen Trommeln und begeisterten Zuschauern durch die Straßen des Dorfes (heute: Stadtteil) getragen bzw. getanzt. Die Legende wird wieder erzählt und auch gelebt. Es ist tatsächlich ungemein beeindruckend wie die 300 Akteure den schweren und glühenden Körper des Drachen durch die Straßen manövrieren und sogar einer Choreographie folgen. Begleitet wird der Drache von traditionell gekleideten Kindern die Laternen mit diversen Botschaften präsentieren und natürlich – wie bei jedem Drachentanz – mit lautstarken Trommel- und Beckenschlägen. In Tai Hang war an dem Abend, als Suki und ich den Drachen besuchten, natürlich die Hölle los. Eine unglaubliche Anzahl von Menschen wollte sich dieses Ereignis natürlich nicht entgehen lassen. Ein riesiges Polizeiaufgebot war vor Ort und es schien alles gut sortiert. Doch sobald die Aufführung vorbei war, war Chaos angesagt. Die Dudelsackpfeifer, koloniales Erbe der Britischen Besatzer, waren noch nicht am Ende ihrer Aufführung, da wurden Absperrungen durchbrochen und die Menschenmasse entwickelte eine gefährliche Eigendynamik. Klar, denn kurz darauf findet im nahe gelegenen Viktoria Park eine große Show im Zuge des Mondfestes statt. Hätte man sich auch denken können, das der Großteil der Besucher ein und dasselbe Ziel haben. Doch auch trotz des Chaos war die Menschenmasse ruhig und weitestgehend rücksichtvoll. Sie, also auch wir, setzte nur jegliche Regelung außer Kraft und bahnte sich einen Weg ohne Rücksicht auf Hauptverkehrsadern, Privateigentum oder Fluchtwege quer durch Hong Kong bis hin zum Viktoria Park. Wie ich hörte sei alles gut verlaufen, jedoch war mal kurz alles außer Kontrolle. Aber Ende gut, alles gut!


Dritter Geburtstag auf Reisen

Bald ist es soweit! Ich werde bereits meinen dritten Geburtstag auf meiner Asienreise feiern. Meinen ersten Geburtstag durfte ich am Meer in der Türkei mit einem Paragliding Flug über die Bucht feiern. Mein zweiter (30.) habe ich in toller Gesellschaft und nach 20 Tagen Wandern auf 5.545m am Mt. Everest Base Camp in Nepal gefeiert. Bei meinem diesjährigen dritten Geburtstag werde ich also in Hong Kong verbringen. Mehr Abwechslung kann ich mir nicht vorstellen und darüber bin ich sehr glücklich. In meinem nächsten Bericht erfahrt ihr dann wie, wo und mit wem ich diesen verbracht habe! Bleibt neugierig!

 

Solltest du die Güte haben und mir eine kleine Aufmerksamkeit zu meinem Geburtstag zukommen lassen wollen, so wäre ich dir natürlich überaus dankbar! Ich investiere stets viel Zeit, Geld und Energie um diese Berichte für dich und mich zu ermöglichen. Ich mache dies nur zu gerne weiterhin. Solltest du mich auf eine Tasse Kaffee einladen wollen um dieses kleine Online-Tagebuch zu unterstützen, so kannst du das gerne hier tun. Ich danke dir unendlich für dein Interesse und deine Unterstützung! Du bist der Beste! Ihr alle seid die Besten!!!

 

Lasst es euch gut gehen und ich melde mich bald wieder mit dem nächsten Bericht! Euer Schilli


Funfacts

- Auf einer Wanderung hatte ich eine kleine Auseinandersetzung mit einer Wanderin, die mir besserwisserisch das Rauchen nahe dem Pfad verbieten wollte. Es sei verboten. Ich teilte ihr dann höflich mit, dass sie damit leider komplett falsch liegt. Ich bin stets vorbereitet.

- Auf dem Weg zum Lantau Peak trafen wir eine französische Familie die mit ihren kleinen Töchtern unterwegs war. Tapfere und starke junge Damen. Die ca. 6 jährige kleine Dame fing auch erst ganz oben angekommen an zu heulen und zu jammern. Und zu dem Zeitpunkt war ich vom Jammern auch nicht weit entfernt. Heftig steiler Anstieg!

- Mein Mitbewohner Peter ist großer Spiderman-Fan. Unschwer zu erkennen an der Dekoration der Wohnung. Thema der Woche: Ein neues Spiderman Videospiel ist auf dem Markt. Das wird bei uns groß gefeiert!

- Das Kaninchen ist eines der vielen Symbole des Mondfestes. Viele Installationen und Grafiken zum Mondfest stellen ein Kaninchen dar. Warum Kaninchen? Keine blasse Ahnung! Und niemanden den ich fragte konnte mir eine Antwort geben. Kaninchen mysterioso!

- Mich erwischte leider ein Virus. Mit Fieber und Schmerzen traf es mich relativ heftig. Doch ausruhen kennt man hier nicht. Wer in Hong Kong nicht zu Arbeit kommt, egal aus welchem Grund, wird auch nicht bezahlt. So einfach ist das. Erst ab dem fünften Tag Abwesenheit in Folge, unter Vorlage eines Attests, werden zukünftige Fehlzeiten zu 70% vergütet. So schleppte ich mich also mit Mundschutz, um andere nicht anzustecken sowie vollgepumpt mit Schmerzmitteln ins Büro. Über 10 Tage dauerte es mich zu genesen. Nicht cool!

- Pamela, Sukis Schwester hat zur Hochzeit geladen! So cool! Ich werde also eine echte Hong Kong Hochzeit miterleben. Nach dem Familienessen zog der ganze Pulk direkt weiter zum Jeweliershop um passenden Schmuck für die Dame auszuwählen. Verrückt. Witziger Weise ist es brauch, dass das Brautpaar mit den Einladungen auch kleine Geschenke mitschickt. So erhielten wir einen Gutschein für ein Eis. Cool!