#34 | Von Reichtum und Helden | 377. Reisetag

Kurz vor meiner Ankunft in Jaipur teilte mir mein Gastgeber Ashutosh mit, dass er mich leider nicht am Bahnhof abholen kann. Er empfiehl mir eine Auto-Rikscha zu nehmen um seine Freunde ca. zwei Kilometer entfernt zu treffen. Die Inder sind was das Laufen betrifft sehr eigen. Für die kürzesten Strecken sind sie bereit Geld in die Hand zu nehmen um sich von einer der Transportmittel dorthin bringen zu lassen. Klar, Transport ist sehr günstig überall in Indien. Ich jedoch mag das Laufen. Vor allem nach einer langen Zugfahrt. Es ist meine Art mich mit der Umgebung vertraut zu machen. Und wer stets ein Transportmittel nimmt, verpasst oft die wundervollen Dinge die zwischen Ort A und Ziel B auf einen warten. Natürlich muss ich dann mit ungläubigen Blicken leben, die die Inder mir zuwerfen. Warum zur Hölle ist der reiche weiße Mann mit schwerem Gepäck zu Fuß unterwegs? Vor allem die hart arbeitenden Rikscha-Fahrer lassen sich von einem „Nein danke, ich laufe gerne!“ nicht abwimmeln. Mit einem Fahrer habe ich ganze 10 Minuten bei einer Zigarette, die wir uns teilten, darüber philosophiert. Er bot mir am Ende sogar an mich kostenfrei zu chauffieren. „Nein danke, ich laufe gerne!“

Jai-ho!

Ich hatte mich entschieden in Jaipur wieder einmal einen

lokalen Gastgeber zu suchen. Ich möchte auf meiner Reise stets eine gute Balance zwischen Erfahrungen mit Einheimischen, anderen Touristen (Hostel) und teilweise auch Zeit nur für mich, halten. Doch hier in Jaipur hatte ich schließlich eine Kombination aus allem. Ashutosh und zwei seiner Freunde haben vor ein paar Tagen hier ein Hostel eröffnet und hier werde ich auch untergebracht sein. Zuerst war ich etwas skeptisch, da ich natürlich etwas anderes als das bekannte Leben in einem Hostel erwartete. Doch dies legte sich schnell und ich genoss die Zeit mit den drei jungen Unternehmern und deren Familien. Gerade erst hatten sie die Immobilie grundsaniert und ich war einer der ersten Gäste. Natürlich bezahlte ich nichts für meinen Aufenthalt. Einzig meine Ratschläge zu Verbesserungen, Marketing, Business und Service wollten sie hören. Und so wurde das Destiny Hostel, auch so etwas wie ein kleines Projekt für mich. So verbrachte ich die kommenden Tage unter Anderem damit einen Aktionsplan und Businessplan für meine drei neuen Freunde anzufertigen, zu erklären und sogar mit der Umsetzung zu beginnen. Sehr dankbar nahmen sie meine Hilfe an und es hat mir enorm viel Spaß gemacht.


Doch natürlich habe ich nicht meine komplette Zeit im Hostel verbracht. Jaipur ist nicht nur die Hauptstadt von Rajasthan und hat über 3 Mio. Einwohner, sondern gehört auch neben Delhi und Agra (Taj Mahal) zum touristischen Dreieck von Indien. Viele Touristen, die nur einen kurzen Aufenthalt planen oder eine der geführten Touren machen, besuchen diese drei Städte. Also neben teuren Preisen war dazu auch noch die Hölle los! Doch hat es auch positive Effekte. Die Stadt war etwas sauberer als andere, die Infrastruktur hervorragend und Informationen leicht zu finden. Inoffiziell wird die Altstadt Jaipurs als „Rosarote Stadt“ bezeichnet. Die Gebäude der Altstadt erhielten diesen Anstrich zu Ehren des Besuches von Kronprinz Albert Eduart im Jahre 1876. Rosa gilt in Rajasthan als Farbe der Gastfreundlichkeit. Heute jedoch, so finde ich, sieht es eher nach hellem Orange oder Ocker aus. Der Zahn der Zeit und die Verpestung der Luft haben hier gute Arbeit geleistet.

Es gibt unendlich viel zu entdecken. Königspaläste, Tempel, Sternwarten, Gärten, Mauern, Türme, Gassen, Märkte, Museen, Kolonialbauten, Plätze und vieles mehr. Zu Fuß machte ich mich auf den Weg durch die Altstadt, genoss es sogar ein wenig mich von den Menschen um mich herum, wie wogende Wellen auf See, von einem zum anderen Ort treiben zu lassen. Vieles Sehenswertes begutachtete ich jedoch lediglich von außen und ich sollte an diesem Tag gute 15 Kilometer zu Fuß machen. Besonders erwähnenswert auf meiner kleinen Wanderung finde ich den Hawa Mahal („Palast der Winde“). Es nicht umsonst das berühmteste Motiv der Stadt. Dieser Teil des von Maharaja Sawai Pratap 1799 erbauten riesigen Königspalastes wird als „Lustschloss“ betitelt. Hinter der kunstvoll gestalteten, beeindruckenden Fassade waren die Haremsdamen des Königs untergebracht. Durch jeweils eines der 953 vergitterten Fenster, konnten sie zumindest passiv am Stadtleben teilnehmen und die pompösen Zeremonien und Umzüge verfolgen.

Ein sehr schöner, neuer Tempel von dem ich euch berichten möchte nennt sich Birla Mandir. Er ist einer der vielen Tempel, die von der Birla Familie finanziert wurden. Die Birlas gehören (neben den Ambanis, Mittals und Tatas) bereits seit dem 18. Jahrhundert zu den wohlhabendsten und einflussreichsten Indern. Ihren Reichtum verdanken Sie hauptsächlich dem Handel und man schätzt ihr Privatvermögen heute auf ca. 8-10 Milliarden €. Reichster Inder ist laut dem Forbes Magazin Mukesh Ambani mit rund 19 Milliarden €. Und das in dem Land mit den meisten in Armut lebenden Menschen der Welt. Ca. 750 Millionen Inder (~58%) müssen mit < 1,70€/Tag auskommen. Die Familie Birla tritt selbst als Mäzen für den Hinduismus, Kunst und Wohltätigkeit auf. Am Fuße einer Burg hier in Jaipur, haben sie einen wunderschönen, weißen Marmortempel errichtet. Der Tempel ist Lord Vishnu (der Bewahrer) und Lord Lakshmi (die Göttin des Reichtums) geweiht. An den Außenfassaden findet man aber auch Marmorstatuen von Sokrates, Konfuzius, Buddha, Jesus und Zarathustra. Dies symbolisiert die Weltoffenheit und Gemeinschaft der Religionen. Ich verbrachte eine ganze Zeit in und um den Tempel und machte mich nach einem langen Tag wieder zurück zum Hostel. Für die sieben Kilometer Rückweg habe ich mir dann jedoch eine Rikscha gegönnt.

Ca. 5.000 Besucher zieht es jeden Tag zu der etwas außerhalb im Dorf Amer gelegene Amer Festung. So an einem der Tage auch mich. Dieses gigantische Bauwerk war Residenz der Kachchawa-Dynastie bevor Jaipur zur Hauptstadt auserkoren wurde. In den Hügeln überdacht es ein kleines Dorf und die Wallmauern der Festung ziehen anmutig durch die Landschaft. Ich hatte Glück. Wegen der heißen Temperaturen war nicht allzu viel los. Ich machte mich auf den Weg den Hügel bis zur Festung zu erklimmen und genoss die Aussicht auf das Umland. Ich spazierte um die Burg und in der Festung herum. Den Eintritt zum Innersten des Palastes habe ich mir jedoch erspart, obwohl es mit Sicherheit einige tolle Dinge zu sehen gibt. Doch ward ich an jenem Tag der Paläste und Festungen etwas überdrüssig. So machte ich mich zu Fuß auf den Weg durch die Stadt. Ich folgte planlos kleinen, verwinkelten Gassen bis ich schließlich einen wunderbaren Ort entdeckte.

In einem kleinen Tal hinter der Festung, in welchem viele sehr alte Häuser und Tempel zu sehen waren, zog eine Versenkung im Boden meine Aufmerksamkeit auf sich. Keine Menschenseele war zu sehen. Ich hörte bereits von einigen historischen Wasserquellen die in Indien oder Sri Lanka von Menschenhand in Städten errichtet wurden. Und hier stand ich vor so einer „Stepwell“ (Stufen- / Treppenquelle). Rings herum wurden Treppen errichtet, die sich je tiefer man in die Versenkung hinab geht, natürlich verjüngen. Es ist ein einfaches, doch geniales Prinzip. Je nach Wasserstand ist die Wasseroberfläche ohne Problem zu erreichen und es kann Wasser entnommen, gebadet (ohne schwimmen zu müssen), gewaschen oder gespült werden. Ich war zu Beginn der Monsunsaison vor Ort, so waren einige Etagen des Brunnens begehbar. Eine ganze Weile schlenderte ich im Kreis und genoss den Schatten, die Ruhe und die erfrischende Kühle, die von dem Wasser im Brunnen ausgehen. Ich war zwar komplett alleine, jedoch traute ich mich nicht zu baden. Eine Augeninfektion reicht mir in Indien. Diesen Platz habe ich zu meinem persönlichen Lieblingsort in Jaipur erklärt. Solltest du einmal hier vorbei kommen, solltest du diese Quelle nicht verpassen.


Als ich nach dem anstrengenden Tag wieder zu meinen neuen Freunden zurückkehrte, eröffneten sie mir, dass zu meinem Abschiedsabend festlich gekocht wird. Akip verbrachte ein paar Stunden im Garten mit der Zubereitung von köstlichem Lamm. Welches wir – klassisch Indisch – mit Fladenbrot und Fingern verspeisten. Was ein Fest. Leider musste ich weiter ziehen, denn ich hatte eine Verabredung mit einer neuen / alten Freundin in Agra. Es geht also wieder gen Osten, aber nicht allzu weit. Gerade einmal fünf Stunden sollte ich mit dem Zug dorthin benötigen.

Ciao Licia, Namaste Taj

Ich lernte Licia auf dieser Reise in Trikala, Griechenland, kennen. Licia ist Italienerin und wohnt und studierte Philosophie in Mailand. Wir trafen uns im Hostel in Trikala und verbrachten ein paar Regentage zusammen. Nun hatte sie relativ spontan entschlossen mich in Indien besuchen zu kommen. Großartig! Es ist immer schön bekannte Gesichter auf der Reise wieder zu treffen. Nach ein paar Absprachen entschlossen wir uns in Agra zu treffen. Ich schloss mich mit meinem Kumpel Ayush kurz, der uns Betten in seinem Bonfire Hostel dort klar machte. Da in Indien das Reisen etwas anders ist, als in anderen Ländern, organisierte ich die Ankunft und den Transfer für Licia. Ich buchte ihre Tickets und holte sie früh morgens persönlich am Bahnhof in Agra ab. Gerade in den ersten Stunden und Tage haben die meisten Europäer mit einem Kulturschock zu kämpfen. Ich versuchte ihr die Ankunft so angenehm wie möglich zu gestalten. So reiste ich bereits einen Tag vorher an.

Und ich war überrascht wie (relativ) sauber, gepflegt und gut organisiert Agra ist. Klar, als Herberge eines der sieben Weltwunder und Teil des „touristischen Dreiecks“ Indiens ist Agra wohl eines der meistbesuchten Orte Indiens, wenn nicht gar Asiens oder der Welt. Und entsprechend gestaltet sich auch die Tourismusindustrie. Teure Hotels und überteuerte Restaurants säumen die Straßen. Und diese Restaurants sind noch nicht einmal gut. Ich bin nun bereits eine bisschen in Indien herum gekommen und ich war negativ überrascht von der Qualität der Speisen. Auch war ich an den Anblick so vieler westlicher, weißer Touristen gar nicht mehr gewohnt. Obwohl gerade Nebensaison ist (Monsun und Hitze machen alles etwas anstrengender) waren doch überdurchschnittlich viele Touristen unterwegs. Und laut Aussage der Hoteliers und Wirte sei die Stadt geradezu ausgestorben! Ich will gar nicht wissen wie es sich in der Hauptsaison darstellt. Doch für Licia war es wohl der perfekte Einstieg in ihr Abenteuer Indien. Mit einem Rikscha-Fahrer holte ich sie vom Gleis ab und unsere gemeinsame Tour begann.

Gemeinsam zogen wir um die Straßen und erfreuten uns der historischen Bauten und den Märkten. Obwohl die Hitze und Schwüle teilweise unerträglich war, legten wir einige Kilometer zu Fuß zurück. Wir besuchten die große Jame Majid (Freitagsmoschee) und drehten auch eine Runde entlang der beeindruckenden Befestigungsanlagen der Roten Festung. Eine ähnliche Festung, wie sie auch in Delhi zu finden ist. Moschee wie auch die Festung wurden vom gleichen Herrscher erschaffen. In meinem Bericht von Delhi hatte ich ja bereits etwas über Großmogul Shah Jahan und seinen Bauwahn erzählt. Sein berühmtestes Bauwerk ist aber natürlich das Taj Mahal. Neben Chichén Itzá, (Maya-Ruinen auf der Halbinsel Yucatán, Mexico), Chinesische Mauer, Cristo Redentor (Christusstatue in Rio de Janeiro), Kolosseum, Machu Picchu und Petra (Felsenstadt, Jordanien) gehört es zu den sieben „neuen“ Weltwundern.

Monument des Todes und der Liebe

Der„Taj“ i st ein Mausoleum welches der Großmogul seiner verstorbenen Lieblingsfrau Mumtaz Mahal widmete. Das 58m hohe und 52m breite, in Form einer Moschee gebaute, Grabmal hat eine herzerwärmende, traurige Geschichte zu erzählen. Ich werde hier nicht näher darauf eingehen, das könnt ihr gerne googeln. Das Monument an sich ist enormer Natur und wunderschön. Es wurde auf einer 100x100m großen Marmorplattform errichtet und strahlt mit seinem hellen Marmor in der Sonne. Jedoch haben die Zeit und die CO2 Emissionen einen grau-gelben Schimmer auf der Oberfläche hinterlassen. Deswegen wird das Gebäude kontinuierlich gereinigt. Auch ist Agra eine der wenigen Millionenstädte Indiens, die keine eigene Energieversorgung oder –industrie besitzt. Aus dem simplen Grund möglichst wenig unschöne Ablagerungen auf dem Taj zu hinterlassen. Über 20.000 Handwerker stellten den Prachtbau in gerade einmal 17 Jahren fertig. Für das Jahr 1648 eine erstaunliche Leistung. Zum Vergleich: Ein reicher Geschäftsmann aus Bangladesch ließ das Taj im Jahr 2003 originalgetreu Nachbauen. Der Bau mit modernsten Maschinen dauerte 5 Jahre und kostete geschätzt 50 Millionen €. Doch getoppt wird das Ganze mal wieder durch die größenwahnsinnigen Scheichs in Dubai. Hier wird geplant ein ähnliches Monument in doppeltem Maßstab zu errichten.

Durch eine der vielen Sicherheitsschleusen gelangten Licia und ich früh morgens um 6:00 Uhr in das Innere des Schutzwalls, der um den Taj gebaut wurde. Von außen erhält man leider keinen Blick auf das Monument. Es gilt also die 1.000 Rupien (~14 €, Inder zahlen ~0,60 €) Eintritt zu bezahlen. Ein knappes Tagesbudget für mich. Es war überrascht viel los bereits um diese Zeit. Aber es war noch erträglich, ich hatte bereits Schlimmeres erlebt und ich kann mir vorstellen wie übertrieben voll es zu Stoßzeiten hier sein kann. Wir gelangten durch ein majestätisches Eingangstor in die 18 Hektar große Parkanlage vor dem Taj. Es ist wahrlich ein Erlebnis die Architektur und Geschichte des Ortes zu erfahren. Ich hatte nicht gedacht, dass es mir so gut gefällt. Und es ist natürlich ein großartiges Fotomotiv. Ich kann mir gut vorstellen, dass es wohl mit zu den meistfotografierten Gebäuden der Welt gehört. Wir liefen umher, ruhten uns an der Moschee östlich des Mausoleums aus oder legten ein Fotoshooting im baugleichen Gebäude westlich ein. Das westliche Gebäude wurde rein aus Gründen der Symmetrie gebaut und als Gästehaus genutzt. Insgesamt haben die Architekten alles symmetrisch ausgerichtet, was eine surreale Schönheit bietet.


Nachdem wir auch das überraschend schlichte Innere der Krypta besuchten hatten, machten wir uns wieder auf den Weg hinaus. Wir schlenderten durch die Gärten, passierten die Kontrollen und gelangten schließlich zurück zu unserem Hotel. Eines Abends besuchten wir noch eine Parkanlage auf der gegenüberliegenden Flussseite, von wo aus man einen weiteren atemberaubenden Blick auf den Taj erhaschen kann. Es war sehr gemütlich und der Park hat eine sonderbar gelassene Atmosphäre. Jedoch konnten wir dies nicht allzu lange genießen, da uns die Parkwächter nach 15 Minuten bereits rauswarfen. Der Park schließt kurz vor Sonnenuntergang. Zu blöd aber auch! Doch hätten wir nach Einbruch der Dunkelheit sowieso nicht viel erkannt. Im Umkreis von 2 km wird jeden Abend eine dunkle Schutzzone eingerichtet. Kein Licht darf erleuchtet werden und keine Zivilisten dürfen diese Zone betreten. Es herrscht große Angst vor Anschlägen. Das erklärt auch die Panzer und schwer bewaffneten Soldaten die überall in Agra zu finden sind.


Eines Nachmittags, nach einem weiteren langen Marsch, besuchten wir das Café Sheroes Hangout. Der Name des Cafés ist eine Mischung aus „She“, also zweite Person Singular Feminin und „heroes“, Helden. Dieses Etablissement wird von meist weiblichen Opfern von Säureattacken und deren Angehörigen betrieben. Leider herrscht in Indien immer noch ein großes Problem von grausamen Attacken zurückgewiesener Männer. So erzählt ein Plakat die Geschichte von Rani. Als junge, attraktive Dame wurde sie auf der Straße von einem fremden Mann sexuell bedrängt. Sie wehrte sich und floh. Ein paar Tage später lauerte der Mann ihr auf und besprühte ihr Gesicht mit hochätzenden Säuren. Seitdem leidet sie unter großen Schmerzen, starkem Trauma und läuft „entstellt“ durch die Welt. Und Rani ist kein Einzelfall. Dieses Café möchte Aufmerksamkeit erwecken und den Opfern Unterstützung bieten. So arbeiten die Opfer hier in der Küche, Service oder Management. Das Café ist gemütlich eingerichtet und bietet viele Informationen und Kunst zum Thema. Natürlich erlebte ich meinen Aufenthalt mit gemischten Gefühlen. Grausam…grausam und unfair was den Damen angetan wurde.

An unserem letzten Abend trafen wir uns mit Kanish. Ich lernte Kanish im Bonfire Hostel in Rishikesh kennen. Er lebt und arbeitet in Agra. Gemeinsam mit seinem Kumpel Ammer holten sie uns im Hostel ab und wir fuhren in seinem VW Golf V durch die Gegend. Ohne Ziel. Eine Spazierfahrt sozusagen. Wir tranken Bier, aßen Chips und unterhielten uns über Gott und die Welt. Viel lehrreiches über das moderne Agra konnte von ihnen erfahren. Witziger Weise war der Nachtwächter unseres Hostels total besorgt als wir zu den zwei Indern ins Auto stiegen. Er fotografierte das Nummernschild und sprach mit Kanish. Er solle uns bitte noch vor Mitternacht zurück zum Hotel bringen. Er sei besorgt dass uns etwas passiert! So süß. Etwas überbesorgt meiner Meinung nach, aber er wollte nur unser Bestes. Natürlich kamen wir nicht vor 1:00 Uhr zurück. Sorry Mama Nachtwächter.

Als nächstes werden wir einen Nachtzug in Richtung Osten nehmen. Es geht weiter im Bundesstaat Uttar Pradesh. Licia und ich bereiteten uns auf die vierzehnstündige Zugfahrt vor und bei enormer Hitze und Regen bestiegen wir den nicht klimatisierten Schlafwagen. Es geht nach Varanasi, der Stadt am Ganges an dem die berühmten Aarti Zeremonien stattfinden und sich die berüchtigten offenen Krematorien befinden.

 

Ich bin gespannt was uns dort sonst noch erwartet. Du auch? Sehr gut, dann schau bald wieder rein. Ich freu mich auf dich. Alles Liebe, Schilli


Funfacts

- Akip’s Kinder (einer der Hostelbesitzer, 4-8 Jahre alt) haben versucht mir Hindi beizubringen. Einen ganzen Nachmittag sind wir im Hostel umherspaziert und sie haben mir Dinge gezeigt, die ich auf Hindi unbedingt lernen muss (z.B. Heckenschere, Schlüsselloch etc.)

- Im Garten des Destiny Hostels gibt es ein Trainingsgerät mit Gewichten. Ein paar Mal habe ich mit den Jungs trainiert. Sehr witzig!

- Ein Hostelgast aus dem Oman (Mohit) hörte, wie ich begeistert von meinen Erfahrungen im Oman berichtete. Kurzerhand schenkte er mir eine Omanische Flagge und ein Bild des Sultans.

- Ich schlenderte durch Jaipur. Als einer der Schlepper vergeblich versuchte mich in seinen Shop zu locken, bot er mir spontan ein

Abendessen an. Gemeinsam mit einer Amerikanerin uns seiner Familie kochten wir Hühnchen. Einfach so. Großartige Gastfreundlichkeit!

- In Agra herrschte Nebensaison. Unzählige Rikscha-Fahrer suchen fleißig nach Arbeit. Noch nie war ich von den häufigen Anfragen ob wir nicht mitfahren wollen so genervt.

- Der Eintritt ins Taj Mahal war relativ teuer. Dafür bekam man eine kleine Flasche Wasser und Überzieher für die Schuhe gratis obendrauf.

- Licia ist Schmuckbegeistert. An vielen Ständen machten wir halt und an einem größeren, touristischen Schmuckgeschäft erhielten wir sogar eine kleine Einheit Juwelenkunde. So zeigt der Juwelier uns seine wertvollsten Schätze. Zum Beispiel die „Sterne von Indien“. Steine, die das Licht in 4-6 zackigen Sternen zurückwerfen. Beeindruckend und arschteuer!

- Das Café Sheroes Hangout hat keine Preise. Sie bitten lediglich um Spenden für Speisen und Getränke. Ein tolles Konzept, welches mit großer Sicherheit auf beiden Seiten, Betreiber wie Gäste, positiv aufgenommen wird.



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