#44 | Höher Schneller Weiter | 508.Reisetag

Als wir in Nyaung Oo den Bus bestiegen fiel mir auf, dass ich nur ca. 500km von hier, auf der anderen Seite der Grenze in Indien, bereits vor einigen Monaten durch den Regenwald gestapft bin. Zu blöd, dass ich die Grenze nicht über Land nehmen konnte. Nun sind wir jedoch auf dem Weg gen Osten. Die Großstadt Mandalay ist unser Ziel. In einem Kleinbus fuhren wir die holprige Landstraße dort hin und waren wieder in einer hektischen Großstadt unterwegs. Toll war, dass das Busunternehmen direkt einen Shuttle zu unserem Hostel inkludiert hatte. Eine Überraschung für uns, denn gesagt hat uns das im Vorfeld keiner. So bezogen wir unsere Zimmer im Dreamland Hostel. Das Hostel ist gleichzeitig Museum, Kunst- und Musikschule. Sehr abgefahren mit tollen Gemälden und Skulpturen überall. Es war nicht nur die günstigste Unterkunft in der Stadt sondern, da bin ich mir sicher, auch die schönste! Direkt gegenüber des Hostels liegt ein kleines Restaurant, dass vollbepackt mit Einheimischen war. Diese Art Restaurant fungiert auch als eine Art Kino in Myanmar. Unzählige große TV Displays zeigen Filme oder Sport, die im öffentlichen Fernsehen zu sehen sind. Und sie sind günstig. Einmal hatten wir ein gutes Abendessen inkl. Getränke für vier Personen und wir bezahlten gerade einmal 4.200 Kyats dafür. Das sind ca. 2,60 € und ist günstiger als der Kaffee, den ich am Mt. Popa hatte

Ein Abend unter der Brücke

Mit 1,6 Millionen Einwohnern ist Mandalay die zweitgrößte Stadt Myanmars nach Yangon. Es leben eine ganze Menge Myanmar-Chinesen hier. Das sind jene Chinesen die nach der Revolution in China vom Kommunismus nach Myanmar geflüchtet sind. Mandarin ist hier die inoffizielle dritte Sprache nach Burmesisch und der lokalen Sprache. Mandalay hat neben dem gigantischen Königspalast-Komplexes, der immerhin mit 3km² quadratisch im Nordteil der Stadt liegt, nicht wirklich viel zu bieten. Es ist wieder einmal eine Großstadt. Relativ modern und in Straßenblöcken angelegt. Die Straßen tragen hier auch Nummern und keine Namen, was das Navigieren zumindest einfach macht. Den Königspalast haben wir ausgeklammert und lieber die Stadt zu Fuß etwas erkundet. Ohne großartigen Plan. Zwar versuchten wir immer wieder ein Taxi zu bekommen, das uns zum Flussufer bringt, doch die Preise waren so hoch, dass wir schließlich dorthin gelaufen sind. So schlenderten wir auch über einen gigantischen Markt bei dem es wirklich ALLES zu kaufen gab. Hunderte Meter war alleine die Sektion für getrockneten Fisch.

Irgendwann fanden wir heraus, dass die bezahlbaren Taxen einfach nur Mopeds oder kleine Pickup-Wagen sind. Die Pickups haben keine Stühle und man setzt sich hinten einfach auf die Ladefläche. Vom Ufer aus nahmen wir dann Moped-Taxis zu einem Jade-Markt. Myanmar hat das weltweit größte Jadevorkommen und mit gut 30 Milliarden Euro ist der Jadehandel auch eines der Eckpfeiler der hiesigen Wirtschaft.Myanmar liefert die beste Qualität was Jade betrifft. Unzählige junge Männer und Kinder versuchen ihr Glück in den Jademinen des Kachin States. Die Minen selbst – und damit der Großteil des Profits – sind Eigentum und unter Kontrolle des Militärs. Die Arbeitsbedingungen in den Minen sind prekär. Im Schnitt ist ein Todesopfer pro Monat an den Stollen und Geröllfeldern, auf welchen die Arbeiter nach Jade suchen, zu verzeichnen. Uns war auch nicht der Blick auf fertige Jadeprodukte hier auf dem großen Jademarkt in Mandalay gegönnt. Wir erreichten den Markt kurz nachdem die Händler ihre Laden geschlossen hatten. Einen Ausländer-Eintritt hätten wir noch bezahlen dürfen um blickdicht geschlossenen Geschäfte innerhalb des Marktareals zu sehen. Nein Danke.

Dann fuhren wir eben direkt weiter zum See, der südlich von Mandalay liegt. Hier gibt es eine weitere Attraktion, die die Menschen aus aller Welt her lockt. Die größte Fußgängerbrücke aus Teakholz überspannt den See, so heißt es. Sie ist lang, muss man sagen. Ca. 1,2 Kilometer lang wurde die Holzbrücke in gekonnter Handarbeit um ca. 1850 fertig gestellt. Die 1.086 Holzpfähle die in den Boden gerammt wurden, werden nun jedoch teilweise durch Betonpfeiler ersetzt, was natürlich den ganzen Charme stiehlt. Und hier waren auch einige Touristen anzutreffen. Ganze Busse voller Menschen wurde angekarrt und die vielen kleinen und größeren Souvenirhändler stürzten sich auf sie/uns. Wir entspannten am Seeufer, Holger schlürfte seine erste Kokosnuss und wir sahen den Fischern bei ihrer Arbeit zu. Als sich dann die Sonne senkte, suchten wir uns einen schönen Platz auf einer Insel, der von der Brücke aus zu erreichen war und genossen den Sonnenuntergang. Wieder einmal ein hervorragender Ort zur perfekten Zeit um tolle Erinnerungsfotos zu schießen…wenn man den wüsste wie und das entsprechende Material hätte.


Wir teilten unser Zimmer unter anderen mit Günther, 65 Jahre, aus dem Rheinland. Er ist bereits seit ein paar Monaten unterwegs und reist Etappenweise die Strecke nach, die er bereits als Jungspund besucht hatte. Günther ist ein lustiger Zeitgenosse und im Gegensatz zu vielen anderen Senioren auf Rucksackreise auch wenig nervig. Er wusste wieviel Dosis „Günther“ wir aushalten und wann es zu viel wurde. Auf jeden Fall nahmen wir Günther auf eine kleine Halbtagestour mit. Wir besuchten die Pagode auf einem Hügel direkt neben der Stadt, von welcher wir eine Aussicht auf die Umgebung erhaschen konnten. Runter ging es dann wieder zu Fuß. Es war etwas nervig sich alle 10 Minuten die Schuhe ausziehen zu müssen, da der Weg durch sakrale Gebäude oder an ihnen vorbei führt, aber ich habe mich schon ganz gut daran gewöhnt. Von hier oben hatten wir auch eine wahnsinnig schöne Sicht auf die Kuthodaw Pagode mit ihren 729 kleinen Stupas. In jeder dieser Stupa ist eine Marmortafel untergebracht die auf beiden Seiten eng beschrieben ist. Der Zusammenhängende Text wird der Pali-Kanon genannt. Das Leben und die Lehren Buddhas. Die knapp 200 Jahre alte Anlage wird auch als größtes Buch der Welt beworben. Und das ist mal wieder etwas Neues. Nicht nur eine langweilige Pagode, sondern etwas anderes. Höher, schneller, weiter…sage ich nur. Aber es war wirklich schön das Areal von oben, wie auch aus der Mitte heraus zu begutachten. Ein ganzer Haufen Arbeit und ein noch größerer Haufen zu lesen.

Die Abende verbrachten wir regelmäßig auf dem Dach des Hostels. Hier waren sonnengeschützte Bänke und Tische installiert und ein schöner Platz zur Kommunikation, mit Sicht über die Dächer Mandalays geschaffen. Aber empfehlenswert war dies nur abends, denn tagsüber brannte die Sonne ordentlich herunter. So saßen wir entweder zu dritt, mit Günther oder auch mit weiteren Hostelgästen zusammen und genossen unsere Gesellschaft. Mit Andy aus Kalifornien musizierte ich fleißig und auch David aus Spanien unterhielt uns ganz gut. Als dann der Wein und Whiskey floss, las uns Andy noch aus unseren Händen und legte Tarot. Allzu viel gebe ich darauf nicht, aber es war sehr interessant und amüsant. Grundtenor: Alles wird gut! Leider bekam nun auch Rosa Probleme durch das Essen hier in Myanmar. Zum Glück bin ich was das angeht schon ordentlich abgehärtet. Aber man weiß ja nie wann es einen wieder trifft. Dann kam schließlich der Tag, an dem Holle sich verabschieden musste. Wir konnten zwar noch einen Tag herausschlagen, aber nun musste er wirklich seine Reise nach Yangon antreten um am nächsten Tag den Flieger in Richtung Deutschland betreten zu können. Ich hatte eine zauberhafte Zeit mit Holger und bin sehr glücklich einen alten Freund mal wieder an meiner Seite gehabt zu haben. Ich danke dir, Holger.

Aufgrund Rosas Unwohlsein, beschlossen wir einen faulen Tag im Hostel zu verbringen. Gut, so konnte ich etwas hier am Online-Tagebuch arbeiten und auch etwas entspannen. Danach jedoch lag es auch an uns dem Hostelhund, einem Husky, Lebewohl zu sagen. An diesem Tag nahmen wir dann einen richtigen lokalen Kleinbus, kein Touristenbus, zu unserem nächsten Ziel. Kurz vor dem Einsteigen, der Busbegleiter bat mich flott die Zigarette auszudrücken und einzusteigen, fiel mir die Glut in die Stofftasche die ich bei mir trug und diese fing sofort Feuer. Upsi, das fängt ja gut an. Und es war mal wieder abenteuerlich. Wie immer wenn man die Infrastruktur der Einheimischen nutzt. Bei einem Stopp stieg ein Herr ein und er brachte sein Motorrad mit. Jupp, sein Motorrad wurde im Mittelgang des Busses auf zwei Reissäcken platziert. So bekam ich eine weitere Armlehne, gar nicht mal so unbequem.

Flinker Flitzer & Mächtige Monumente

Nur knapp 4 Stunden dauerte die Fahrt in die Kleinstadt Monywa. Wir packten unsere Sachen und liefen durch die Stadt um ein passendes Hotel für uns zu suchen. Ich mag das Laufen nach einer Busfahrt. Und ich liebe es tagsüber an neuen Plätzen anzukommen. So kann man etwas schlendern, sieht bereits wo Restaurants und Banken sind, hat die Zeit bei Hotels direkt persönlich anzufragen um gute Preise zu bekommen und bekommt ein Gefühl für den Ort. Leider hatten wir keinen Erfolg was die Hotels betraf, aber wir hatten bereits im Vorfeld ein stornierbares Hotel reserviert und so liefen wir zu diesem. King & Queen nennt es sich und es war ein solides Dreisterne-Haus. Und zwar von mir nach europäischem Standard bewertet. Es war hervorragend organisiert und hatte schöne Räumlichkeiten. Ich war überrascht, dass wir es so günstig bekamen, trotzt Onlinebuchung. Aber beschweren wollte ich mich natürlich nicht. Nachdem uns der Page das Zimmer erklärte und fleißig seine vielen Sprüchlein aufsagte, tranken wir den kostenfreien Kaffee und suchten in der Umgebung ein geeignetes Restaurant. Unsere Karte führte uns zu einem teuren und mittelmäßigen Lokal. Damit wollten wir uns nicht zufrieden geben. Bei den Preisen kommt der Zimmerservice im Hotel günstiger. Auf dem Weg entdeckten wir ein kleines Pop-Up Restaurant an der Hauptstraße. Jeden Abend werden hier kleine Stühle und Tische gestellt und zwei Gerichte serviert. Nach ein paar Minuten schwieriger Kommunikation hatten Rosa und ich einen Tisch voller leckerem Essen und bezahlten kaum etwas dafür. Noch nicht einmal Trinkgeld wollte der Wirt von uns haben. Also da gehen wir bestimmt nochmal hin. Und das taten wir auch. Jeden Abend!

Nachdem wir das ausgezeichnete und abwechslungsreiche Frühstücksbuffet im Hotel geplündert hatten, schwangen sich Rosa und ich auf einen Mietroller und düsten los. 16km waren es bis zur Hauptattraktion der Region. Bereits vom Hotelzimmer aus dem fünften Stock konnten wir es sehen, doch wir wollten uns die mächtigen Monumente auch nochmals von Nahem ansehen. Nach ein paar Minuten Eingewöhnungszeit auf der 125cm Maschine, waren wir bald die schnellsten auf den Straßen. Ich habe keine Ahnung woran es liegt, aber die Einheimischen fahren trotz guten Umständen, sehr gemütlich. Wir deutschen sind auf unseren Straßen einfach anderes Tempo gewöhnt. Bevor wir die Hauptattraktion erreichten, hielten wir spontan noch an einem Pagodenkomplex. Zuerst wollte ich da nicht zwingend stoppen, doch haben wir kurz vorher gelesen, dass hier wohl 500.000 Buddhas in und an einer Pagode aus dem 14. Jahrhundert in Statue gesetzt wurden. Dass wollten wir uns dann doch nicht entgehen lassen. Und tatsächlich waren wir begeistert und fasziniert von den übertrieben vielen kleinen und großen Statuen rund um und in dem Tempel. Einmal mehr gilt zu sagen, dass organisierte Religionen einfach verrückte Dinge tun. Das Areal um die Pagode hat uns sehr stark an Disneyland erinnert. Übertrieben bunte Tempelanlagen in abgefahrener, fantasiereicher Architektur und farbenprächtige Figuren in Lebens und Überlebensgröße.

Wenn wir schon von Größe sprechen. Wir waren nun schließlich unterwegs zur Lay Kyun Sakkya Buddhastatue. Mit krassen 129 Metern Höhe ist sie die zweitgrößte Abbildung eines stehenden Buddhas auf dem Erdball und wurde vor knapp 10 Jahren fertig gestellt. Und da es wohl auf Größe ankommt, haben sie zu seinen Füßen eine zweite gigantische Statue eines liegenden Buddhas gebaut. Mit 101m Länge und 18m Höhe ist diese das größte Abbild eines liegenden Buddhas weltweit. Rosa und ich bestiegen die 31 Stockwerke des stehenden Buddhas und sahen uns religiöse Kunst aus dem Buddhismus an. Die ersten zwei Drittel bestanden rein aus Abbildungen der buddhistischen Hölle. Leider sind die Fester innerhalb des Buddhas nicht wirklich zugänglich was etwas enttäuschend ist, denn man steigt die Treppen zum obersten Stockwerk hinauf und bekommt keine Sicht auf die Umgebung. Interessant war es dennoch und ein paar Mal stiehl ich mich in Buddhas Schultern oder Arme um von dort einen kurzen Ausblick zu ergattern. Das komplette Areal hier ist wahnwitzig. Enorme Statuen des Buddhas und in der Zahl unbeschreiblich viele. Ein kleines Waldstück beherbergt Hunderte von identischen Buddhas, die in Reih und Glied platziert wurden. Zudem steht hier auch eine Kopie der Shwedagon Pagode aus Yangon mit beeindruckenden 69m Höhe. Achja, und es wird gerade die weltweit größte Figur eines sitzenden Buddhas gebaut. Der Rohbau steht bereits. Ein Park der Superlative also. Witziger Weise ist diese Areal aber gar nicht so bekannt und touristisch erschlossen wir erwartet, wahrscheinlich weil es noch nicht fertig ist und relativ neu. Unter Burmesen jedoch ist es ein beliebtes Ziel. Und das bekam ich auch zu spüren als ich um Fotos mit ihnen gebeten wurde. Passt ganz gut oder? Der weiße Gigant aus Deutschland muss auch abgelichtet werden…

Danach war unser Vorhaben bereits erledigt. Das „Pflichtprogramm“ sozusagen war abgeschlossen. Doch wir hatten noch gut Zeit und der Tank des Rollers gab auch noch einiges her. So entschlossen Rosa und ich noch auf das Land rauszufahren. Laut Karte gäbe es hier Höhlen und Tempel zu sehen. 1,5 Stunden preschten wir durch die schöne Landschaft, an Kupferminen vorbei und durch Wälder bis wir in den kleinen Orten Pho Win Taung und Shwe Ba Taung eintrafen. Über 1000 künstliche Höhlen wurden dort zwischen dem 14. und 18. Jahrhundert in die Felsen geschlagen um in ihnen Buddha Statuen zu verehren. Die in den Felsen gehauenen Fassaden könnten sogar als eine Art Miniatur der Höhlenstadt „Petra“ in Jordanien angesehen werden. Auf den Felsen waren natürlich wieder Pagoden installiert und Affen hüpften durch die Gegend. Plötzlich hörte ich ein rufen. Ich blickte mich um und sah nichts. Dann wieder ein rufen, es galt eindeutig mir….aber woher? Da blitzte das Grinsen eines Mönchs hinter einer der Pagoden hervor. Ein rief uns zu sich und zeigte uns stolz wie toll er doch die Pagode mit roter Farbe verziert. Ein sehr freundlicher Kerl. Es war kaum was los hier, was es wirklich angenehm machte. Doch wir waren auch relativ spät dort. So blieb uns nicht allzu viel Zeit, da wir ja auch wieder die 1,5 Stunden Rückweg nach Monywa zu meistern hatten.


Nach dem ausgezeichneten Abendessen in Monywa auf der Straße, sind wir brotfertig ins Zimmer zurückgekommen und genießten dort noch eine Nacht den Luxus des King & Queen Hotels. Wir konnten sogar ausschlafen, denn wir hatten den Transfer in die nächste Stadt erst zur Mittagszeit gebucht. Diese Mal fuhren wir in einem klimatisierten Van. Es war natürlich etwas teurer, aber der Preis war dennoch akzeptabel. Da hat uns das gute Hotel doch nicht etwa gemütlich gemacht? Der Weg führte uns wieder über Mandalay weiter in den Osten des Landes. Erst an kilometerlangen Steinbrüchen oder Tagebauminen vorbei kämpfte sich der Van langsam ins Hochland. Während der Kolonialzeit haben die Briten, die von Mandalay aus das Land „bearbeitet“ haben, sich ein Refugium im Hochland erbaut um den heißen Temperaturen im hiesigen Sommer zu entfliehen. Und jetzt gerade ist hier Sommer und so tun wir es ihnen gleich.

Pyin Oo Lwin

Wir klopften bei Hotels an, doch entweder haben sie keine Erlaubnis Ausländer zu beherbergen oder sie waren teurer als ein Hotel, welches wir im Vorfeld bereits recherchiert hatten. So zogen wir letztlich auch dort ein. Passt auch super zum letzten Hotel; „Royal Flower“ ist der Name des Gasthauses. Aber leider ließ bei dieser Unterkunft viel zu wünschen übrig. Dauernd lange Stromausfälle, kein Frühstück und alles relativ teuer. Aber egal, wir kamen schon zurecht. So kamen wir schnell wieder auf den Boden der Tatsachen und zurück zum echten Leben. Es war bereits Abend und wir folgten der Empfehlung des Rezeptionisten und besuchten ein lokales Restaurant. Wie in vielen Restaurants in Asien, sucht man sich ein Hauptgericht aus einem der Töpfe aus (z.B. Hühnchen, Schwein, gekochtes Gemüse, Fisch…). Serviert wird dieses dann mit Reis und diversen (bis zu 3-8!) verschiedenen Beilagen. Und dieses Restaurant hier hat ordentlich aufgetischt und war superlecker. Auch der Preis mit 1.800 Kyats pro Person, war natürlich entsprechend attraktiv.


Nachdem wir durch die Stadt geschlendert sind und uns unter anderem das Haus des großartigen Schriftstellers George Orwell, welches er zu seiner Zeit hier als Leiter des Forstamtes behauste, angesehen hatten, entschlossen wir ein paar Tage hier zu bleiben. Es schwirrte noch die Idee in unseren Köpfen weiter nordwestlich zu reisen, aber diese verwarfen wir und konzentrierten uns lieber darauf hier ein paar tolle Dinge zu erleben und diese auch zu genießen. Ich bin ja stets Verfechter der einfachen Formel: Lieber mehr Zeit in wenige Orte investieren, als anders herum. Alles sehen auf der Welt geht sowieso nicht. Punkt. So nahmen wir uns selbst etwas Stress und konnten in Ruhe planen. Zudem ist das Klima hier auf ca. 1070m um einiges angenehmer, wenn auch immer noch zu heiß und schwül für uns. 

Wieder einmal besorgten wir uns ein brummendes Zweirad und sausten früh morgens los. Wir fuhren etwas außerhalb der Stadt an den Rand des Dschungels. An dem Eingang zum Wanderweg verlangte ein findiger Geschäftsmann Parkgebühren für den Roller. Umgedreht, hinter der nächsten Kurve den Roller gratis in den Dschungel geparkt, fertig. Dann stiegen wir in den Regenwald ein und kletterten auf einem schmalen und teilweise herausfordernden Pfad in das dicht bewachsene Tal hinab. Ca. 45 Minuten und ca. 250 Höhenmeter tiefer, erreichten wir dann unser Ziel. Bereits vor dieser Ankunft erreichten wir ein paar Stufen des großen Anisakan | Dat Taw Gyaik Wasserfalls. Die Regenzeit hat erst vor kurzem aufgehört und so spie er ordentlich Wasser den Hang hinab. In der dritten und letzten Phase stürzt das Wasser knapp 80m in die Tiefe und füllt einen großen Pool, der mit wunderschönen, aus dem Wasser ragenden, Felsen bespickt ist. Ein magischer und herrlicher Ort. Nach einer kurzen Snack-Pause warfen sich Rosa und ich ins Bade-Outfit um den Wasserfall mit allen Sinnen zu erkunden. So schwammen wir in und hinter die Wand aus Wasser in eine Grotte, die quasi dafür gemacht war, den Wasserfall zu genießen. Achja, das Schwimmen ist laut einem Schild hier verboten, da natürlich auch gefährlich. Doch unser Hotelbesitzer meinte es wäre durchaus möglich. Und so wagten wir es auch. Ein großartiges Erlebnis, auch weil wir bis zum Schluss die einzigen Gäste waren. Am Fuße des Wasserfalls gibt es auch einen kleinen Imbiss und – natürlich – auch einen kleinen Tempel. Da der Wasserfall aber noch so stark war, dass Spritzwasser noch das ganze Areal übersprühte, war es kein sonderlich attraktiver Ort um lange zu verweilen und es war eine kleine matschige Angelegenheit. Aber dennoch die Sache wert. Einer der schönsten Fälle, die ich in letzter Zeit besuchen durfte.


Anstrengend war dann der Weg wieder hinauf. Vor allem bei der Hitze und der Luftfeuchtigkeit. Doch wir bekamen schöne Ausblicke auf das Tal und die Hügel. Am Roller angekommen, schwangen wir uns direkt wieder auf dem Sattel um zur nächsten Attraktion zu fahren. Auf der anderen Seite Pyin Oo Lwins liegen die Pwe Kauk Wasserfälle. Eher eine enttäuschende Angelegenheit um ehrlich zu sein. An einer Schranke wurde ein kleiner Eintritt erhoben und die Wasserfälle waren in einer kleinen Parkanlage eingefasst. Kleine Brücken führen über die Pools und man den kann die Wasserfälle schön betrachten. Jedoch fehlt das natürliche Umfeld und nimmt so viel von deren Charme. Zudem waren natürlich viele Einheimische Gäste auch hier und schossen Selfies um die Wette. Ein kleiner, netter Spaziergang, aber mehr war es leider für uns nicht. Nachdem wir also hier nicht viel Zeit verbrachten, warfen Rosa und ich noch einen Blick auf die Uhr und die Tankanzeige. Wir beschlossen nochmal weiter hinaus zu fahren um einer weiteren Empfehlung zu folgen. Wir fuhren das Hochplateau ein Stück hinunter und der gut motorisierte Roller ließ uns schnell gute Strecke machen.

Schließlich erreichten wir den Parkplatz der Pyeik Chin Myaung Höhle. Wieder so eine Art buddhistisches Disneyland. Die ca. 300 Millionen Jahre alte Kalksteinhöhle ist ca. 500m lang und beherbergt unzählige buddhistische Skulpturen. Und zwar in jeder Größe! Ganze Pagoden hat man hier in die Höhlen gebaut, wahnsinnig. Es gibt sogar einen kleinen natürlichen Wasserfall innerhalb der Höhle, was ganz cool ist. Die Einheimischen glauben, dass das Wasser der Höhle Haut- und Sehkrankheiten heilen kann…nicht schlecht Herr Specht! Die natürliche Schönheit der Höhle wurde zwar leider durch menschliche, religiöse Einwirkungen etwas zerstört, jedoch war es eine schöne und faszinierende kleine Wanderung durch den Berg. Auch der Vorplatz der Höhle war schön hergerichtet und bietet Pilgern wie Touristen viele kleinere Attraktionen und ausreichend Möglichkeit sich zu verpflegen oder sogar ein Bad zu nehmen. Wir jedoch, in Anbetracht der untergehenden Sonne, machten uns hurtig wieder auf den Weg zurück nach Pyin Oo Lwin. Und mit dem letzten Tropfen Benzin, kamen wir schließlich auch beim Hotel wieder an. Wie schwäbisch: Eine Tankfüllung war im Preis mit drin und jene haben wir auch auf den letzten Tropfen verbraucht. Nex verkomme lasse!


Rosa und ich buchten auch unsere Bustickets. Unsere Zeit im Norden (Der Norden, der für Touristen geöffnet ist) war abgelaufen und uns trieb es wieder südwärts. Aber leider nicht gemeinsam. Rosa führte es zum Inle See, den ich ja bereits mit Holger besucht hatte und ich hatte einen Gewalttransport in die Südspitze Myanmars vor mir. So verabschiedete ich mich etwas wehmütig von Rosas großartiger Gesellschaft und schwang mich alleine auf den Sozius des Motorradtaxis, das mich zum Busbahnhof bringen wird. Herzlichen Dank Rosa, ich hatte eine wundervolle Zeit mit dir und wünsche dir viel Spaß auf deiner Weiterreise.

 

Wie es bei mir weiter läuft, erzähle ich euch gar bald! Bleibt gespannt und am Ball. Euer Schilli


Funfacts

- Klassische Tuk Tuks gibt es in Myanmar nicht. Man kann aber für kleines Geld Motorräder mit Beiwagen (2 Sitze) oder deren nichtmotorisierte Version buchen.

- Nach der U Bein Brücke hatten wir Schwierigkeiten ein günstiges Gefährt nach Mandalay zurück zu bekommen. Wir schlenderten 45 Minuten durch die Gegend. Stets gefolgt von einem kleinen, weißbärtigen, alten Mann (er sah aus wie ein Kung Fu Meister) der immer „10.000! 10.000!“ rief. Nach nicht erfolgreiche Suche nach einer günstigeren Alternative zahlten wir ihm 9.000. Seine Penetranz hat sich ausgezahlt.

- Die Abende im „Luxushotel“ in Monywa verbrachten Rosa und ich bei Snacks und diversen Episoden der Star Wars Saga. Es war wohl Themenwoche im Fernsehen. Auch schön, Fernsehabende…lange nicht gehabt…

- Wir dachten den Weg zu den Höhlentempel in Monywa abkürzen zu können. Doch die Fähre war nicht für Scooter zugänglich. So mussten wir den 45minütigen Umweg in Kauf nehmen.

- Ein Trick aus China: Wer günstig essen will holt sich Instant-Noodle-Cups. Gibt’s in allen möglichen Geschmacksrichtungen und Farben. Gesund ist das sicher nicht, aber billig und überall erhältlich. Die Leute hier stehen darauf!

- In Pyin Oo Lwin besuchten wir auch eine Chinesische Pagode und Tempel. Ich war besonders Glücklich mit Rosa einen inoffiziellen Guide dafür zu haben. Ansonsten wäre die lustige Figur eines Schweine-Mensch Hybriden eben nur eine lustige Figur gewesen.


Danke auch an Rosa und Holger für ein paar der Bilder!


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