#46 | Achterbahn im Viererpack | 524. Reisetag


Ich wünsche euch allen ein formidables Jahr 2018!!!

Bleibt gesund, munter, interessiert und euch selbst treu! Auf das ihr die Herausforderungen die in diesem Jahr auf euch warten anpackt und meistern werdet. Genießt die Glücksmomente die euch 2018 schenken wird zum Maximum!
Umarmungen und Küsse von eurem Schilli


Durch das goldene Tor verließ ich Myanmar auf die Freundschaftsbrücke. Der Grenzbeamte war sehr freundlich und vermittelte mir das Gefühl dass er dankbar ist, dass ich sein Land bereist habe. Er fragte mich neugierig wo ich war, wie es mir gefallen hat und was mir nicht so gut gefallen hat. Aber ich denke mehr auf privater Ebene als dass es Teil seines Jobs wäre. Und ja, Myanmar hat mir gut gefallen, auch wenn man natürlich große Abzüge zur aktuellen Situation und der Macht des hinterlistig regierenden Militärs machen muss. Die Freiheit des Reisens wird durch sie stark eingeschränkt. Doch wir als Reisende merken von dem ganzen Ausmaß natürlich nur sehr wenig. Einheimische haben damit noch viel größere Probleme. Also die Majorität, die nicht ihren Vorteil daraus ziehen kann. Zudem sollte jedem Besucher Myanmars bewusst sein, dass er eben jene Macht, das Militär, durch seinen Besuch enorm unterstützt. Der Großteil des Geldes für Unterkunft, Transport und Eintritte landet nämlich direkt im Hosensack der suppressiven Funktionäre. Doch habe ich großartige Erfahrungen in diesem Land sammeln können. Und die Menschen hier sind ungemein freundlich, offen und toll. Wie jeder Mensch auf Erden wollen auch sie ein kleines, einfaches, selbstbestimmtes und glückliches Leben führen. Und das sollte Ihnen auch gegönnt sein.

Mit großen, neugierigen Schritten überquerte ich die Brücke und landete schließlich am Immigrationshäuschen des Thailändischen Grenzbeamten. Schnell, unkompliziert und gratis bekam ich meinen Einreisestempel und stand nun in meinem zehnten Reiseland. Es war ein faszinierendes Gefühl der Freiheit. Ich konnte nun gehen wohin ich wollte, ohne dass mir bestimmte Wege vordiktiert werden. Thailand ich komme. Ich lief ein paar Kilometer in das Landesinnere zu einem Busbahnhof und kaufte mir ein Ticket nach Chiang Mai etwas weiter nördlich. Und wie einfach war das den bitte? Klare Auskünfte auf Englisch, gut organisierte Übersichten, die einen Preisvergleich über diverse Optionen einfach machen. Und ich befinde mich noch nicht einmal an einem von Touristen beliebten Ort. Ich kam mir vor, als hätte ich Spanien oder Italien erreicht. Eine wohl organisierte Touristische Infrastruktur liegt mir zu Füßen. Es ist alles um einiges westlicher als ich erwartet hatte. Was quasi alles betrifft: Sauberkeit, Ordnung, Kommunikation, Qualität und Verfügbarkeiten. Wow… Natürlich sind es die Erfahrungen der vergangenen zehn Monate in Indien, Nepal und Myanmar, die in mir diesen Eindruck erwecken. Denn offensichtlich herrscht kulturell ein großer Unterschied zwischen Thailand und Europa. Doch was die Angebote für Individualreisende betrifft, steht es Europa – so finde ich – in nichts nach…oder übertrifft es sogar. Klar, denn >30 Millionen Touristen besuchen das Land in Südostasien jährlich. Zum Vergleich: Das gigantische Land Indien beherbergt noch nicht einmal die Hälfte davon pro Jahr. Wie mir ein Reisender im Bus im Oman mitteilte: „Nachdem du Indien bereist hast, wird dir das Reisen in anderen Teilen der Welt so einfach fallen, freue dich darauf!“. Und das tue ich nun.

Um euch ein kleines Beispiel zu liefern: Der Bus der, mich nach Chiang Mai brachte, hatte eine Toilette!!! Und die Busbegleiterin sprach Englisch! Wahnsinn, oder?! Ich war begeistert. Auch dass wir mit fast 100 Stundenkilometern auf der mehrspurigen Schnellstraße mit baulicher Trennung unterwegs sein konnten, zauberte ein Grinsen in mein Gesicht. Im Bus unterhielt ich mich lange mit einem Belgier, der mir den einen oder anderen Tipp für Thailand mitgeben konnte. Er selbst arbeitet seit 5 Monaten in einem Hospiz für todkranke Menschen in einem Buddhistischen Kloster in Myanmar, was natürlich auch ausgesprochen interessant war. In Chiang Mai wurde ich dann vom Massentourismus überflutet. Heftig. Ich war überfordert an den Angeboten und eines der Hunderten Hostels auszuwählen war schon schwierig genug. Ich machte es mir dann aber einfach, ich wählte ein Hostel aus, das meinen Namen trägt. „DeeMarc“ in einer der Stadtviertel, nahe der Altstadt, die eine hohe Hosteldichte aufweisen. Chiang Mai wurde als erste Destination ausgewählt, da ich hier wieder zwei Freunde aus Deutschland treffen werde. Ich reiste etwas früher an um mich um das Roadbook kümmern zu kommen und schließlich wartete ich bei einem kostenlosen Kaffee und Käsekuchen auf die Ankunft meines Jugendfreundes Tobi und seiner Freundin Lisa.

Chiang Mai

Und da trudelten sie schließlich ein. Die Wiedersehensfreude war gigantisch und obwohl wir uns lange nicht gesprochen hatten, war das gegenseitige Urvertrauen sofort wieder am Start und ich sah einer großartigen gemeinsamen Reisezeit entgegen. Wir taten das was wir am besten können; erst einmal uns gegenseitig abfeiern. Die beiden hatten herrlichen Deutschen Weißwein mitgebracht, was den billigen Whiskey aus Myanmar etwas abrundete. Das ganze endete dann mit einer Schlemmerei um 3:00 Uhr morgens mit einem koreanischen all-you-can-eat Barbecue. Ich war sehr glücklich darüber, dass Lisa und Tobi nicht vollem Enthusiasmus jeden Tempel und jede Pagode besuchen wollten. Sondern wir streiften – eher nach meinem Geschmack – entspannt durch die Altstadt und ließen die Atmosphäre auf uns wirken. Wir besuchten einen Wasserfall nahe der Stadt und machten langsam Pläne für unsere weitere gemeinsame Reise. Wir beschlossen ein Auto zu mieten und einen kleinen Road Trip durch die Berge im Nordosten Thailands zu machen. Eine beliebte Tour, die viele Gäste per Zweirad abfahren. Doch wir waren zu dritt und da wir nicht alle erfahrene Rollerfahrer sind, haben wir uns für die Vierradvariante entschieden. Stunden verbrachten wir damit das günstigste Angebot für uns zu finden. Wir liefen von lokalem Anbieter zu lokalem Anbieter und informierten uns. Witziger Weise gab es das beste Angebot jedoch – hatte ich so nicht erwartet – online beim internationalen Vermieter Sixt am Flughafen von Chiang Mai.

Am Abend vor Lisas und Tobis Anreise hatte ich ein sehr tolles Gespräch im Hostel mit Suki aus Hong Kong. Wir waren schnell auf einer Wellenlänge und so beschloss ich sie zu fragen ob sie mit uns drei Deutschen den Road Trip zusammen machen möchte. Ein Platz im Auto war ja noch frei. So trafen wir uns am Abend auf dem Foodmarket um die Ecke, an dem wir jeden Abend uns diverse feine Gerichte gönnten. Tobi, Lisa und Suki waren sich auch schnell sympathisch und so beschlossen wir am nächsten Morgen das Auto zu holen und unseren 5 tägigen Trip zu beginnen. Achja, wie gesagt ist Thailand ein wohl bereistes Land. Vermutlich war von euch Lesern der Großteil bereits hier. Ich werde also weniger zu Sehenswürdigkeiten oder offensichtlichen Eigenheiten der Thailänder berichten. Thailändisches Essen ist weltweit berühmt zum Beispiel, dass brauche ich euch nicht noch einmal vorstellen. Ich konzentriere mich lieber auf persönliche Erfahrungen und Ereignisse, die ich für interessant halte und da dieses zensierte Online-Tagebuch ja sowieso in erster Linie als meine persönliche Dokumentation dient, denke ich dass dies das Beste ist. Chiang Mai ist eine nette Großstadt…das sollte erst einmal ausreichen. =)

Spazierfahrt

Ich ward als Fahrer eingetragen, da ich zur Not den Beamten auch einen internationalen Führerschein vorzeigen kann. Der wird zwar eigentlich nicht benötigt, aber die Polizeibeamten fordern den teilweise um bei unwissenden Touristen eine bisschen Bargeld abziehen zu können. Wir waren also für alle Eventualitäten gewappnet. Der Toyota Yaris war klein, fein und hatte die perfekte Größe für uns. Mir war der Linksverkehr sowieso lieber, da ich diesen eher gewohnt war als den Rechtsverkehr und so machten wir uns auf den Weg aus der Stadt. Die kurvenreichen Straßen, mit teilweise herausfordernden Steigung für den kleinen Flitzer, führten uns durch viele kleine Dörfer und wir hielten immer wieder für Kaffee, Wasserfall oder andere sehenswerte Gelegenheiten an. So bogen wir auch einmal, spontan auf eine Schotterstraße in den Dschungel ab, da ein Schild an der Hauptstraße „heiße Quellen“ versprach. Je länger wir der Straße folgten umso schwieriger wurde es das Auto auf ihr zu manövrieren. Die Straße wird frisch gebaut oder nach dem Monsun restauriert. Doch es gelang uns und wir erreichten eine kleine Parkanlage mitten im Wald. Groß prangerte ein Schild mit hohen Eintrittspreisen neben der Straße, doch im Wächterhäuschen war niemand zu sehen. So parkten wir das Auto um zu inspizieren was dieser Platz hier auf sich hat.

Wir fanden schließlich heraus, dass hier ein Mittelklasse Hotelresort in den Wald gebaut wird, die Bauarbeiten aber noch laufen. Zu unserem Glück. Denn so konnten wir das Areal besuchen ohne viel Eintritt zu bezahlen. Lediglich das Spa verlangte einen minimalen Unkostenbeitrag (0,5 €) pro Person. Das Wasser der heißen Quelle wird zu modern im Natur-Look eingerichteten Pools geleitet in denen wir ein bisschen planschten. Wobei mir der Großteil der Bäder viel zu heiß war. Wirklich enorm heiß! Da bade ich lieber in Gletscherseen auf 5.000m Höhe als mir hier die Haut zu verbrennen. Doch es war eine schöne Stimmung dort und wir konnten aus den Pools auch den hart arbeitenden Menschen beim Bau zusehen. Was gibt’s schöneres als faul in der Therme zu sitzen und anderen bei harter körperlicher Arbeit zuzusehen?! Nach dem Bad wanderten wir noch zur Quelle des Thermalwassers auf den Hügel. Hier sind tatsächlich kleine Geysire am Brodeln und mitten im Wald dampft es stark aus dem Boden. Sehr cool!


Hi Pai

Unser erstes Ziel war Pai, eine sehr beliebte Kleinstadt in den Bergen. Von hier aus lässt sich gut die Region erkunden und die tolle Landschaft Nordthailands mit Wasserfällen und Dschungelwanderungen erleben. Es ist ein beliebtes Domizil vor

allem für Langzeitreisende, die sich hier auch mal ein Wochen einquartieren und das angenehmere Klima genießen. Und ich kann das sehr gut nachvollziehen. Preise sind okay und es ist ein überschaubarer, idyllischer Ort. Lediglich die Menge an Reisenden hat natürlich auch stark die Feierkultur beeinflusst. Eine Bar neben der nächsten und daneben dann ein Reisebüro für organisierte Wandertouren, Elephantenreiten etc… Auch die Hostels waren recht teuer, doch wir fanden noch nach Einbruch der Dunkelheit ein paar Bambushütten, die wir für kleines Geld für ein paar Nächte mieten konnten. Das tolle war, dass in dem Hüttenkomplex eine Lagerfeuerstelle eingerichtet war, an der wir mit anderen Gästen zusammen bis spät in die Nacht saßen, uns austauschen und gemeinsam musizieren konnten. Eine lustig-verrückte Chinesin, die im Nachbargasthaus bereits seit einer ganzen Weile residiert, bot uns an uns am nächsten Tag etwas herum zu führen. Dreimal bestätigten wir dass wir um 10:00 Uhr morgens parat stehen…nachdem sie mich dann um 10:15 Uhr weckte, haben wir die Sache dann doch abgeblasen. Upsi! Eigentlich nicht meine Art. Aber sie hat es locker aufgenommen.

Am selben Morgen zog Patrik aus Schweden neben uns ein. Ihn luden wir sofort mit ins Auto und fuhren quer durch die Region. So unternahmen wir eine kleine Flusswanderung um einen Wasserfall zu erreichen. Zwar viel uns nach einer Stunde Wandern auf, dass der Wasserfall doch zu weit entfernt war, aber wir trafen auf eine Froschfarm, was Attraktion für uns genug war. Von einem Teich war enorm lautes Quaken zu hören und wir konnten dann schließlich auch Männer entdecken, die durch das Wasser wateten und Frösche in ihren Beuteln sammelten. Diese werden später zu leckeren Gerichten verarbeitet. Wir fuhren weitere schöne Punkte in der Gegend ab um dann den Sonnenuntergang an einem Canyon zu genießen. Lisa und Tobi hatten mir großartige Deutsche Spezialitäten mitgebracht. Brot!!! Schönes, dunkles, leckeres Vollkornbrot. Eines der wenigen Dinge die ich aus der Deutschen Küche wirklich vermisse. Dazu gab es Landjäger und Leberwurst! Herzhaft und überragend. Allen fünf, sogar der Dame aus Hong Kong, hat das solide Deutsche Vesper geschmeckt. Die Schlucht war schön, überschaubar aber interessant. Man konnte die ausgewaschenen Felsen begehen, beklettern und fand einen herausragenden Ausblick über das Tal von Pai von Bergen umkränzt.

Wir fünf waren eine coole Truppe. Wir hatten Mordsspaß bei ausdauernden Jenga-Spielen, Besuch eines weiteren Wasserfalles, dessen diverse Stufen wir erkletterten und beim gemeinsamen Abendessen im Multifunktionsrestaurant nebenan (Restaurant, Markt, Wohnzimmer, Tankstelle in einem). Leider konnten wir Patrik aufgrund Platzmangels und Kurzfristigkeit nicht auf die weitere Tour mitnehmen, jedoch verbrachten wir noch den ganzen Tag zusammen. Er erklärte sich auch bereit mit einem pinken Spielzeugkamm, den er von seiner Tochter geschenkt bekommen hatte und einem Barttrimmer mein Haupthaar zu schneiden. Und er legte sich richtig ins Zeug. Länger als eine Stunde und mit vollster Konzentration schnitt er mich wieder ordentlich. Nicht schlecht alter Schwede! Als es dann Dämmerte machten wir uns jedoch auf zum nächsten Punkt unserer Tour. Denn mitten im Nirgendwo wartete ein Baumhaus uns.


John entdeckte den Norden

John Spies, australischer Höhlenforscher und Fotograf, hat bereits vor über 30 Jahren sein Herz an Nordthailand verloren. Er hat auf eigene Faust hier duzende Höhlen entdeckt und erstmals begangen. Darunter auch gigantische Höhlenkomplexe. Er setzte sich eng mit den hiesigen Bergvölkern auseinander und wurde im Laufe der Zeit von den diversen Minderheiten als einer von Ihnen akzeptiert. Gemeinsam mit einem Dorf, hat er ein wunderschönes, großes Baumhaussystem und Holzhütten unweit eines Flusses in den Wald integriert. Es soll Touristen als nachhaltige Unterkunft dienen und die Region dem Tourismus öffnen. Und es ist wirklich der absolute Hammer. Traumhaft schön hier. Hier war ich sicher nicht zum letzten Mal. Und es gibt wirklich so viel zu erleben hier. John bietet diverse Höhlentouren (Caving), abseits der touristisch bereits Erschlossenen an. Man kann hier wirklich auf echte geführte Abenteurertouren gehen. Mit fantastischen Attraktionen innerhalb der Höhlen…bis zu 8km in den Berg, unterirdische Wasserfälle, Pools, unterirdische Kanufahrten, Mehrtagestouren durch den Berg etc. Leider….Tja leider…alles etwas über meinem Budget. Lange habe ich mit mir selbst gerungen und auch mit den anderen viel diskutiert. Doch in Anbetracht unseres Zeitdrucks und dem verfügbaren Restbudget, verschiebe ich die Abenteuerrouten lieber auf einen späteren Besuch. Doch was für coole Sachen man dort machen kann könnt ihr hier euch mal ansehen. Definitiv ein Besuch wert!

Das Baumhaus verfügt auch über einen Schlafsaal, was uns erst nach konkreter Nachfrage angeboten wurde. Klar, sie wollten uns erst einmal Privathütten andrehen. Doch der Schlafsaal blieb die Nacht über leer, also hatten wir unsere Privatunterkunft dennoch. Und zwar zum Schnäppchenpreis! Wir befreundeten uns mit Maria und Juan aus Spanien und beschlossen eine kleine Tagestour auf eigene Faust zu starten. So wanderten wir entlang des Flusses zu der berühmtesten Höhle der Gegend, wo man auch für kleines Geld einen Führer – in unserem Fall eine Führerin – bekommen kann. Die Höhle Tham Lod ist quasi eine krasse 1,7km lange Halle mit diversen Nebenhöhlen (Hahaha…. Nebenhöhlen!… Hatschi!). Neben natürlichen Attraktionen gibt es auch historisch kulturelle Dinge zu entdecken. Wandmalereien und sehr alte Teakholzsärge, die zu früheren Zeiten vom hiesigen Lawa Volk geschnitzt und in den Höhlen platziert wurden. Zudem ist die zweite Hälfte der Höhle geflutet und man kann mit einfachen Bambusflößen auf weitere Entdeckungstour gehen. Am anderen Ende der Höhle wanderten wir dann wieder durch den Dschungel zurück. Gerne hätte ich hier nochmal 7-10 Tage verbracht, doch wir wollten weiter. So genossen wir noch die Gesellschaft der Spanier und machten uns wieder auf die Straße.

Noch am gleichen Tag wollten wir einen großen Wasserfall besuchen. Dieser liegt ca. 8km abseits der Hauptstraße und davon schafften wir auch 4! Dann jedoch wurde der Weg unbefahrbar. Und glaubt mir, es war richtig herausfordernd überhaupt so weit zu kommen. Kurz zuvor hatten wir am Rand des Weges eine Ungarin getroffen, die vom Motorroller ihres Freundes abgestiegen ist und lieber hier auf Ihn wartete anstatt den holprigen, anspruchsvollen Weg weiter zu fahren. Krass oder? Da wartet sie lieber zwei Stunden alleine im Wald und schickt ihren Freund alleine weiter?! Jener kam uns dann etwas später auch entgegen und nach kurzem Informationsaustausch entschieden wir dann auch umzudrehen. Zu gefährlich und wir erfuhren dass für den Besuch des Wasserfalls auch ein ordentlicher Eintritt erhoben wird. Das brauchten wir dann nicht. Es gibt so viele Wasserfälle in ganz Südostasien, da brauche ich nicht jeden von zu Beschwimmen. Schon gar nicht wenn es Geld kostet. Und das obwohl ich Wasserfälle enorm faszinierend finde. Wir machten uns dann auf dem Weg nach Mae Hong Song. Einer weiteren Kleinstadt auf unserem Weg, unweit der Grenze zu Myanmar.

Mae Hong Song

Mae Hong Song ist eine verträumte Kleinstadt die aus verschiedenen Bergvölkern Nordthailands gemeinsam entstanden ist. Wir feilschten lange mit den Gasthäusern, bis wir schließlich, per Zufall auf der Karte eine Gegend etwas außerhalb entdeckten, bei der man wohl Bambushütten anmieten könnte. Da wir ja mobil waren, fuhren wir dort hin und entdeckten ein weiteres Wohnparadies. In den Waldrand wurden Holzhütten gebaut. Und was für schöne. Jede sogar mit eigenem Bad und auch sonst hervorragend ausgestattet. Eine kleine Terrasse an jeder Hütte machte dann die Idylle perfekt. Kundenorientiert klopfte der Manager nochmals an und fragte ob wir Mückenschutz haben wollen, was natürlich gratis geliefert ist, wenn wir wünschen. 1A Service für eine Luxushütte dieser Art für gerade einmal 2,25 € pro Person/pro Nacht. Den Abend verbrachten wir im Stadtzentrum und liefen einmal um den schön eingerichteten See und genossen brutal gutes Essen auf dem Nachtmarkt, der jeden Abend hier stattfindet. Die Hütten waren weit genug auseinander um seine Privatsphäre zu haben, jedoch nahe genug um den Kontakt mit den Nachbarn zu halten. So nahmen Suki und ich abends auf der Terrasse von Tobi und Lisa Platz und wir spielten Karten, diskutierten über die Welt und feierten bis lange in die Nacht.

Der Zeitdruck nervte uns alle. Wir hatten ja nur fünf Tage bis wir das Auto wieder abgeben mussten. Gerne wären wir auch an diesem Ort länger geblieben. Aber so ging es wenigstens vorwärts. Am nächsten Tag wurde mein Fahrvermögen hart auf die Probe gestellt. Anstatt der Schnellstraße zu folgen, entschlossen wir uns quer durch das Gebirge, am höchsten Berg Thailands vorbei wieder in Richtung Chiang Mai zu fahren. Wir passierten interessante Dörfer, riesige Plantagen und bewirtschaftete Terrassenfelder und genossen tausend schöne Ausblicke. Eine letzte Übernachtung hatten wir dann in Mae Cham. Hier wetteten wir in einem kleinen Straßenrestaurant wie hoch wohl die Rechnung für uns vier ausfallen wird. Ich schätzte auf den Bhat genau und bekam ein Thailändisches Würstchen gratis dafür. Diese Würstchen schmecken übrigens grausam wenn ihr mich fragt. Also die traditionell gewürzten. Am kommenden Morgen klingelte der Wecker bereits um 6:00 Uhr. Wir hatten noch gut Strecke zu machen und wollten im Nationalpark der sich vor uns befand noch einen Halt einlegen. Das Auto war um 10:00 Uhr abzugeben.

Überrascht war ich, dass die Nationalparkwächter keine Maut erhoben um mit dem PKW durch den Nationalpark zu fahren, was uns natürlich in die Taschen spielte. Wir hielten an einem kleinen Parkplatz am Wegesrand und wanderten etwas in das Wilde hinein. Es ging steil bergab und bald hörten wir auch schon das schmetternde Geräusch von Wasser das auf Fels knallt. Zwei tolle Wasserfälle konnten wir entdecken und auch über Bambusbrücken sogar näher erkunden. Dann mussten wir aber den steilen Aufstieg zum Auto zurück meistern um die Fahrt fortzusetzen. Zudem ist es laut Schildern wohl verboten hier ohne lokalen Führer herum zu wandern. Es war ja noch früh am Morgen aber wir machten uns hurtig zurück um nicht negativ aufzufallen. Kurz vor Chiang Mai stoppten wir noch an einem ausgezeichneten Café und aßen noch ein Stück Kuchen. Bei dieser Möglichkeit inspizierten wir auch das Auto. Ein paar Kratzer hatten wir schon verursacht. Vor allem an der Front hatten wir – beziehungsweise ich – den Lack etwa in Faustgröße zum Platzen gebracht.


Wir machten uns viele Gedanken und legten unsere Grenzen sowie Verhandlungstaktiken mit dem Vermieter fest. Und auch ohne lange zu fackeln, als wir das Auto abgaben, nahm ich den Sixt-Mitarbeiter zur Seite und gestand den von mir verschuldeten optischen Schaden. Der nahm ihn unter die Lupe, lachte mich freundlich an und sagte: „That’s ok. No problem!“. Dann unterzeichnete er das Rücknahmeformular ohne Schadensmeldung und wünschte uns eine gute Weiterreise. Wow, sehr cool! Mit dieser Kulanz hätte ich bei Sixt nicht gerechnet. Danke sehr. Wieder einmal währt Ehrlichkeit am Längsten!

 

Besonders gefreut hat uns drei Deutsche, dass Suki beschloss auch nach dem Road Trip noch mit uns weiter zu Reisen. So gingen wir gemeinsam zum Busbahnhof und bestiegen schon bald den luxuriösen Bus. Und ich war froh nicht mehr hinter dem Lenkrad sitzen zu müssen.

 

Wohin es uns trieb und was wir dort erlebten, erfährst du im nächsten Bericht. Halte die Ohren steif. Dein Schilli


Funfacts

- Beim betrunkenen Grillen im Koreanischen Restaurant haben wir eine ganz schöne Sauerei hinterlassen. Vor allem als Tobi auf die überragende Idee gekommen ist, gekochte Nudeln grillen zu wollen!

- Auf dem Foodmarket lernten wir einen Spanier kennen. Leider sprach er kaum Englisch. Aber er war heiß auf frittiertes Hühnchen. Alles Weitere ist keine Alternative. Komischer Kauz. Zudem mag er Chiang Mai nicht. Er lebt viel lieber auf der KhaoSan Road in Bangkok (Touristenzentrum vergleichbar Ballermann). Dort gibt es mehr für Ihn mehr Chaos, mehr Party, mehr Spanier und mehr Hühnchen… Ich glaube da treffen sich unsere Vorstellungen vom Reisen wohl eher nirgends!

- Lisa hat sich eine schöne Handtasche gekauft. Und da fragt die Verkäuferin doch tatsächlich ob Lisa eine Plastiktüte dafür haben möchte. Eine Tasche für eine Tasche? Taschen-Inception!

- Ein junger Mann mit Telefon am Ohr kam zu unseren Bambushütten in Pai. Eine Freundin habe Wertsachen in der Hütte von Tobi und Lisa verloren. Wir öffneten natürlich und schwupps, zog er 2.000 US Dollar unter der Matratze hervor!!! Was ein Glück die Dame am Telefon aber auch hatte!

- Lisa hebt das Trinkspiel auf den nächsten Level! Statt alle Straf-Trinkschlücke an ihre Gegner zu verteilen, gibt sie sich selbst welche!

- Stolz war ich als ich die günstigsten Kippen Thailands gefunden hatte. Traurig und ärgerlich war ich als ich herausfand dass diese mit Menthol-Geschmack versetzt waren. Pfui!


Herzlichen Dank an Suki, Lisa und Tobi für ein paar der Bilder!


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Kommentare: 1
  • #1

    Lisa (Freitag, 19 Januar 2018 21:53)

    Hey Schilli,
    vielen Dank für den tollen Bericht, hatten richtig Freude beim Lesen! Obwohl Tobi und ich alles live miterlebt haben, hat man doch schon einiges vergessen und freut sich um so mehr alles nochmal revue passieren zu lassen. Ich hoffe Dir geht es gut, pass auf dich auf und halt die Ohren steif ;-) liebe Grüße Tobi& Lisa