#27 | Happy Holi, Happy Hampi | 268. Reisetag

Die folgenden Tage nach Mumbai waren außerordentlich abwechslungsreich. Von krassen Parties über kulturelle Highlights, Strandurlaub und Dschungel bis hin zu archäologischen Exkursion, religiöse Zeremonien und Wanderungen im Felsenmeer habe ich einiges erlebt. Zuerst ging es von Mumbai in das weltberühmte Goa. Der Bundesstaat liegt an der Westküste Indiens und ist vor allem für seinen Partytourismus bekannt. Eine elektronische Musikrichtung wurde sogar nach dieser Region benannt. Und wie der Zufall so wollte, stand auch das Holi-Festival (das Festival der Farben) an. So entschied ich mich dafür die Partymeilen und Strände des kleinen Bundesstaates zu besuchen. So sah ich zum ersten Mal dem Indischen Zugsystem ins Gesicht. Wie so vieles hier, funktioniert es anders als bei uns in Europa. Man kauft Tickets und bezahlt diese, hat aber nicht zwingend die Berechtigung mitzufahren. Man landet auf einer Warteliste und wenn man Glück hat, bekommt man bis ca. 2 Stunden vor Abfahrt eine Bestätigung zugesandt. So bucht man 3-5 Züge und hofft auf einen Platz. Hat man diesen, storniert man die anderen. Und natürlich fallen kleine Stornogebühren an. Selbst wenn man keine Bestätigung erhält, ist eine Stornogebühr fällig. So ergibt sich in der Masse ein sehr dynamisches und kompliziertes Buchungssystem.

Im Zug meiner zweiten Priorität, bekam ich dann tatsächlich einen Schlafplatz. Leider war nur eine gehobenere Klasse verfügbar und so fuhr ich im klimatisierten Schlafwagen mit zwei übereinander liegenden Betten (Klasse: 2A) nach Goa. Ca. 13 Stunden dauerte es die rund 680km in den Süden zu fahren. Immer schön die Küste entlang. Es war eine entspannte und überraschend angenehme Fahrt. Die fleißigen Herrschaften im Zug verkauften Frischgekochtes direkt am Bett oder versorgten die Fahrgäste mit andere Leckereien und Getränken. Spannend ist natürlich auch, dass in Indien standartmäßig die Türen während der Fahrt offen stehen und man sich so in den Türen etwas frische Luft schnappen, oder sich die Gegend ansehen kann. Sogar westliche Toiletten gab es in meiner Klasse. An einem kleinen Bahnhof stieg ich dann aus und fuhr mit dem Motorradtaxi nach Vagator, einem Küstendorf, welches mich für die kommende Zeit beherbergen darf. Doch die halbe Stunde mit vollem Gepäck auf dem Sozius war brutal anstrengend. Mit aller Kraft musste ich die Balance meines Gepäckes halten und ich war richtig erschöpft und hatte Muskelkater, als ich am Bunkker, einem Hostel aus Schiffscontainern, ankam.


Untz-Untz-Untz-Bum-Bum-Untz

An der Küste Goas, vor allem im Norden, ist 365 Tage Party im Jahr. Und es ist, wie bereits erwähnt, sehr touristisch. Vor allem Russen und junge Europäer treibt es hier her. In den unzähligen Clubs, Hotels, Hostels und Strandbars gibt es diverse Möglichkeiten sein Erspartes in Alkohol, Drogen, Tanz und Essen zu investieren. Ich selbst bin ja nicht der große Clubber, aber zu diesem besonderen Zeitpunkt, wollte ich mir die Partyszene Goas doch einmal genauer ansehen. Es ist nämlich Holi-Zeit! Dieses Frühlingsfest ist eines der ältesten Rituale im Hinduismus. Seine Bedeutung ist vielschichtig und es gibt diverse Geschichten in der hinduistischen Mythologie warum dieses Fest gefeiert wird. Mal wurde ein Dämon besiegt, mal ist es ein Fest der Liebe. Stets siegt das Gute über das Böse, so wie der Frühling über den Winter siegt. Wie auch immer, das Fest ist uralt und wird in ganz Indien unter diversen Namen gefeiert. Der nordindische Begriff „Holi“ hat sich jedoch durch internationales Marketing und Export der Feierlichkeiten in andere Nationen, durchgesetzt. So kann nun auch in Deutschland das Holi-Festival (natürlich fernab von irgendwelchen Bedeutungen, sondern rein als Partythema) gefeiert werden. Grundsatz des Festes jedoch ist, dass alle Menschen an diesem Tag gleich sind. Unbeachtet der Kaste, Status, Geschlecht, Religion, Hautfarbe, Nationalität etc. Und dies wird traditionell mit dem gegenseitigen anlegen von Farben in flüssiger oder Pulverform verdeutlicht.

So machte ich mich mit einer Gruppe aus dem Hostel am frühen Morgen des ersten Vollmondtages des Monats Phalgun auf, um uns mit Getränken einzudecken. Fenny, der lokale Kokusnussschnaps begleitete uns über den Tag und wir genossen die ausgelassene Stimmung unter allen Menschen die wir trafen. Tanzwütige Touristen, spirituelle Inder, besoffene indische Touristen, spielende Kinder, singende Familien und so weiter… An jeder Ecke wurde gefeiert und sich gefreut. Nachdem ich eine Gruppe Inder am Strand ein merkwürdiges Spiel spielen sah, es erinnerte mich an eine Mischung aus Völkerball und Wrestling, habe ich mich ein paar Minuten später mitten unter ihnen befunden. Kabaddi nennt sich diese Mannschaftssportart, welche seit Jahrhunderten in Südostasien gespielt wird. Es ist ein sehr körperbetontes Spiel und während ich in der gegnerischen Hälfte versuchte Punkte durch abschlagen von Gegnern zu generieren, musste ich den Atem anhalten und ständig „kabaddi, kabaddi, kabaddi…“ sagen. Ich kann nicht genau sagen welche Mannschaft gewonnen hat, ist auch nicht so wichtig, auf jeden Fall hatte ich mega Spaß daran und war wohl auch kein schlechter Spieler, dem Johlen und Gratulationen der Inder nach zu beurteilen. Es bot wohl Vorteile, doppelt so groß und massiv zu sein. Das Ende vom Lied war dann, dass mein T-Shirt total zerfetzt und meine Powerbank im Trouble des Gefechtes im Meer gelandet ist. Egal, das war es wert.

Danach besuchten wir eine Strandparty und besuchten den Pool einer Bar, der pink von den Farben des Festivals in der Mittagssonne schimmerte. Natürlich durften wir ohne vorher darin ein Bad zu nehmen (in voller Montur) nicht das Areal verlassen. Besonders gefreut hat mich, dass ich hier einen alten Bekannten wiedersehen durfte. Nach den zwei gemeinsamen Reisewochen in der Türkei, traf ich Janosch (siehe hier) auf seinem Weg mit dem Fahrrad nach Nepal wieder. Er schloss sich uns an und wir feierten gemeinsam bis in die Nacht. Elektronische Musik, Neonfarben, skurrile Paradiesvögel, extrovertierte Tänze und jede Art von Drogen beschreiben diesen Abend in Kürze. Noch vor Sonnenaufgang schaffte ich es jedoch wieder zurück in mein Hostel und diese Nacht öffentlichen Exzesses sollte mir dann auch wieder für einige Zeit reichen. Es war eine richtig geile Party und es gibt viele diesen Partys hier jeden Tag. Ich selbst jedoch habe die kommenden Abende die teuren Feierlichkeiten gemieden und mich auf die Schönheit des Dschungels, der Strände und ja, auch etwas Kultur, konzentriert.


So habe ich die Ruinen des alten Portugiesischen Forts zum Sonnenuntergang besucht, mich von einer Gruppe Indischen Studenten über Cricket aufklären lassen, einen gemütlichen Abend musizierend auf einem der Felsen am Strand verbracht, diverses Street Food ausprobiert durch die Dörfer gewandert oder mit dem Linienbus – ein Erlebnis für sich – die Umgebung erkundet. Mit drei Deutschen, die ich im Zug nach Goa bereits kennen lernte, habe ich einen Tagesausflug nach Alt-Goa unternommen. Hier befand sich die Hauptstadt der portugiesischen Kolonie. Und hier bauten die Portugiesen gigantische Monumente, die heute noch teilweise recht gut erhalten sind. So steht hier Asiens größtes christliches Gebäude, eine Kathedrale die im 15/16 Jahrhundert erbaut wurde. Natürlich bezeugen diese gigantischen Bauten von der teils tyrannischen Herrschaft und Missionierung der Region. Es ist sehr heiß und schwül hier in Goa, ich komme also langsam in tropische Gefilde. Mal sehen wie lange ich das aushalte. Die restlichen Tage verbrachte ich weiter in Vagator und Anjuna, genoss live Musik in einer der unzähligen Bars, schlenderte über Flohmärkte und unterhielt mich mit Einheimischen. So auch dem ein oder anderen europäischen Hippie, die bereits seit einigen Dekaden hier leben. Sehr interessante Menschen.


Doch nach ein paar Tagen zog es mich wieder weiter. Ich hatte mich nach langem Hin und Her entschieden ins Landesinnere, nach Hampi im Bundesstaat Karnataka, zu reisen. Ein Nachtbus sollte mich die ~350km in nur 11 Stunden dorthin bringen. Der Schlafbus mit kleinen Kabinen war an sich gar nicht so unbequem. Jedoch die schlechten Straßen, die Schwellen die gefühlt jeden Kilometer eingerichtet wurden und die übertriebene Geschwindigkeit des Busses auf den engen Straßen machte die Nacht für mich eher schlaflos. Wie in einem Mixer liegend bin ich gut durchgeschüttelt am frühen Morgen in Hampi angekommen.

Doch bevor ich davon erzähle, möchte ich euch berichten, wie ich zum ersten Mal wissentlich betrogen und abgezockt (Neudeutsch: gescamed) wurde. Ein Herr hat mich am Busbahnhof angesprochen. Er blutete ein wenig aus der Hand und ich versorgte ihn erst einmal mit erster Hilfe. Er erzählte mir in bestem British-English, dass er soeben ausgeraubt wurde. Er fragte nach dem Weg und 3 Inder hätten ihn dann in einer Sackgasse verprügelt und ausgeraubt. Er bat mich die britische Botschaft von meinem Handy aus anzurufen, was ich ihm natürlich gestattete. Er meinte er sei halb Inder, halb Engländer. Die Botschaft empfahl ihm, ein Busticket nach Delhi am Schalter zu kaufen, hier verzichten sie meist auf einen Identifikationsnachweis. Er hatte ja nichts mehr. Ich begleitete den ca. 50 Jahre alten Mann um etwas mentale Unterstützung zu geben. Er wollte Geld bei Western Union abholen, welches sein Bruder ihm geschickt hatte. Die wollten es ihm aber aufgrund fehlendem Identifikationsnachweis nicht aushändigen. Er bat mich, mit ihm zu warten, sodass sein Bruder nochmals Geld auf meinen Namen schickt, so kann ich es empfangen und ihm aushändigen. Nur leider fuhr mein Bus bald ab. Also was tun? Ich nahm das Risiko in Kauf! Ich bot ihm 2.800 Rupien Bargeld an und sein Bruder soll es mir dann überweisen. Natürlich nahm er es an. Dann rannte ich zu meinem Bus und fuhr los. Und da saß ich nun…dachte über alles was geschehen war nach. Die Geschichte war clever, sein Verhalten wirkte authentisch auf mich, aber es waren zu viele Zufälle, ich konnte selbst nicht mit dem Bruder oder der Botschaft sprechen. Ein paar Tage lang habe ich noch überlegt, ob es vllt. doch kein Betrug war und ich tatsächlich einem in Not geratenem Reisenden helfen konnte. Aber bis heute habe ich weder eine Nachricht, noch das Geld erhalten. 2.800 Rupien, also ca. 40 € hat mich dies gekostet… Schande über dich, „Peter Green“. Wenn das nächste Mal ein wirklich hilfesuchender Reisender mich um Hilfe bittet, denke ich dreimal nach. Aber der Verlust war nicht allzu groß. Lieber so als ein Raub mit ungewissem Ausgang.

Endlich Ruhe in Hampi

Mir wurde erst bewusst, in welchem Trubel und welcher Hektik ich die letzten Wochen unterwegs war, als ich in Hampi ankam. Nachdem die nervenden Auto-Rikscha Fahrer bedient waren, kehrte eine wohltuende Ruhe ein. Das kleine Dörfchen, das sich inmitten der Felsenlandschaft, Ruinen und Tempel erstreckt, strahlt eine Gelassenheit aus, die mich relativ schnell entspannte. Kaum Menschen unterwegs, kaum Gebäude, dafür viel Natur und Dorfleben. Schön. Vom 14.-16. Jahrhundert war Hampi Zentrum und Hauptstadt des Königreiches Vijayanagar, das als letztes der großen Hindureiche gilt. Und in der Tat bietet es eine unglaubliche Vielzahl an beeindruckenden archäologischen Sehenswürdigkeiten. Es überkommt mich etwa das gleiche Gefühl, welches ich bei meinem ersten Besuch in Rom hatte. Nur dass sich hier außer den Ausgrabungen von Marktplätzen, Reitstätten, Kasernen, Monumenten und Tempeln sich nicht viel mehr befindet als feinste Natur und Landwirtschaft. An der Bushaltestelle in Goa wurde mir das kleine Gästehaus „Baba’s One Love“ empfohlen. Also machte ich mich zu Fuß auf den Weg dorthin. Ich passierte den großen Tempel und es galt einen Fluss zu überqueren.

Da gerade Ende der Trockenzeit war, konnte ich den Fährmann umgehen und durch die Waschfrauen & -männer durch das Flussbett waten. Zu meinem Glück wurde gerade auch der heilige Elephant, der normalerweise im großen Tempel residiert, zu einem Bad geladen und ich konnte ihn bei seinem Bad etwas begutachten. Auf der gegenüberliegenden Flussseite gab es dann den Blick über erntereife, gelbe Reisfelder die mit Palmen gesäumt sind. Und die berühmten Granitfelsen der Region waren nun auch zu entdecken. Ein Paradies für Boulderer (Kletterer in geringer Höhe ohne Seil). Soweit das Auge reicht sind enorme Granitfelsenfelder in unzähligen, fantastischen Formationen zu sehen. So lag natürlich auf der Hand, dass ich hier einige Zeit beim Wandern verbringen werde. Auch wenn das Wetter mich hier regelrecht erdrückt. Es war so um 43-45°C heiß zur Mittagszeit. Und der Fluss und der unweit entfernte Regenwald produzierten eine erdrückend schwüle Luftfeuchtigkeit. Nicht nur deswegen gehört Hampi zu den Malaria-gefährdetsten Gebieten in Indien, wie ich im Nachhinein erfahren durfte.

In „Baba’s One Love“ bezog ich ein kleines Bungalow, eine Palmenhütte die gerade ein Bett mit Moskitonetz fasste. Aber natürlich mehr als ausreichend für mich war. Zudem bot der Besitzer eine unglaublich leckere und bezahlbare Küche an. Ein sehr guter Platz und ich bin froh, dass ich den Weg dorthin auf mich genommen hatte. Natürlich machte ich mich noch am selben Tag auf eine Wanderung durch die Felsen. Ich sprang wie ein Gamsbock von Fels zu Fels und hoffte, dass ich nirgends stecken bleibe, ich war ja alleine unterwegs und weit und breit war niemand zu sehen. Ein klasse Erlebnis. Teilweise wurden die Felsen bemalt oder kleinere Steine wurden zu Skulpturen zusammengesetzt. Es gab so viel zu entdecken. Schlussendlich erreichte ich zufälligerweise ein kleines Dorf. Keiner der Einwohner sprach Englisch, doch mit einem Lächeln und gutem Willen durfte ich mich hier unter einem großen Felsen im Schatten etwas ausruhen. So lange, bis mich ein paar der unzähligen Makaken-Affen zu sehr nervten und ich weiter zog. Die Affen sind hier überall und zeigen keinerlei Scheu vor dem Menschen.

In der Nacht wurde ich mehrfach geweckt….Ratten tobten in meinem Rucksack umher sowie eine mittelgroße Schlange und diverse Echsen genossen das Brummen und den Windhauch meines Deckenventilators. Zum Glück bin ich diesbezüglich nicht so penibel und ich versuchte eine friedliche Koexistenz der Tiere und mir im Bungalow herzustellen. An einem der Tage mietete ich mir ein Moped. Eine kleine Maschine, mit der ich die weitere Region abfuhr und bestaunte. Zwar ging nur noch eine Bremse, die wenig effektive Hinterradbremse, was das kalkulieren von potentiellen Schwellen, Gefahrsituationen oder Gegenverkehr erheblich erschwerte, aber mit der Zeit konnte ich den Linksverkehr und den Fahrtwind sehr genießen. Unzählige Tempel sind in der Region beherbergt. So hielt ich an einem kleinen Hügel einfach einmal an und stieg zu einem unscheinbar erscheinenden Tempel hinauf. Dort nahmen mich Mönche in Empfang und luden mich zu einer Zeremonie ein. Sie gaben mir diverse, undefinierbare Dinge zu essen und trinken. Als Grand Finale wurde dann auch mein Gesicht bemalt. Es war sehr spannend und ich hoffte nur, nicht irgendwie mit irgendwas verheiratet zu werden. Doch die Mönche waren ausgesprochen nett und die Tatsache, dass ich der einzige Besucher weit und breit war, machte es ganz besonders für mich. Auch nach Geld wurde nicht gefragt. Als ich den Tempel verließ hinterließ ich eine kleine Spende und freute mich wie Bolle über dieses Erlebnis.


Obwohl die Stätten hier an sich ein großer Tourismusmagnet sein sollten, empfand ich alles als sehr ruhig und verlassen. Eine schöne Stimmung. Selbst als ich einen der großen Hügeltempel auf dem Ghandamadana Hill bestieg, war ich mutterseelenallein. Kaum wieder abgestiegen entschied ich am selben Tag noch den nahe gelegenen Affentempel zu erklimmen. Hier konnte ich dann, nicht mehr ganz alleine, den Sonnenuntergang genießen. Alles in allem bin ich an diesem Tag ~1.200 Treppenstufen hinauf und wieder hinab gestiegen. Und klaro, es hat sich allemal gelohnt! Ich liebe diese Gegend und ich war etwas wehmütig als ich mich langsam wieder auf den Weg zurück nach Mumbai machen musste. So fuhr ich noch schnell am Geldautomaten vorbei um mich mit frischen Rupien für die lange Reise auszustatten.


Erst vor kurzem, am 9. November 2016, wurden die 500er und 1000er Scheine vom aktuellen Premierminister Modi über Nacht entwertet. Es gab nur eine kurze Frist und eine bestimmte Menge, die gegen neue Scheine umgetauscht werden durften. Dies tat er um Schwarzgeld und Schwarzmarkthandel zu unterbinden. Seit dem gibt es große Probleme die damit einhergehen. Viele Inder, die ihr Geld gehortet hatten, saßen nun auf wertlosem Papier. Es gab einige Szenen in denen viele reiche Inder, darunter auch hohe Politiker, versuchten ihre Scheine durch zinslose Kredite an den Mann zu bringen. Denn niemand wurde von Modi vorher informiert. Er möchte damit auch der Korruption und Schwarzgeld in seiner eigenen Regierung entgegen wirken. An sich ein schlauer Schachzug, jedoch gibt es viele Probleme damit. Die 2000er Scheine, die noch ihre Gültigkeit haben und die liebend gerne von Automaten ausgegeben werden, sind viel zu viel wert und es ist teilweise problematisch an kleines Wechselgeld zu kommen. Eine gute Bargeldorganisation ist hier also wichtig. Etwas Gutes hat es aber für uns Deutsche, die neuen Scheine werden alle von der Bundesdruckerei in Deutschland für Indien produziert.

Mit dem Bus nach Goa und weiter mit dem Zug ging es dann

zurück nach Mumbai. Eine knapp 30stündige Aktion mit viel Ungewissheit ob ich meinen gewünschten Zug überhaupt erreiche und ob ich diesen dann tatsächlich besteigen darf. Aber das Glück spielt mit und ich kam gut in Mumbai an, wo mich Ramaaah und Michael nochmals beherbergten. Ich traf mich nochmals mit Sugandh und sie zeigte mir ihre Lieblingsplätze in der Stadt. So besuchten wir eine atemberaubende Kirche und schlenderten entlang der Küstenpromenaden der Metropole. Für alle Bollywood Fans da draußen: Wir kamen auch am Haus von Sharuk Khan, dem international berühmtesten Inder nach Mahatma Gandhi schätze ich, vorbei und erspähten einen Blick auf seine Residenz, schmunzelnden aber eher über seine Fans die vor dem Haus auf ihn warteten.

Weshalb ich eigentlich nach Mumbai zurück bin? Gute Frage!Seit meiner Reise im Iran habe ich Kontakt zu einer Iranerin. Sie möchte anonym bleiben, deswegen nennen wir sie einfach „Persia“. Sie ist verheiratet und möchte gerne ein paar Backpacking-Reiseerfahrungen, wie ich sie hier regelmäßig niederschreibe, erleben. So hat sie mich gefragt, ob ich mir vorstellen könnte, etwas gemeinsam zu reisen und ihr ein bisschen Starthilfe geben könnte. Klar,dachte ich mir. Ist es ja auch für mich eine coole und außergewöhnliche Erfahrung. So wählten wir ein Ziel das für sie leicht zu erreichen (Visaprobleme der Iraner) und auf meiner Liste ist: Sri Lanka. So reise ich nun etwas früher als erwartet nach Sri Lanka und kehre danach wieder nach Indien zurück. Und da Sri Lanka nur per Flug von Indien aus erreichbar ist, fliege ich von Mumbai statt vom Süden.

 

Ich bin gespannt was mich erwartet und freue mich sehr darauf. Du dich auch? Dann ist gut. Bald wirst du mehr darüber erfahren! Ein neuer Bericht aus einem neuen Land. Liebe Grüße, dein Schilli


Funfacts

- Nach anfänglicher Zurückhaltung bin ich nun voll auf Street Food. Ich probiere alles aus und bin teilweise brutal überrascht wie

viel schärfer man ein Gericht eigentlich noch machen kann. Aber ich trainiere fleißig, denn weniger scharf wird das Essen in nächster Zeit nicht.

- Die begehrtesten Plätze, Bars und Clubs, direkt an den Stränden Goas werden unter den einheimischen Familien alle paar Jahre in einer Lotterie verlost. Interessantes Prinzip

- Auch meine Mütze hat das Holi-Fest ganz schön mitgenommen. Die Farben, die über Nacht zu einer ekelhaften braunen Farbe zusammenschmolzen, ließen mich noch vor Ort eine Neue kaufen. Billig und Grün!

- In Hampi bin ich eines Morgens ganze 10km zu einem Geldautomaten gewandert um Bargeld zu ziehen. Nur um dann festzustellen, dass Geldautomaten sonntags geschlossen sind. Den Rückweg legte ich mit ausgestrecktem Daumen zurück. Erklärung: Geldautomaten werden von Personal überwacht und die haben natürlich einen Tag frei in der Woche.

- Als ich ein weiteres Mal den Fluss durchquerte entschied ich mich etwas mit domestizierten Wasserbüffeln zu schwimmen. Eine Indische Hirtin hatte mir gezeigt, wie nah ich an ihre Büffel heran darf. Sehr respektvoll diese Riesentiere.

- Zwei Tage vor meinem Flug nach Sri Lanka finde ich doch tatsächlich heraus, dass Sri Lanka die Hölle für Raucher ist. Fast

nirgends darf öffentlich geraucht werden, die Einfuhr von Tabak ist strengstens untersagt und die Schachtel Zigaretten kostet 7-8€!!! Eine neue Herausforderung steht an…


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