#53 | Vom Kriegsschauplatz zum Badeort | 631.Reisetag

1.500 Höhenmeter brachte uns der kleine Reisebus hinab zur Küste. Es ging vom Bergplateau von Dalat durch die Drachenfrucht-Plantagen und Hügel hinab nach Mui Ne. Dort drängten sich uns wieder einmal diverse Motorrad-Taxi-Fahrer auf und wie kleine Kinder setzten wir uns erst einmal auf den Boden und ignorierten diese, nachdem wir bereits diverse Male deren Angebot freundlich abgelehnt hatten. Erst einmal ankommen. Nachdem wir einen Plan gemacht hatten, wo wir zuerst anklopfen und nach Unterkunft anfragen wollten, schnallten wir drei unsere Rucksäcke auf und liefen bei über 30°C durch das touristische Fischerdorf einem kleinen Hotelkomplex entgegen. Auf dem Weg konnten wir bereits diverse Shops und Märkte auschecken und uns mit der Umgebung vertraut machen. Nach etwas feilschen, wobei uns die Rezeptionistin einen überraschenden Rabatt gewährte, den wir so gar nicht angefragt hatten, bezogen wir ein kleines Apartment in den Van Nguyen Mini-Häusern. Hier in Mui Ne wollen wir es uns gut gehen lassen und wir hatten uns eine Art modernes Bungalow mit Küche, hervorragender Ausstattung und sogar einem Swimmingpool heraus gesucht. Und da wir zu dritt waren, war es gar nicht mal viel teurer!

Privét! Ein Mallorca Russlands

Mui Ne wurde erstmals 1995 von ausländischen Touristen entdeckt, die aufgrund der Sonnenfinsternis die großen Strände und Sanddünen als Aussichtspunkt dafür nutzten. Seit dem boomt das Dorf, das einst ausschließlich durch den Fischfang und Fischsaucenproduktion lebte. Am größten Strand, der sich gut 10km am südchinesischen Meer entlang zieht sammeln sich nun hunderte Resorts, Hotels und Restaurants um die Gäste aus dem Ausland zu versorgen. Vor allem bei russischen Strandurlaubern und Wind- & Kitesurfern aus aller Welt ist der Ort sehr beliebt. Unser Bungalow liegt etwas außerhalb des Haupttourismus-Areals, inmitten einer Siedlung und nahe eines Marktes. Doch waren die Strände fußläufig zu erreichen und wir entschlossen, dass es wohl die perfekte Lage für unsere Vorhaben biete. So schlenderten wir zuerst zum Markt und kauften haufenweise frische Früchte, Gemüse und weitere Zutaten. Dann machten wir uns auf zur großen Bucht um eines der selbstgebauten Zeltkomplexe am Strand zu besuchen. Aus der Ferne sehen sie aus wie Slums und in der Tat leben Menschen darin. Für einige Fischerfamilien ist es einfach praktikabler unweit des Bootes, am Strand, ihre Hausung zu errichten und ihre Produkte direkt von dort aus Passanten anzubieten.

Und die Preise für frischen Fisch und Meeresfrüchte hier sind der Wahnsinn. Man kauft so gut wie alles hier lebend und natürlich direkt vom Produzenten. So endeten wir schließlich dabei die doppelte Menge zu kaufen, als eigentlich geplant. Spontan kauften wir neben zwei Kilogramm Shrimps auch noch zwei lustig aussehende Langusten. In einer Plastiktüte voller Eis brachten wir die Frischware in unsere Küche und hatten natürlich enormen Spaß das Essen zuzubereiten. Nach guten zwei Jahren Abstinenz konnten Mo und ich endlich wieder unseren Schabernack gemeinsam in der Küche abziehen, was ich sehr genossen habe. Wir kochten jeden Tag selbst. Ob Meeresfrüchte oder die guten alten Spaghetti, wir ließen es uns richtig gut gehen! Doch wir verachten natürlich nicht den ganzen Tag in der Küche oder bei Besorgungsgängen. Wir entspannten etwas am Strand, schwammen tagsüber und auch in der Nacht im Meer und genossen die Sicht auf die unzähligen Fischerboote und kleine Fischer-Nussschalen die hier in der Bucht von Mui Ne liegen. Ganz besonderen Spaß hatten wir mit der Hoteleigenen Poolanlage. Es war richtig heiß währen unseres Aufenthaltes. Brutal heiß. So kam das Nass um die Ecke natürlich sehr passend und es viel uns sehr leicht uns mit Hilfe von kreativen Fotoshootings uns selbst zu unterhalten.


Einmal klingelte der Wecker bereits um 4:30 Uhr morgens. Wir mieteten uns Roller um den Sonnenaufgang an einer der großen Sanddünen zu besichtigen. Leider hat die Anlieferung in der Nacht mit den Rollern nicht so ganz funktioniert und wir kamen erst etwas später los als erwartet. So preschten wir über die Küstenstraße etwas nördlich und merkten auch bald, dass wir unser eigentliches Ziel, die größte und berühmteste Sanddüne Südostasiens wohl nicht erreichen werden. Kein Problem. So stoppten wir auf dem Weg und liefen zu einer anderen Düne, die wir dann auch ganz für uns hatten. Keine Touristen-Busse, Nicht einmal Einheimische. Nur ein Kuh-Hirte lief mit seiner Herde am Strand unter uns vorbei. So konnten Mo, Suki und ich den Sonnenaufgang hinter dem Meer ganz für uns genießen. Nach dem Sonnenaufgang um 6.00 Uhr ging es für uns dann weiter zur großen Sanddüne. Als wir dort ankamen waren die Touristenmassen bereits verschwunden. Wir parkten unsere Roller und wanderten auf dem Sand hinauf zur Düne. Es ist wirklich beeindruckend, wie der Wind hier den Sand zu einer Mini-Wüste mit gigantischen Erhebungen geformt hat. Und in der Mittagshitze will hier auch keiner hin. Zum Sonnenaufgang und in den Morgen- und Abendstunden ist es ein beliebtes Ziel um mit Quads und Allradfahrzeugen durch den Sand zu heizen. Ein Asiate, der an uns mit einem Guide auf einem Quad vorbei rauschte kreischte wie ein kleines Mädchen und wir konnten sein Gejohle noch hunderte Meter weit hinter den Dünen hören. Wir erklommen ohne Eintritt oder Dienstleistungen zu bezahlen den Gipfel auf einem Seitenweg und hatten auch unseren Spaß mit den Steilen Abhängen und der faszinierenden Aussicht.


Noch bevor die Mittagshitze einen Aufenthalt außerhalb von Schatten sehr unangenehm macht, erreichten wir wieder unser Bungalow und wir konnten etwas Schlaf und das Frühstück nachholen. Am Nachmittag schwangen wir uns dann wieder auf’s Zweirad und wir erkundeten die Umgebung weiterhin auf eigene Faust, fuhren den zehn Kilometer langen Strand ab und sahen zu wie sich die Sonne hinter der Bucht von Mui Ne, jenseits der hunderten von Fischerboote, schlafen legte. Zeit für eine weitere Kochsession in unserer hervorragenden Unterkunft. Ein zauberhafter letzter Tag hier in Mui Ne, welcher mit dem Sonnenaufgang begann und mit dem Sonnenuntergang, sowie dem Herumalbern mit dem hoteleigenen Welpen und natürlich einem letzten Sprung ins Schwimmbad ausklang. Am kommenden Morgen dann, nach einem selbstbereiteten Frühstück, bestiegen wir den Bus in die ehemalige Hauptstadt des Landes, die bis 1976 als Saigon weltweit bekannt war. In gerade einmal sechs Stunden soll uns der Touristenbus von der paradiesischen Küste in den Großstadtdschungel der größten Metropole Vietnams bringen.


A „miss“ in Saigon

Im Wirrwarr der Stadt brauchten wir einige Zeit um ein passendes und günstiges Hotel zu finden. Der Bus hat uns natürlich direkt im Touristenviertel des Stadtzentrums aussteigen lassen. Für Mo wird Ho-Chi-Minh Stadt die letzte Station seines Vietnam-Urlaubes sein. Von hier aus wird er nach Deutschland zurück fliegen. Doch wir hatten noch drei Tage bis sein Flieger ging und wir starteten damit die Stadt zu erkunden. Als erstes schauten wir uns die Menschen und Etablissements des Touristenviertels an. Viel Party wird hier geboten und die Lachgasballons, die hier in jeder Bar erhältlich sind, sind wohl der Renner. Wir hatten kein Interesse daran den unzähligen Feierlichkeiten in Bars, Clubs oder auf der Straße beizutreten, ist es doch überall auf der Welt das Gleiche. Klar, feiern gehen ist hier um einiges günstiger als in Europa, jedoch im Vergleich zu den sonstigen Ausgaben hier im Land immer noch relativ teuer. Da sehe ich es nicht ein, das Geld, welches ich in Abenteuer und Erlebnisse investieren könnte, in Exzesse mit anderen Touristen zu verplempern. Ich hatte ausreichend Partyurlaub in Griechenland, zu Beginn meiner Reise. Wir gönnten uns jedoch einen Döner Kebab der großartig mit Deutscher-Qualität Werbung für sich machte. Mensch, ich hatte so lange keinen guten Döner mehr, da hatte ich mich sehr darauf gefreut. Und der Döner war auch gut…jedoch leider nicht größer als eine geballte Faust…enttäuschend. So machten wir es uns mit ein paar Dosen lokalem Billigbier in unserem Hotelzimmer gemütlich, spielten Karten und machten Pläne für die letzten gemeinsamen Tage.


Am kommenden Morgen ging es früh raus und wir besuchten einen Markt weit außerhalb der Touristenzone in der Nähe des Chinesischen Viertels. Sehr geschickt, dass viele der Saigonerianer hier Kantonesisch sprechen können. Vor allem Suki überraschte es sehr. Super geschickt für uns, da sich Suki hier ein wenig mit Kantonesisch und Mandarin verständigen konnte. Mo deckte sich auf dem Markt mit ein paar Souvenirs und Geschenken ein bevor wir den Linienbus zu den Sehenswürdigkeiten Ho-Chi-Minh-Stadts nahmen. Wir liefen zu Fuß ein paar Sehenswürdigkeiten ab, wobei das berühmteste Erlebnis Saigons natürlich der heftige Verkehr mit zigtausenden von Rollern ist. Es sind hier in der Tat deutlich mehr Roller unterwegs als in den anderen Städten, die ich bereist hatte, wobei der Verkehr in Indien auf mich deutlich chaotischer und heftiger gewirkt hat. Ein Erlebnis ist die schiere Menge an Zweirädern dennoch. Wir statteten dem Museum für Kriegsreste auch noch einen Besuch ab. Klar, ein bedeutender Teil der vietnamesischen Geschichte ist der erst vor 44 Jahren beendete Indochina-Krieg, da wollten wir mit einem Museumsbesuch mehr darüber erfahren. Bis vor kurzem hieß das Museum noch „Ausstellung für Kriegsverbrechen und Aggression“, doch nachdem sich die amerikanisch-vietnamesischen Beziehungen langsam verbessern, hat die vietnamesische Regierung einen weniger dramatischen Namen dafür gewählt. Das Museum befindet sich übrigens im ehemaligen Gebäude des amerikanischen Geheimdienstes und ist das am Meisten besuchte Museum im ganzen Land.

Mehrere Stunden hielten wir uns im Museum auf und machten unsere Runden durch die diversen Themengebiete und Ausstellungsstücke. Jeder für sich. Und es ist brutal… Das Museum zeigt ohne Hehl, ganz deutlich die Schrecken und Grausamkeit des Krieges. Diverse Geschichten werden erzählt und mit horrormäßigen Beweisen untermalt. Von Agent-Orange, einer der amerikanischen biologischen Waffen die heute noch, Generationen später, die Menschen verkrüppelt und ganze Areale unfruchtbar hält bis hin zu Einzelschicksalen und und und… Es ist wirkliche eine Empfehlung wert, jedoch nichts für schwache Nerven. Spannend ist es auch anzusehen wie das Museum ohne sich zu verstecken als Mittel zur Propaganda verwendet wird. Während die meisten Museen der Welt rein Fakten erzählen ohne eine Seite zu vertreten, strotzt dieses Museum vom Heldenmut der Vietnamesen, Emotionen, Leittugenden und der unmessbaren Grausamkeit der Amerikaner. Als hätte der Vietkong ihre Gefangenen im Drei-Sterne-Hotel untergebracht… lächerlich. Aber davon abgesehen wird die antihumanistische, brutale Seite des Krieges ohne Scheuklappen erzählt. Ich möchte nicht allzu viel darüber berichten, macht euch selbst ein Bild. Vor allem diejenigen, die – wie ich glücklicherweise – nie einen Krieg selbst erfahren mussten. Diejenigen, die im Schoß und behütet vom Schutz und Frieden der vergangenen 73 Jahre in Deutschland aufgewachsen sind aber heute aggressiv die Fäuste erheben um „mit allen Mitteln“ ein modernes, globales und farbenfrohes Deutschland verhindern oder aus Angst vor Andersartigkeit Kriegsregionen als „sicher“ deklarieren wollen…

Moritz besorgte noch die letzten Kleinigkeiten und packte dann seine Sachen. Er hatte deutlich mehr Gepäck auf seinem Rückflug nach Deutschland. Erfolgreiches Shopping in Vietnam nenne ich das. Ausgezeichnet! Suki und ich brachten Mo zum Flughafen und wir sagten auf Wiedersehen. So geil, danke Mo für deinen Besuch, deine Gesellschaft und die Neuigkeiten aus der Heimat. Es tat mir sehr gut, dich wieder für eine Zeit an meiner Seite zu haben und ich schätze mich sehr glücklich dich meinen Freund nennen zu dürfen!!! Bis bald mein Lieber! Nachdem wir ihn verabschiedet hatten, fuhren Suki und ich noch mit den lokalen Bussen, die hier sehr gut organisiert und günstig sind, durch die Gegend, besuchten dies und das und gönnten uns frittiertes Hühnchen in dem großen Einkaufshaus „BigC“. Nun, da Mo wieder fort ist, werfe ich wieder einen Blick in die nahe Zukunft. Ich möchte ein Monatsvisum für die Volksrepublik China hier in Ho-Chi-Minh Stadt beantragen und so machte ich ein paar Recherchen, fertigte Dokumente an und gemeinsam mit Suki stand ich morgens pünktlich am chinesischen Konsulat parat. Und die Misere nahm ihren Lauf. 

Nachdem wir gute drei Stunden in der Hitze vor dem Konsulat in einer Schlange darauf warteten hinein gelassen zu werden, entschlossen wir uns es am nächsten Morgen nochmals zu versuchen. Dann mit Brotzeit, Wasser, Sonnencreme und Zeit bewaffnet um die Wartezeit angenehmer zu gestalten. Gute zwei Stunden vor Öffnung des Konsulates stand ich dann am nächsten Morgen alleine vor dem Konsulat und hatte nur so ca. 20 Menschen vor mir. Heute könnte es klappen… Doch so einfach läuft das hier nicht. Hintergrundinformation: Das Konsulat nimmt Anträge von 8-11 Uhr täglich entgegen. Es wird immer nur eine 5er Gruppen hinein gelassen. Sollte theoretisch also heute klappen. Doch die findigen Vietnamesen machten mir auch heute einen Strich durch die Rechnung. Denn die Menschen vor mir waren größtenteils Einheimische, die als Platzhalter für Gruppen, Agenturen oder Einzelpersonen anstanden. Für ~20€ kann man sich hier einen Platz in der ersten Reihe kaufen. Doch auch das reicht bei nur drei Stunden Öffnungszeit oft nicht aus. So kann man für ~50€ einen der Vietnamesen ansprechen, die einen, an allen Schlangen vorbei, direkt in die nächste 5er Gruppe stecken. Dabei wollen natürlich diverse Polizeibeamte und Offizielle bestochen werden. Hahahaha, ein fabelhaftes Beispiel dafür wie gut der Sozialismus hier funktioniert. Denn nach genau fünf Stunden Wartezeit schlug die Uhr 11:00 und die Türen zum Konsulat schlossen sich. Ich noch weit davon entfernt in einer 5er Gruppe zu landen. Klar, den immer wieder entschlossen sich Menschen dazu das Korruptionsgeld in die Hand zu nehmen um sich Zutritt zum Konsulat zu erkaufen. Mir war es das aber natürlich nicht wert. So werde ich eben von Hong Kong aus mir ein Visum für China besorgen. Ätschibätsch! Aber genervt hat es mich selbstverständlich trotzdem enorm…

Wie die Ameisen

Nachdem das also auch erledigt war, machten Suki und ich Pläne wie wir das Land weiterhin bereisen wollen. Wir wollten nicht allzu lange in der Großstadt bleiben und entschieden uns als nächstes eine Insel an der Grenze zu Kambodscha zu besuchen. Wir checkten morgens aus dem Hotel aus und nahmen nochmals zwei lokale Linienbusse um eine weitere Gedenkstätte des Krieges zu besuchen. Nur ca. 70km außerhalb von Saigon liegen die Tunnel von Cu Chi. In Vietnam gibt es mehrere dieser Tunnel, die der Vietcong als Rückzug, aber auch als Offensive gegen die Franzosen und Amerikaner mit Blut und Schweiß gegraben hatte. Die Tunnel hier in Cu Chi sind jedoch die bedeutsamsten, nicht nur aufgrund ihrer schieren Größe (>200km!!!) sondern auch weil sie zum einen einer letzten Bastionen der Nordvietnamesen im Süden war und zum anderen weil von hier aus die berühmte Tet-Offensive auf Saigon, dem Hauptstützpunkt der Amerikaner, vollzogen wurde. Man sagt, dass wenn die Tunnel in Cu Chi gefallen wären, der Krieg sicher ein anderes Ende genommen hätte. Denn gerade die Tet-Offensive, bei welcher die amerikanische Botschaft in Saigon vom Vietcong belagert wurde, rückte das Licht der Öffentlichkeit auf den Krieg in Vietnam und es begannen weltweite Proteste, auch in den USA. Diese führten dann glücklicherweise zum Ende des Krieges und zur Wiedervereinigung Vietnams.

Auf dem Weg zu den Tunneln sprach mich ein älterer Herr im Bus an. Er sei im Krieg verwundet worden und da ich ja sicher Amerikaner sei, soll ich ihm doch gefälligst etwas Bargeld geben… Ja ne ist klar! Erst mal ist uns natürlich klar, dass ich kein Amerikaner bin. Aber das nehme ich ihm natürlich nicht übel. Übergewichtig, westlich, wenig deutscher Akzent und eine Baseballmütze auf dem Schädel…manchmal denke ich selbst ich bin US-Amerikaner. Doch auch ich als Deutscher habe mich natürlich auch mit der Geschichte meines Heimatlandes und den Opfern die daraus entstanden sind moralisch auseinander gesetzt. Ganz zu schweigen von der Belastung der auf den gesamten westlichen Ländern aufgrund der Ausbeutung durch Kolonialisierung, Kapitalismus, Marktwirtschaft etc. gegenüber der Rest der Welt liegt. Und so leid mir auch alles tut, ich bin persönlich dafür nicht, oder nur geringfügig verantwortlich. Mich dadurch emotional unter Druck zu setzen funktioniert leider nicht Freundchen. Also: Pustekuchen, nicht mit mir. Doch ich helfe dir gerne dabei Unterstützung vom amerikanischen Hilfsfond für Kriegsopfer in Vietnam zu bekommen. Willst‘e nicht? Du wolltest nur ein paar Tausend Dong für Bier? Wie alt bist du eigentlich? Warst du überhaupt im Krieg? ... Fragen über Fragen…

Wir liefen über das gigantische Areal der Gedenkstätte, besuchten Denkmäler, Tempel und gelangten schließlich zu dem Eingang, der für Besucher präparierten Tunnel. Der Großteil der Tunnel ist bereits eingestürzt und es wird aus finanziellen Gründen nur ein kleiner Teil als Erinnerung und Bildungsobjekt bewahrt. Doch es ist nicht minder faszinieren anzusehen und auch am eigenen Körper zu erleben, wie die Kämpfer des Cu Chi Dorfes sich gegen den Feind wappneten und ein Leben unter der Erde führten. Unser Führer, der im Ticketpreis inbegriffen ist, war überragend und er wählte auch mich aus, als erster einen der Original Tunneleingänge zu testen. Autsch. Der Mini-Eingang führt dann zu den Tunnelkomplex in welchem Krankenhäuser, Schlafsäle, Küchen etc. mit gerade einmal 80x60cm kleinen Tunneln verbunden werden. Natürlich gespickt mit Falltüren, Sackgassen und weiteren faszinierenden Einrichtungen. Selbstverständlich wird auch hier ordentlich gegen Amerika gehetzt und für Vietnam propagiert. Aber gut, damit muss man rechnen. Etwas Beigeschmack hat die Schießanlage etwas fernab von den Tunnel gelegen. Hier kann man von der AK47 bis hin zum fest installierten M60 Maschinengewehr diverse Waffen aus dem Vietnamkrieg selbst abfeuern. Das brauche ich nicht…danke. Zurück in der Stadt bestiegen wir dann unseren Schlafbus, der uns quer über das Mekong Delta an die Grenze zu Kambodscha brachte. Das Mekong Delta soll zwar auch seine interessanten Ecken zu bieten haben, doch Suki und ich verbrachten bereits so viel Zeit an den Ufern des mächtigen Flusses in Laos, das wir uns dies hier sparen wollten. Zudem wird das Wasser hier flussabwärts sicher nicht sauberer sein…


Phu Quoc

Am Meer, unweit der Grenze, besorgten wir uns Tickets für die Fähre, die uns in unter zwei Stunden nach Phu Quoc, der Hauptinsel des An Thoi Archipels und auch die größte Insel Vietnams, brachte. Dort angekommen galt es wieder einmal mit den diversen Angeboten an Transportmitteln herum zu streiten. Sobald man die Fähre verlässt wird man von diversen Verkäufern und Fahrern unter Druck gesetzt. Doch es war gerade einmal 8 Uhr morgens und wir gönnten drückten uns erst einmal durch die Menschenmassen zu einer abgelegenen Parkbank. Dann konnten wir, nachdem der Großteil der Fahrgäste bereits den Hafen verlassen hatte, in Ruhe alle Transportmöglichkeiten anfragen und die für uns beste Möglichkeit herausfiltern. Mit der Ankunft der nächsten Fähre fuhren wir dann in die Nähe der Kleinstadt Duong Dong, dem Hauptort der Insel. Phu Quoc wurde während der französischen Besatzung sowohl als auch von den Amerikanern als Gefängnisinsel genutzt und wird seit die Roten Khmer, die tyrannischen Besatzer aus Kambodscha in den 80er Jahren, zerschlagen wurden, touristisch erschlossen und ausgebaut. Enorme private und öffentliche Investitionen in den Tourismus sind allerorts zu entdecken. Gerade an der Westseite der Insel werden gigantische Hotelresorts gebaut. Phu Quoc liefert wundervolle weiße Sandstrände, wundervolle Unterwasserwelt und durch den Nationalpark im Norden der Insel auch dichten Dschungel und schöne Hügel. Ein perfektes Feriendomizil im Golf von Thailand, das stark an karibische Bilder erinnert. Doch der Massentourismus hat bereits Fuß gefasst und in ein paar Jahren wird hier eine Art kleines Dubai entstehen.

So schätzen wir uns sehr glücklich die Insel noch vor dem abgeschlossenen Transformationsprozess zu erleben. Wir ließen uns an einer kleinen, günstigen Siedlung mit Familienhotels, Hostels und Homestays nieder. Der Übernachttransport, bei dem ich natürlich wieder nicht Schlaf bekam, zehrte an meiner Kraft und so schafften wir es an unserem Ankunftstag gerade noch ein Abendessen am Strand bei einem 1A Sonnenuntergang zu uns zu nehmen und verbrachten den Rest vom Tag in der Horizontalen.Dann machten wir uns mit der Umgebung vertraut, suchten gut und günstige Restaurants und Shops. So kauften wir frische Frühlingrollen bei der Nachbarsdame und fanden ein paar Straßen weiter einen Herrn der uns einen guten Deal für frische Früchte machte, spitze! Nun konnten wir entspannen und unsere Pläne zur Entdeckung der Insel und des Archipels machen. Nachdem wir etliche Aktivitäten und Preise verglichen hatten, entschlossen wir uns tatsächlich wieder eine organisierte Tour zu unternehmen. Über ein Restaurant bei dem wir einen Rabatt erhielten, buchten wir eine Bootstour durch das Archipel zu den großen Riffs um etwas zu Schnorcheln. Und wir haben bestes Wetter erwischt.


Zuerst brachte uns ein Bus zum Süden der Insel, hier steht auch eine weitere Attraktion des Landes. Mit einer Seilbahn kann man ganze 8km weit und bis zu 160m Höhe hinaus auf’s Meer zu zwei weiteren Inseln der Kette gelangen. Doch wir bestiegen ein Boot und fuhren noch weiter hinaus, zu den kleinen, unbewohnten und traumhaft schönen Inselchen am Riff. An drei verschiedenen Inseln machten wir halten und sprangen ins Nass. Das Riff, vor allem an der zweiten Station, war gigantisch und wunderschön. Erst vor kurzem wurde das Gebiet unter Schutz gestellt, weswegen das Tauchen hier auch noch nicht so lohnenswert ist, jedoch ist es zum Schnorcheln bestens geeignet. Suki und ich verbrachten so viel Zeit wie möglich im und unter Wasser und machten uns gemeinsam auf Entdeckungstour. Fast verpassten wir auch das Mittagessen mit frischen Meeresfrüchten und lokalen Gerichten an Bord des Schiffes. Wie versprochen lieferte man uns einen Tag voller Schnorcheln. Wir genossen auch etwas die Felsen und Sandstrände der Inseln und waren am späten Nachmittag, als das Boot uns wieder in Richtung der Hauptinsel brachte, körperlich ausgelaugt aber überaus glücklich und zufrieden. Es hat sich mehr als gelohnt, auch wenn uns die Schwimmflossen etliche Blasen auf die Füße zauberten und die Sonne mir einmal wieder ordentlich die Haut verbrannte.


Nach einem Tag Erholung ging es dann daran, die Hauptinsel an sich zu erkunden. Mit 574km² hat sie eine ordentliche Größe und es gibt einiges zu erkunden. Dieses Mal machten wir uns auf eigene Faust los, mieteten ein motorisiertes Zweirad und schwangen uns auf den Sattel. Wir besuchten diverse Dörfer und Märkte, wobei die Märkte hier weniger spaßig zu erkunden sind, da ja auf der Insel wohl alle mit dem Roller einkaufen gehen. So fahren sie von Stand zu Stand und als Fußgänger ist es eher ungemütlich. Danach fuhren wir die Küstenstraße entlang in den Norden, fuhren an einem Freizeitpark vorbei in den Nationalpark. Hier konnten wir in trauter Zweisamkeit etwas durch den Dschungel wandern und die gigantischen Bäume und Lianen bestaunen. Wirklich schön hier. Ich hoffe nur, dass die unbequeme Schotterpiste, die durch den Nationalpark führt nicht ausgebaut wird und der Nationalpark stark durch den Massentourismus leiden wird. Von den Hügeln ging es wieder zur Küste, an einem der Strände, die durch weißen und sehr weichen Sand die Besucher anlockt stehen diverse Restaurants inmitten des Meeres. Mit langen Holzstegen sind diese mit dem Strand verbunden und sind damit eine Attraktion der Attraktionen der Inseln. Zur Richtigen Saison ist der Strand bei Ebbe auch mit unzähligen Seesternen gespickt, doch waren wir konnten leider keine im glasklaren warmen Wasser entdecken. Wir genossen unser Mittagessen dann in einem kleinen Restaurant einer Fischerfamilie an einem unscheinbaren Fischerhafen unweit davon.

Auf dem einzigen Highway der Insel preschten wir dann zurück gen Süden in das Zentrum der Insel. Hier entspringen zwei Süßwasserquellen dem Fels und bilden zwei Flüsse. Es soll hier einen Wasserfall geben, den wir uns gerne ansehen wollten. Doch leider war ja gerade Trockenzeit und der Wasserfall…naja…war eher enttäuschend. Doch auch wenn der Wasserstand niedrig und das Areal nicht übertrieben schön war, kamen einige lokale Familien zum Picknick hier her. Wir sahen vielen Kindern beim Spielen im kühlen Nass zu und so bekamen wir eine unerwartete Attraktion zu sehen: Menschen. So hatten wir etwas Spaß mit den Kids und machten uns während des Sonnenuntergangs auf zur letzten Station unseres kleinen Rundtrips. Der Nachtmarkt von Duong Dong ist wohl der modernste und ausschließlich für Ausländer eingerichtete Nachtmarkt den ich in Südostasien bisher besuchen durfte. Nichtsdestotrotz hatten wir unseren Spaß. Es war ganz lustig, dass ein Vietnamesisches Unternehmen, das Nüsse in diversen Geschmacksrichtungen vertreibt, gerade auf großer Marketingtour hier einen Stopp machte und wir an jeder Straßenecke mit Promotoren quatschen und Nüsse probieren konnten. Und ja, wir hielten bei jedem der geschätzt 15 Promotoren und bekamen unsere Portion Nüsschen.

Zurück im Hotel teilten wir der stets lachenden Besitzerin mit, dass wir am nächsten Tag abreisen und wir sprangen zu einem Bad im Mondlicht noch ein letztes Mal ins Meer. Ein Nachtbad im Meer ist einfach jedes Mal etwas Besonderes. Ich liebe es!

 

Wir haben den östlichsten Punkt des Landes erreicht und befinden uns direkt unterhalb von Kambodscha. Nicht weit von hier, an der nördlichen Grenze von Kambodscha, waren Suki und ich bereits vor knapp zwei Monaten. Irgendwann wirst auch du besucht, Kambodscha, versprochen! Morgen verlassen wir also wieder die Insel um zurück auf das vietnamesische Festland zu gelangen. Es geht zurück nach Saigon. Wir haben uns entschlossen relativ zügig in den Norden zu reisen, um dort mehr Zeit zu verbringen.

 

Was dort auf uns wartet? Wir werden es sehen. Suki und ich sehr gespannt und wir lassen es euch bald wissen! Liebe Grüße von Suki und mir. Hab euch lieb, euer Schilli


Funfacts

- Ca. eine Knolle Knoblauch verbrauchten wir pro Tag in der Küche in unserem Bungalow in Mui Ne.

- Wenn Verhandlungen schief laufen: Eine volle Hand und zwei Finger steht für sieben, richtig? Manchmal auch für 25…oder 52? Andere Länder, andere Sitten.

- Der Markt in Mui Ne war voller Avocados. Hmmmm lecker, da freuten wir uns drauf. Als wir am kommenden Tag welche kaufen wollten, waren sie verschwunden. Keine Stand hatte mehr welche…mysteriös...

- Verbeugt euch vor den fabelhaften Artisten Moritz, Suki und Schilli. Einen Turm aus drei Personen, jeweils auf den Schultern des anderen, haben wir gekonnt im Swimmingpool performt.

- Nach einer Runde Instant-Nudeln wurde ich so durstig, dass ich des Nachts alle unsere Wasservorräte trinken musste. Daraufhin kochte ich diverse Liter Leitungswasser und nutzte Wasser-Reinigungs-Tabletten, die ich noch von meinen Wanderungen in Nepal parat hatte. Geschickt sowas.

- Ein Augenschmaus: Die Schlafanzug-Verkaufs-Armee von Damen im besten Alter in den Straßen von Saigon. Sobald die Dämmerung beginnt sind sie zu finden. Ältere Damen die diverse Waren auf den Straßen anbieten und stets in kunterbunten, motivreichen Schlafanzügen gehüllt sind.

- Suki und wollten shoppen gehen. Also los zu einer Shopping Mall. Eine Stunde liefen wir zum Gebäude in Saigon, das… verschwunden war. Vor kurzer Zeit abgerissen. Danke Google maps.

- Bei Ankunft in Phu Quoc feilschten wir lang mit einem Kleinbus-Koordinator. Ein Tag vor Abreise von Phu Quoc trafen wir ihn zufällig wieder und wir konnten wieder einen guten Deal machen. Sein langes, im Wind schweifendes, seidenglänzendes Haar ist für ihn sicher geschäftsfördernd, ansonsten hätten wir ihn sicher nicht erkannt.

- An einem unserer sogenannten „lazy days“ (Entspannungs-Tage) schafften es Suki und ich eine komplette Staffel der amerikanischen Kult- & Erfolgsserie „Friends“ zu schauen.


Danke auch an Suki und Mo fuer ein paar der Bilder!


Kommentar schreiben

Kommentare: 0