#54 | Dass die Hände zittern | 645. Reisetag

Es war nun endgültig Zeit sich von diversen Dingen zu trennen. So ließ ich meine Digitalkamera, die nur noch ca. 15% funktionstüchtig war, sowie einen weiteren Haufen Kleinkrust im Hotel auf der Insel Phu Quoc zurück. Was das Housekeeping wohl für Augen machten, als sie die schön trappierten nützlichen und weniger nützlichen Gegenstände auf dem Tisch entdeckten. Ich hatte natürlich nichts weggeworfen, sondern blieb der Hoffnung, dass vielleicht das Hotelpersonal damit noch etwas anfangen kann. Wir bestiegen die Fähre zurück auf das Festland, suchten einen Busbahnhof, boardeten den Fernbus nach Saigon und bekamen auch noch den letzten Linienbus vom großen Busbahnhof der Stadt ins Zentrum. Eine geschmeidige und da selbst organisiert auch eine sehr günstige Reise zurück nach Ho-Chi-Minh Stadt. Hier blieben wir noch eine Nacht um am nächsten Morgen wieder einmal die Vorzüge des Linienfluges zu genießen. Suki hatte nun bereits zum zweiten Mal den Süden des Landes bereist und ich hörte auch das der Norden um einiges interessanter für Individualtouristen sein soll. Also entschlossen wir uns das Geld in die Hand zu nehmen und einen großen Teil Vietnams wieder zu überspringen. Verrückt. Ich bin nun innerhalb Vietnams so oft geflogen wie auf der kompletten Reise zuvor… Und es zahlte sich mir auch direkt heim. Am Flughafen Dong Hoi angekommen war meine Sonnenbrille aus dem Kopf-Fach meines Rucksacks verschwunden. Na toll, sieht ganz so aus als hätte sie ein Flughafenmitarbeiter mitgehen lassen. Aber halb so schlimm, es war ein relativ günstiges Model, das ich mir in Nepal für die Bergwanderungen zugelegt hatte.

Meine Stadt...mein Viertel...mein Block!

Dong Hoi? Dem ein oder der Anderen wird der Name wohl aus früheren Berichten bekannt sein. Diese kleine Küstenstadt ist Zugangspunkt zum Nationalpark Phong-Nha Ke Bang an der Laotischen Grenze. Zu Beginn meines Vietnamaufenthaltes habe ich hier einen Monat im Nationalpark in einem Hotel und als Tourguide gearbeitet (Siehe Bericht #??). Gerne möchte ich meine Gastfamilie wieder besuchen und auch Suki die wunderschöne Gegend und die Menschen vorstellen. Nach einer Nacht im Hotel in Flughafennähe nahmen wir dann den Bus zum Nationalpark. Dort angekommen wurden wir auch prompt von einer Bekannten am Wegesrand begrüßt. Die Dame, dessen Namen ich leider nie erfahren habe, hat eine mentale Störung und flaniert täglich auf der Hauptstraße und schüttelt jedem die Hand, mehrfach, unaufhörlich sozusagen. So genossen wir auch ihre Gesellschaft bei einem kleinen Frühstückspicknick am Flussufer, trennten uns aber wieder von ihr um das Hotel meiner Gastfamilie zu erreichen. So konnte nun auch Suki die Gastfreundschaft von Meo, Thanh und allen weiteren Familienmitgliedern und Angestellten erfahren. Es war eine große Freude meine damalige Koordinatorin Nhan wieder zu treffen und Suki und ich erkundeten nun den Nationalpark gemeinsam. 

So kam es dazu, dass wir direkt am nächsten Morgen aus dem Bett geworfen wurden und an einer der großen Höhlentouren in der exclusiven Ruc Mon Höhle teilnehmen durften. Wieder einmal ein brachiales Erlebnis. Und dieses Mal war auch das Wasser nicht so kalt wie im Februar. Die Gruppe, der wir uns anschlossen bestand aus ein paar jungen deutschen Männern und so wurde ich spontan darum gebeten die Führung zu machen. Aber klaro, ich hab es noch drauf! So führte ich die Gruppe, natürlich mit Thanh, der Ende der 90er die Höhle und das Umland erforschte, durch den Dschungel, Landwirschaft hinein in die Höhle. Ein großes Abenteuer! Da die Jungs und Suki progressive Wanderer, gute Schwimmer und wagemutige Freikletterer waren, konnten wir sehr weit in die 17km lange Höhle hinein. Weiter, als ich zuvor selbst drin war. Total cool! Wenn ich das nächste Mal hier bin und etwas mehr Zeit dabei habe, werde ich mit Thanh eine Zwei-Tages Tour machen und die Höhle komplett durchqueren! Freue mich sehr darauf! Das große Abendessen mit der Familie auf dem Boden des Hauses stärkte uns mit frischer Energie für den nächsten Ausflug. Suki und ich nahmen den hoteleigenen Motorroller und fuhren kreuz und quer durch den Nationalpark. Wir besuchten Dörfer bei denen gerade ein lokales Volleyballturnier stattfand, fuhren wilde Schotterpisten ab und zogen unsere Kurven durch den dichten Dschungels der Puffer-Zone des Nationalparks. Auch der kleine Regenschauer konnte uns daran nicht den Spaß verderben!


Diverse Male wurden wir doch darum gebeten zu bleiben und ins Familiengeschäft einzusteigen. Die Familie hat uns wirklich lieb gewonnen und uns hat es dort auch sehr gut gefallen. Wie so oft ist in kleinen Städten wir hier am Park, alles miteinander vernetzt. Selbst Kilometer weiter, wenn wir uns einen Tee am Straßenrand kaufen, stellt sich heraus, dass wir bei einer Cousine oder ähnliches gelandet sind. So witzig. Zum krönenden Abschluss meines zweiten Aufenthaltes in Phong Nha, lud uns Nhan noch zu einem großen Mittagessen in das Haus ihrer Cousine ein. Sie lebt nun dort, in einem Holzverschlag und hat für uns Ente gekocht. Sehr lecker! Danach konnte ich noch ihren Laptop nutzen um an meinem Tagebuch zu arbeiten und Suki und ich bestiegen den Nachtbus, der uns ein kleines Stück weiter in den Norden bringt.


Tam Coc

Wie erwartet kamen wir um 4:00 Uhr morgens im kleinen Dorf Tam Coc an. Natürlich hatte der Busfahrer oder sogar die Busgesellschaft einen Deal mit einem örtlichen Hotel und dies war auch für uns geöffnet. Doch überraschender Weise war der Rezeptionist enorm freundlich und hilfsbereit. Jedem Fahrgast händigte er kostenloses Kartenmaterial aus und bot einen Sitzplatz in der Hotellobby inklusive WiFi an. Egal ob die Leute in dem Hotel nächtigen oder nicht. Viele Fahrgäste, die sich im Vorfeld nicht ausreichend informiert hatten, waren empört dass sie nicht am lokalen Busbahnhof in der Kleinstadt ca. 15 Kilometer entfernt von hier abgesetzt wurden. Doch dieser Touristenbus hält halt nahe der Touristenattraktionen außerhalb der Stadt. Denn die Stadt selbst, hat außer Hotels eigentlich nicht viel zu bieten. So buchte der Taxifahrer, natürlich mit einem kleinen Aufschlag für Ihn und dem Taxifahrer, gerne Direktfahrten zu den jeweiligen Hotels. Suki und ich waren jedoch gut präpariert und wie immer – ohne Buchung angekommen. So informierten wir uns über das Angebot des Hotels. Es war gar nicht so schlecht, doch wollten wir noch weitere Möglichkeiten abklappern. So liefen wir entlang des Sees, über den morgendlichen Markt und sobald sich die ersten Türen öffneten, klopften wir ein paar Hotels ab. Am Ende, was ein Zufall, lag das Beste Angebot für uns doch beim Hotel, dass uns des Nachts willkommen hieß. So checkten wir ein und genossen eine große Mütze Mittagsschlaf.

Tam Coc liegt nahe der Kleinstadt Ninh Binh, welches heute die Hauptstadt des gleichnamiges Bezirkes ist. Hier lag das politische und wirtschaftliche Zentrum Vietnams im 10. Jahrhundert. Die alte Kaiserstadt Hoa Lu, die heute nur noch aus ein paar Gedenktempeln und Ruinen besteht, befindet sich inmitten des Karstgebirges von Tam Coc. Viele Tagestouren aus dem nur knapp 100 Kilometer entfernten Hanoi besuchen dieses Gebiet. Die alte Königsstadt sowie die Flüsse und Höhlen des Karstgebirges locken die Besucher mit großen Reisebussen für ein paar Stunden in die Gegend. So schaute hier auch mein Kumpel Moritz, als wir in Hanoi waren einen Tag vorbei. Suki und ich beschlossen uns einen Teil des Touristen-Programmes auf eigene Faust anzusehen und die Ruinen gar nicht erst zu besuchen. So schwangen wir uns am Nachmittag, nachdem die Reisebusse längst fort waren, auf eines der kleinen Ruderboote, die nur 150m von unserem Hotel entfernt am Kai eines künstlichen Sees liegen. Zuerst brachte uns ein älterer Herr flussaufwärts. Nicht nur die schöne Landschaft, sondern auch die spezielle Rudertechnik der „Kapitäne“ ist beeindruckend. Obwohl überall an Warntafeln als verboten deklariert, treiben sie Ruder im Sitzen mit der Kraft ihrer Beine an. Warum dies verboten sein soll habe ich noch immer nicht verstanden, jedoch werden Touristen darum gebeten es sofort zu melden wenn der Bootsführer mit den Beinen rudert…komisch. Nach einer Weile wechselte der Mann das Boot und eine Dame ruderte uns die 6km flussaufwärts. Wir passierten steile Kalksteinfelsen und durchquerten jene auch in schmalen, natürlichen Tunneln.

Tam Coc bedeutet so viel wie „Drei Höhlen“. Und nach Höhle drei drehten wir auch wieder um und durchquerten die endlosen, im saftigen Grün liegenden Reisefelder entlang des kleinen Flusses. Berüchtigt ist auch die Penetranz, Sturheit und Unverschämtheit der Kapitäne kurz vor der Rückkehr an die Anlegestelle, bei der Forderung nach Trinkgelder. Natürlich kann man etwas geben. Aber es wird niemals genug sein und ich habe diverse Geschichten gehört dass es auch laut, handgreiflich und auch verbal unter die Gürtellinie gehen kann. Die Ruderer sind in einer Vereinigung die von öffentlicher Hand koordiniert wird. Die Preise für die Bootstour sowie das Ticket für den Eintritt in das Areal sind öffentlich festgesetzt und die Ruderer werden so koordiniert, dass jeder seinen Teil vom Tourismus abbekommt. Und diese Preise sind bereits verhältnismäßig teuer. Freundlich aber bestimmt, mit dem kleinen Unterton für alles bereit zu sein und ein harter Diskussionspartner zu sein, teilte ich der Bootsführerin mehrfach mit, dass ihre Leistung mit den Tickets für uns abgegolten sei und sie gab sich dann auch damit zufrieden. Zum Abschluss holten wir uns noch ein paar frische Frühlingsrollen von einer netten Dame am lokalen Markt und ließen den Tag gemütlich und müde ausklingen.


Drachenreiten

Einen weiteren Ausflug unternahmen wir dann mit dem Fahrrad. Zuerst fuhren wir ein kleines Dorf und dessen Markt ab. Nicht so besonders um ehrlich zu sein. Daraufhin ging es dann weiter zu einer weiteren Attraktion der Gegend. Wir steuerten auf den Mua Hill zu. Hier laden in einer neu eingerichteten Anlage ein paar Gärten, zwei Höhlen und ein Tempel auf dem Gipfel eines Hügels zu einem Besuch ein. Wohlwissend, dass bei öffentlichen Attraktionen wie dieser, die Parkplätze vor allem für Fahrräder kostenfrei im Inneren der Anlage zu finden sind, wurden wir kurz vorher dennoch mehrfach angesprochen. Diverse kleine, selbsternannte Geschäftsmänner bieten ihre Parkmöglichkeiten feil und lügen, dass keine weiteren Parkplätze vorhanden sind. Die letzte Familie war sogar so dreist uns nicht nur verbal sondern auch physisch zu stoppen. Mit einer selbstentworfenen Armbinde und Trillerpfeife versuchen sie Autorität auszustrahlen und werden sehr schnell sehr pampig. Ich diskutierte mit dem „Wärter“, der natürlich darauf bestand bezahlt zu werden und wir seinen Parkplatz nutzen müssen. Nach einer Weile hatte sein Tun dann leider auch Erfolg und wir waren der Diskussion müde… Und vorbeidrücken kam nicht in Frage, da er physische Gewalt anwendete. Und wir wollten die Sache natürlich nicht eskalieren lassen. Ich handelte den Preis dann von 30.000 auf 10.000 Dong herunter (ein weiteres Zeichen dafür wie inoffiziell sein Gewerbe ist) und wir parkten.

Den Eintritt zum Areal löhnten wir gerne und wir schlenderten, vorbei an den offiziell kostenfreien Fahrradparkplätzen, durch die Gärten. Relativ schnell, bevor die Touristenbusse aus Hanoi eintreffen, stapften wir die steilen und unregelmäßig in den Fels gehauenen Stufen hinauf auf den Berg.  Von hier hat man einen ausgezeichneten Ausblick auf die „Ha Long Bucht der Reisfelder“, wie die Region auch beworben wird. Auf dem Gipfel des Hügels steht ein kleiner Tempel und eine große Skulptur in Form eines Drachens, der sich auf dem Gipfelkamm windet. Der von Wind und Wasser geformte Kalkstein lässt natürlich mein Herz höher schlagen und Suki und ich ließen uns eine kleine Klettertour um den Gipfel herum nicht nehmen. Es nieselte kurz und die Wolken deckten die Karstgipfel und Reistäler der Umgebung in einen mystischen Nebel, doch wir waren mehr als überwältigt und zufrieden mit der Erfahrung. Eine sehr schöne Anlage und wahnsinnig schöne Ausblicke ließen den kleinen Zwist mit dem Parkplatz-Schlepper schnell vergessen. Wir kletterten und wanderten noch auf um und auf den ausgezeichneten Wegen auf den Gipfeln herum, besuchten noch weitere Nebengipfel und Höhlen, bevor wir uns wieder auf das Zweirad schwangen. Durch die Reisfelder ging es quer durch den Geopark, vorbei an weiteren Tempeln, Dörfer, Vogelparks und Flüssen. Wir entschieden uns spontan dazu bereits am nächsten Tag die Region zu verlassen und besorgten uns Bustickets in einem kleinen Supermarkt. Ja, wer kosteneffizient reisen will, der hält die Augen offen und findet gar außergewöhnliche Angebote auf ungewohnten Wegen.


Inselleben in Ha Long

Ein sehr luxeriöser Kleinbus brachte uns nach unserem Frühstücksbuffet in nur wenigen Stunden, mit Hilfe einer Fähre, auf die größte Insel der Ha Long Inselgruppe, nach Cat Ba. Dort machten wir uns auf die Suche nach dem günstigen Hotel, dass wir bereits im Vorfeld online recherchieren konnten. Nur leider war das nicht so einfach wie erwartet. Die GPS Koordinaten des Hotels waren im Web völlig falsch angegeben und die paar Einheimischen, die wir fragten, lotsten uns entweder falsch, oder wir erlagen einem Mißverständnis. Aber nach zwei Stunden standen wir endlich am gewünschten Hotel in einer Seitengasse und bekamen tatsächlich ein Zimmer zum überraschend günstigen Onlinepreis von gerade einmal 4 € inkl. Frühstück für zwei Personen! Ein guter Fang! Lediglich die Betten waren etwas hart, aber das machte uns erst einmal keine Sorgen. Nun waren wir also auf der größten Insel der berühmten Ha Long Bucht angekommen und konnten Pläne schmieden und herausfinden, was wie wir unsere Zeit hier wohl verbringen möchten. Mal wieder war das Timing perfekt. Gerade an jenem Wochenende war in der Stadt von Cat Ba ein großes nationales Drachenbott-Rennen angesetzt. An diversen Standpunkten in der Stadt sowie an der Hafenpromenade waren Bühnen installiert und mannigfaltiges Programm lud dazu ein die vietnamesische Kultur etwas besser kennen zu lernen. Nachts dröhnte dann richtig schlechte moderne und lokale Pop- & Elektromusik von den Open-Air Discotheken durch die Gassen der Stadt und ja, an einem Nachmittag konnten wir sogar ein paar Blicke auf das Drachenboot-Rennen erhaschen, welches in der Bucht der Stadt abgehalten wurde.


Ich nutzte die erste Zeit dafür mich für den nächsten großen Schritt vorzubereiten. Ich hatte das große Glück ein Working Holiday Visum für Hong Kong zu ergattern. Gerade einmal 300 Stück werden für Deutsche davon jährlich ausgegeben und Suki brachte mir mein Visum direkt aus Hong Kong mit. Das Visum ermöglicht es mir etwas Arbeit in Hong Kong zu verrichten und bis zu einem Jahr mich in der Sonderzone Chinas aufzuhalten. So ließ ich mich von einem der Herren am Straßenrand fesch rasieren und Suki schoss und bearbeitete ein paar Fotos für meine Bewerbungsunterlagen. Ich führte ein paar Telefonate mit meinen deutschen Kontakten und schickte bereits erste Unterlagen über das Südchinesische Meer nach Hong Kong. Ich bin gespannt aber auch sehr zuversichtlich und selbstbewusst was sich daraus wohl entwickelt wird. Natürlich halte ich euch auf dem Laufenden was meine Zeit in Sukis Heimat so mit sich bringt. Nachdem dies erledigt war, konnte es also endlich auf Entdeckungstour gehen.

Zuerst mieteten wir uns am Straßenrand einen Roller, die hier im Vergleich zum Rest der Nation überraschend günstig sind. Gerade einmal die Hälfte bezahlten wir für die Tagespauschale. Wir rauschten über die Insel, schossen durch das wunderschöne Karstgebirge, zum Eingang des Nationalparks hin. Ein riesiger Teil der Insel ist als Rückzugsort einiger Lebewesen, die nur hier zu finden sind (darunter auch Primaten), von der breiten Öffentlichkeit abgeschottet worden. Nur auf zwei kleinen Wanderwegen lässt sich der Dschungel etwas erkunden und auch Gipfel erklimmen, die einen brutal schönen Ausblick auf das faszinierende Areal liefern. So wanderten Suki und ich durch den Wald, sahen dies und das und standen schließlich auf einem der Gipfel. Wir wollten gar nicht mehr hinab, so angetan waren wir von der Schönheit der Insel, der Formen und des Waldes. Wir waren überaus positiv überrascht und hätten hier gerne für ein paar Tage ein Zelt aufgeschlagen. Doch wir hatten leider keines und so zog es uns leider wieder hinaus. Zu schade. Doch es ging weiter an das Nordende der Insel. Dort wo Moritz und ich vor einiger Zeit das Boot für eine aus Hanoi organisierten Tagestour durch die Ha Long Bucht bestiegen, gibt es einen geheimen Ort, der unter Individualtouristen immer beliebter wird. Unweit der Anlegestelle befindet sich ein Hügel, auf dessen Gipfel eine Funkantenne haust. Wenn man dem Wärter ein kleines Entgelt in die Hand drückt, öffnet er das Gitter und man kann über die knallgrüne Wartungstreppe die 50-70 Meter hinauf zum Gipfel erklimmen. Garantiert nur etwas für Schwindelfreie, aber einfach wirklich der absolute Hammer!


Kreuz und quer fuhren wir über die Insel, die natürlich um ein vielfaches kleiner ist als die Insel Phu Quoc im Süden des Landes, wieder in Richtung der Kleinstadt und Touristenzentrum. Unterwegs deckten wir uns noch auf einem sehr gut und günstigen kleinen lokalen Shop mit diversen Lebensmitteln und Snacks ein. Und dann… kurz bevor wir unser Ziel erreichten… Peng. Der Hinterreifen unseres Rollers verlor drastisch an Luft und wir blieben auf der Straße hängen. So ein Mist. Aber ehrlich gesagt schätze ich mich ganz glücklich. Neben dem Reifenplatzer an meinem Fahrrad in Nepal ist dies erst die zweite Panne seit Beginn meiner Reise. Ich würde sagen das ist ein ganz guter Schnitt. So schoben wir den Roller wieder zurück in das letzte Dorf, das wir passierten und ließen von einem jungen Herrn den Schlauch des Reifens für ein paar wenige Euro flicken. Alles kein Problem. Man macht sich einfach viel zu oft unnötige Sorgen. Dabei kann so vieles, sehr einfach, unaufwändig durch die Hilfe von netten Menschen behoben werden. Immer und überall!

DWS

Natürlich genossen wir auch hin und wieder die Strände unweit der Stadt oder die kleinen Wanderwege entlang der Küste. Bei einem unserer Touren stolperten wir quasi über eine kleine Agentur, die Klettertouren in und um Cat Ba anbietet. Lange haben wir überlegt und diskutiert ob und welche Tour für uns da interessant sein könnte. Schließlich haben wir uns dafür entschieden etwas Neues für uns beide auszuprobieren. Da sogenannte Deep Water Soloing, also das Freiklettern ohne Sicherung über dem Wasser. Ha Long ist unter passionierten Kletterern ein Mekka was diese Trendsportart betrifft und zu gewissen Zeiten im Monat, wenn der Wasserstand durch den Mond perfekt angehoben wird, fahren viele hinaus zu den Inseln und ziehen sich mit eigener Kraft die steilen Kalkwände hinauf. Unter professioneller Anleitung ging es dann für uns auch hinaus. Wir fuhren bei bestem Wetter durch einen Teil der Bucht und bekamen alle Instruktionen ausführlich erklärt. Natürlich birgt es, wie jede andere Sportart auch, einige Gefahren, die aber durch Wissen, Technik und nicht zuletzt Vorsicht fast eliminiert werden können.

Das Boot setzte Kleingruppen von Kletterern am Felsen ab und entfernte sich wieder. Dann bekamen wir das Zeichen loszuklettern. Und das war ein Mega-Spaß. Man fühlt sich natürlich enorm frei, denn man trägt kein Equipment, kein Seil mit sich. Man steigt so hoch man kann, bzw. bis man das Signal hört, dass man die Maximalhöhe erreicht hat. Dann folgt der für mich herausfordernste Part. Der Sprung hinab ins Wasser. Teilweise aus 12m Höhe. Brutal geil! Und sollte man während des Kletterns sich nicht mehr halten können, so plumpst man eben auch hinab und landet im Wasser. Diverse Routen und Schwierigkeitsgrade wurden uns angeboten und jeder auf dem Boot erreichte sein Limit. Auch Markus aus Deutschland, der geübte Hallen-Kletterer war zwar zum ersten Mal am Felsen draußen in der Natur, schaffte aber auch eine Route im beeindruckenden Schwierigkeitsgrad 6c (UIAA VII+/VIII−). Ich habe mich sehr gefreut, dass auch Suki den Spaß an diesem Sport für sich finden konnte und mit müden Armen und Adrenalin im Kopf fuhren wir nach ein paar Stunden bereits wieder zurück auf die Insel. Dort besuchten wir dann wieder eines unserer Lieblingsrestaurants bei dem man pro Bestellung ein Bier gratis mit dazu bekommt. Geschickt!


Zwar gehört es irgendwie zum Besucht der Region dazu, doch Suki und ich entschlossen gemeinsam eine Tagestour durch die Ha Long Bay nicht anzutreten. Die Klettertour hatte uns die beliebtesten Ecken bereits gezeigt und wenn wir ehrlich sind, ist es sehr schön, jedoch auch nicht so abwechslungsreich. Zudem wurde eine Insel, die von diversen Tourunternehmen angepriesen wird, die Affeninsel, so durch den Tourismus zerstört, dass man es nicht gerade unterstützen muss. Achja, die Affeninsel trägt ihren Namen warum? Genau, weil da Affen sind! Leben die Affen dort? Nein, die wurden aus Nationalparks vom Festland als Touristenattraktion auf die Insel umgesiedelt wo sie heute drastisch gesagt von Coca Cola und Snickers leben.

Entdeckergeist

Am letzten vollen Tag auf der Insel spazierten wir wieder einmal an der Steilküste auf einem relativ modern präparierten Weg entlang. Wir sahen wie sich die Sonne hinter die aus dem Wasser ragenden Kalkfelsen legte und plötzlich schoss mir ein Abenteuer in den Kopf. Ein letztes Ha Long Projekt sozusagen. Ich diskutierte mit Suki alle möglichen Risiken und wir entschlossen uns an unserem Abreisetag den Wecker auf früh zu stellen. Bei einem guten Burger und Fruchtshake schmiedeten wir dann unseren Plan. Am Morgen packten wir ein paar wichtige Dinge wasserfest in einen Beutel ein und wanderten circa eine halbe Stunde zu unserem Einstiegspunkt, einem Strand unweit der Stadt. Nachdem wir uns aufgewärmt hatten sprangen wir ins Wasser und schwammen hinaus aufs Meer, zu einem der großen Kalkfelsen. Natürlich waren wir sehr vorsichtig, denn wir konnten Strömung und Entfernung zur Insel nur grob Einschätzen. Teilweise fuhren die ersten Fischerboote an uns vorbei und wir kamen dann doch relativ zügig an der Insel an. Aus der Entfernung, vom Wanderweg aus, sah der Fels aus, als könnte man ihn schnell und einfach erklettern. Aber es war uns selbstverständlich klar, dass aus der Nähe so etwas ganz anders aussehen kann.

Wir zogen uns um und ich begann einen möglichen Weg hinauf zu erklettern. Dieses Mal gab es keine Anleitung und es war stellenweise auch gefährlich und ausgesetzt. In Ruhe und mit Gemach bewegten wir uns Felsaufwärts. Ein richtiges Abenteuer! Zweimal hatten wir eigentlich bereits beschlossen aufzugeben, doch ich fand immer wieder eine Route, die es sich doch zu probieren lohnt. Und wir schafften es dann, nach einer Stunde ausprobieren, auf den Kamm des Felsen! So cool! Auf eigene Faust erfolgreich eine Insel der Ha Long Bay erobert. Doch wie beim Bergsport heißt es auch hier: Erst nach erfolgreichem Abstieg/Heimkehr gehört der Berg dir, so lange gehörst du dem Berg! Wir genossen also unser Frühstück auf dem Felsen und feierten unseren Erfolg ab. Dann begann der adrenalinreiche Abstieg. Wir hatten zum Glück ausreichend Zeit eingeplant und irgendwann, nach spektakulären Manövern, waren wir wieder am Ufer des Meeres angelangt. Es ist schwer in Worte zu fassen, was ein unglaublich positives Gefühl einen durchfährt. Wir waren also sehr glücklich. Suki sogar so sehr, dass sie sich beim herumblödeln am Ufer gleich zwei Schnittwunden am Knöchel durch die messerscharfen Kanten von Muscheln zuzog. Murphy’s law. Doch es gab keinen Ausweg. Wir mussten ja wieder zur Insel Cat Ba zurück schwimmen. Doch während unserer Kletterei kam bereits die Flut und so hatten wir die Strömung auf unserer Seite. Unheimlich glücklich und zufrieden erreichten wir dann den Badestrand, der sich auch allmählich mit den Gästen der umliegenden Hotels gefüllt hatte. Zur Feier des Erfolges markierten wir den Punkt auf der Insel als neuen Aussichtspunkt in diversen online-Karten und liefen zurück zum Hotel. 


Dann war es auch wieder soweit. Eine schnelle Dusche, Sachen packen und ab in den Bus, der uns wieder auf das Festland Vietnams hoch in den Norden bringen soll. Von dort werde ich euch dann gar bald berichten.

 

Ich hoffe der kleine Reisebericht hat euch wieder einmal Spaß bereitet und ich bedanke mich herzlichst für euer Interesse. Suki und Schilli grüßen mit offenen Herzen! Lasst es euch königlich ergehen und genießt den Frühlingsbeginn!

 

HDGDL Schilli


Funfacts

- Im Hotel in Dong Hoi kauften wir uns ein paar Instant Nudeln. Blöd nur, dass der Wasserkocher kaputt war. So wurde Suki in die Hotelküche eingeladen und die komplette Familie schaute ihr interessant bei der Zubereitung zu.

- Was ziemlich beschissen ist, wenn man um vier Uhr morgens den Bus verlassen muss: Man vergisst gerne sein Hab und Gut. So fährt mein geliebter, funktionaler, perfekter Fleece-Pulli wohl noch heute herrenlos in einem Bus durch Vietnam…

- Ein bekannter Trick der Ruderinnen auf dem Fluss in Tam Coc. Eines der Boote bietet diverse Waren an und versucht dich auch dazu zu bringen, der Ruderin ein Getränk und/oder Obst zu kaufen. Oft wird die Ware nach der Tour wieder zurück getauscht und der Gewinn geteilt.

- Wenn ich mir beschissene Souvenirs in Tam Coc kaufe, dann bei dem alten Herrn um die Ecke. Er bot Waren an, die ich seit Monaten überall finde. Doch der Herr war so lieb zu mir, ich hatte beinahe schon ein schlechtes Gewissen, dass er mit mir kein Geschäft machen konnte.

- Wo isch mei Tubberdösle? Da kam der Schwabe durch. Unser Hotel in Tam Coc bot ein Frühstücksbuffet an. Zum Abreisetag machten wir uns dann auch ein Vesper für die Busfahrt… Pssst. Geheim!

- Ich versuchte mich auch aus Stilgründen an einer viel zu schweren Route beim Klettern in Cat Ba. Der Einstieg alleine sieht schon enorm spektakulär aus. Und genau dabei, haute ich mir das Knie an und musste zwei Tage humpeln. Ich Idiot! Verletzung beim Posen für ein Bild! :)

- Zweimal ist es uns passiert. Wir entschieden uns für ein Restaurant, stellten fest das es geschlossen ist, setzten uns im Restaurant daneben und bestellten. Noch bevor das Essen kam, öffnete das von uns präferierte Restaurant…eine Verschwörung! Jawohl! Chemtrails!

- Wir wurden teilweise auch echt gemütlich. Für einen großen Strandaufenthalt kauften wir eine Ananas und liefen eine halbe Stunde zum Strand. Dann war uns doch das Wasser zu kalt, wir aßen die Ananas und liefen eben wieder zurück.

- Suki und ich hat die Sonnenblumenkerne-Sucht erwischt. Teilweise aßen wir ein halbes Kilo (!) am Tag!


Danke auch an Suki für ein paar der Bilder!


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