#21 | Off- & Onroad durch das Perserland | 196. Reisetag

Ich bin also mit Ben und Lennard in Richtung Süden aufgebrochen. Die zwei haben sich auch erst unterwegs auf ihren Roadtrips kennen gelernt. Ben fährt mit seinem Nissan Petrol nach Indien/Asien und Lennard ist nach Südafrika unterwegs. Checkt mal deren Blogs aus, es ist wahrlich beeindruckend. Lennard, dessen umgebauter Toyota Landcruiser sogar einen Schlafplatz für eine zweite Person bietet, hat mich bei Peyman abgeholt und ab ging die wilde Fahrt. Ich war sehr gespannt auf die kommenden Tage und im Nachhinein fühle ich mich außerordentlich glücklich, die Gelegenheit zu haben das Land mit den Offroad Autos zu erfahren. Eine weitere Art des Reisens die ich hier erleben darf und eine wahnsinnig gute Begleitung obendrauf! Ich danke euch beiden, Ben und Lennard, für das großartige Erlebnis und die geile Zeit miteinander. Auf bald!

Die zwei haben sich kleine Funkgeräte zugelegt um miteinander während der Fahrt kommunizieren zu können und so sind wir in Kolonne durch den verrückten Verkehr in Richtung Süden geheizt. Beide Autos sind Dieselfahrzeuge, was uns leider dazu nötigte im Iran hier und da etwas zu tricksen. Diesel für PKW ist sehr unüblich im Iran und nur mit bestimmten Karten reglementiert zu erhalten. So hieß es für uns LKW-Tankstellen anzufahren und mit Fahrern oder dem Tankwart zu verhandeln um auf eine solche Tankkarte zu tanken. Bezahlt haben wir diese dann in Bar, weit entfernt von Überwachungskameras. Natürlich haben wir nicht den besten Preis dafür erhalten, aber da der Liter Diesel nur ~0,09 € kostet konnten wir auch für den doppelten Preis für 5-8 € locker volltanken. Insgesamt ist Energie in diesem Land, in dem Öl und Gas sprudelt sehr günstig und leider wird auch genauso damit umgegangen. Mein deutsches, ökobewusstes Herz blutete diverse Male.

Kashan

Über die Autobahn ging es nach Kashan. Dort besuchten Lennard und ich eine alte Lehmfestung, deren Innenhof heute als Acker dient. Ein gutes Beispiel dafür wie touristisch unerschlossen Teile des Iran noch sind. So liefen wir durch die Bauern zu einem gigantischen Lehmkegel, der als enormer Kühlschrank genutzt wird. Danach ging es eines der vielen historischen Häuser der Stadt. Alte Paläste für die Kaufleute und Aristokraten wie z.B. das Abbasian House. Besonders durch die Beleuchtung am Abend war es ein großartiges Erlebnis durch die verschiedenen Stockwerke, Balkone, Gärten und Nischen der Herrenhäuser zu schlendern. Und dann kam sie auch schon, die erste Nacht gemeinsam im Auto.

Ben kam etwas später an und krachte beim rückwärts Einparken direkt in ein hinter ihm fahrendes Auto. Kein Drama. Nur das Nummernschild des Saipa („Stolz“ Iranisches Nationalfahrzeug) war verbogen und da wir nicht mit der Dame kommunizieren konnten hatte sich dies ohne große Aufregung erledigt. Nach einem gemütlichen Abendessen zogen wir etwas außerhalb der Stadt auf eine Landstraße in die Nähe einer Wüste um unser Nachtlager aufzuschlagen. Lennards Wagen lässt sich mit ein paar leichten Handgriffen etwas umbauen und bietet eine 2m lange und ausreichend breite Liegefläche für uns beide. Mein Sommerschlafsack war nicht auf die kalten Nächte ausgelegt, doch der gut ausgestattete Lennard hat mich mit weiteren Decken versorgt.

Zur rechten Zeit am rechten Ort

Natürlich wollten wir uns einen kurzen Abstecher in die Sandwüste nicht nehmen lassen. Peyman und Mozhde aus Teheran versorgten uns mit GPS Koordinaten um einen guten Platz zu finden. 1,5 Stunden hatten wir dafür mal angesetzt. 1,5 Tage wurden daraus. Vorbei an einem der vier großen Mausoleen der Shias (Iranische Hauptreligion, nur 4 weitere Religionen werden neben dieser im Land gedulded) ging es in die Wüste „Maranjab“. Bereits die Fahrt auf der vorbereiteten Piste in die Wüste war aufregend und nicht mit jedem Vehikel zu meistern. Alle paar Minuten kamen uns mit Salz vollbeladenen LKWs entgegen. In der Ferne war ein ausgetrockneter Salzsee zu erkennen. Das Ende der „Straße“ führte zu einer alten Lehmfestung (Maranjab) unweit des Sees entfernt. Ein kurzer Blick hinein hat uns schon gereicht, denn Eintrittsgeld war es uns nicht wert. Hier im Iran bezahlen Touristen ca. das Zehnfache an Eintritten wie die Iraner selbst. Meist so um die 200.000 Rial (~5€). Aber das ist okay, ich finde Sehenswürdigkeiten/Museen etc. sollten für die Einwohner weltweit sogar umsonst sein. Ein Obulus von Touristen ist okay.

Ben hat sich über einige Gesetze hinweg gesetzt und seine Kameradrohne ins Land eingeführt. Mit der hatten wir natürlich so richtig viel Spaß. Mit den beiden Offroad-Fahrzeugen wagten wir uns in den Sand. Sehr vorsichtig und bedacht natürlich. Es war für uns bereits ein außerordentlich großartiges Erlebnis. Einige Gigabytes wurden gefilmt und fotografiert. Es war richtig geil! Lennard fuhr noch eine Runde in der Salzwüste des Sees und Ben und ich hatten viel Spaß mit den freilaufenden Kamelen. Als wir uns wieder trafen passierte das Beste, was mir seit langem passiert ist. Zurück auf der Straße sahen wir 3 weitere Offroad Fahrzeuge durch die Wüste brettern. Für uns bedeutete dies: Nichts wie hinterher! Nach ein paar Minuten stoppten die drei und wir lernten eine wahnsinnige und freundliche Iranergruppe kennen. Sechs Männer aus Teheran die gemeinsam ein paar Tage Offroad-Safari hier in der Wüste verbringen.

Wie gastfreundlich die Iraner eben sind, haben sie uns direkt in ihr kleines Wüstencamp eingeladen. Spontan haben wir uns darauf eingelassen und es war die beste Entscheidung die wir treffen konnten. Quer durch die Dünen eskortierten uns die erfahrenen Offroader zu ihrem Camp. Zwischendurch blieben wir stecken, ließen dann fast komplett die Luft aus den Reifen und wurden wieder heraus gezogen. Die Jungs hatten 2 Zelte inmitten der Sanddünen errichtet, Feuerholz lag bereit und auf die neu gewonnene Freundschaft wurde auch eine Flasche Vodka herum gereicht. Die Jungs haben ihr komplettes Essen mit uns geteilt und bis spät in der Nacht, mit atemberaubendem Blick auf den Sternenhimmel, haben wir diskutiert, gelacht und unser Treffen gefeiert. Ben zeigte mir ein paar Funktionen seiner Kamera und ich habe zum ersten Mal glaube ich begriffen wir eine Digitalkamera eigentlich funktioniert und welch tolle Sachen man damit machen kann. Aber um ehrlich zu sein, habe ich die Hälfte wieder vergessen. Es ist eine klasse Truppe gewesen, die mit Gras und Alkohol nicht großartig anders feiert als die Europäer. Nur dass hier eben drakonische Strafen darauf stehen. Aber hier im Nirgendwo konnten wir tun und lassen was wir wollen. Und die Guitarlele kam natürlich auch wieder zum Einsatz.

Am nächsten Tag, nachdem wir ein ausgezeichnetes Frühstück genießen durften, nahmen uns die Iraner nochmal auf eine Tour durch die Dünen der Maranjab mit. Es ist bemerkenswert, zu welchen Leistungen ein Auto alles fähig ist. Klar, ein paar Mal blieben ein paar von uns stecken, aber mit der Hilfe aller ging es dann auch schnell wieder weiter. Ich selbst durfte auch etwas mit Bens Karre durch den Sand düsen, vor allem wenn er mit seiner Drohne hinter uns her flog um Fotos und Videos zu schießen. Ein krasses und spaßiges Erlebnis wenn man über die Dünenspitzen schanzt, Steilkurven fährt und richtig steile Hänge runtergleitet. Meine kompletten Speichermedien habe ich mit Videos und Bilder voll gehauen…und keines davon kann natürlich das Erlebnis und die Landschaft so gut festhalten wie es tatsächlich war. Turbo!


Zur falschen Zeit am falschen Ort

Nach dem Abschied von den Jungs haben wir uns in der Stadt

Kashan nochmal ordentlich den Wanst vollgeschlagen und sind wieder an den Stadtrand um einen geeigneten Schlafplatz zu finden. An einer Kreuzung in Richtung Flughafen haben wir geparkt und uns langsam auf den Umbau vorbereitet. Keine 20 Minuten später klopfte es am Fenster… Zwei mit AK47 bewaffnete Soldaten und zwei ältere Herren in Zivil baten uns ohne viele Worte unsere Dokumente und Kameras einzupacken und ihnen zu Fuß zu folgen. Die Verwirrung war natürlich erst einmal groß. Als wir dann etwas um die Ecke gelaufen sind, wurde uns klar, dass wir einen großen Fehler gemacht haben. Wir hatten in unmittelbarer Nähe zu einem abgesicherten Militärgelände geparkt und lange gerastet. Das machte uns verdächtig. Zu unserer Verteidigung muss ich sagen, dass das Geländer von der Straße aus weder die üblichen „Fotografieren-Verboten-Schilder“ noch sonst irgendwelche Anzeichen von einem offiziellen Gebäude aufzeigte. So ein Mist. Wir drei wurden also schwer bewaffnet in ein Büro des Militärstützpunktes geführt. Alle Kameras wurden abgeklebt und zuerst unsere Dokumente (Reisepässe, Carnet de Passage für die Autos) geprüft. Dann wurden wir zum ersten Mal verhört und unsere Geschichte ist natürlich abenteuerlich. Ein Herr war der einzige der Englisch zu uns sprach. Er und die weiteren Anwesenden (teilweise waren wir von 5-6 Soldaten umringt) haben uns jedoch stets mit Respekt behandelt. Sie waren höflich und haben sich für die Umstände sogar entschuldigt. Wir versuchten ebenso Toleranz, Geduld und Verständnis zu zeigen. Die müssen halt auch nur ihren Job machen und wir hatten ja nichts zu befürchten…dachten wir...

Denn dann nahm das Ganze weitere Ausmaße an. Die erste Steigerung sozusagen. Ich sollte im Büro bleiben und den Herren zeigen wie sie auf den Handys und Kameras alle Bilder angucken können. ALLE BILDER! Ich habe auf meiner 64GB Speicherkarte so ca. 8.000 Bilder. Jedes einzelne wurde begutachtet! Von meinem Farewell-Festival über Griechenland, Türkei und schließlich Iran. Ben und Lennard sind mit einem Pulk Soldaten raus zu den Autos, welche komplett durchsucht wurden. Und sie wurden natürlich fündig. Weitere Kameras, Laptops, Speicherkarten, USB Speichersticks, Externe Akkus und sogar das Polaroid-Fotobuch von Ben wurden konfisziert und zurück zu mir ins Büro gebracht. Was aber allen Beteiligten die meisten Probleme bereitete war die Kameradrohne. Sie ist im Iran verboten und läuft unter Spionagewerkzeug. Zudem konnten die Ermittler bei der Durchsicht der Bilder weiter auf illegale Aktivitäten schließen. Ich werde dies hier nicht weiter Ausführen. Googelt mal was so alles hier verboten ist und wir haben das fast flächenweit abgedeckt. Ohne dass sie unsere Reisepässe aushändigten baten sie uns in den Autos zu warten. Ein bewaffneter Soldat wurde als Wache neben den Autos aufgestellt. Etwa 20 Minuten später klopfte es wieder. Dieses Mal wieder unser Bekannter mit zwei Soldaten und zwei Herren in Lederjacken. Ich alleine sollte ihnen ins Büro folgen. Es wurden wieder ein paar Fragen gestellt und mir freundlich mitgeteilt, dass all unsere Sachen (inkl. Reisepässe und Telefone) an den Geheimdienst übergeben werden. Es eskalierte also weiter. Lediglich eine Kopie unsere Dokumente und eine Adresse an die wir uns am nächsten Tag wenden sollten konnten wir herausschlagen. Bisher hatten wir Verständnis für all das was passiert ist…aber nun waren wir tatsächlich verärgert, besorgt und verunsichert. Mit Hilfe ein paar Passanten konnten wir den richtigen Weg finden, die deutsche Botschaft informieren und um die Ecke zum Polizeibüro schliefen wir in den Wagen um pünktlich morgens um 5 vor 8 (der Öffnung) auf der Matte zu stehen.

Erst einmal musste ein Übersetzer her. Hussein, ein lokaler Tourguide war sofort zur Stelle und hat uns einiges, worüber wir nicht im Bilde waren erklärt. Und es war ihm peinlich und man merkte wie Leid ihm die Ganze Sache tut. Aber nun: Eskalationsstufe 4! Die Region ist Nukleares Forschungsgelände und hier gilt höchste Sicherheitsstufe. Na so ein Glück aber auch! Danach wurden wir einzeln verhört. Selbst die Tagebücher mussten wir vorzeigen und vorlesen. Die beiden anderen von uns saßen derweil auf Campingstühlen auf dem Parkplatz, genossen die Morgensonne, Frühstück und versuchten mit schwarzem Humor die Sache erträglicher zu machen. Das Ergebnis war, dass wir unsere Sachen immer noch nicht zurückbekamen. Alles, inkl. Reisepass, soll gesichert in die Zentrale des Geheimdienstes zur Überprüfung und Speicherung transportiert werden. Wir dürfen die Stadt nicht verlassen und in drei Tagen, wenn alles okay ist, bekommen wir alles wieder zurück.

Nachdem die Autos nochmals vom Geheimdienst durchsucht wurden, ließen wir uns eine Liste mit allen beschlagnahmten Dingen erstellen und konnten mit großem Diskussionsaufwand noch ein Handy für uns zurück argumentieren. Doch die Pässe, die sie auch nach Iranischem Recht nicht einziehen dürfen, blieben in deren Gewahrsam. Mit dem Handy konnten wir endlich en Detail mit der Botschaft sprechen, die unseren Fall aufnahm aber auch erstmal um Geduld bat. Uns ging es ja eigentlich ganz gut. Wir waren relativ frei, hatten bisher alles richtig gemacht und hatten auch noch ausreichend Bargeld. Was dann aber passierte war der Hammer. Wir kannten jemanden, der jemanden kannte, der vielleicht helfen kann. Wir erklärten die Situation und parkten zum Mittagsschlaf die Autos unter einem Baum (nachdem wir einen Polizisten um Erlaubnis gefragt hatten). Wir hatten ja die Nacht über kaum Schlaf bekommen vor lauter Verhör und Kontrolle und Bilder gucken. Ich habe am längsten geschlafen und wurde mit der Info geweckt, dass wir mit Hussein, dem Übersetzer von jenem Morgen eine Runde Fußballspielen gehen. Ja, warum auch nicht! Ich habe mich vom Fußball fern gehalten und lieber mit einem Iraner etwas Basketball gespielt. Hussein hatte uns informiert, dass unser Material bereits wieder auf dem Weg zurück zu uns ist. Ein Anruf hat wohl den Kurier zur Umkehr bewegt und wir sollten unsere Dinge umgehend, ohne weitere Belästigung zurück erhalten. Und tatsächlich, ein paar Stunden danach stand der Chefermittler des Geheimdienstes höchstpersönlich an unseren Autos und händigte uns alles komplett und funktionsfähig wieder aus. Er entschuldigte sich höflich und hat uns sogar noch etwas Süßes mitgebracht.

Krass….einfach nur krass. Aber so konnten wir endlich, mit etwas Verzögerung und wertvollem Zeitverlust unseren Roadtrip fortsetzen. Ich blieb weiter mit Lennard on tour, während Ben, der mehr Zeitdruck hat da er an der Pakistanischen Grenze erwartet wird, eine eher direkte Route nimmt. So trennten wir uns nach einer Rundem volltanken voneinander. Doch wie der Zufall so wollte, laufen wir uns nochmal über den Weg.

Shoosh & Shoostar

Auf dem Weg zur Irakischen Grenze habe ich mich auch mal am Rechtslenker versucht. Lennard bringt das Auto nach Tansania zu einem Freund. Er hat es in England gekauft und soll im Linksverkehr Tansanias als Safari-Jeep dienen. Es ist schon gewöhnungsbedürftig, aber ich denke ich habe mich ganz gut geschlagen. Es hat auf jeden Fall mal wieder richtig Spaß gemacht Auto zu fahren und auch dem verrückten Iranischen Verkehr, konnte ich mich langsam anpassen.

Der Iran hat sehr viel zu bieten. Das Land der 4 Jahreszeiten hat eine sehr abwechslungsreiche Natur und natürlich enorme kulturelle Schätze zu bieten. Das ehemalige Perserreich erstreckte sich weit über die heutigen Landesgrenzen hinweg, die Hauptstädte und viele Monumentalbauten befinden sich heute jedoch noch innerhalb Irans. Dank meiner Iranischen Freunde setzen wir unsere Reise aber nicht wie viele in Esfahan fort, sondern fahren nahe zur Irakischen Grenze nach Shosh und Shooshtar. In Shoosh befindet sich die antike Stadt Susa, von welcher man annimmt, dass es die wohl am längsten durchgehend bewohnte Stadt der Welt ist. Natürlich hat die Stadt einige Imperien kommen und gehen sehen und der Mix, der sich auf dem ehemaligen Stadtgebiet (heute Archäologisches Areal) zusammenstellt ist wahrlich bizarr. Ein mittelalterliches Schloss steht neben den Ruinen eines römischen Palastes, welcher im Vorgarten von antiken persischen Wohn- & Nutzhäusern liegt. Es war okay, jedoch so ganz aus den Socken gehauen hat es uns nicht.

Denn eigentlich waren wir auf der Suche nach einem steinalten Tempel. Ein Lehmtempel in Pyramidenform. Den Namen hatten wir jedoch nicht notiert und so dauerte es ein wenig, bis die Einwohner uns zu Choga Zanbil führten. Und da steht er. Halb in Fels gehauen, halb aus sonnengetrockneten Lehmziegeln erweitert. Ein gigantomanischer Bau in einer wunderschönen Landschaft. Wir kamen genau zum Sonnenuntergang dort an und das künstlich erleuchtete Bauwerk, gepaart mit den Farben der untergehenden Sonne bot eine traumhafte Szenerie. Nachdem wir uns dann auch an Choga Zanbil sattgesehen hatten, fuhren wir noch die 30km in die Kleinstadt Shooshtar.

Hier suchten wir uns ein gemütlichen Schlafplatz inmitten von Feldern, nahe eines Flusses. Am Morgen grüßten uns die Bauern freundlich und schenkten uns „Nan“, das typisch flache Fladenbrot, dass sie hier überall essen. Den Vormittag verbrachten wir dann bei der Hauptattraktion der Stadt. Bereits im 3. Jahrhundert haben sich hier schlaue Perser die Wasserkraft zu Nutze gemacht und in einem Tal ein Kanalsystem erstellt, in welchem 46 verschiedene Mühlwerke oder weitere mechanische Einrichtungen ein hydraulisches Meisterwerk formen. Es ist sehr interessant die Funktion der Wasserläufe zu erforschen. Doch es ist nicht nur der Zweck, der diesen Ort interessant macht. Viele der Kanäle stürzen aus den Mühlen metertief zurück ins Flussbett. Dies lässt diese Anlage wie eine Stadt erscheinen, die mit Wasserfällen übersäht ist. Ein Bild wie Tolkien es nur in der Fiktion erschaffen hat.


Persepolis | Shiraz

Dann galt es wieder Kilometer zu fressen. Die Distanzen im Iran sind gigantisch. Es ist ein riesiges Land. So 1-2 mal täglich zog uns auch die Polizei raus. Mal waren wir zu schnell…mal waren sie nur interessiert und ein anderes Mal war es eine Personenkontrolle. Doch die Polizisten waren immer schnell auf unserer Seite. Sie waren begeistert von Touristen und vor allem natürlich vom Rechtslenker. So kam es auch schonmal vor, dass uns die Polizei ihr Vesper (Früchte) schenkte. Und Autobahnmaut mussten wir auch nicht immer bezahlen. Wir  wurden mit freundlichem Nicken einfach durchgewunken. Selbst auf den Autobahnen, von offizieller Seite, ist die Gastfreundlichkeit der Iraner außergewöhnlich.

Wir hatten uns mit Ben in Persepolis (Die Stadt der Perser) verabredet. Persepolis ist die wohl bekannteste historische Sehenswürdigkeit im Iran. Hauptsitz des Persergottkönigs Xerxes und Ataxerxes. Hier wurde übrigens auch die erste Niederschrift von allgemeingültigen Menschenrechten gefunden. Das Original liegt im Louvre in Paris. Frauenrechte, Arbeiterechte wurden von den Herrschenden erstmalig festgesetzt. Leider ging die durch die Eroberung der Araber verloren. In dem riesigen Areal stehen hier die restaurierten Überbleibsel von Palästen, rituellen Städten, Gräbern und Machtsymbolen. Sie liegt einen Katzensprung neben der Großstadt Shiraz, eine weitere ehemalige Hauptstadt des Reiches und mit Prachtbauten, vor allem natürlich religiöser Natur, übersäht.


Besonders beeindruckt hat mich ein weiteres Mausoleum eines der Brüder eines Emams, sowie das Grab des berühmten persischen Dichters Hafez. Beim Mausoleum mussten wir Nicht-Muslime noch auf einen Abgesandten des Ministerium für Auslandsangelegenheiten warten. Ein freundlicher Herr, der uns durch das heilige Areal führte. Nur in seiner Begleitung durften wir eintreten und Fotos schießen. Es war sogar kostenfrei für uns. Die Perser haben wirklich unglaublich viel Mühe, Zeit und Geld in die Errichtung ihrer Bauten gesteckt und sie sind per se sehr beeindruckend. Natürlich habe ich aber auch abseits davon sehr viel über die Geschichte des Perserreiches und des Iran erfahren.

Immer wieder werden auf der Straße angesprochen. Neugier, Interesse und Kontaktfreudigkeit sind großartige Eigenschaften der Iraner. Und das Geilste ist: sie meinen es ehrlich und sind noch nicht so touristen-verdorben wie die „Freunde“ in anderen Ländern, die dir am Ende nur etwas verkaufen wollen oder noch schlimmer, dich in richtig miese Touristenfallen locken. Nein, sie laden dich ernsthaft zum Mittagessen bei ihrer Familie ein, wollen echte Freundschaften knüpfen und fragen interessiert nach Land und Leute. Das kann natürlich nach einer gewissen Zeit auch anstrengend werden. Sie sind sehr bemüht darum ein gutes Bild ihres Landes zu vermitteln …und dies erfolgreich! Einmal, wir waren mal wieder im Gespräch mit einem Herrn und er hat uns ein paar Orte seiner Stadt empfohlen, kam ein halbstarker Jugendlicher und wollte ganz cool mit uns einschlagen und aufdringlich Fotos schießen. Er wurde sofort von dem Herrn gezüchtigt und belehrt, dass man so nicht mit Fremden umgeht und er schließlich Respekt zeigen sollte. Na gut, das ganze endete in einer waschechten Schlägerei zwischen den beiden (ca. 20 Männer gingen dazwischen), aber grundsätzlich hat er es ja gut gemeint. Vermutlich sogar beide.

Nach dem Sonnenuntergang erklommen wir noch einen Treppenpfad auf einen der umliegenden Hügel in Shiraz. Von hier hat man einen traumhaften Blick über die Stadt und wir haben bei der Schlafplatzsuche uns nicht mit weniger zufrieden gegeben. Gemeinsam mit Ben fuhren wir in eine Art Steinbruch am Rande der Stadt und konnten in den Lichtern der Stadt mit Ben noch etwas Fotos austauschen und den letzten gemeinsamen Abend genießen. Am nächsten Morgen besuchten wir noch eine großartige Attraktion der Stadt. Die „Pinke Moschee“. Zwischen 9 und 11 Uhr scheint die Morgensonne durch die farbenprächtigen Fenster in die Moschee und führt damit zu einem sehr schönen Lichterspiel. Leider mussten wir fast bis 11 Uhr noch draußen warten, da das Land einen Trauertag ausgerufen hat. Ein Oberhaupt der Kirche ist am Vortag an einem Herzinfarkt gestorben und so mussten wir die Zeremonie die zu seinen Ehren abgehalten wurde natürlich erst einmal abwarten.

Queshm

Lennard und ich machten uns dann auf den weiten Weg nach Süden. Die größte Insel Irans „Queshm“ ist unser Ziel. Die mit etwas Phantasie wie ein Delphin geformte Insel beherbergt wunderbare Natur und vor allen Dingen warme Temperaturen. Der Weg dorthin führt uns durch massenweise Öl- & Gasfelder. Eine Pumpstation jagt die nächste und Pipelines durchziehen das Land. Immer wieder erblickt man meterhohe Flammen wo „unverwertbare“ Gase verbrannt werden. Es ist traurig zu sehen wie viel Energie hier einfach so verblasen und die Atmosphäre verpestet wird. Davon abgesehen haben wir zauberhafte Berglandschaften, kleine Dörfer und riesige Ebenen passiert.

Queshm ist wie einige andere Grenzgebiete des Iran ebenso eine Freihandelszone. Nicht alle Produkte/Marken dürfen in den Iran eingeführt werden. Und wenn doch, dann sind lächerlich große Steuern darauf gesetzt. Ein Mercedes für 80.000 € kostet im Iran letztlich ~300.000€. Es gibt aber wie erwähnt diese Freihandelszonen, in denen vor allem reiche Iraner ihren Sitz pflegen. Um auf die Insel zu gelangen mussten wir vor der Fähre einige Papierarbeit erledigen. Fühlt sich fast an wie ein Grenzübertritt, aber auch hier waren die Offiziellen sehr freundlich und interessiert. Ich durfte sogar in ihrem Büro rauchen und wir bekamen Tee serviert. Auf der Fähre dann waren wir natürlich wieder das Highlight für die anderen Reisenden und eine Familie adoptierte uns für die Dauer der Überfahrt. Sehr schön.

Auf der Insel versorgte uns wieder Peyman und Mozhde mit

nützlichen GPS Koordinaten um die Highlights anfahren zu können. So fuhren wir noch des Nachts ins Chakhoo Valley. Ein

Naturpark inmitten der Insel. Und dieser Schlafplatz war phänomenal. Wir waren die einzigen weit und breit auf dem Parkplatz und es war fast Vollmond. So entschieden wir uns noch des Nachts eine Wanderung durch die Schluchten zu unternehmen. Ein wahnsinnig spannendes Erlebnis die Zauberwelt des Canyons im Mondlicht zu erleben. Und auch zurück am Auto mussten wir uns zwingen ins Bett zu gehen und die Augen von der einmaligen Kulisse abzuwenden. Dafür konnten wir sie früh am Morgen nochmals neu entdecken und als einzige Besucher durch den sandigen Canyon wandern.


Danach ging es zur Küste, wo wir uns ein Boot für eine Tour durch die Mangrovenwälder mieteten. Natürlich wurde wieder stark verhandelt und ein kleiner Junge nahm uns dann mit. Er wusste was er tat und er versuchte uns noch (gegen Aufpreise) Delphine zu zeigen. Und tatsächlich, wir sahen welche. Naja, nicht wirklich gut und klar, aber eine Delphin-Schule zog an uns vorbei. Die Mangroven hier werden übrigens hauptsächlich als Kamelfutter abgeerntet. Doch das Areal ist riesig und es ist ein ganz besonderes Ökosystem zu entdecken. Nachdem wir dann am Strand nahe der Naz-Inseln auch ein Bad im Persischen Golf genossen, sind wir zum zweiten großen Canyon der Insel gefahren. Das Baden hier, auch mit freiem Oberkörper, war hier wohl kein Problem. Ein paar Iranische Jungs haben sich auch nicht an die Regeln der Sittenpolizei gehalten.


Später besuchten wir noch das Star-Valley, einen Canyon ähnlich zu Kappadokien jedoch um einiges kleiner. Und leider auch die

Hauptattraktion der Insel, was bedeutet dass hier auch ein kleiner Eintritt verlangt wurde und haufenweise Iranische Touristen am Start waren. Lennard und ich haben uns dann etwas abseits in dem Schluchtensystem herumgetrieben. Und immer mal wieder wurden wir selbst zur Attraktion. In der kurzen Zeit konnte ich mich natürlich noch nicht daran gewöhnen, dass die Iraner es total abfeiern wenn sie einen Ausländer entdecken. Wir wurden regelmäßig ausgefragt und eingeladen. Selbst beim Ausparken kann es mal an der Autotüre klopfen und ein lächelndes Gesicht bittet dich, doch zum Abendessen mit ihm und seiner Familie in seinem Haus zu verbringen…Einfach so. Ohne vorher ein Wort gewechselt zu haben. Aus reiner Neugier und Gastfreundlichkeit. Ich liebe die Perser! Und die gespeicherten Handynummern brauchen nun auch eine gute Systematik um die vielen tollen Menschen, die man hier kennen lernt, ordentlich zuordnen zu können.

Eigentlich wollte ich in diesem Bericht schon etwas näher auf kulturelle Besonderheiten, meine persönlichen Fragestellungen und Lehren hier festhalten, aber wie du siehst ist so vieles geschehen, was ich erst einmal niederschreiben wollte. Und auch zum Thema Persische Küche und Sprache gäbe es einiges zu erzählen. Von Politik ganz zu schweigen… Der Artikel ist aber bereits so mit Abstand der längste, den ich bisher geschrieben habe! Ist ja auch klar, meine Reise hat im Vergleich zu vor ein paar Tagen nun quasi Lichtgeschwindigkeit erreicht.

 

Aber du wirst schon ganz bald von mir hören! Dann gibt es den nächsten Teil meines Iran Aufenthaltes.


Funfacts

- Witzigerweise hatten die Jungs noch von den Türkischen Bergen einen Po-Rutscher im Auto, mit welchem ich die Sanddünen heruntergleiten konnte. Ein Mordsspaß!

- In Kashan wurde uns mehrfach das gleiche Restaurant empfohlen. ANAR. Eher ein Mittelklasse Restaurant aber wohl die Adresse für

Touristen.

- Mojid, ein Student der uns half, als wir ohne Dokumente und Telefon in Kashan unterwegs waren, war supernett und hilfsbereit, aber auch beängstigend konservativ. Meine Liebslingszitate: „Ich wähle den Präsident der nichts anderes macht als das, was der Religionsführer will.“ & „Ich werde nächstes Jahr im Februar heiraten…ich freue mich schon auf die Frau die meine Mutter für mich auswählt!“

- Manchmal, wenn wir bezahlen, küssen die Empfänger die Geldscheine und halten sie an ihre Stirn…aus Zeichen der Dankbarkeit und

Respektes uns gegenüber. Irgendwie cool!


Danke auch an Ben & Lennard für ein paar der Bilder!