#39 | Ruß & Rast - Ruinen & Reifen | 427. Reisetag

Der Bus setzte mich in der Nähe des Flughafens ab. Die vergangenen zwei Stunden verbrachten wir damit im Stop and Go durch den immensen Verkehr der Stadt zu schlängeln und uns durch die Nebelschwaden aus Staub und Co² zu kämpfen. Kathmandu gehört zu den Top 5 Städten (Top 7 lt. einer anderen Statistik) weltweit wenn es um Verschmutzung geht. Und ich kann mir das gut vorstellen. Ein Haufen Fahrzeuge sind unterwegs, blasen im Stand kiloweise Emissionen in die Luft und die umliegenden Hügel sorgen schön dafür, dass die Abgase im Kessel der Stadt bleiben. Und dabei habe ich noch nicht einmal einen Blick auf die Industrie geworfen. Die Hauptstadt des Landes beherbergt eine von ca. 29 Millionen Nepalesen. Erst seit 2008 organisiert sich das Land in einer Republik und war bis dahin eine klassische Monarchie. Besonders interessant finde ich den Wahlspruch der Nepalesen: „Das Mutterland ist mehr wert als das Mutterland des Himmels“. So führen die Nepalesen neben ihren gigantischen Nachbarn (China & Indien) ein relativ friedliches Leben. Die meisten Nepalis sind Buddhisten, Hindus oder auch eine Mischung davon.

Kathman-Ich im Touristenviertel

Da der Bus mich früher als erwartet absetzte, ich ging fälschlicherweise davon aus, dass der Kleinbus genauso lange brauche wie der Große, entschloss ich mich die ca. 9 Kilometer zum Touristenviertel Thamel zu Fuß zurück zu legen. Nach meinen Erfahrungen abseits der Touristenwege, freue ich mich tatsächlich etwas darauf, einmal wieder rucksacktragende Schicksalsbrüder und –brüderinnen aus aller Welt zu treffen. Auch freute ich mich darauf wieder eine gesunde Auswahl internationaler Speisen zu genießen. Auf dem Weg nach Thamel begann es ein wenig zu nieseln, aber ich genoss den Marsch sehr, um mich mit der Gegend etwas vertraut zu machen. Ich klopfte an ein Hostel an und bat um Unterkunft. Auch hier ist gerade ob des Monsuns Nebensaison und ich war der einzige Gast in diesem Hostel. Doch Thamel war bereits prall gefüllt mit Touristen und den Menschen die von ihnen leben. Zumindest fühlte es sich für mich so an. Ich bin gespannt wie meine Rückkehr hier im Oktober, eine der Hauptreisezeiten in Nepal, wohl aussehen mag.

Da mein Arm nach der holprigen Busfahrt und dem Hieven des Gepäcks stark schmerzte, besorgte ich mir eine ordentliche Armschiene, welche ich die kommenden Wochen zum Schutz und zur Prävention nun tragen werde. Dann gab es den ersten richtigen, ordentlich zubereiteten, saftigen Rinderbuletten-Burger seit Monaten! Ein Schmaus! Ich teilte mein Abendessen mit zwei Französinnen, die ich im Restaurant kennen lernte und ich wurde endlich wieder mit Neuigkeiten aus Europa versorgt. Auch genoss ich es den ersten ordentlichen Supermarkt seit langem einmal wieder zu besuchen. Mit tollen Dingen, die ich bereits seit Wochen nicht mehr sah. Aber der Supermarkt war auch sehr teuer, wie alles hier im Touristen-Viertel. Wer hätte es gedacht? Naja, teuer bis auf Zigaretten, die sind in Nepal besonders günstig. Eine 20er Schachtel gibt’s für umgerechnet 0,40 €. Natürlich die günstige, lokale Marke in mieser Qualität. Aber für mich taugt’s. In ein paar der unzählbaren Outdoor-Equipment Läden unterhielt ich mich mit den Verkäufern und sammelte Informationen zu den Wanderungen und die benötigte Ausrüstung. Wobei man einem Verkäufer, wenn es um Ausrüstung geht, wohl eher nicht trauen sollte. Es ist zudem sehr faszinierten die Vielfalt von guten und miserablen Kopien der bekannten Outdoor-Marken zu begutachten. Originale gibt es so gut wie nicht.

Zudem wurde Opfer ich meines zweiten Scams! Eine sehr höfliche, alte Dame sprach mich auf der Straße an. Ich lallte mein übliches „Danke, kein Interesse…blablabla“. Sie haute mir freundlich auf die Schultern und meinte: „Ich verkaufe nix und will auch kein Geld, das gibt nur schlechtes Karma. Aber vielleicht kannst du mir ein Glas Milch für meine Tochter kaufen?“. Sie war wirklich nett und sah sehr sympathisch aus. Ich war gut gelaunt und entschied mich dafür der Frau zu helfen. Was wird das schon kosten. Wir liefen also in einen kleinen Markt um die Ecke und sie legte der Frau an der Theke zwei Pack Babymilchpulver auf den Tresen. Nachdem ich ihr lange erklärt habe, dass sie nicht so gierig sein soll und ich nur ein Päckchen kaufen werde, entdeckte ich das der Preis des Pulvers bei umgerechnet 17€ pro Päckchen liegt! Mein komplettes Tagebudget quasi. Dann begann das Argumentieren mit Verkäuferin und Mutter. Weiterhin in sehr freundlicher Atmosphäre. Ich fand schließlich ein kleines Päckchen Milchpulver einer anderen Marke versteckt im Eck. Bezahlte es, drückte es der Dame in die Hand und verschwand. So verlor ich an diesem Tag nur 6€. Gut gelöst, finde ich.

Die Gang Formiert sich

Dann reiste Ben (PL) an. Ben hatte gerade den Annapurna Circuit beendet. Den Trek (Mehrtageswanderung), den auch ich als Erstes anpeile. Er zog in das Mehrbettzimmer ein und wir freundeten uns unglaublich schnell an. Noch bevor er auspacken konnte, verbrachten wir Stunden auf dem Bett sitzend über dies und jenes plaudernd. Er reist weiter nach Ost-Nepal und Indien und so konnte auch ich ihm nützliche Informationen liefern. Zusammen gingen wir auf Entdeckungsreise durch Thamel und wir fanden Restaurants, die wir in den kommenden Tagen wiederholt gemeinsam besuchen werden. Es stellte sich heraus dass Ben und ich auf sehr vielen Ebenen Gemeinsamkeiten hatten. Die Art wie wir reisen, denken, essen, lachen…es war fast beängstigend. Er besuchte ein paar Sehenswürdigkeiten, während ich mein Wiedersehen mit Sugandh (IN) plante. Wie sich herausstellte, hatte sie Probleme mit der Fluggesellschaft und reist nun über Nacht, mit Ankunft am frühen Morgen in Kathmandu an. Was eine Freude ein bekanntes Gesicht wieder zu sehen. Nachdem sie mich in ihrem Heimatland etwas herumführte, können wir nun gemeinsam etwas für uns Neues entdecken.

Gemeinsam mit Ben und seinem Freund Alexi (CAN) aßen wir gemeinsam und verbrachten eine Nacht Rum-Cola trinkend in den Gassen Thamels. Ein nicht ganz gesetzeskonformes Verhalten (wir Sparfüchse), doch wir hatten uns ein ruhiges Eck herausgesucht und diskutierten und erzählten lange über unsere Reiseerfahrungen vor allem bezüglich Indien. Wir stellten unter anderem fest dass wir das ein oder andere Hostel alle, jedoch zu unterschiedlichen Zeiten besuchten. Wir wollten zudem eine Bekannte Sugandhs in Thamel treffen, Kuku (NP) teilte uns mit wo und wann, jedoch verpassten wir uns aufgrund unglücklicher Umstände. Da Sugandh jedoch diverse Sachen an Kuku zu überreichen hat, werde ich sie hoffentlich später während meines Aufenthaltes in Nepal kennen lernen und die Dinge aushändigen. Die Bar, in der uns Kuku treffen wollte, war jedoch überragend und wir verbrachten einen guten Abend bei bester Funkmusik. Am nächsten Morgen machten sich Sugandh, Ben und ich noch auf den Weg in die Stadt Bhaktapur, die sich ca. ein Stunde Busfahrt entfernt befindet.


Die Folgen der Naturkatastrophe

Bhaktapur war einst eine blühende Königsstadt des Malla-Kaiserreiches. Aufgrund seiner Lage zwischen Indien und Tibet war es eines der Handels und Religiösen Zentren und somit sehr reich. Im Laufe der Vergangenheit ließen diverse Herrscher hier prächtige Monumente errichten. Der Bus brachte uns nahe an die Altstadt und wir liefen voll motiviert los. Jedoch wurden wir prompt gebremst und sollten 15€ Eintritt bezahlen. Das war uns jedoch zu viel und wir schlenderten in eine andere Richtung davon. Doch wie der Zufall so wollte und wir durch die Gassen der Stadt spazierten, fanden wir uns plötzlich inmitten der Altstadt. Wir hatten wohl per Zufall einen Weg gefunden, an welchem kein Wachpersonal von Touristen Geld eintreibt. Wir verbrachten einige Zeit neben den wunderschönen und kunstvoll gestalteten Palästen, Tempeln und Wohnhäuser. Die Pagoden sind alle handgefertigt und es gibt viele Details in Schnitzereien, Keramik und Steinmetzarbeiten zu entdecken. Doch war es auch erschreckend zu sehen, welche Spuren das verheerende Erdbeben im Jahr 2015 hier hinterlassen hat.

Im Mai und Juni 2015 erlebte Nepal die größte Naturkatastrophe seiner Geschichte. Mit einer Stärke von 7,8 erschütterte es das ganze Land. Knapp 9.000 Menschen verloren dabei ihr leben und über 800.000 Gebäude wurden dem Erdboden gleich gemacht. Darunter auch viele von Nepals Denkmalgeschützen Schätzen. Überall in Kathmandu sind die Folgen des Erdbebens noch immer zu erkennen und hier in Bhaktapur sind einige der Tempel und Paläste schlichtweg nicht mehr da. Lediglich Felder von Steinen und Holzbalken, sowie Hinweisschilder zeugen von den Prachtbauten. Erschreckend. Es sind viele verschiedenen Teams von Rekonstrukteuren am Werk um die noch stehenden Gebäude zu sichern und auch langsam mit den Wiederaufarbeitungen der verloren gegangenen Gebäude zu beginnen.

Das Himalaya ist nicht nur das mit Abstand höchste Gebirge der Welt, sondern auch das Jüngste, Dynamischte und das Fragilste. Erst vor ein paar Millionen Jahren traf der Subkontinent Indien auf den Eurasischen Kontinent und das Gebirge ist quasi die Knautschzone des Einschlages bzw. schiebt sich die Kontinentalplatte Indiens langsam unter die Kontinentalplatte Eurasiens. Das Himalaya wächst täglich (Mt. Everest ca. 2mm pro Jahr) und verschiebt sich auch jährlich ca. 22cm in den Norden in Richtung China/Tibet. Dies macht diese Region sehr anfällig für Erdbeben, Verschiebungen, Lawinen aus Schnee und Land, sowie alles, was eben noch mit dazu gehört.

Sugandh und ich besuchten noch ein faszinierendes Tempelareal. Hier stehen viele sehr alte Hindu-Tempel, unter anderem auch eines der ältesten Shiva-Tempel Pashupatinat. So war es auch eine Art Pilgerfahrt für Sugandh und ich begleitete sie sehr gerne dabei. Jedoch nur bis zu den Eingangsschleusen. Den Weiße sollen hier 10€ pro Person und pro Tempel Eintritt bezahlen. Weiße wohlgemerkt. Inder oder andere dunkelhäutige Menschen dürfen ohne weiteres passieren. Ich verstehe natürlich die Intention die dahinter steckt. Wohlhabendere Menschen und vor allem Menschen die aus Interesse und nicht aus religiöser Überzeugung diese Monumente besuchen, sollen ihren Teil durch finanzielle Unterstützung beitragen. Das ist ja auch okay. Aber die Art und Weise ist grässlich rassistisch, pauschalisierend und unfair. Was ist mit weißen Hindus? Pakistanischen Moslems? Superreichen Inder?... Aus Prinzip schon, habe ich mit den offiziellen debattiert und bin natürlich nicht durch die Schleusen gegangen.

Ein perfekter Ort?

Ben reiste weiter in den Osten Nepals und wir bestiegen

einen der Busse, der Kathmandu mit der zweitgrößten Stadt Nepals und zweitbeliebtesten Tourismusdestination Pokhara verbindet. Pokhara liegt quasi im Zentrum des Landes. Ein für meine Verhältnisse wahrlich luxuriöser Bus brachte uns innerhalb 8 Stunden in die ca. 200 Straßenkilometer entfernte Stadt. Sugandh und ich ließen uns voll auf die Empfehlungen Bens ein und waren sehr glücklich mit dieser Entscheidung. Eines der günstigsten Gasthäuser der Stadt und ein großartiges und preisewertes Restaurant direkt am See erklärten wir zu unserem Heim. Pokhara ist deutlich günstiger und wesentlich weniger Verschmutzt als Kathmandu. Zudem hat man einen ausgezeichneten Blick über den großen Phewa-Stausee, die umliegenden Berge und ja, wenn das Wetter mitspielt, kann man sogar die weißen Gipfel der Achttausender des Annapurna Massivs erkennen. Pokhara ist Hauptstadt für Aktiv- und Abenteuertourismus möchte ich behaupten. Unzählige Paraglider fliegen über den See, Bungeejumping und Wildwasserrafting wird beworben und natürlich gibt es auch hier alles, was das Wanderer-Herz begehrt.

Da Sugandh leider nur zwei Nächte in Pokhara bleiben kann und sich dann wieder auf den Weg nach Mumbai machen muss, hatten wir große Pläne für den kommenden Tag. Wir wanderten quer durch die Stadt und fuhren etwas außerhalb zum Devi Wasserfall. Pokhara hat ein besonderes natürliches Phänomen zu bieten. Durch die komplette Stadt zieht sich ein gigantischer Riss, wie man ihn nur aus Katastrophenfilmen aus Hollywood kennt. Nur eben ohne Katastrophe. Die Schlucht ist an manchen Stellen nur einen Meter breit, kann jedoch bis zu 100 Meter tief sein. Der Canyon beginnt etwas weiter nördlich und verdichtet sich. Dort wurde dann die Stadt Pokhara errichtet. Südlich der Stadt öffnet sich der Canyon wieder etwas und bildet eine weite Schlucht. Der Riss entstand durch Verschiebungen der Kontinentalplatten bereits vor Menschengedenken. Heute fließt der Fluss Seti in jenem Canyon. Und an einer Stelle trifft das Wasser auf einen abrupten Abgrund und stürzt hinab in ein Höhlensystem. Es ist etwas Besonderes einen Wasserfall zu erleben, der quasi in eine Höhle stürzt und man nicht erkennen kann wie der weitere Verlauf des Wassers ist. Spannend.

Vom Wasserfall entschieden wir eine Wanderung auf einen der

Hügel zu unternehmen. Wir erklommen den Berg und besuchten die dort erbaute „Weltfrieden Stupa“. Ein heiliges buddhistisches Bauwerk, das dem ultimativen Ziel einer friedlichen Welt gewidmet ist. Das Bauwerk ist recht modern und bietet einen vorzüglichen Blick auf die Stadt und den Phewa-See. Wenn das Wetter klar ist, bekommt man hier auch das Postkartenmotiv der Region vor die Linse. Den Blick auf den See, der Stadt Pokhara, den Paraglidern die von der gegenüberliegenden Talseite starten und am Seeufer landen und im Hintergrund das beeindruckende Bergmassiv mit seinen schneebedeckten Gipfeln. Naja, der Blick auf See und Stadt war auch sehr beeindruckend, wir besichtigten die Stupa für eine Weile und ruhten uns in einem der Teehäuser auf dem Gipfel etwas aus. Bevor der Regen jedoch einsetzte machten wir uns hurtig wieder hinab ins Tal und genossen den starken Niederschlag von einem gemütlichen Plätzchen in einem Restaurant am Ufer.


Wieder solo

Früh morgens verabschiedete sich Sugandh und machte sich auf

den langen und beschwerlichen Weg nach Mumbai. Über 50 Stunden war sie unterwegs. Aufgrund diverse Landlawinen und der Überflutung der Terai, hatte sie eine abenteuerliche Fahrt. Sie kam aber genau zwei Stunden vor ihrer nächsten Live-Show tatsächlich in Mumbai an. Mission erfüllt! Ich verbrachte die kommenden, sehr regnerischen Tage mit der Aufarbeitung meiner Reiseberichte und Planung meiner Wanderungen durch das Himalaya. Witziger Weise sollte ich während meines Aufenthaltes in Pokhara nur zwei Mal ein anderes Restaurant als das von Ben empfohlene „Rest Point Café“ aufsuchen. Es ist einfach zu gemütlich und es sind jeden Tag die gleichen Leute anzutreffen. Wie eine kleine Familie. So hörte die unter anderem die Geschichten von Ex-Hippie Merlin (USA) der Ende der 1960er Teil der Hippie-Völkerwanderung quer durch Europa nach Goa und Nepal war. Auch lebte er drei Jahre lang in den Wäldern Oregons. Es ist sehr schön hier in Pokhara wieder ein kleines Heimatgefühl für einen Ort zu entwickeln. Das hatte ich lange nicht mehr.

Und Pokhara ist wunderschön. Wirklich wunderschön! Ein Ort zum Niederlassen. Es gibt so viel zu tun hier und gleichzeitig kann man einfach nur entspannen. Man trifft viele Leute aus aller Welt, kommt auch gut in den Kontakt mit Einheimischen und es ist nicht zu überlaufen. Zumindest noch nicht. Wenn ich nach meiner ersten Wanderung zurück kehre erlebe ich auch einen der schönsten Monate vom Klima her. Wer weiß, vllt. hat Pokhara dann auch die Chance mein neuer Lieblingsort zu werden… An einem schönen Tag mietete ich mir ein Fahrrad und fuhr zuerst in das Stadtzentrum. Abseits von dem touristischen Viertel am See konnte ich hier ein paar Besorgungen machen und auch eine Werkstatt finden, die meine Kamera eine Nacht zur Überprüfung und Reparatur aufnahm. Leider mit negativem Ergebnis. Danach fuhr ich zum „Internationalen Museum für Berge“, dem Einzigen seiner Art weltweit. Und ich war begeistert. Ich lernt viel über Geologie, Geschichte, Bergsport, Probleme, Rekorde, Philosophie und konnte viele tolle Ausstellungsstücke beobachten. Ich kann es nur empfehlen. Vor allem lernte ich natürlich viel über das lokale Gebirge und meiner temporären Heimat, das Himalaya.


Danach radelte ich den Seti River und den Canyon entlang. Über wundervolle Landschaften und kleine Dörfer folgte ich ihm einige Stunden. Ich unterhielt mich bei einer Pause mit ein paar Schulkindern. Sie teilten mir unter anderem mit, dass sie 5 Rupien Strafe zahlen müssen, wenn sie in der Schule eine andere Sprache als Englisch sprechen. Kein Wunder sprachen sie so gut Englisch. Als ich nach einer Zeit dann jedoch umkehrte, ich war gerade einmal 15 Minuten auf dem Rückweg, platzte mein Hinterrad. Na toll. Ich lief also für 1,5 Stunden, bis mir ein Motorradmechaniker den Reifen flickte und ich dann ohne weitere Probleme zurück nach Pokhara fahren konnte. Ein wundervoller Tag, der mich mit einem schmerzhaften und dunkelroten Sonnenbrand belohnte.

Die restlichen Tage verbrachte ich neben Texten und Bilder sortieren damit, meine

Ausrüstung für die Wanderungen zusammen zu stellen. Dies und Jenes wollte besorgt und getestet werden. Als letztes dann die Schuhe. Über mehrere Wege hatte ich versucht an meine Lieblingsschuhe zu kommen…ich habe wirklich nichts unversucht gelassen. Jedoch ohne Erfolg. Vielleicht kann mir ein Freund diese ja irgendwann auf dem Weg mitbringen. Ich legte mir dann eben ein Paar Mittelklasse-Gefälschte-China-Schuhe zu. Wir werden sehen ob ich es bereuen werde…

Annapurna Circuit

Gestern, man glaube es kaum, lief mir Alexi (CAN) über den Weg. Der junge Kanadier, mit dem ich Rum-Cola in Kathmandu teilte. Und wie der Zufall so will, hat er auch vor den Annapurna Circuit zu laufen. Natürlich hat er eine etwas andere Planung, aber zumindest können wir uns während der Busfahrt zum Nationalpark etwas Gesellschaft leisten. Morgen früh um 5:45 Uhr geht es los. Ich bin sehr gespannt und freue mich total auf die Erfahrungen, die Aussichten und die Auseinandersetzung mit den immensen Höhen, die auf mich warten. Etwa 19-22 Tage werde ich hier in den Bergen im Nationaltag verbringen und wenn alles gut läuft auch meine Zehen in einen der höchstgelegenen Seen der Welt dippen. Ich habe meine Genehmigungen erhalten und auch die Nepalesische Bergrettung weiß, dass ich irgendwo dort in der Gegend unterwegs bin. Es wird schon schiefgehen! Aber naja, zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieses Artikels bin ich gerade wieder zurück und zumindest fähig einen Computer zu bedienen, es ist also wohl alles gut gegangen.

 

Meine Erfahrungen, hoffentlich grandiose Bilder und vielleicht ein paar Videoschnipsel zeige ich euch dann in meinem nächsten Bericht, der hoffentlich bald folgt.

 

Herzliche Grüße und Berg heil. Euer Schilli


Funfacts

- Vom Pashupatinat Tempel zurück nach Thamel nahmen Sugandh und ich einen Kleinbus. Ein wirklich kleiner Bus! Eine Art Bulli mit einfachen Holzsitzen hält auf Zuruf und ist sehr günstig und unbequem.

- Sugandh fragte einen Verkehrspolizisten nach dem Weg. Er fing an zu sprechen, sah mich und wusste nicht, dass wir zusammen gehören. Er stoppte das Gespräch mit Sugandh um den Verkehr für mich anzuhalten, sodass ich die Straße überqueren konnte. Nicht sehr nett mein Herr.

- Sugandh besuchte nur schnell die Toiletten. Ich tat dasselbe und wartete außerhalb. Als Sugandh dann schließlich kam war ich umringt von Menschen und einer TV-Kamera. Ein Team des Nationalsenders Himalaya TV hatte mich entdeckt und fragte mich über das Tempelareal und meine Reise generell aus. Hahahaha

- Nachdem Sugandh Pokhara verließ, fragte ich Hostels an. Doch tatsächlich war mein Privatzimmer mit eigenem Bad, 24 Stunden Warmwasser und Wifi günstiger als ein Bett im Mehrbettzimmer.



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