#22 | Iran - eine Liaison | 206. Reisetag

Ich habe meine ersten Spenden für meine Reise erhalten! Großartig! Herzlichen Dank an die Spender! Eine Spende kam von einer großartigen Freundin aus Deutschland und eine wahnsinnig tolle Iranerin, die mich über das Internet angeschrieben und nie persönlich kennen gelernt hat, hat mir ganze 50€ zukommen lassen. Danke, damit kann ich meine Reise und die Kosten meines Blogs etwas decken. Ich bin überwältigt. Meine letzten Blogartikel wurden jeweils von >250 Menschen gelesen. Das beeindruckt mich. Bin ich doch davon ausgegangen, dass es vllt. 20-30 Leute lesen werden und schnell die Lust daran verlieren. Freut mich, dass euch mein kleines, zensiertes Tagebuch gefällt! Ich bin stets für Vorschläge und Kritik offen. Wenn du wissen möchtest, wie du mich auch etwas unterstützen kannst, sei es die Einladung zu einer Tasse Kaffee, kannst du mich kontaktieren oder hier schauen. Ich danke euch allen!

Von der zauberhaften Insel Queshm (für mich unaussprechbar, die erste Silbe ist eine Mischung aus „G“,“R“ und „Q“ und das „m“ wird nur angedeutet) ging es dann nordnordostwärts. Lennards Visum lief eher aus als meines und so haben wir einen gemeinsamen Plan geschmiedet wie wir maximal lange zusammen reisen können und wie wir beide möglichst viel in der kurzen Zeit sehen können. Auf unserer 800km langen Fahrt hielten wir nur kurz in Sirjan um uns ein Essen-To-Go zu holen, doch konnten das Angebot eines weiteren Kunden nicht ausschlagen und aßen bei ihm Zuhause zu Mittag. Ein halbes Kilo Gras und eine vollbesetzt Bar wurde uns stolz präsentiert und wir wurden mehrfach darum gebeten zu bleiben. Aber wir mussten/wollten weiter.

Yazd - Die Wüstenstadt

In Yazd hatte uns bereits im Vorfeld der Familienvater und Metallurge Abdolmajid im Internet angeboten uns seine Stadt zu zeigen. Am Abend verabredeten wir uns direkt am Rande der Altstadt und er und seine Tochter führten uns zu einem sehr schönen Restaurant, welches Disney’s Alladin oder 1001 Nacht in Nichts nachstand. Nur das man hier sogar den Service per Knopfdruck zu seiner Teppichnische rufen konnte. Wir tauschten uns lange aus und er bat uns doch in seinem Haus zu schlafen. Wir wollten jedoch dieses Mal keine Umstände bereiten und zogen eine Nacht im Auto vor. Aber selbst dann lässt einen die Gastfreundschaft der Iraner nicht alleine. Abdolmajid führte uns zum Parkplatz eines hochwertigen Hotels am Ende der Stadt und sprach mit den Parkwächtern, dass diese uns tolerieren und aufpassen sollen dass uns nichts passiert. Und so war es dann auch. Zwar kam kurz nach unserer Ankunft die Polizei nochmal vorbei, jedoch hat diese nur unweit von uns geparkt, die Lage geprüft und ist wieder abgedampft.

Am nächsten Morgen, nach unserem morgendlichen Frühstücksritual am Heck des Landcruisers kam Abdolmajid heute mit seinem Sohn vorbei um uns eine effiziente Tagestour durch Yazd zu geben. Yazd liegt inmitten der zwei großen Wüsten des Irans. Unweit des heißesten Punktes der Erde (max. ~70°C) entfernt. Sie ist die älteste Stadt, die aus sonnengetrockneten Lehmziegeln gebaut wurde (lt. Unserem Guide) und ist eines der Großstädte des Irans. Im Iran leben ungefähr so viele Menschen wie in Deutschland. Jedoch ist die Zentralisierung hier um einiges stärker. Alleine 18 Millionen Iraner leben im Großraum Teheran. Der Großteil des Restes verteilt sich auf 4-5 weitere Millionenstädte. Doch für Yazd ist dies ein großes Problem. Die Wüstenstadt hatte immer Probleme mit der Wasserversorgung. Vor >300 Jahren haben clevere Ingenieure eine unterirdische Wasserleitung vom 40km entfernten Gebirge installiert, dessen Kanäle sich durch die Stadt ziehen, Herrenhäuser abkühlen und Wasserstellen versorgen. Mit großen Windfängern überall in der Stadt wurde ein System zur Kühlung des Wassers errichtet. Beeindruckende Leistung und schön zu entdecken. Neben der großen Jame Moschee (Freitagsmoschee, Freitags ist ein Besuch der Moschee für Männer obligatorisch), hat uns Abdolmajid noch einige weitere interessante Ecken, Gärten und Gebäude gezeigt.

Was mich am meisten fasziniert hat sind „Türme des Schweigens“ und die Geschichte darum herum. „Dakhme“ ist der Name dieses Areals. Es sind hier jahrtausend-alte Gebäude zu finden, die von den Zoroastrismus, der ursprünglichen Religion der Perser erbaut wurden. Erst durch die Eroberung durch die Araber wurde der Islam nach Persien gebracht und mit Gewalt eingeführt. Diese Religion wird heute noch von ein paar wenigen Iranern aktiv betrieben, jedoch werden diese stark von der Regierung seit der islamischen Revolution 1979 unterdrückt und nur unter starken Auflagen geduldet. So werden auch die historischen Stätten nicht vom Staat weiter gepflegt oder unterstützt, schade. Der deutsche Star-Philosoph Nitzsche hat jedoch diesem Glauben sogar ein Titel eines seiner Bücher gewidmet. Und Richard Strauss hat ein weltbekanntes Orchesterstück dazu geschrieben. Dakhme war eine rituelle Stätte für die Verstorbenen. Die Leichen wurden festlich in runde Türme auf 2 Hügel unweit der Stadt gebracht und dort den Vögeln zum Fraß vorgeworfen. Am Fuße der Hügel sind noch die Ruinen von diversen Häusern und – natürlich – einem mit dem System verbundenen Wasserreservoir mit Windfängern, zu entdecken.

Nach unserer Sight-Seeing Tour sind wir zum Essen in Abdolmajids Haus eingeladen worden. Ein wunderschönes, gigantisches Haus. Typisch für die gehobene Mittelschicht der Iraner. Von außen nicht zu erkennen investieren sie in das Innenleben ihrer Häuser. Modernes Design, technologisiert und große Räume. Es war uns eine Freude seine ganze Familie kennen zu lernen und wir aßen gemeinsam ein prächtiges Mahl. Danach bot er uns an etwas in einem Zimmer auszuruhen und wir durften auch ein eigenes Bad voll nutzen. Duschen war mal wieder angesagt und eine westliche Toilette brachten meine Augen zum glänzen…Ja vllt. ist sogar eine einsame Träne der Freude meine Wange hinab geglitten. Nachdem dann auch unsere Wasserkanister wieder voll waren hat uns die Familie noch in die Wüste begleitet. Dort genossen wir einen schönen Sonnenuntergang und tollten wie Kinder im Sand herum und rannten die Dünen hinab. Mit großer Dankbarkeit verabschiedeten wir uns und machten uns auf den Weg nach Esfahan. Kurz vor der Stadt parkten wir noch in der Nähe eines Freizeitparks in einem Aufforstungsgebiet und hatten eine angenehm ruhige Nacht.


Touristenwahn in Esfahan

Auch in Esfahan hatten wir um einen lokalen Guide gebeten, wurden dann aber leider versetzt. Unüblich für Iraner, aber auch halb so schlimm. So entdeckten wir die Stadt eben auf eigene Faust. Sind ja selber groß! Auch Esfahan war eine Hauptstadt im Laufe der Zeit und hat prachtvolle Bauwerke zu bieten. Besonders berühmt und schön anzusehen sind die alten Brücken, die über den Fluss führen. Naja…Fluss? Aufgrund des Klimawandels und der Wasserversorgung der Städte Yazd und Kerman im Osten des Landes, führt das Flussbett hier seit acht Jahren leider keinen Tropfen Wasser mehr. Dennoch sind die gigantischen Brücken einen Besuch wert und wir genossen es in der Morgensonne durch das ausgetrocknete Flussbett zu laufen und uns mit Einheimischen auszutauschen. Danach ging es ab in die Altstadt zur Perle der Stadt. Dem enormen Emam Kohmeni Platz. Jeder Herrscher des Landes hat über die Jahrhunderte dem Platz seinen Namen aufgedrückt. Ein riesiges rechteckiges Areal ist mit Gebäuden umringt. Darunter diverse Monumentalbauten wie Moscheen und Paläste. Gerade ist hier Winter und es wird viel restauriert und auch der große Pool auf dem Platz wird neu gefliest.

Nachdem uns ein paar interessierte Jungs auf dem Platz erst einmal ausgefragt haben und wir im Gegenzug deren Tipps aufsaugten, sprach uns ein sympathischer alter Iraner an. Er hat eine ganze Zeit in Europa (v.A. England) gelebt und sprach auch hervorragend Englisch. Er erzählt uns einige Dinge über den Platz und fragte uns ob wir ihm zu einer besonderen Zeremonie folgen wollen. Klar sind wir da dabei! Doch die Jungs, die aus der Ferne sahen was wir trieben, mahnten uns vorsichtig zu sein. Und dann ging es tatsächlich los. Zuerst war die Zeremonie nicht mehr in Laufweite. Also Taxi nehmen…das war schon verdächtig, aber er wollte das Taxi alleine bezahlen. Okay, eine Chance gaben wir ihm noch. Auf der Fahrt gestand er uns, dass die Zeremonie etwas Eintritt kostet, aber es dafür auch was zu Essen gäbe. Wir sollten es nicht erfahren. Denn als wir ankamen, sollten wir doch das Taxi bezahlen und dies zum fast zehnfachen des üblichen Preises. Im europäischen Vergleich immer noch günstig, aber das war für uns das Zeichen die Reißleine zu ziehen. Es kam zur lautstarken Diskussion und wir ließen uns vom Taxifahrer zurück zum Stadtzentrum bringen. Als der uns dann nochmal abzocken wollte, haben wir ihm lediglich einen angemessenen Preis bezahlt und sind ohne weiter Diskussion ausgestiegen und weggegangen. Sehr schade, nun fängt diese Art der Touristenfalle im Iran leider auch schon an. Esfahan ist eines der Top-Ziele für Touristen und hier können schon professionelle Abzocker am Start sein…oder vielleicht auch nicht? Vielleicht meinte es der alte Mann tatsächlich gut?! Man weiß es nicht…auf jeden Fall war uns die ganze Angelegenheit nicht „koscher“.

Wir ließen uns davon nicht beirren und haben uns einen Palast und die gigantische Moschee am Emam Khomeni Platz genauer angesehen. Wahrlich prächtig und die Moschee ist der Oberhammer. Ein gigantischer Komplex, der eine wahnsinnig coole Akustik bietet. An einer Stelle im Zentrum der großen Halle kann man in ganz normaler Lautstärke sprechen und durch den Wiederhall wird man im ganzen Areal gehört. Faszinierend. Bis zu sieben Echos konnten wir hören, wenn wir in die Hände klatschten. Danach sind wir noch etwas durch die Stadt geschlendert, haben uns die alte Zitatelle, die Jame Moschee und den Bazaar angesehen und sind darauf etwas außerhalb der Stadt gefahren um uns mit den Jungs vom Morgen wieder zu treffen. Sie führten uns in der Dunkelheit auf den „Feuertempel“ eine weitere Ruine der Zoroastriser. Von hier oben hatten wir eine wunderbare Übersicht über die Stadt. Lange unterhielten wir uns mit den Jungs und wir bekamen sehr viel Fragen über Europa gestellt und über den Iran beantwortet. Spontan lud uns einer der Jungs zu sich nach Hause ein, auf dem Weg aßen wir noch gemeinsam eine Esfahanische Spezialität und die Jungs entschlossen sich heute spontan mit uns zu nächtigen. So fuhren wir zum Haus des Einen in eine leerstehende Wohnung, tranken Tee, diskutierten bis spät in die Nacht und schliefen auf dem Perserteppich.

So hatte ich die letzte gemeinsame Nacht mit Lennard im Auto bereits überraschenderweise hinter mir. Schade irgendwie…ich hatte mich bereits daran gewöhnt und genoss es abends nach einem Schlafplatz Ausschau zu halten, das Frühstück am Heck, das gemeinsame Philosophieren und Businesspläne schmieden mit Lennard. Knapp 2 Wochen und ca. 3.500 Kilometer haben wir gemeinsam verbracht. Nun galt es aber sich auch von ihm zu trenne. Er machte sich zurück in Richtung Deutschland und ich blieb weiter in Esfahan. Bei Mozhdes Bruder Misagh kam ich unter. Und hier haben wir es richtig krachen lassen. Misagh, seine Freundin Sara, Ardalan und seine Freundin sowie ein paar weitere Kumpels und ich haben uns mit Wasserpfeife und dem guten Arak (selbstgebrannter Schnaps) auf den Teppich gesetzt und haben versucht uns irgendwie miteinander zu verständigen. Und mit der Zeit ging das auch immer besser. Bis wir schließlich gemeinsam sangen und die Iraner zu „Marmor, Stein und Eisen bricht“ abrockten. Mir wurde das einzige Bett im Haus aufgezwängt und der Rest verteilte sich auf den Teppichen.

Am nächsten Morgen führte mich Sara und ihre Schwester noch zum Mittagessen aus und gefühlt der halbe Freundeskreis hat sich darum gekümmert, dass ich ein Busticket im Premiumbus bekomme und auch rechtzeitig am Busbahnhof ankomme. Wieder einmal überwältigt mich die Gastfreundschaft dieser tollen Menschen. Noch nicht einmal meine Zigaretten durfte ich selbst bezahlen…Ich fasse es nicht! Mit dem VIP (Very Important Passenger) Bus bin ich dann wieder nach Süden aufgebrochen. In 13 Stunden ging es nach Bandar Abbas an den Persischen Golf. Sofort war der Busfahrer mein bester Freund. Nachdem die üblichen Kartons mit Süßem und Getränken verteilt waren, schenkte er mir noch von seinem privaten Tee ein. Auch bei den Pausen wartete er immer höflichst, bis ich meine Zigarette geraucht hatte. Ein klasse Typ!


Moin Moin in Bandar Abbas - Das persische Hamburg

Na gut, außer dass beide Städte als Knotenpunkt des Containerverkehrs ihrer jeweiligen Länder dienen und beide einen schönen großen Fischmarkt zu bieten haben, gibt es kaum Gemeinsamkeiten. Vielleicht noch dass in beinen Städten die Menschen einzigartig sind. Doch neben den marinen Sehenswürdigkeiten gibt es natürlich auch in Bandar Abbas einen großen Bazaar, in dem diverse Waren, vor allem Früchte angeboten werden. Ohne großen Aufwand sitzen die teilweise mit metallenen Masken verschleierten Frauen auf dem Boden und bieten ohne unnötigen Verpackungsschnickschnack ihre Güter dar. Auch gibt es einen alten indischen Tempel zu sehen. Ich komme also weiter gen Osten wie es ja mein Plan war. Die „Bandaris“ sind eine eigene ethnische Gruppe im Iran und haben ihre eigene Kultur, die aufgrund der Nähe zur arabischen Halbinsel natürlich eher arabisch geprägt ist.

Hier lernte ich Manizeh kennen. Sie ist ein zertifizierter Tourguide und hat mir, wohlbemerkt kostenfrei ihre Stadt gezeigt. Gemeinsam schlenderten wir durch den Fischmarkt und kauften den passenden Fisch für’s Mittagessen ein. Sie ist großartig! Sie kennt sich mit und im Iran so gut aus, hat die besten Kontakte und verbringt ihr Leben damit ihren Gästen einen außerordentlich interessanten Aufenthalt zu gestalten. Als Eventmanager würde ich sie für eine Veranstaltung im Iran auf jeden falls als Agentur vor Ort auswählen. Und als Privatmann werde ich sie natürlich umso eher kontaktieren. Sogar zum Mittagessen war ich bei ihrer Familie geladen und ein paar Stunden durfte ich auch im Gästezimmer ihres grandiosen Hauses ausruhen. Wahnsinnig gute Tipps konnte sie mir geben und hat sich auch die Tage danach noch stark um mich gekümmert und mir geholfen. Wer den Iran bereist, sollte sie auf jeden Fall kontaktieren: +98 9177 635 410 | hamedi1334@yahoo.com

Untergebracht war ich beim Hobbyparaglider Aria. Auch ein großartiger Typ. Ein quasi professioneller Couchsurfer, der bereits über 250 Gäste aus aller Welt bei sich in seinem Apartment beherbergte. Er hat mich noch Vieles über die Geschichte und Kultur des ehemaligen Persiens erklärt und wir hatten viele schöne Diskussionen miteinander. Doch ich wollte meine letzten Tage vor Ort nochmals nutzen um eine weitere Insel zu entdecken. So kaufte ich mir zwei Kilo safranisierte Pistazien, ein iranischer Snack, den ich wohl als erstes Vermissen werde, und nach einer regnerischen Nacht (dem ersten Regen sein einem Jahr) mit Sturm und Gewitter, machte ich mich auf zum Hafen.


Hormoz

An der Fähre traf ich Inaki aus Spanien. Auf der Insel teilten wir uns ein kleines Tok-Tok, ein von einem Motorrad gezogenen wagen, was quasi als Taxi fungiert. Unser Fahrer Mohammad (übrigens der häufigste Name auf dem Erdball), zeigte uns die faszinierenden Stellen seiner kleinen Vulkaninsel. Ein geologisches Phänomen jagt hier das nächste. Ob eine Salzhöhle, die verschiedenfarbigen Berge welche durch diverse Erden und Mineralien ihre Farbenpracht gewinnen, Kristallfelder oder faszinierende Felsformationen die durch Erosion entstanden sind. Die kleine Insel von nur ein paar Quadratkilometern hat wirklich viel zu bieten. So zum Beispiel auch eine alte portugiesische Festung und eine wundervolle Kleinstadt. Ich entschloss eine Nacht auf der Insel zu bleiben und die Ruhe und  Abgeschiedenheit etwas zu genießen. So versuchte ich auch den Kontakt zu Einheimischen zu vermeiden (sie hätten mich sonst wieder komplett eingeladen, verpflegt und beherbergt) und buchte mir ein Bett in einem der drei Gasthäuser der Insel. So fand ich endlich auch die Gelegenheit hier an meinem Blog etwas zu schreiben und das Erlebte zu verarbeiten.

Bandar Lengeh

Mit einem Langstreckentaxi bin ich dann in die Fischerstadt Bandar Lengeh gefahren. Ein geteiltes Taxi, welches sogar noch schneller und preislich nicht unterschiedlich zum Bus ist. Mit 140 Sachen sind wir durch die Wüstenstraßen gebrettert. Die bandarische Kleinstadt war überschaubar und da Wochenende war, konnte ich weder meine übrigen Rials ausgeben, noch wechseln. Aber ich gönnte mir wieder ein Gästehaus um mich in Ruhe mental auf den kommenden Länderwechsel vorzubereiten. Insgesamt habe ich in einem Monat Iran gerade 3 Mal für eine Unterkunft bezahlt. Und eine davon war die Berghütte auf dem Mt. Tochal. Es ist perfekt!

Auf Wiedersehen Iran - خداحافظ

Wie  ihr unschwer aus diesem und den letzten beiden Reiseberichten entnehmen könnt, bin ich ein großer Fan der Iraner. Sie sind ein sehr freundliches, interessiertes und gebildetes Volk. Ca. 80% aller Schulabgänger gehen zur Uni, was zu einem hohen Bildungsgrad führt. Und auch die ältere Generation, hat den Fortschritt und die Bildung vor der islamischen Revolution 1979 natürlich mitgenommen. Auch sprechen die Iraner im Vergleich zu den Türken, viel besser Englisch. Und der Anteil der Studentinnen beträgt fast die Hälfte aller Studierenden. Seit der Revolution gibt es einige Frauenrechtsbewegungen, die über die Jahre hinweg viele kleine Erfolge einfahren konnten. Natürlich im Vergleich zum liberalen Europa noch denkbar wenig, aber Schritt für Schritt – für iranische Verhältnisse – ist laut Aussagen einiger Damen mit denen ich sprechen konnte eine Verbesserung zu spüren. Im Vergleich zu Saudi-Arabien erscheint der Iran geradezu frauenfreundlich, da sie hier zumindest das Recht haben zu studieren, Auto zu fahren und zu wählen. Doch eins ist klar: Das Rechtssystem, die Rechte und die islamische Regierung ist zu konservativ, zu religiös und moralisch für mich nicht vertretbar. Ich liebe die Freiheit, die wir in Deutschland genießen, das muss auch mal gesagt sein.

Es ist ganz klar zu sehen, wie sich die Mentalität der Menschen ändert, wenn sie die Öffentlichkeit verlassen und sich in einem privaten Umfeld bewegen. Nur schätzungsweise ~10% der Iraner (so wurde mir es mehrfach erklärt) sind Regimetreu und konservativ religiös. Gerade die junge und älteste Generation wünschen sich einen Wechsel. Lediglich ein paar wenige Familien, gerade diejenigen die einen Profit aus der Revolution schlagen konnten, sind glücklich mit dem aktuellen System. Bei den letzten Wahlen, bei dem der herrschenden Regierung Wahlbetrug vorgeworfen wurde, wurden zahlreiche Demonstrationen gewaltsam niedergestreckt. Doch gerade ob des hohen Bildungsgrades, der allgemeinen Unzufriedenheit und immer stärker werdenden westlichen Rechtsgefühl sind laut Aussagen der Iraner in den nächsten 10-20 Jahren viele Veränderungen zu erwartet. Mehr Liberalismus und mehr Rechte. Das Regime beginne schon damit an einigen Stellen nachzugeben um die Kontrolle weiterhin aufrecht zu erhalten. Eine großartige Möglichkeit bietet hier eben auch der Tourismus, der nun das prachtvolle Land langsam entdeckt. Nicht nur wirtschaftlich, sondern auch marketingtechnisch. Es herrscht weltweit immer noch ein sehr verschobenes Bild vom Iran, welches, wenn du selbst dort hin gehst und es dir anschaust, in wenigen Tagen zum Besseren verändert wird. Vor allem aber bringt der Tourismus eines: Die Touristen können die Menschen im Iran mit ihren Erfahrungen, anderen Systemen, Toleranz und Liberalismus die Angst vor einer Veränderung nehmen und neue Möglichkeiten aufzeigen. Wenn der internationale zivile Kontakt verbessert wird, muss die Regierung irgendwann nachziehen. Viele Iraner haben zum Beispiel Angst davor, dass mit der Säkularisierung von Islam und Staat, das Ausleben ihrer Religion eingeschränkt wird. Was natürlich vollkommener Mumpitz ist.

Abgesehen von diesen politischen Problemen herrschen natürlich große Unterschiede kultureller Art. Ein paar davon finde ich fantastisch! Zum Beispiel der regelmäßige Mittagsschlaf. Großartig! Wenn ich Zeit bei einer Iranischen Familie verbracht habe, war der Mittagsschlaf ein fester Bestandteil des Tagesablaufes. Doch natürlich gibt es auch wahnsinnig vieles Weiteres zu entdecken. Neben Film und Musik, die auch in Europa unter Kennern berühmt und geliebt wird, haben die verschiedenen kulturellen Gruppen im Iran auch eine mannigfaltige Auswahl an Tänzen, Kleidung, Gerichten und Rituale zu bieten. Um diese im Einzelnen aufzuzählen und vorzustellen würde es Tage dauern und in dem einen kleinen Monat konnte ich natürlich nur einen Bruchteil davon selbst kennen lernen. Am besten fährst du selbst einmal hin und lässt dir von einem der unzähligen freundlichen Iranern einen Einblick geben. Aber zur Kleidung, das merkt man vor allem bei den Damen, möchte ich gerne noch ein paar Worte verlieren. Klar, laut Gesetzt müssen die Damen bis Hals bis zum Knöchel verhüllt sein und die Haare verdeckt. Doch jede Frau, jede ethnische oder kulturelle Gruppe, lässt sich hier einiges einfallen um entweder Widerstand, Herkunft, Beziehungsstatus oder Tradition zu zeigen. So tragen viele junge und moderne Frauen nur einen leichtes, modisch adrettes Tuch um den Hals, was die Haare nur minimal bedeckt. Andere tragen schwarze Burkas und schwarze Schleier, sodass man nicht eine natürliche Stelle erkennen kann. Die Gewänder der Damen im Süden leuchten in allen Regenbogenfarben und manch Damen (eher ältere Generation) der Bandaris tragen schwarze Metallmasken. Diese Metallmasken haben ihren Ursprung im übrigen in der Kolonialzeit. Als die Portugiesen den Persischen Golf besetzten, waren die Männer der Bandaris so eifersüchtig auf die Blicke der Portugiesen, dass sie Ihre Frauen zwangen ihr Gesicht mit metallenen Masken zu verdecken, da nur diese den gierigen Blicken der Besatzer stand halten können. Zur Bedeckung an sich: Es gibt sehr unterschiedliche Motive hierzu: Der Großteil bedeckt sich nur weil es Gesetzt ist und die Sittenpolizei hier große Strafen verteilt. Manch eine bedeckt sich weil ihr tatsächlich der Gedanke gefällt, sich offen nur Ihrem Mann zu zeigen. Andere bedecken sich, weil sie es nicht besser wissen und der Tradition, dass Frauen angeblich Dienerinnen der Männer sind, willenlos folgen.

Germany – Very Good! Mercedes Benz – Very Good! Adolf Hitler – Very Good!....Wie bitte? Also das die Perser (die Araber natürlich auch) Probleme mit Juden und Israel haben, das war mir klar. Was ich aber erst vor Ort lernen musste, ist die Verbindung des Iran mit dem Nazideutschland. Hitlers Rassenforschung hatte ergeben, dass die Arische Rasse seinen Ursprung mit dem Perservolk teilt. Natürlich hat er das zu seinen Zwecken propagiert und auch der Iran war mächtig stolz darauf. Naja…war ist leider falsch. Sie sind es immer noch. Rassenlehre wird immer noch ganz groß geschrieben im Iran und ich bekam es fast täglich zu hören wie sehr sie Deutsche mögen und das wir ja alle gemeinsam Arier sind. Das geht sogar so weit, dass in den 80ern die Arische Rasse als Namensgeber für das Land dient. Ja richtig, Iran bedeutet „Arier“. Krass und nicht gut! Dies war eine Sache die mich täglich genervt hat und ich respektvoll versucht habe meinen Gegenüber zu erklären, dass mich das einen Scheiß interessiert, unsere gemeinsame Herkunft vor Jahrhunderten sich getrennt hat und die Herkunft per se keine Rolle spielt. Sehr anstrengend. Und die Liebe zu Deutschland sieht man auch immer wieder an Deutschlandflaggen als Aufnäher auf diversen Kleidungsstücken.

Bis zum Schluss konnte ich auch nicht mit Farsi (=Persisch) anfreunden. Es klingt ganz cool und die Iraner tragen ab und an einen fröhlichen Singsang in der Stimme. Ich selbst konnte es gerade einmal auf 7-10 Wörter und 5-6 Gerichte bringen. Doppelt schwierig, wenn man auch keines der Wörter lesen kann. Also die Schrift ist wunderschön, jedoch konnte ich noch nicht mal die leichtesten Wörter wieder erkennen. Sie machen es aber auch doppelt kompliziert für mich. Nicht nur das sie rechtsbündig schreiben, nein auch jeder Buschstabe hat diverse Formen, je nachdem ob er am Anfang, der Mitte oder dem Ende eines Wortes steht. Das war mir dann doch zu viel mich damit auseinander zu setzen. Aber da auch in Farsi die arabischen Zahlen genutzt werden, viel es mir nicht zu schwer diese zu lesen. Die Arabischen Zahlen sind ja auch der Ursprung unserer. Und nützlich deswegen, wenn es zu Geldangelegenheiten kommt. Die Währung des Iran ist Rial. 1 € entspricht ca. 42.000 Rial. Man hat es also mit großen Summen zu tun. Auch die Iraner stört das und deswegen wird allgemein der Begriff Toman gebraucht. Beim Toman streicht man einfach eine Null. 1€ entspricht also 4.200 Toman. Manchmal sagt einem der Verkäufer aber auch nur 4. Was dann 4.000 Toman also 40.000 Rial entsprechen kann. Oder er sagt 42, was dann entweder 42.000 Toman oder 4.200 Toman entsprechen kann. Es ist also sehr verwirrend. Ich hatte aber das Gefühl, das die Iraner hier sehr ehrlich damit umgehen und falls ich mal zu viel in die Hand drückte, halfen sie mir den richtigen Betrag – in dem riesen Wirrwarr an Scheinen – zusammen zu suchen.

Ein letztes großes Highlight, von dem ich dir berichten möchte ist das persische Essen. Kennst du vielleicht schon, es gibt ja einige persische Restaurant auch bei uns in Deutschland. Es war der absolute Oberhammer. Persischer Reis ist so lecker. Und den essen sie auch jeden Tag zu jeder Gelegenheit. Großkernig und mit Safran versetzt. Unglaublich lecker. Dazu gibt es dann duzende Varianten von Kebab (Fleischspieße), wahnsinnig leckeren Auberginenmuß und weitere tolle Gerichte. Dizi, ist eine Art Fleischsuppe, bei der man selbst nochmal mit dem Mörser Hand anlegt um das Fleisch zu zerstoßen. Und ich hatte euch ja bereits schon von KalePache berichtet. Schafs-Hirn, -Zunge, -Auge und –Stirn. Auch vorzüglich. Achja, KalePache wird übrigens zum Frühstück serviert. Schnell gewöhnt habe ich mich auch daran, dass der Iraner kein Messer benutzt. Am Tisch wird ausschließlich mit Löffel und Gabel gegessen.

 

Ich verabschiede mich nun schon wieder vom Iran. Ein Monat ist viel zu kurz! Macht von eurem Visa gebraucht und investiert Zeit hier im

Iran. Ihr werdet es nicht bereuen. Meine Fähre geht morgen um 10 Uhr los, über den Persischen Golf in die reiche Weltmetropole Dubais. Hier wird ein schöner Schock auf mich warten nehme ich an. Wenn du möchtest, kannst du hier bald lesen wie es weiter geht. Ich freue mich darauf.

 

Liebe Grüße, dein Schilli


Funfacts

- Manizehs Sohn kam gerade aus dem Gefängnis. Er war zwei Nächte eingesperrt weil er mit Freunden und – kriminell – Freundinnen gezeltet hat.

- In Bandar Abbas war ich regelmäßig im 5 o’clock Café. Sehr familiär, leckeres Essen und gut zum Schreiben. Zum Abschied verabschiedete sich ein kleiner Junge von mir in dem er meine Hand küsste….so süß.

- Die Langstreckenfahrt mit dem Taxi war lustig. Ich hab den Fahrer auch auf Cola und Zigaretten eingeladen. Und der Kerl tankt tatsächlich bei laufenden Motor die Kiste voll. Danke Alter, das ist auch meine Erde!

- Was ich gar nicht mag am Iran: Die essen Eis mit Karottensaft. Suuuuper eklig!

- Die Iraner empfehlen dir stets die Insel Kish zu besuchen. Diese ist eine Freihandelszone und hier leben viele Reiche Iraner. Es ist sehr

westlich mit vielen Prachtbauten. Ein kleines Dubai quasi. Klar, dass sie dir das zeigen möchten, aber ich habe es mir auch gespart.

- Was rein kommt muss auch irgendwann wieder raus. Im Iran findest du fast ausschließlich Plumpsklos. Ein paar wohlhabendere Familien haben auch westliche Toiletten. Hygienisch sinnvoll, Komfort -10!

- In Bandar Abbas, als ich auf Aria wartete, schaute ich bei den Handwerkern um die Ecke vorbei. Sie zeigten mir wie man Eisentüren

schweißt und lackiert.



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