#52 | Geld spart Zeit | 614. Reisetag

Im Bus nach Hanoi teilte ich mir die Liegefläche hinten im Bus mit zwei Franzosen. Ich bekam den Liegesitz am Fenster und die beiden Franzosen legten sich nur ein paar Minuten später neben mich. Der Kerl neben mir trug die gleichen Socken wie ich und so war das Eis schnell gebrochen. Wir quatschten ein paar Minuten und da wir uns gleich sympathisch waren, war die Enge in unserem Kompartiment kein Problem mehr. Um ehrlich zu sein war es sogar richtig bequem und ich konnte sogar ein paar Stunden schlafen. Der Bus stoppte an einer heftig befahrenen Straße inmitten Hanois. Es wurde gerade hell, somit hatten wir ca. 5:30/6:00 Uhr morgens. Ich wartete ab bis die nervigen Taxi und Motorradtaxifahrer die anderen Gäste versorgt hatten und schließlich standen nur noch ein Herr und ich am Straßenrand und lehnten immer wieder die Angebote der Fahrer ab, die sich uns aufdrängten. Dass er, genauso wie ich, die Hektik am Morgen nicht gebrauchen kann, machte uns zu Leidensgenossen und wir kamen ins Gespräch. John aus Brasilien hatte sich ein Hostel gebucht und plante zu laufen. Ich hatte noch keine Buchung und beschloss mich ihm anzuschließen um in das Viertel mit günstigen Unterkünften zu gelangen. John entschloss mich, nachdem er sein Gepäck im Hostel abgegeben hatte, bei der Suche nach einer geeigneten Unterkunft zu unterstützen. Inklusive Frühstück und vietnamesischem Kaffee verbrachten wir ganze vier Stunden gemeinsam und ich hatte einen großartigen Vormittag in Hanoi.

MoSchi wieder vereint!

Leider hatten die Halbschuhe, die ich seit Nepal besitze, ihren letzten Einsatz unehrenhaft beendet. An jenem Morgen hatte ich mir heftige Blasen gelaufen. Aber gut, ich war ja auch Stunden unterwegs und das Gewicht meines Rucksacks machte es nicht weniger anspruchsvoll. Doch nun, im Hotel angekommen, freute ich mich auf ein neues Paar aus Deutschland. Mein Freund Mo, der am nächsten Morgen in Hanoi ankommt, wird mir welche mitbringen. Es ist unglaublich schwer in Vietnam an günstiges Schuhwerk in meiner Größe zu bekommen. Die Maximalgröße in Vietnam liegt bei 43 und mir Schuhe maßschneidern zu lassen konnte ich dank Moritz somit vermeiden. Ich hatte für uns zwei ein kleines Hotel am Rande des Tourismus-Viertels bezogen. Hanoi ist vergleichsweise teuer was alles betrifft, doch dieses Minizimmer mit privatem Bad, dafür ohne Fenster, war für mich/uns akzeptabel. Ich checkte die Gegend nach Restaurants, Sehenswürdigkeiten und sprach mit geschätzt zwölf Agenturen um die besten Preise für Mo und mich zu ergattern. So war ich also für die Ankunft meines Kumpels bestens vorbereitet und nahm am nächsten Morgen den Bus zum internationalen Flughafen.

Es gibt acht verschiedene Möglichkeiten um den Transfer zum Flughafen zu meistern. Von 0,18 € bis 16,01€ wird so gut wie jedes Niveau an Bequemlichkeit bis Zeitinvest abgedeckt. Ich nahm den lokalen Linienbus und Mo sollte selbst entscheiden welche Art des Transports er nach seiner ~20 Stunden Anreise in Anspruch nehmen wollte. Nachdem die Einreise bei ihm etwas länger dauerte, sah ich ihn endlich hinter der Glasscheibe in der Ankunftshalle und war überglücklich Moritz, 15 Monate nach unserem letzten Treffen in Griechenland, wieder an meiner Seite zu haben. Im Stadtzentrum angekommen gönnten wir uns erst einmal einen Vietnamesischen Döner am Street Food-Stand, welcher im Vergleich zu den Dönern in Deutschland viel unterschiedlicher nicht sein könnte. Dann galt es erst einmal sich gegenseitig auf den neuesten Stand zu bringen. Mit billigem Whiskey, den ich seit Laos mit mir herum trug und vielen leckeren Geschenken die mir Mo aus Deutschland mitbrachte (Käse, Vollkornbrot, Landjäger und Laugengebäck), feierten wir uns erst einmal selbst ab. Am nächsten Tag galt es dann die Planung voran zu bringen. Moritz hat „nur“ zweieinhalb Wochen Zeit um möglichst viel vom Land zu sehen. Sein Flug zurück nach Deutschland startet dann auch aus Ho-Chi-Minh City (Saigon) aus dem Süden Vietnams. Es galt also einen guten Plan zu gestalten.

Vorweg genommen: Hanoi hat mich nicht sonderlich umgehauen. Zwar hat die Stadt eine wahnsinnig interessante Geschichte vorzuweisen, jedoch ist davon nicht mehr viel zu spüren bzw. zu erleben. Seit dem Jahr 1010 war die Stadt Verwaltungszentrum dutzender Chinesisch-Vietnamesischer Dynastien, doch hat die französische Besatzung die meisten Zitadellen und historisch-wertvollen Gebäude für eigene Zwecke entfernt. Was dann noch übrig war, haben die Amerikaner in der Weihnachtsnacht 1972 mit ca. 40.000 Tonnen Sprengstoff weg gebombt. Wir schlenderten durch die Straßen der Altstadt, besuchten natürlich das große Mausoleum des großen kommunistischen Revolutionär und Präsidenten der demokratischen Republik Vietnams „Ho-Chi-Minh“. Kilometerweit liefen wir ein paar der neuen kommunistischen Propaganda-Wahrzeichen ab und ließen es uns gut gehen. Das Wetter war leider nicht so prickelnd. Im Norden Vietnams ist es zurzeit sehr verregnet und auch etwas kühl. Na gut, im Vergleich zu einem Februar in Deutschland hatten wir natürlich top Wetter. Es war ein guter Asien-Einstieg für Moritz. Der Verkehr, die Verkäufer, der allgemeine Asien-Flair mit westlichen, modernen Touch, war glaube ich genau das Richtige für Ihn. Wir beschlossen jedoch nicht lange in der Landeshauptstadt zu bleiben, sondern eine Tagestour zur wohl berühmtesten Sehenswürdigkeit Vietnams zu unternehmen.

Ha Long

Wer schon einmal in Nordvietnam war, der war auch hier. Das lassen zumindest die Hundertschaften an organisierten Touren vermuten. Ich brauche also über dieses Naturwunder nicht viel erzählen, nehme ich an. Mo und ich buchten uns in die günstigste Tour ein, die wir finden konnten. Ich werde hier in 5-6 Wochen nochmals mit Suki ein paar Tage auf einer der Inseln verbringen und so wollte ich nicht viel Zeit und Geld hier investieren, Moritz aber die 1969 Kalkfelsen die hier aus dem Südchinesischen Meer ragen nicht vorenthalten. So fanden wir diesen hervorragenden Kompromiss. Der Bus brachte uns zu einem Boot und unsere kleine Gruppe schipperte knapp 2 Stunden durch die faszinierende Märchenwelt der Felsen. Mo und ich phantasierten über mögliche Kletterrouten und genossen die Aussicht trotzt schlechten Wetters. Sobald wir unterwegs waren, ließ der Kapitän heftige Elektromusik auf der Bordanlage laufen, was so unpassend war, dass Mo und ich einen enormen Spaß daran hatten. Wir hielten die Erwartungen klein, da wir ja die günstigste Tour gebucht hatten, machte das Beste und hatten am Ende des Tages auch einen großartigen Tag mit viel Spaß und tollen Eindrücken. Das Boot stoppte in einer kleinen Bucht wo einige andere Boote auch fest machten und die Gäste auf eine Kajak-Tour um die Felsen scheuchten. Mo und ich schwangen singend die Paddel und erforschten die Höhlen, die mit unserem Partykajak zugänglich waren. Danach ging es wieder ab auf‘s Schiff, genossen ein überraschend gutes und großes Mittagessen und fuhren gemächlich wieder zurück zum Bus. Zum Abschluss gönnte uns das Wetter noch ein bisschen Sonnenschein, was die Szenerie natürlich noch viel schöner und eindrucksvoller erscheinen ließ.


Am Tag darauf besuchte Moritz eine weitere organisierte Tagestour. Doch dieses Mal zog er alleine los. Wir hatten aufgrund des Wetters entschieden die Zeit im Norden so knapp wie möglich zu halten und so sollte Moritz ein paar der Orte im Norden möglichst schnell und unkompliziert besuchen und wir später dann gemeinsam mehr Ziele mit mehr Zeit im Süden zu besuchen. Mo besuchte die Region Tam Coc, die ich später auf meinem Weg in Richtung Hong Kong ebenfalls mit Suki besuchen werde. So sparte ich mir diesen organisierten Tagesausflug und widmete mich meiner „Büroarbeit“ und buchte uns einen Flug nach Zentralvietnam. Die Zeit gemeinsam mit Mo war wirklich knapp, damit sparten wir ganze zwei Tage ungemütliche Busreise. So kam unser letzter Abend in Hanoi also relativ schnell und wir genossen einen großen „Hot Pot“ (Asiatischer Eintopf zum selber machen). Am Flughafen wurde unser Flug nach Da Nang ganze drei Mal verschoben. Doch wir sahen es entspannt und hatten ja schließlich ausreichend Gesprächsstoff die letzten eineinhalb Jahre aufzuholen. Und wer Mo und mich kennt, der weiß, dass es uns nicht langweilig wird. Schockiert waren wir jedoch, als unser Flug zum Boarding gerufen wurde. Denn eine Frau lief heulend und panisch umher. Sie schien ihr Kind verloren zu haben. So ein Mist! Die Dame war wahrlich aufgelöst und panisch. Nach ein paar Momenten waren bereits Sicherheitsleute involviert und wir konnten bis zuletzt nicht herausfinden, ob sie ihr Kind findet konnte oder… Mit der Frau will keiner tauschen! Wir hoffen auf jeden Fall dass alles ein gutes Ende nahm. Denn schließlich ist der Sicherheitsbereich eines Flughafens wohl der „beste“ Platz ein Kind zu verlieren (Kontrollierte Ein- & Ausgänge, Videoüberwachung, viel Personal etc.). An Bord genossen beanspruchten wir das Bordpersonal innerhalb des einstündigen Fluges uns ein warmes Essen zu servieren. Ja, Mo und ich waren die Einzigen, doch das Essen war online gebucht überraschend günstig und dank der Verspätung des Fluges auch perfekt zur Abendbrotzeit serviert. Schließlich kamen wir über Da Nang in der Kleinstadt Hoi-An an und Suki wartete bereits auf uns an einem kleinen Hotel.

Suit up!

Da wir nun zu dritt waren, war der erste Abend die perfekte Gelegenheit den Mosel-Wein zu verköstigen, den uns Moritz aus Deutschland mitgebracht hatte. Wir befinden uns nun in Hoi-An, etwas südlich von Da Nang in Zentralvietnam. Die Kleinstadt hat enormen Charme und wurde auch kurz vor der Jahrtausendwende zum UNESCO Kulturerbe erklärt. In den vergangenen Jahrhunderten war Hoi-An eher unbedeutend was dazu führte, dass weder die Franzosen noch die Amerikaner die Stadt großartig demolierten und die Hafenstadt weitestgehend erhalten blieb. Heute gehört Hoi-An zu einer der beliebtesten Reiseziele in Vietnam. Und das spürt man natürlich auch. Wir drei zogen am nächsten Tag in ein gemütliches Homestay am Rande der Stadt um dem Trouble etwas zu entfliehen. Mit den Fahrrädern erkundeten wir in den kommenden Tagen die Stadt, besuchten Märkte und ließen uns am Strand die Sonne auf den Bauch brennen. Die Altstadt ist sehr schön anzusehen, sehr viele kleine Shops laden in den orange-gelben Häuschen zu allerlei Waren und Dienstleistungen ein. Besonders zur Abendstunde erstrahlt die Hafenstadt zur vollen Blüte. Hier werden jeden Abend Hunderte, wenn nicht gar Tausende, Lampions in bunten Farben erleuchtet. Ein faszinierendes Schauspiel und wunderschön anzusehen. Durch den jährlich steigenden Tourismus in den letzten zwanzig Jahren wurden auch die Bootsfahrten auf dem künstlichen Kanal der Stadt immer beliebter. Für ein paar Zehntausend Dong laden die Stocher Kahn-Kapitäne vor allem Paare auf das Wasser und bieten für ein kleines Extra an, kleine Kerzen in bunten Papierschiffchen auf dem Kanal zu entflammen. Auf unserem kleinen Nachtspaziergang sahen wir bestimmt 4-6 Paare in Hochzeitsgewändern für Fotos posieren. Doch die Brücken über den Kanal, die leuchtenden Lampions und die Kerzen auf dem Wasser inmitten der goldgelben Altstadt-Häuschen liefern auch eine wunderschöne Kulisse. Wären da natürlich nicht die Tausende von Menschen… Das alte Problem…wo es schön ist, da will man hin…und zwar jeder. Aber was soll’s, ich bin ja auch nur einer von „denen“.

Neben der bunt leuchtenden Altstadt ist Hoi-An noch für Ihre Schneiderkunst bekannt. Naja, ich bezweifle dass es weniger die „Kunst“ als das schiere Angebot an Schneidern ist. Ca. 600 Schneiderlein haben sich hier nieder gelassen und bieten vor allem Touristen ihre Dienste an. Dies führt zu einem enormen Preiskampf und endet schließlich in einem großen Wirrwarr an Angeboten, Qualität, Preisen und Dienstleistungen. Doch auch wir steckten uns relativ schnell mit dem Fashion-Fieber an. Aber warum sollte man auch nicht einen maßgeschneiderten Kaschmir-Anzug für schlappe 60€ für sich anfertigen lassen? So sondierten wir einen Schneider für uns heraus und orderten nach und nach neue Schnitte, Stoffe und Klamotten. Mo ging auf große Shoppingtour und ließ sich zwei komplette Anzüge, einen Mantel, drei Hemden und sogar zwei Krawatten maßschneidern. Ich kam mit einem Freizeit-Jackett relativ gut aus dem Kaufrausch heraus und ließ nur 52€ dafür liegen. Und ich bin glücklich und zufrieden damit. Zumindest noch…so günstig muss einen Haken haben… Auch Suki holte sich ein Sommerkleid. So waren wir alle nach Vermessung, drei Anproben und Änderungen endlich gut ausgestatten mit Klamotten die völlig unbrauchbar für unsere Reise waren. Witzig. Aber gut aussehen, anfühlen und tragen lassen sie sich! Und das ganze Procedere, die netten Schneider und Helfer, war ein Erlebnis für sich. Lohnenswert! Nachdem Mo seine letzte Lieferung vom Schneider erhalten hatte, machten wir uns auf zur nächsten Station. Wir hatten eine Nacht im Bus vor uns und schon bald sollte uns der Minivan am Homestay abholen.


Koloniales Feriendomizil

Die Busfahrt begann etwas chaotisch. Zuerst ließ ich meine Zigaretten versehentlich im Homestay zurück, dann drängelte sich eine Gruppe Israelischer Mädchen in die Schlange vor dem Bus was zu Diskussionen führte und schließlich, als alle im Bus saßen, begann der Busmanager Menschen hin und her zu versetzen, da er mehreren Menschen (unter anderem uns) dieselben Sitze versprochen hatte. Wie auch immer, wir blieben hartnäckig und genossen dann eine relativ angenehme Fahrt auf den Plätzen hinten im Bus die mehr Beinfreiheit für uns 1,90m+ Jungs bieten. Suki ist das mit ihren 1,55m relativ egal. Am frühen Morgen kamen wir in Dalat an. Eine Stadt in den Bergen auf halben Weg nach Ho-Chi-Minh Stadt. Wir liefen durch den Ort und bezogen wieder ein Hotel, welches wir wieder einmal per Zufall fanden. Und wieder einmal waren wir damit günstiger als hätten wir ein Mehrbettzimmer im Hostel bezogen. Alles was „Hostel“ oder „Backpacking“ im Namen trägt, ist seit dem noch immer andauernden Südostasien-Rucksackreisen-Hype der 90er immens überteuert (im Vergleich zu den hiesigen Otto-Normal-Preisen). Das Beste an unserem Hotel war, dass sich unweit davon ein großartiges Restaurant befand. Für ca. 60 Eurocent gibt’s hier quasi all-you-can-eat Frühlingsrollen. Die leckeren Frischen. Zum Selberrollen! Hier schauten wir jeden Tag einmal vorbei. Mjam! 

Wieder ließen wir erstmal die Atmosphäre der Stadt auf uns wirken und wanderten ziel- und planlos durch die Straßen. Wir deckten uns mit neuen Früchten auf dem Markt ein und sahen den Hühnerschlachtern bei der Arbeit zu. Das Marktareal in Da Lat ist wirklich gigantisch und ganz gut organisiert. Auch zur Abendzeit, wenn mehr Street Food-Läden anreisen und einige der Shops ihre Waren auf der Straße zum Nachtmarkt anbieten, ist ein Besuch auf jeden Fall empfehlenswert. Das Städtchen ist auch sehr schön anzusehen. Die Franzosen gründeten diesen Ort um der Hitze Saigons und der Hafenstädte an der Küste zu entfliehen. Auch vom Vietnamkrieg blieben die Villen und Feriendomiziele der Franzosen und einflussreichen Vietnamesen größtenteils erhalten. Heute wurde die Stadt für die Touristen erneut herausgeputzt und auch viele Touristen vietnamesischer Herkunft reisen gerne an. Vor allem die Promenade am künstlich angelegten Stausee inmitten der Stadt lädt zum Flanieren ein. Hier wurden neben großen Hotels und Cafés auch Parkanlagen installiert und auch moderne Architektur wird man hier nicht missen. Zwei skurrile Glaskonstruktionen umgeben von roten Sternen der vietnamesischen Flagge ziehen immer wieder die Blicke auf sich.

Eine relativ moderne Shoppingmall wurde installiert und einer unserer Lieblingsläden „BigC“ befindet sich darin. So ein Supermarkt ist manchmal eine wahre Erlösung. Man muss nicht um Preise feilschen, nervige Verkäufer abwimmeln und kann einfach mal durch die Regale laufen und sich inspirieren lassen. Zudem ist in Innenstädten das Einkaufen in Supermärkten sogar manchmal billiger, da die Tourismuserfahrenen Verkäufer auf Märkten oder klassischen Fachmärkten einem gerne das Dreifache aus der Tasche ziehen wollen. So konnten wir unter anderem eine Ananas für gerade einmal 0,31€ erwerben und Mo deckte sich mit drei weiteren kurzen Hosen ein. Mo reist also definitiv mit mehr Gepäck zurück als er angereist ist. Doch auch ich ließ mir zur Feier des Tages ein neues T-Shirt raus. Mein geliebtes hellgrünes Shirt, welches ich seit Sri Lanka gerne trage, wurde auf den Trekkingtouren in Nepal durch die Schultergurte so sehr beansprucht, dass die Schultern mehr Loch als Textil aufwiesen. Als wir dann nach einem langen Tag wieder den Weg zurück zum Hotel antreten wollten, stürzte ein Wolkenbruch über uns herein. Das Vesper, das wir uns im Markt besorgten, verspeisten wir dann eben – während des Wartens auf besseres Wetter – im Eingangsbereich der Mall. Doch da der Regen einfach nicht aufhören wollte, schlenderten wir nochmals durch die Mall. Und da bot sich mir beziehungsweise uns dann auch die Gelegenheit etwas auszuprobieren, was bereits seit Griechenland auf meiner Liste steht. Das in so gut wie allen touristischen Orten angebotene Fisch-Spa. Also kleine Fische, die dir an den Füßen den Dreck und abgestorbene Haut wegfressen. Auf Kreta hatte ich einen gigantischen Afro-Amerikaner während einer solchen Prozedur vor Lachen in Tränen ausbrechen sehen und musste es einfach einmal versuchen. Ein komisches Gefühl und wirklich witzig! Jedoch ist der Effekt eher minimal und es wird wohl eher eine einmalige Sache für mich gewesen sein. Danach klarte der Himmel aber endlich auf und wir konnten den Heimweg antreten.


Da es Suki am nächsten Tag nicht so gut ging, liefen Moritz und ich alleine eine Runde um den See. Wir hatten vor einen botanisches Garten (bzw. Blumengarten zu besuchen). Als wir dort ankamen und der Park die Ticketpreise erhöht hatte, entschieden wir uns dagegen, ruhten etwas im öffentlichen Park und flanierten weiter die Uferpromenade des Stausees entlang. Wie so oft in Südostasien/Vietnam dröhnte in übertriebener Lautstärke grausame lokale Popmusik von einer Gruppe im Gras sitzender Menschen in alle Richtungen. Wie es sich gehört grölte natürlich auch eine Person in ein Mikrophon. Das Karaoke-Ding ist hier wirklich allgegenwärtig und wird definitiv anders als in Europa zelebriert. Keine Show, kein Zuhören, das bloße Tun in der Öffentlichkeit, während allen 24 Stunden des Tages, ist hier angesagt. Als uns die Promenade näher an die Gruppe führte, luden uns die Herren der Gruppe zu einem der Biere ein, die sie selbst wohl bereits seit Stunden zu sich nehmen. Aber klaro! Diese Gelegenheit lassen wir uns nicht nehmen. Es war sehr interessant; Die Männer saßen im Kreis, sangen Karaoke und betranken sich, während die Frauen in einem anderen Kreis saßen, kochten und quatschten und die Kinder tollten überall herum. Naja, wenigstens sind sie gemeinsam unterwegs… So kam es auch dazu dass wir zum Karaoke gebeten wurden und wir genossen eine halbe Stunde lang die lokale Privatparty am Ufer des Stausees von Dalat. Unser Weg führte uns dann aber weiter zu einer anderen Attraktion. Das „verrückte Haus“. Ein Gebäude das aktiv als Hostel genutzt wird und eine phantasievolle Architektur aufweist erinnert etwas an die Kollegen Gaudi und/oder Hundertwasser. Aber auch hier sparten wir uns den Eintritt. Soooo cool war es auch wieder nicht und der Anblick von außen hat uns ausgereicht. Zudem war es schon relativ spät und die Frühlingsrollen warteten auf uns…


Den Wasserfall hinab...

Am nächsten Morgen ging es früh raus. Wir hatten uns für diesen Tag eine besondere Aktivität gebucht und wollten die Natur rund um Dalat, die Bergregion, näher erkunden. So holte uns ein Kleinbus am Hotel ab und wir fuhren hinaus auf’s Land. Unterwegs trafen wir auf enorme, bunte Friedhöfe, die die Vietnamesen sehr schön gestalten und für einen Friedhof geradezu einladend wirken. Wir passierten auch gigantische Gewächshausfelder. Hektarweise werden hier Früchte und Gemüse unter kontrollierbaren Bedingungen angebaut. Dann wechselten wir das Gefährt. Wir bestiegen die Ladefläche eines alten USA-Army Jeeps aus Kriegszeiten und fuhren auf unpräparierten „Wegen“ durch den hügeligen Dschungel. Was eine Fahrt. Der Jeep wurde an seine Grenzen gebracht und der Fahrer wusste wirklich was er tat. Ein großer Spaß für unsere kleine Gruppe hinten auf der Ladefläche. Dann kamen wir am Ziel an. Wir wechselten unsere Klamotten, schwangen uns in Neopren und legten die Hüftgurte an. Heute ist Canyoning angesagt. Wir werden einen Flusslauf im Gebirge herunter wandern und uns dabei an Wasserfällen abseilen, ausgewaschene Felsen herunterrutschen und auch frei in Becken springen. Dafür benötigt es natürlich professionelle lokale Führer und entsprechendes Equipment. Deswegen haben wir uns diese organisierte Tour auch gerne gegönnt. Nach einer theoretischen und praktischen Einweisung ging es dann auch sofort los. Diverse Male seilten wir uns ab, teilweise mit „dynamischer Landung“ im Wasser. Bis zu 65m führten wir uns selbst (natürlich stets mit einem Sicherheitsseil, welches der Führer bediente) inmitten des preschenden Wassers des Flusses senkrecht hinab. Physisch und psychisch herausfordernd: Ein Mordsspaß! 

Auf halbem Weg gab es einen Mittagssnack und leckere Früchte. Ich war erstaunt wie Suki, die sich ja noch nie zuvor selbst abgeseilt hatte, die Herausforderung annahm und erstaunlich professionell sich den steilen Hang hinab stürzte. Mo der alte Kletterer hat da ja schon mehr Erfahrung, wobei das Abseilen IN einem Wasserfall (arschglatter Fels, keine Sicht, Wasser schießt ins Gesicht…) natürlich noch einmal etwas ganz anderes ist. Mir selbst hat es auch enorm Spaß gemacht und es ist auf jeden Fall Wert wiederholt zu werden. Wobei ich bei meiner nächsten Canyoning-Tour gerne mehr „Canyon“ hätte. Hier war alle relativ offen und bestand größtenteils aus Abseilen. Die anderen Disziplinen wie rutschen, springen und klettern kamen leider etwas kurz. Die Stimmung in der Gruppe war spitze und die Fahrt mit Jeep und Bus zurück in die Stadt ging relativ flott. Obwohl Mo seit ein paar Tagen auch einen „Funky Belly“ (Magenprobleme) hatte, ließen wir uns am letzten Abend in Dalat es uns nochmal richtig heraus. Mo lud uns zu einer Flasche spanischem Rotwein und Schokofondue, begleitet von Live-Musik in ein gehobenes Restaurant ein. Ein Luxus den Suki und ich uns niemals alleine geleistet hätten. Es war großartig und enorm lecker! Ich danke dir Mo!


Ich hatte mir wohl während der wackeligen Jeep Fahrt am unteren Rücken etwas geprellt oder so. Dort wo eine Stange der Ladefläche immer wieder auf meinen Rücken schlug, bekam ich am Abreisetag von Dalat, einige Schmerzen. Doch auch das wird schon wieder werden. Wir verbrachten den Vormittag im Hotel wo ich versuchte meine ganzen Daten reisebereit für Moritz vorzubereiten. So langsam bekomme ich ernste Speicherprobleme und das, obwohl ich bereits 50GB+ in Deutschland liegen habe… Und es handelt sich hierbei lediglich um die Essenz der Essenz meiner Auswahl… unglaublich was ich seit Beginn meiner Reise alles erlebt habe… unbeschreiblich…

 

Aber nun geht es erst einmal weiter, an die Südküste Vietnams. Der letzte Stopp vor der größten Stadt Vietnams und Moritz‘ Abreiseort Ho-Chi-Minh Stadt (Saigon). Ich werde euch bald davon berichten. Lieben Dank für dein Interesse und ich hoffe ich konnte dir mit meinen Geschichten ein wenig den Tag erleuchten. Dein Schilli


Funfacts

- In Hanoi diskutierte ich mit vielen Verkäufern über Zigarettenpreise. Es dauerte eine Weile bis ich jemanden fand der mir die Zigaretten die 7.000 Dong wert waren, mir für 10.000 verkaufte und nicht 25.000 verlangte.

- In den Großstädten sind die Frucht-Shakes enorm überteuert. So gönnte ich mir in den kleinen Franchise-Shops „Circle K“ einen künstlich-blau eingefärbten Zuckerdrink.

- Mode vor allem bei Busfahrern. Lasse dir den Fingernagel am Daumen so lang wachsen wie nur möglich. Mo und ich haben einen Herrn mit geschätzt 10cm Fingernagel gesehen. Ekelhaft für uns, jedoch adrett für Vietnamesen?...

- Unsere Führerin in der Ha Long Bucht war super witzig. Alleine ihre Inkompetenz war ein großer Spaß. So teilte sie uns mit, dass sobald sie die Trillerpfeife bläst, alle Kajaks zum Schiff zurückkehren sollten. Jedoch pfiff sie alle 5 Minuten um die Gruppe zusammen zu halten oder anders auf sich aufmerksam zu machen. So folgte bald keiner mehr ihren Kommandos.

- Sehr beliebt in Vietnam: Kleine Elektrofahrzeuge für Kinder, die von ihren Eltern ferngesteuert werden und bunt in der Nacht leuchten. Neben Marktflächen bieten Geschäftsmänner die Fahrten für eine kleine Gebühr an. Leider sind die Fahrzeuge zu klein für Mo und mich…

- Die Wellen am Strand in Hoi-An waren richtig heftig. So macht Strand Spaß und wird wenigstens nicht nach 30 Minuten langweilig.

- Eine Schneiderin in Hoi-An hatte Spaß daran Moritz, sobald er sich umzog, auf den nackten Oberkörper zu schlagen. Sexuelle Belästigung am knapp 2,00m Mann…es existiert.

- Am frühen Morgen in Dalat wurden wir von einem Eis-Verkäufer geweckt, der vor dem Hotel laut Weihnachtsmusik spielte. Verrückte Mischung: Eis | Februar | Hitze | Schlaftrunkenheit | Jingle Bells

- Während wir um den Stausee in Dalat liefen, viel uns auf, dass unglaublich viele tote Fische darin herum treiben. Warum?

 

- Hey Moritz, siehst du den Namen dieses Restaurants „Ngon BBQ“? „Ngon“ bedeutet „lecker“ auf Vietnamesisch, wusstest du das? 


Danke auch an Suki und Mo fuer ein paar der Bilder!


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Kommentare: 1
  • #1

    Xavier (Sonntag, 01 April 2018 12:06)

    Du kannst singen! :-D