#30 | Auf den Spuren der Könige | 313. Reisetag

Die Nacht und den Flug über konnte ich leider überhaupt nicht schlafen. Aber zumindest kannte ich mich ja nun schon im Flughafen und in Mumbai etwas aus. So machte ich mich im Halbschlaf auf zu meiner Unterkunft, einem Schlafsaal für Herren mit dem durchaus passenden Namen „Awesome Dormitory“. Simpel aber gut ausgestattet werde ich hier wieder ein paar Tage in Mumbai verbringen. Ich nutzte die Zeit um meine Erlebnisse in Sri Lanka zu verarbeiten und auch etwas an meinem Blog zu werkeln. Gelegentlich traf ich mich mit Sugandh, besuchte Ihr TV Studio und machte mich weiter mit den Eigenheiten der Stadt vertraut. Witziger Weise schaute Laurin (AT), ich traf ihn bereits in Kandy (Sri Lanka), für eine Nacht in Mumbai vorbei. Im Herrensalon nebenan ließen wir uns rasieren und frisieren. Und danach gab es eine der klassisch brutalen „Massagen“ des Frisörmeisters.


Ein trauriges Erlebnis hatte ich als ich eines Abends am Dharavi Slum, dem größten Slum Mumbais (einigen Quellen zufolge auch der größte Asiens), entlang schlenderte. Schätzungsweise 700.000 – 1 Mio. Menschen leben hier und eine junge Dame, die am Rand des Slums lebt, weckte mein Interesse. Ich wollte gerne ein Foto von ihr und ihrem Kind machen und fragte natürlich vorher höflich nach. Ohne Erfolg leider. Jedoch ergriff Sie die Initiative und versuchte mir etwas zu verkaufen. Normal soweit.Es dauerte ein paar Augenblicke, bis ich tatsächlich Begriff, dass das 5-6 Monate alte Mädchen in ihren Armen das Objekt ihrer Verhandlungen war. Schock. Ich hatte damit nicht gerechnet. Menschen- & Organhandel ist wie im Rest der Welt auch in Indien leider nicht völlig zu unterbinden. Relativ schnell und deutlich machte ich ihr klar, dass ich nicht am Erwerb eines Kindes interessiert bin und versuchte emotionslos das Gespräch mit ihr zu vertiefen. Doch sobald sie erkannte, dass ich wirklich nicht interessiert bin, verschwand sie kommentarlos in den Gassen des Slums. Ich kann das Gefühl welches mich durchzog nicht beschreiben… Trauer, Wut, Bedauern, Scham, Ärger, Mitleid, Angst… eine Mischung aus allem. Später kam mir dann noch der Gedanke in den Sinn, dass es vielleicht gar nicht ihr eigenes Kind war? Oder Sie den Käufer nach einer tatsächlichen Transaktion vielleicht zur Anzeige stellt? Ich will gar nicht weiter darüber nachdenken… 

Alibaug

Da kam etwas Ablenkung wie gerufen. Über das Wochenende fuhren Sugandh und ich mit Fähre und Bus in den Süden des Bundeslandes Maharashtra. In der Küstenregion um die Kleinstadt Alibaug (~20.000 Einwohner) bezogen wir ein Homestay (Zimmer in einem Familienhaus) in einem kleinen Dorf unweit des Strandes. Hier geht alles etwas gelassener und ruhiger zu als im hektischen Mumbai. Zudem ist die Luftverschmutzung natürlich um einiges geringer. Hier versuchte ich Sugandh im Meer das Schwimmen beizubringen. So ganz klappte es nicht, aber zumindest hat sie etwas Angst vor den Wellen verloren und weiß nun damit umzugehen. Faszinierend, dass die Mehrheit der indischen Bevölkerung das Schwimmen noch nicht gelernt hat. Dafür haben sie aber viele andere Fähigkeiten. Wie zum Beispiel das Trinken aus der Luft. Also das Trinken aus Flaschen und Gläsern ohne die Lippen zu berühren. Was natürlich hygienische Gründe hat. So langsam habe ich den Dreh auch raus, jedoch landen nur bis zu 90% des Wassers tatsächlich dort, wo es hingehört.

Die Familie, die uns das Zimmer zur Verfügung stellt versorgte uns auch mit großartigen, hausgemachten Köstlichkeiten zum Frühstück und zu Abend.Es war ein ausgezeichneter Ausflug ins Blaue, doch der Weg führte uns zurück nach Mumbai. Sugandh musste zu Aufzeichnungen und ich hatte mir – leider wieder einmal – eine Erkältung zugezogen. So besorgte ich mir etwas Medizin und sorgte für eine geruhsame Zeit im Schlafsaal. Jeden Tag schaute ich, nahe einer Metrostation in einem kleinen Restaurant vorbei. Schnell freundete ich mich mit den Betreibern an und jedes Mal, wenn ich die Türschwelle überschritt, bereiteten sie mir einen eiskalten Ananassaft vor. Diese regelmäßige Vitaminbombe brachte mich schnell wieder auf Touren und zu meinem Glück bekam Sugandh ein paar Tage Urlaub um mit mir gemeinsam etwas weiter zu reisen.

Die Stauseen von Udaipur

Wir buchten einen Schlafbus mit kleinen Kabinen, der uns ins Bundesland Rajasthan, dem Land der Könige, bringen wird. Kurz vor der Abfahrt änderte sich wieder einmal der Abfahrtsort und ich empfehle jedem Reisenden in Indien, bis kurz vor der Abfahrt flexibel zu bleiben und regelmäßig mit dem Busunternehmen zu telefonieren. Am Morgen erreichten wir jedoch unser Ziel und machten uns auf den Weg zu einem Hotel. Freundlicherweise hatte uns ein Herr, den wir über Couchsurfing angeschrieben hatten, ein Hotelzimmer mit Klimaanlage kostenfrei zur Verfügung gestellt. Und dieses Mittelklassehotel hat eine vorzügliche Lage in der historischen Königsstadt. Udaipur war Hauptstadt des Mewar Königreiches und liegt an wunderschönen Stauseen in der sonst trockenen Steppe und Hügellandschaft im Süden Rajasthans. Aus diesem Grund wird Udaipur auch als „Venedig des Ostens“ betitelt. Unseren ersten Abend in Udaipur verbrachten wir an einer historischen Anlegestelle für Schiffe am Fuße des Stadtpalastes. Die Jugend stellte ihren Mut unter Beweis indem sie von den umliegenden Bauten ins Wasser sprang und die Natur zeigte eine ihrer wunderbaren Facetten indem sie gigantische Schwärme von Fledermäusen über den See in die Stadt schickte. Eine wunderschöne Ecke hier. Und des Abends war die Temperatur auch um einiges Angenehmer. Tagsüber hatten wir mit bis zu 44°C zu kämpfen.

Heutzutage ist Udaipur vor allem für seine Paläste, Brücken, Gewürz-, Textil- und Schmuckhandel bekannt. Im Jahr 1559 wurde hier eine gigantische Residenz für den König Rana Udai Singh II. erbaut. Nachdem die befeindeten Mogul unter Großmogul Akbar die bestehende Hauptstadt Chittorgarh bedrängten, entschloss der Herrscher der hiesigen Mewar die Hauptstadt zu verlagern. Im Laufe der Jahrhunderte wurden in der Region einige Paläste und Residenzen erbaut. So zum Beispiel inmitten des großen Pichhola-Stausees oder auf dem Gipfel eines Hügel im umliegenden Aravalligebirge. Ich kann mich sehr glücklich schätzen, dass ich mit Sugandh zum einen eine hervorragende Reisepartnerin gefunden habe, zum anderen aber auch einen persönlichen Tourguide. Die perfekte Mischung also. Einen halben Tag verbrachten wir in den Mauern des beeindruckenden Stadtpalastes und wir lernten viel über Kultur, Ursprung und Eigenarten der Mewar und heutigen Rajasthanis. Faszinierend welch Reichtum sich hier im Laufe der Jahrhunderte angesammelt hat. Heute noch werden prachtvolle Promi-Hochzeiten und Empfänge in und um den Palast herum gefeiert. Zu Preisen die selbst mir als erfahrener Veranstalter von Premiumevents etwas Gänsehaut bescheren. Achja, wenn wir von Promis sprechen… Ich kam mir wieder einmal selbst wie einer vor. Ich kann mir gut vorstellen, dass an jenem Tag genau so viele Bilder von mir, wie von dem Palast an sich geschossen wurden. In Scharen drängten sich die Inder um mich um ein gemeinsames Bild („Selfie“) mit dem großen, dicken, hübschen, weißen Mann zu ergattern. 


In den Städten von Rajasthan gibt es mehr Feierlichkeiten als Tage im Jahr. Entweder wird einer der Gottheiten verehrt, eine nationale oder regionale Zeremonie abgehalten oder private Paraden, vor allem zu Hochzeiten, säumen die Stadt. Jeden Tag ist etwas los und Sugandh klärte mich über einige faszinierende Rituale auf. Wir verbrachten einige Zeit damit um die Seen und kleinen Gassen der Stadt zu schlendern, genossen den Ausblick von diversen Restaurants auf den Dächern der Stadt und lauschten den Klängen der unzähligen Hindutempel. An einem Tag brachte uns Sanjay, ein lokaler Couchsurfer, mit seinem Motorrad zu zwei weiteren fantastischen Sehenswürdigkeiten in der Region. Zuerst fuhren wir zu einer der größten Vollmetallstatuen der Welt. Mit ca. 18m thront Maharana Pratap wachend über sein ehemaliges Königreich in den sogenannten Tiger-Hügeln. Jedoch waren es mir die 20€ Eintritt nicht wert die Statue und das Museum näher zu begutachten. Zum Vergleich, Inder zahlen 0,60€. Naja, das teure Monument muss sich ja irgendwie refinanzieren. Aber mir war es zu teuer.


So fuhren wir weiter zum Tiger-See. Ein weiterer, etwas abgelegener Stausee in der Hügellandschaft. Und hier konnten wir richtig schön entspannend. Die Wehranlagen, die Maharana Raj Singhji von Mewar hier im 17. Jahrhundert errichten ließ sind sehr gut erhalten und ich war überrascht von der Sauberkeit des Wassers. So ließ ich mir ein Bad im See natürlich nicht nehmen, während die Nichtschwimmer sich am Ufer niederließen und den Blick auf die Türme und Anlagen des Damms genossen. Eine willkommene Abkühlung in den brutal heißen Tagen und ein ausgezeichneter Abschluss unserer Zeit in Udaipur. Am selben Nachmittag hatten wir einen Übernachtzug nach Neu Delhi gebucht. Nachdem uns Sanjay mit seinem Motorrad wieder an unserem Hotel absetzte mussten wir uns richtig beeilen, denn wir liefen Gefahr den Zug zu verpassen. Wir baten den Tuk Tuk Fahrer alles in seiner Macht stehende zu tun um uns rechtzeitig am Bahnhof abzusetzen. Und das tat er auch…lebensmüde und mit einem Mordstempo erreichten wir den Bahnhof und unseren Zug noch rechtzeitig.


Delhi

Im Zug nach Delhi trafen wir Danish (IN), der zufälligerweise auf dem Weg zur deutschen Botschaft war. Er bemüht sich gerade um ein Visum um seine deutsche Freundin in Berlin besuchen zu können. Zudem ist er Gitarrist und so tat mir der Zufall wieder einmal einen großen Gefallen indem ich mit Deutschkurs und Gitarrenspielen eine kurzweilige Zugfahrt hatte. Als sich dich Morgensonne erhob schlenderte ich durch den Zug, stand in den offenen Türen des Zuges und beobachtete wie sich die Umgebung zunehmend urbanisierte und wir schließlich im Wirrwarr der Millionenmetropole und Hauptstadt diesen gigantischen Landes eingefangen wurden. Auf dem gesamten Weg zum Bahnhof tummeln sich hunderte bis tausende von Menschen um ihre Morgentoilette auf den Gleisen der Indian Railway zu verrichten. Ein Bild, an welches ich mich aber bereits gewöhnen konnte.

In Delhi hatte ich mich wieder einmal um eine Couch bemüht. Zumindest dachte ich dies, bis ich meinen Gastgeber Mohit traf. Er brachte mich nicht in ein Privathaus oder Apartment, sondern führte mich in das Büro des von Ihm geführten Hotels. In einer zugegebenermaßen etwas zwielichtigen Gegend im relativ armen Osten der Stadt, hat Mohit ein schönes Mittelklassehotel bzw. Apartments errichtet. Ich durfte kostenfrei in einem modern eingerichteten Zimmer in der Büroetage einziehen. Neben dem Hotel betreibt er noch einen Onlineshop und betreibt diverse Onlinedienste. Seine Mitarbeiter und Familienmitglieder habe ich schnell ins Herz geschlossen und obwohl dies nicht meiner erhofften Couchsurfing-Erwartung entsprach, habe ich den Aufenthalt sehr genossen. Sugandh, die in Delhi aufgewachsen ist, verbrachte natürlich ihre Zeit mit Ihrer Familie. Und da eine Freundschaft zwischen unverheirateten Frauen und Männern in den vielen konservativen indischen Familien so nicht existieren, konnte sie mich natürlich nicht ihrer Familie vorstellen und mich beherbergen. So trennten sich also unsere Wege.

In der Metropolregion leben ca. 26 Millionen Menschen und Delhi gilt damit als drittgrößte Metropolregion der Welt. Von meinem Apartment-Hotel, dem Penthouse, hatte ich einen Fußweg von ca. 10-15 Minuten zur nächsten Metrostation. Ich passierte enge, dreckige Gassen und einen der klassischen Obst- & Gemüsemärkte, die hier jeden Tag stattfinden. In diesem Stadtteil wird relativ wenig Englisch gesprochen und ich konnte so zumindest eine etwas andere Facette, abseits des traditionellen Old-Delhis oder dem modernen New-Delhi, kennen lernen. Aber natürlich verbrachte ich einige Tage damit die unterschiedlichen Gesichter der enormen Stadt zu entdecken. Ich fuhr mit einem der sogenannten indischen Helikoptern (Fahrrad-Rikscha) durch die faszinierenden Gassen von Old-Delhi. Mein Fahrer, der mich für ein paar wenige Rupien durch die Altstadt führte war sein Geld mehr als wert. Er erzählte mir einiges über die Geschichte der Stadt und deren Monumente.

Mal wieder möchte ich nicht viel über die Sehenswürdigkeiten schreiben. Zu viele Informationen, die sich viel besser über Dokumentation oder professionelle Artikel im Netz vermitteln lassen als ich das hier könnte. Ein paar Dinge möchte ich aber zumindest erwähnen. Zwei der brachialsten Bauwerke von Alt-Delhi vereint eine Geschichte mit dem berühmtesten Bauwerk Indiens und eines der modernen Weltwunder, dem Taj Mahal. Großmogul Shihabuddin Muhammad Shah Jahan, der nach dem Tod seiner präferierten Frau das Taj Mahal als deren Grab erbauen ließ, geriet nach der zweijährigen Staatstrauer regelrecht in einen Bauwahn. Er ließ noch während seiner Lebzeiten die gigantische Rote Festung mit einer Fläche von ~70 Fußballfeldern und einer bis zu 34m hohen verzinnten Mauer errichten. Doch damit nicht genug, direkt gegenüber ließ er eine große Freitagsmoschee bauen, die Jama Masjid, erbauen. Diese fasst über 20.000 Gläubige und ist damit eine der größten Moscheen der Welt. Bob der Baumeister wäre stolz gewesen. Kein Wunder wurde Shah Jahan als er etwas erkrankte von einem seiner Söhne, der die Verschwendung seines Vaters zu viel wurde, überrumpelt bis dieser kapitulieren musste. Shah Jahan verbrachte daraufhin den Rest seines Lebens in Gefangenschaft.

Neben weiteren Sehenswürdigkeiten wie dem Qutup Minar, dem Regierungsbezirk, Kolionalbauten in Neu-Delhi und diversen Tempeln habe ich auch das Tempelareal von Akshardham besucht. Dieses spirituelle Zentrum gilt als größter Hindu-Tempel der Welt und wurde lediglich in 5 Jahren von über 11.000 Künstlern, Handwerkern und Freiwilligen erbaut. Es wurde 2005 eröffnet und ist wahrlich ein Prachtbau. Der Detailreichtum ist überwältigend. Doch leider fehlt ihm der Charme der Geschichte und zudem ist er ein schönes Beispiel für die Dekadenz moderner Religionen. Zumindest wäre es ein schönes Fotomotiv, wäre das Fotografieren nicht strengstens untersagt. Und damit meine ich nicht das legere Verbot, dass auch sonst nirgends eingehalten wird. Man wird an drei Schleusen kontrolliert und durchsucht. Alles was eine Fotolinse enthält wird eingezogen und bis zum Austritt weggesperrt. Ganz anders sieht es beim India Gate, dem Kriegsdenkmal und Triumphbogen gegenüber des Regierungsbezirkes aus. Der Bogen gehört zu den Postkartenmotiven der Stadt und Indische Touristen freuen sich ungemein, wenn Sie mit dem Bogen und einem weißen Mann abgelichtet werden. Nach 15 Minuten bin ich in einen umliegenden Park geflüchtet und habe mich vor Selfie-Anfragen versteckt.


An einem Nachmittag führte mich Sugandh durch ihre Stadt, wir besuchten den Lotus Tempel in Süd-Delhi. Der Lotus Tempel ist einer der sieben Bahai Tempel der Welt. Seinen Namen bekam er durch seine Architektur, mit dem er diverse Auszeichnungen erlangte. Und es ist tatsächlich ein sehr beeindruckendes Bauwerk und eine schöne Anlage darum herum. Bereits in Teheran konnte ich durch meine Freunde Mohzde und Peyman einiges über die Weltanschauung der Bahai kennen lernen und hier mein Wissen nochmals vertiefen. Die Bahais machen keinen großen Unterschied zwischen den großen Weltreligionen und stehen für Humanismus und Solidarismus. Gar nicht mal so schlecht für eine Religion. Das Beste am Lotus Tempel ist jedoch die Ruhe. Die Parkanlage um den Tempel dämpft das Gehupe und den Lärm der Stadt stark ein. Es ist erstaunlich welchem Lärm man in Delhi 24/7 ausgesetzt ist.

An einem anderen Tag lud mich Sugandh zu der Geburtstagsparty ihrer Schwester Mehek ein. Wir verabredeten uns an einem großen Einkaufszentrum und während ich wartete spielte ich mit ein paar Kindern und Erwachsenen gemeinsam Basketball. Danach ging es dann in das Restaurant auf dem Dach der Mall. Und was für einen spaßigen Abend wir hatten. Ich war der einzige Mann und genoss die Gesellschaft sechs wunderschöner Inderinnen. Auf dem Weg zur Toilette fragte mich sogar einer der anderen männlichen Gäste wie ich das nur geschafft hätte. Wir tranken, aßen, lachten und philosophierten gemeinsam und ich bin sehr glücklich diese neuen Freunde in Delhi gewonnen zu haben. Nachdem die Geburtstagstorte dann auch verzehrt war, machte ich mich – zugegeben etwas beschwipst – durch den Indischen Großstadtdschungel zurück zum Penthouse. Vielleicht war es etwas verantwortungslos, in der Nacht und etwas alkoholisiert durch die Gassen von Ost-Delhi zu schlendern. Jedoch gelangte ich ohne Zwischenfälle wohlbehalten zum Penthouse zurück und viel zufrieden und um einige wundervolle Erfahrungen reicher in mein Bettchen.


Morgen geht es mit dem Zug nach Norden in Richtung der Berge des Himalayas. Die Welthauptstadt des Yoga – Rishikesh – wird meine nächste Station. Nach einigen Tagen in der Weltmetropole Delhi freue ich mich auf etwas ruhigere Gefilde und Natur. Auch werde ich hier wohl eine der Gottheiten der Hindus kennen lernen: Den größten Fluss Indiens, den Ganges.

 

Ich melde mich dann wieder aus den Bergen. Haltet die Ohren steif.

 

Herzliche Grüße, euer Schilli.


Funfacts

- Ist mir in Mumbai aufgefallen. Einige Inder haben noch enorm Angst Rolltreppen oder Aufzüge zu benutzen.

- Witzig anzusehen. Statt Dinge langsam mit einem Tuch abzustauben halten die Inder das Tuch am Ende fest und schlagen es kreuz und quer das zu reinigende Etwas. Da kann es schon mal passieren dass ein Kioskbesitzer seinen halben Laden damit abräumt.

- Es gibt zwar ein Wort für „Danke sehr“. Jedoch wird es so gut wie nie benutzt. Entweder machen Menschen einfach nur ihren Job und erwarten keinen Dank. Oder es wird noch im alten Kastensystem gedacht und man dankt keiner niederen Kaste. Oder aber der Gegenüber macht etwas aus purem Selbstwillen ohne eine Gegenleistung zu erhalten und ein „Danke“ wäre unangebracht. So verrückt das für uns klingt, so verrückt und „falsch“ muss es sich für Inder in Europa anfühlen.

- Dass die Inder quasi alles auf dem Kopf transportieren ist ja nichts Neues. Als ich jedoch eine Inderin sah, die Ihren Wanderrucksack (wohlgemerkt mit ausgezeichneten Schultergurten) auf dem Kopf balancierte, konnte ich mir ein kleines Lachen nicht verkneifen.

- Mein Fahrradguide in Old-Delhi führte mich durch den größten Gewürzgroßhandel Asiens. Sein Herzstück ist ein altes Harem, das die +300 Frauen eines Mannes beherbergte. Heute in jeder Nische ein Gewürzhändler, früher eine Dame.

- Ich habe mir von einem Schuhputzer am Connaught Place (dem Stadtzentrum von Neu-Delhi) meine Wanderschuhe auf Vordermann bringen lassen. Ca. eine Stunde nähte er, mischte Farben und putzte er meine Schuhe. Großartige Arbeit für noch nicht einmal 3€.

-In meiner letzten Nacht im Penthouse fand im Erdgeschoss und auf der Gasse daneben eine Hochzeitsfeier statt. Mit Interesse und professionellem Auge verfolgte ich Aufbau und Proben. Bevor die Gäste jedoch kamen machte ich mich auf in mein Zimmer. Heute bitte keine Fotos mehr.


Danke auch an Sugandh für ein paar der Bilder! 


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