#19 | Ankawie, Ankawo, Ankawann | 177. Reisetag

Richtig erkannt. Der Titel dieses Artikels ist eine Anspielung auf das Lied des Satiremagazins „extra 3“ des deutschen Fernsehsenders NDR. Zum Anderen beschreibt der Titel ganz gut das Hin und Her, die Unwegbarkeiten und Unsicherheit die ich auf der Suche nach dem nächsten Visum hatte. Eine ganze Zeit habe ich wieder in der türkischen Hauptstadt verbracht. 24 Gute und lehrreiche Tage um genau zu sein. Ankara gilt nun bei weitem nicht als schön oder besonders attraktiv für Reisende, jedoch habe ich hier sehr viel Freunde gefunden und fast sogar etwas wie ein heimisches Gefühl entwickelt. Ich wusste wohin welcher Bus fährt, wo man gut und günstig speisen kann und hatte Freunde in der ganzen Stadt verteilt. Ein gutes Gefühl. Meine Zeit in Ankara habe ich bei zwei verschiedenen Couchsurfer-Gastgebern und in einem günstigen Hotel verbracht. Klar, natürlich wäre ich gerne weiter gereist und hätte gerne noch mehr von der Türkei gesehen, doch die Formalitäten der Visa-Beschaffung hatten mich an die Stadt gebunden.

Quelle: YouTube.com | extra 3 | NDR


Gemeinsam mit Deniz reiste ich von Kappadokien, nach einem Reifen-Platzer auf der Autobahn, zurück zu meiner Gastgeberin Nadire. Die beiden verstanden sich prächtig und wir genossen die Zeit zu dritt. Durch Deniz lernte ich noch Barbaros (TR) kennen. Barbaros hat bereits eine Dokumentation über die Geschichte Ankaras gedreht und bot sich natürlich als überaus fachkundiger und lustiger Stadtführer an. So besuchten wir unter anderem das Postmuseum Ankaras und ich erfuhr mehr Details über Ankara, die Republik und der gesamten Türkei. Nadire war wieder einmal eine hervorragende Gastgeberin und Deniz hat mir eine neue Handytasche aus Filz genäht. Mir geht es hier schon richtig gut. Auch wenn das Wetter noch kälter ist als in Deutschland und der Winter langsam kommt.


Als krönender Abschluss unserer gemeinsamen Zeit sind wir drei ins Ankara Palas zum Kaffee & Blues Festival gegangen. Das Gebäude an sich ist traumhaft. Es ist eines der ersten Hotels und Clubhäuser der Türkischen Republik und wurde 1928 fertiggestellt. Seitdem dient es als Kulturzentrum. Hunderte verschiedener Kaffeesorten, Mischungen und Röstungen gab es für uns zu probieren und am Abend spielte eine türkische Bluesband. Um ehrlich zu sein, von einem Bluesfestival hätte ich mehr erwartet, aber ich habe wie immer das Beste daraus gemacht und hatte meinen Spaß. Ein Stromausfall der Tontechnik hat dann das Ende des Abends dann doch schneller herbei gebracht als erwartet. Da Nadire Besuch aus der Familie erwartete und es sich natürlich überhaupt nicht gehört sich eine Wohnung mit dem anderen Geschlecht zu teilen, bin ich für ein paar wenige Nächte in ein günstiges Hotel gezogen.


Im Hotel genoss ich einmal wieder die Zeit für mich und arbeitete an den letzten Artikeln dieses Blogs. Auch organisierte ich eine neue Couch in Ankara. Und wieder ein enormer Glückstreffer. Dieses Mal zieht es mich in das „100 Jahr-Viertel“ etwas entfernt vom Stadtzentrum, am Campus der ODTÜ, der Technischen Universität des Mittleren Ostens. Drei türkische Biologie-Studentinnen boten mir Herberge für die kommenden zwei Wochen. Eine unglaubliche witzige und lehrreiche Zeit verbrachte ich mit Bilge, Damla, Elif und Tolga (Damlas Freund, der immer mal wieder vorbei schaute) in ihrer Studenten-WG im 10. Stock eines Mehrfamilienhauses.

Die vier sind mir sehr schnell ans Herz gewachsen und wir sind richtig gute Freunde geworden. Sie haben mich viel über Atatürk, türkische Traditionen, den Islam und die aktuelle Situation der Türkei gelehrt. Unzählige Geschichten ihrer Erfahrungen habe ich aufmerksam verfolgen können und mir so ein neues Bild über das Leben in dieser Kultur und diesem System bilden können. Aber auch genossen wir die gemeinsame Zeit in der Küche für Philosophien über Alltagssorgen, Gelächter über Sinnfreies oder verbrachten die Nächte bei Wein, Gesellschaftsspielen, Kaffeesatzlesen und Tarotkarten legen. Wie es der Zufall so wollte, fand bereits in der zweiten Nacht die Geburtstagsparty von Bilge geplant und ich lernte weitere Freunde kennen und wir feierten bis morgens. Insgesamt hat sich mein Biorhythmus eher auf Nacht eingestellt. Obwohl ich mich regelmäßig früh aus dem Bett quälen musste um mich um die Visa-Formalitäten zu kümmern.


Es war eine reine Odyssee die Visa für Indien und den Iran vorzubereiten. 16 Mal habe ich die verschiedenen Botschaften besucht und viele Botengänge unternehmen müssen. Das Schlimmste daran: Die Öffnungszeiten der Botschaften sind natürlich zu unmenschlichen Zeiten und so war ich morgens mit dem Berufsverkehr quer durch die Stadt unterwegs. Es fühlte sich fast wie Tagesroutine an, was ich eigentlich sogar etwas genießen konnte. Ihr kennt mich, ich versuche stets top vorbereitet zu sein. Doch immer wieder hat irgendwas gefehlt, mal war der Ansprechpartner überfordert, mal war es ein nationaler Feiertag, mal war das Konsulat aufgrund Terrorwarnungen nicht zu betreten, mal musste zwingend eine Agentur dazwischen geschaltet werden, mal hatte die Botschaft spontan die Öffnungszeiten geändert und als Sahnehäubchen war die Botschaft nicht mit ihrem eigenen, neuen elektronischen Visa-System vertraut.

Aber ich hatte Spaß daran und blieb gewohnt penetrant. Beim Indischen Visum musste ich aber leider erfolglos aufgeben. Nach mehrfachen Gesprächen und Formularen lehnten sie meinen Antrag ab. Ich sollte es aus dem Einreiseland (in meinem Fall wohl die Vereinigten Arabischen Emirate) versuchen. Meine unvorhersehbare Art der Reise macht einigen Mitarbeitern in den Botschaften wohl Kopfzerbrechen. Naja, halb so wild. Dann versuche ich es eben aus Dubai. Als der Kollege in der iranischen Botschaft aber meine Dokumente und Autorisierungs-Codes, die ich vom Iranischen Außenministerium in Teheran beantragt und zugesandt bekommen hatte, nicht akzeptieren wollte, blieb ich standhaft. Ich verlangte einen Termin bei einem Vorgesetzten und in der Tag bekam ich einen Termin beim Konsul. Ich legte ihm meinen Fall dar und machte ihn auf ein paar Dinge aufmerksam, äußerte also auch meine Kritik. Er versprach mir sich darum zu kümmern und so erhielt ich gestern tatsächlich meine Einreisegenehmigung. Was ein hin und her. Wieder etwas gelernt. Ich hoffe die künftigen Visa-Prozeduren verlaufen einfacher und vor allem schneller. Doch nun habe ich endlich die Chance das Land der Perser zu bereisen. Ich bin gespannt und gehe stark davon aus, dass sich der Stress gelohnt hat.

Doch ich konnte noch ein paar weitere Tage in Ankara genießen. Obwohl sich Ankara natürlich auch im Ausnahmezustand befindet. Regelmäßig werden Terrorwarnungen für gewisse Orte ausgesprochen. Die Angst vor Bomben, die hier in der Türkei scheinbar wahllos hochgehen, ist allgegenwärtig und lähmt viele Menschen. So war die Nachricht des Anschlages in Besiktas in Istanbul natürlich ein großes Thema in der Wohnung. Und eines der Opfer war auch hier bekannt. Eine ernsthafte Tragödie und die Eilmeldungen mit Bombenwarnungen für Ankara, die in den darauf folgenden Stunden und Tagen auf uns traf, brachte auch mir ein mulmiges Gefühl. Ich würde nicht behaupten dass ich Angst habe, ich bin ja nur zu Besuch hier und muss zum Glück nicht mit diesen Gefahren jeden Tag leben. Doch auch ich habe nun Freunde, die in Besiktas oder Kaiseri zuhause sind. Und es kommt noch dazu, dass viele der Anschläge vom aktuellen Regime als Mittel dazu genutzt werden, den Rechtsstaat weiter zu schmälern, die Demokratie zu umgehen um seine erzkonservativen und rechtsfeindlichen Ziele zu stärken. Teilweise werden diese Attentate auch den demokratisch, liberalen Protestierenden ohne jeglichen Beweis zugesprochen um die meist friedlichen Protestierende als Gewaltverbrecher darzustellen und das Volk gegen die diese aufzuhetzen. Grausam. So ist auch Ankara gesäumt mit schwer bewaffneten Polizisten die in Hundertschaften durch die Straßen patrouillieren. Was aber nicht abhalten konnte, dass hier um die Ecke der russische Botschafter angeblich von einem türkischen Polizisten in der Öffentlichkeit hingerichtet wurde. Wohin das alles wohl führen mag…ich hoffe nicht zu weit.

Doch wir ließen uns nicht von der Angst beherrschen. Wir versuchten ein einigermaßen Normales Leben zu führen. Und obwohl Bilge ein schlechtes Gefühl hatte so nah an das Stadtzentrum zu gehen, nahm sie mich eines Tages zu ihrem Deutschkurs mit. Ein großartiges Erlebnis für mich einem Kurs beizuwohnen, in dem junge Türken Deutsch lernen. Die Kursleiterin war überragend witzig und spricht wohl besser Deutsch als ich. Zumindest hat sie die Systematik voll drauf. Ich bin ja so froh, dass ich das bereits hinter mir habe und rein mein Gefühl mir sagt was richtiges Deutsch und was falsches Deutsch ist. Und selbst dies klappt nicht immer. Ich hatte auf jeden Fall enorm viel Spaß und ich bin beeindruckt, welchen Aufwand die Schüler auf sich nehmen um meine Sprache zu lernen. Natürlich verbrachten wir noch ein bisschen mehr Zeit nach dem Kurs bei Bier, Wein und Scotch.

Nachdem der erste Schnee auch Ankara erreichte, bekam ich leider eine starke Erkältung. Beschissen, aber es war wieder einmal perfektes Timing. Ich hatte großes Glück, dass mich die Damen, Bilge voran, ausgezeichnet um mich kümmerten. Wie eine Mutter hat sie mich gesund gepflegt, bizarre Hausmittelchen für mich gebraut und mich wieder aufgepäppelt. Wir verbrachten wundervolle Stunden gemeinsam in der Küche, die als zentraler Aufenthaltsort in der WG fungierte. Die drei Mädels hat in der Winterzeit der Strick-Wahn gepackt und Bilge hat mir eine Mütze gestrickt. Es ist unglaublich, wie gastfreundlich mich diese WG aufgenommen und umsorgt hat. Ich habe sogar einen Ehrenplatz auf Elsa, dem alleserfrierenden Kühlschrank, bekommen. Neben den Damen hat eines meiner Biometrischen Fotos seinen Platz gefunden. Mit ein paar kleinen Geschenken, die ich unterwegs auf meinen Botschaft-Touren besorgte, versuchte ich wenigstens symbolisch einen kleinen Teil zur Gemeinschaft beitragen.

Türkei - Mein Fazit

Ich habe mal wieder mehr Zeit in einem Land verbracht als erwartet. Knapp drei Monate durfte ich die Türkei von verschiedensten Blickwinkeln aus kennen lernen. Und gerade einmal die Hälfte habe ich geschafft. Den Osten des Landes gäbe es für mich noch zu entdecken. Und es ist nicht die Nähe zu Syrien, der Kurdische Konflikt oder die Ausgangssperre, die mich von einem Besuch abhalten. Nein, es ist schlichtweg meine seeeehr langsame Reisegeschwindigkeit. Ich muss das Land verlassen, da meine Aufenthaltserlaubnis erlischt. Ich habe also mein Privileg der deutschen Staatsangehörigkeit voll ausgenutzt. Aber ich bin es auch selbst. Ich fühle mich danach ein neues Land, mit neuer Sprache, neue Kulturen und für mich unleserlicher arabischer Schrift zu entdecken. Der Osten der Türkei wird irgendwann einmal reisetechnisch erobert.

Die Türkei ist ein Land mit sehr vielen schwerwiegenden, inakzeptablen und menschenrechts-gefährdenden Problemen. So wird zum Beispiel gerade tatsächlich diskutiert ob ein Vergewaltiger, wenn er sein Opfer heiratet, straffrei davon kommen sollte. Ernsthaft?!?! Ich hatte die Chance mit verschiedensten Menschen frei über die aktuellen Probleme zu diskutieren: Schüler, Studenten, Landbevölkerung, Geschäftsmenschen, Frauen, Männern, Gläubigen, Demokraten, Freiheitskämpfern, Lehrern, Konservativen, Minderheiten (Kurden, Türken griechischer Abstammung, Christen), Unterstützer und Gegner des aktuellen Regimes. Ich bin sehr froh diese Erfahrungen gemacht zu haben und das Land in seiner aktuellen Lage persönlich kennen gelernt zu haben. Abseits von Medien und anderen Institutionen. Was sehr traurig ist, dass fast alle die unzufrieden sind, die Hoffnung auf Veränderung / Verbesserung aufgegeben haben. Jede Person versucht im ganzen Trouble nur noch sein eigenes kleines Glück aufrecht zu erhalten. Und ich kann dies gut nachvollziehen. Nachvollziehen…nicht verstehen. Es muss zwingend etwas passieren, doch selbst freidenkende, aktivistische Gruppen sind aktuell dazu gezwungen die Geschehnisse kommentarlos zu beobachten. Ich selbst kenne die Lösung leider auch nicht… Trotz aller Fremdkritik, vor allem vor meiner Einreise, habe ich mich, entgegen der mitteleuropäischen Medien, stets sicher und wohl gefühlt in der Türkei.

Denn abgesehen von den politischen Problemen verknüpfe ich die Türkei mit durchweg positiven Emotionen. Die unbeschreibbaren Naturschätze, die dieses Land zu bieten hat, wird wohl nur durch die Menschen übertroffen, die hier leben. Egal ob sich die Türken für eine traditionelle oder moderne Lebensweise entschieden haben, der Großteil der Menschen die ich hier treffen durfte, lebt in gegenseitigen Respekt, Liebe und Toleranz. Zumindest mir Gegenüber wurde dies gezeigt und ich habe hier tolle Freunde gefunden. Großartige Ideen und schlaue Köpfe die ihre Historie und Traditionen ehren ohne sich dem Neuen zu verschließen. Das ist das Gefühl, dass ich aus der Türkei mitnehme. Mir bleibt nun nichts anderes übrig als meinen Freunden und all jene tollen Türken, die ich nicht kennen lernen konnte, alles Gute für die Zukunft zu wünschen. Auf dass ihr großartiges Land schnellstmöglich wieder zu Recht, Freiheit, Gleichheit und Liebe zurückkehrt. Das haben sie verdient!

Mit zwei Videos möchte ich der Türkei „Görüşürüz (Bis Bald)“ sagen. Beide hat mir Bilge gezeigt und ich kann die Aussagen beider Damen voll und ganz unterschreiben. Das Video von Alice Mustang, zeigt ein paar Eigenarten der Türken, die ich selbst teilweise täglich erleben durfte. Ich bin vor Lachen auf dem Boden gelegen, wie gut die von ihr dargelegten Verhaltensweisen zutreffen. Natürlich übertreibt sie ein bisschen, aber stimmen tut es dennoch. Ich liebe die Türken dafür.

Quelle: YouTube.com | Alice Mustang


Das Video von Katherine Branning betrachtet die Türkei durch ihr Nationalgetränk, den türkischen Tee. Und ohne Witz, ich habe grob gerechnet >50 Liter davon getrunken. Und dies stets in der von ihr beschriebenen gastfreundlichen Gesellschaft & Mentalität. Chapeau!

Quelle: YouTube | Katherine Branning | ycooky


„Turkish Tea“ von Katherine Branning

Frei übersetzt von: Marc Schillmöller

„Die Türkische Tradition des Teetrinkens ist etwas anders als die der Briten oder die Rituale der japanischen Teezeremonien. Sie ist weniger kompliziert und aufrichtiger. Wie die Türken selbst. Fülle das Glas, gebe 1-2 Würfel Zucker hinzu, je nach deinem Geschmack, nehme den Löffel, verrühre und mache viel Lärm mit dem Löffel. Halte das Glas am Rand, da es sehr heiß ist, nehme langsam kleine Schlückchen. Nicht nur weil er heiß ist, sondern auch weil du einige Gläser davon trinken musst. Es hält sich wie mit Kartoffelchips. Du kannst nicht nur einen haben! Es werden dir mindestens drei davon serviert. Das bedeutet also, dass du sehr viel Tee in der Türkei, über den ganzen Tag verteilt, trinken wirst. In meinen Augen ist dieses Glas Tee ein Symbol für die ganze Türkei.

 

Türkischer Tee ist rot wie ein Rubin.

Nicht schwarz oder grün, er ist rot! Rot wie der patriotische Geist, der durch die Adern jedes Türken fließt. Rot wie ihre Flagge, die sie mit großem Stolz schwingen. Rot wie die feine Wolle, die sie in ihren farbenprächtigen Teppichen verweben. Rot, wie die tanzenden Tulpen ihrer Frühjahrsfelder. Sogar die Form jener Tulpen ist in der Form des Teeglases verewigt.

 

Türkischer Tee ist heiß.

Heiß wie die Sonne, die auf Anatolien scheint und heiß wie die Begeisterung die die Türken für ihre Musik, ihre Gerichte, ihre Städte, ihre Sportmannschaften und vor allem für Ihre Familien zeigen. Er ist heiß wie die Freude am Leben in jedem Moment.

 

Türkischer Tee wird gebraut.

Es sind keine Teebeutel erlaubt! Eine Armee von Teekesseln, gefüllt mit den losen Teeblättern der türkischen Schwarzmeerküste, die zu jeder Zeit überall in der Türkei frisch gebraut wird, ist stets bereit serviert zu werden. In der Türkei sagt man nicht: „Frühstück ist fertig“. Es heißt: „der Tee ist durchgezogen“. Dieser Tee wird gebraut, genauso wie das Land. Getränkt durch das Reiche Erbe aus Kultur, Geschichte, Traditionen und regionalen Bräuchen von verschiedenen ethnischen Gruppen vermischt er sich zu einem starken Tee

nationaler Identität. Ein Türke zu sein, bedeutet ein frischgebrauter Bürger der Türkischen Republik zu sein.

 

Türkischer Tee ist klar.

Milch ist nicht erlaubt! Dieser Tee muss klar getrunken werden. Klar, wie das Gesicht eines Türken. Immer sofort zu deuten und klar und rein wie die Herzen die sie versuchen ihren Mitmenschen zu öffnen.

 

Türkischer Tee ist unerschöpflich.

Es gibt kein Ende beim Teetrinken. Er wird den ganzen Tag getrunken. Vom frühen Morgen bis zur Bettruhe. Grenzenlos wie die Schönheit der Natur dieses Landes von Bergen, Ebenen und Meer. Grenzenlos wie die Energie die von den hart arbeitenden Menschen dieser Nation ausgeht.

 

Türkischer Tee ist voller Musik.

Dies ist ein Land sehr talentierter Musiker mit ihrer vielfältigen musikalischen Tradition der selbst der der USA das Wasser reichen kann. […] Mit der großen Bandbreite von Stilistiken, von Volksmusik über Arabesker Musik, bis Pop. Ja, das Klingen des Löffels, der an den Rand des Glases stößt ist unvergleichlich. Und wenn du dir vorstellst, dass die Tausende, zur selben Zeit, überall im Land, in Häusern, in Läden, in Büros, auf Gehwegen, auf Fähren und Handwerksbetrieben miteinander erklingen, kann es wahrlich als eine Türkische

Nationalhymne betrachtet werden.

 

Türkischer Tee ist freundlich.

Türkischer Tee wird niemals alleine, aber immer in Gesellschaft getrunken. Er wird dir umgehend von einem Türken angeboten, der dich kennen lernen will. Er will dein Freund werden. Die Türken machen nie etwas alleine und halten es wie ihre Vorfahren, die Hirten, die ihre Herden über das Land führten und ihr Leben als Reflexion derjenigen sehen, die sie umgeben. Dies beginnt bereits mit der enormen Verbundenheit zu ihren Familien.

 

Türkischer Tee ist einfach und direkt.

Es ist ein demokratisches Getränk. Für jeden erreichbar. Demokratisch wie die Grundmauern der Regierung, welches die Türken in den vergangenen 87 Jahren aus den Fußspuren Atatürks so ehrenhaft errichtet haben. Er ist einfach und direkt zuzubereiten und auch zu trinken. So wie der unkomplizierte Weg, den die Türken zum Leben gewählt haben. Der Tee ist einfach, wird jedoch stets mit Liebe und Respekt serviert. Den zwei höchsten Werten Türkischen Lebensstils.

 

Türkischer Tee ist gemächlich und gelassen.

[…] er ist wie das Leben eines Türken. Es findet sich immer die Zeit, in ihren arbeitsreichen Tagen, eine Pause zu machen um bei einem Tee zu entspannen. Eine der ersten Türkischen Redensarten die du lernen wirst lautet: „problem degil“. „Kein Problem, Kein Schweiß“. Türkischer Tee ist ein Pionier der Slow-Food Bewegung. […]

 

Türkischer Tee ist friedlich.

Dieses Glas Tee wird bei jeder Gelegenheit angeboten. Wenn du einen Laden, ein Büro oder ein Zuhause betrittst ist er ein Zeichen des Friedens. Er zeigt die Ehre, die man jemand anderem zuspricht. Um es mit den Worten des Dichters Rumi aus dem 13. Jahrhundert zu sagen: „Komm, lass uns gegenseitig kennenlernen, in der Zeit die wir benötigen um diesen Tee gemeinsam zu trinken. Komm, lass uns in den stressigen Tagen die Zeit nehmen um etwas zu endschleunigen. Komm, lass uns ein Glas Tee teilen und vielleicht wird es uns beiden warm. Nicht nur wegen des Tees, sondern auch wegen einer neuen Freundschaft. Komm, lass uns unser beider Leben erwärmen.“

 

Und genau dies sind die Gründe, warum ich mein Buch „Ja, ich möchte liebend gerne ein weiteres Glas Tee haben“, genannt habe. […]

Ich selbst werde mich in ein paar Stunden auf den Weg in die Islamische Republik Iran machen. Ein Land, welches noch weit entfernt von der Sekularität ist. Ein Land in dem Alkohol unter Peitschenhieben verboten, das Tragen von Kopftüchern für Frauen obligatorisch und die Geschlechter in den Bussen strikt getrennt sind. Ich bin gespannt was mich dort erwarten wird. Als Reisender versuche ich natürlich stets tolerant zu sein. Und genau das ist Toleranz. Etwas zu akzeptieren was man nicht mag. Für mich ist es keine Toleranz etwas zu akzeptieren, mit dem man sowieso keine Probleme hat. Auf der 30stündigen Busfahrt nach Teheran kann ich mich moralisch darauf vorbereiten Ich werde wohl vieles erleben, was mir missfällt. Doch versuche ich möglichst Unvoreingenommen meinen Besuch zu starten. Ich bin Beobachter, kein Aktivist…

Ich werde euch natürlich informieren, wie ich den Iran erfahre und was für Erlebnisse dort auf mich warten. Ich würde mich freuen, wenn ihr dann wieder mit dabei seid!

 

Bis dahin wünsche ich euch eine zauberhafte Weihnachtszeit (fällt für mich dieses Jahr aus) und einen großartigen Start ins neue Jahr!

 

Prost meine Lieben! Euer Schilli


Funfacts

- Eines morgens, total selbstbewusst, bin ich in den Frisörladen und fragte: „I’m sorry, do you speak Turkish?“. Peinlich, aber das Eis war gebrochen. Sie sprachen kein Wort Englisch, aber ich habe mich dennoch auf das Abenteuer eingelassen. Es nahm ein gutes Ende.

- Bilge kümmerte sich so gut um mich, dass sie mich selbst beim Schreiben des Blogs mit türkischen Köstlichkeiten fütterte.

- Damla und Bilge, beide große Atatürk-Fans, lehrten mich viel über ihr Idol. Wir sahen eine Biografie über ihn und alle 4-5 Minuten stoppten sie um mir mehr Infos zu geben. Es war spannend, emotional und ich genoss es.

- Ich bin so stolz. In einem der Dolmus (Minibusse) fungierte ich als Finanzmann. Alle gaben mir ihr Geld und ich bezahlte ihre Tickets. Zum Glück habe ich die türkischen Zahlen schon ganz gut im Griff.

- Ein krasses Gefühl wenn ~50 schwer bewaffnete und voll ausgerüstete Polizisten an dir vorberennen. Der Klang der Stiefel, das Klirren der Maschinengewehre die an die Schilde schlagen…beängstigend

- Dafür gab es aber auch ein wundervolles Gefühl, als ich Tara, die ich bereits in Olympos kennen lernte, auf ein Essen in Ankara wieder traf. Es ist toll bekannte Menschen auf der Reise wieder zu sehen.

- Leben wie normale Menschen. Ein Besuch im Kino, kann auch zum Abenteuer werden. Die haben Raucherpausen! Ich bin noch unschlüssig, was ich davon halten soll.

- Und nochmals an alle zum Thema: „Reise nicht in diese Länder, es ist zu gefährlich.“ Es spielt leider keine Rolle mehr ob ich im mittleren Osten unterwegs bin oder über den Weihnachtsmarkt in Berlin schlendere. (Natürlich KEIN "FUN"fact)

- Für meine Planungen in den Iran hatte ich großartige Unterstützung. Meine 3 bezaubernde Assistentinnen haben mich tatkräftig unterstützt.


Danke auch an Deniz und Bilge für ein paar der Bilder!


Kommentar schreiben

Kommentare: 0