#6 | There and back again | 33. Reisetag

Dann war es also soweit. Zusammen mit Rachel und Misha (beide aus NZL) habe ich das Youth Hostel Plakias verlassen. 11 Tage gemeinsame Abenteuer und einige Kilos Raki und Wein haben ihre Spuren hinterlassen. Ja, die Menschen auf Kreta bestellen Wein und Raki kiloweise, nicht in Liter. Das finde ich ziemlich lustig. Vor unserer Abreise hat uns der Hotelmanager Uli nochmals gebeten, unseren Song, die inoffizielle Hymne des Hostels, zu performen. Er wollte gerne eine Aufnahme davon machen. Und was Uli dann aufgefahren hat, war der Hammer. Neben der Saison in Plakias arbeitet er nämlich in der deutschen Filmindustrie als erster Kameraassistent bei internationalen und nationalen Großproduktionen. So verwunderte es uns nicht, dass Uli zwei professionelle Kameras und sogar ein professionelles Aufnahmegerät für Ton an den Start brachte. So wurde aus der kleinen Aufnahme, ein richtiges Shooting. Leider kann ich euch das Ergebnis noch nicht präsentieren. Uli wird ein semiprofessionellen Clip daraus schneiden und braucht dafür seine Zeit. Er hat sich schon voll und ganz auf das griechische Zeitgefühl eingestellt. Sobald ich aber etwas höre, werde ich den Clip natürlich hier veröffentlichen.

Santorini

Als nächstes Ziel stand Santorini, die Vulkaninseln der Ägäis und das wohl begehrteste Reiseziel Griechenlands (neben Athen), auf dem Plan. Es war einmal wieder perfektes Timing. Misha wollte vor ihrer Heimreise auch noch ein paar Tage auf Santorini verbringen und so reisten wir, nachdem wir Rachel in Rethymnon verabschiedet hatten, gemeinsam weiter. Mit einer Fähre, die ca. 6 Stunden von Kreta nach Santorini benötigte, fuhren wir über Nacht der teuren Insel entgegen. Auf der Fähre machten wir uns ein kleines Bettchen in einem der Treppenhäuser. Viele Reisende legten sich hier nieder und versuchten etwas zu schlafen. Leider hatte die Fähre „etwas“ Verspätung. Was bedeutet, dass wir nicht um Mitternacht, sondern erst um 4:30 Uhr morgens den Hafen erreichten. Na super, die teure Nacht im Hostel hätte ich mir sparen können. Es ist unglaublich, wie teuer selbst die Hostels sind. Eine Nacht im Mehrbettzimmer beginnt bei ca. 37 € die Nacht (High-Season). Ich hatte jedoch Glück und konnte ein kleines Hotel mit Mehrbettzimmer ergattern. Hier wurden mir nur 25 € die Nacht berechnet. Gott sei Dank hatte ich das Zimmer schon auf gut Glück ein paar Wochen früher gebucht. Misha hatte sich in der gleichen Stadt, Perissa, ein anderes Hostel gebucht. Relativ schnell konnte ich bei meinen neuen Mitbewohnern einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Einzug um 5 Uhr früh und dann springt auch noch die Hotelkatze ins Zimmer. Vicky, die herzensgute Besitzerin und ich mussten dann auch noch, während alle schliefen, auf Katzenjagd gehen. Als aber auch dies geschafft war, schlief ich erst einmal…und zwar lange. Die Zeit in Plakias hat mich wirklich viel Kraft gekostet, aber es war perfekt!

Mit Misha habe ich einige wundervolle Stunden auf Santorini verbracht. So besuchten wir gemeinsam das „Highlight“ der Insel. Einen Sonnenuntergang in der antiken Stadt Oia. Fast grausam wie viele Menschen, wohl alle Touristen der Insel, zeitgleich die kleine Stadt besuchen. Es war teilweise kein Durchkommen und es erinnerte mich an die Menschenmassen und das Gedränge auf Rockfestivals. Schön war es auf jeden Fall, doch wir haben uns schnell auf die Schattenseite der Stadt verzogen um in Ruhe die Schönheit des Ortes zu genießen. Erst als die großen Massen weg waren, sind wir an die Hot Spots der Stadt gegangen um in der Abenddämmerung die Lichter der Stadt zu bestaunen. Ob ich es empfehlen kann? Ja, definitiv. Es ist märchenhaft und einzigartig. Die Menschenmassen sind nicht umsonst dort. Wenn man den richtigen Riecher hat, kann man auch etwas  abseits seine Ruhe finden

Vulkantour

Nach einem Tag Bettruhe, ich war immer noch nicht ganz fit, habe ich mir eine weitere Touristenattraktion gegönnt. Eine Bootstour über die Inseln und Krater von Santorini. Es ist eine kleine Inselgruppe und zu 90% auf Tourismus ausgerichtet, so konnte ich dem klassischen Tourismus leider nur schwer entkommen. Aber das ist auch okay. Mal bin ich Reisender…mal Tourist. Nach einem Frühstück und einem doppelten griechischen Kaffe, was überraschenderweise in der Übernachtung inkludiert war, ging es also per Bus die engen Serpentinen die steilen Klippen hinab an den neuen Hafen. Ein schönes, auf alt getrimmtes Holzschiff war meine Basis für diesen Tag. Erster Stop war die zentral gelegene Vulkaninsel. Naja, also eigentlich sind alle Inseln von Santorini Teil eines gigantischen Kraters, aber hier auf dieser Insel befinden sich die neuesten 5 Krater des Vulkans, welcher natürlich noch aktiv ist. Der Ausbruch des Vulkans Columbo (oder so ähnlich, heute Santorini) vor ca. 3.600 Jahren war der größte bzw. schädlichste Ausbruch der Menschheitsgeschichte. Er löschte die Minoische Zivilisation vollkommen aus und zerstörte Hunderte von antiken Städten im gesamten Mittelmeerraum. Die Asche des Ausbruchs hat es sogar bis in die heutige USA geschafft. Die Insel, welche die heute noch aktiven Krater beherbergt entstand durch den letzten großen Ausbruch vor 430 Jahren. Also noch sehr jung. Der letzte Ausbruch des Vulkans ist noch jünger. Im Jahr 1950 zerstörte der Ausbruch und seine Folgen (Erdbeben, Tsunami) fast alle Gebäude der Insel. Lediglich die in den Felsen gebauten Häuser von Oia und Fira (Hauptstadt) haben es überstanden. Heute wird der Vulkan natürlich stetig überwacht und die Experten behaupten, sie könnten einen Ausbruch ca. 1 Jahr im Voraus vorhersagen. Die kleinen Mikrobeben, welche ca. alle 15 Tage die Inselgruppe erschüttert sind kaum spürbar.

Die Wanderung über dieses junge Gestein, quer durch die Vulkanwüste, war sehr beeindruckend und wie du lesen konntest, hat auch die informative Führung einen bleibenden Eindruck bei mir hinterlassen. Danach ging es zu den heißen Quellen am Rand der Kraterinsel. Schön, aber irgendwie hatte ich mehr erwartet. Schön schlammig und gute 26°C warm, war es eher ein Thermalbad. Witzig war ein Afro-Amerikaner, welcher, als wir uns alle mit dem Schlamm einrieben (ob es reinigt oder gut ist stand außer Frage), quängelte und verwundert feststellte, dass es bei ihm nicht funktioniert. Danach ging es auf die zweitgrößte Insel von Santorini. Hier habe ich mein Mittagessen weggevespert und war schwimmen. Sehr idyllisch und etwas ruhiger als die Hauptinsel Thira. Wir passierten die beeindruckenden Klippen von Thira und nach der ca. zwölfstündigen Tour war der Tag für mich auch gegessen…glaubte ich.

Ein Wiedersehen

Meine Freundin Rachel, die ihre Freundin Rebecca (NZL) auf der griechischen Insel Kos abholte schrieb mir nämlich, dass die beiden auf dem Weg nach Santorini sind. Und in der Tat kamen die beiden so kurz nach Mitternacht, ihre Fähre war natürlich pünktlich, an meinem Hotel an. Keiner von uns hätte gedacht, dass wir uns so schnell wieder sehen und wir haben uns natürlich auch entsprechend abgefeiert. Rebecca hatte einiges zu erzählen, da sie eigentlich die Türkei bereiste, doch aufgrund des Putchversuches eine außerplanmäßige Ausreise mit Hindernissen erleben durfte. Wir saßen gemeinsam mit der Hotelbesitzerin Vicky noch eine gute Zeit lange draußen am Gemeinschaftstisch. Vicky und ihre Familie sind übrigens großartig. Die Athener Familie betreibt in der Saison das kleine Hotel, welches auch 2 Katzen und 3 Hunde beherbergt. Hier ist also richtig was los. Ich liebte es mit Vicky zu scherzen und war sehr beeindruckt, dass sie alle Namen der Gäste ohne Probleme wiedergeben konnte und sich einen Spaß daraus machte die Gäste untereinander bekannt zu machen.

Am nächsten Tag entschlossen die Damen aus Neuseeland und ich eine Wanderung durch die Vulkanwüste der Insel Thira zu machen. Und dies zur heißesten Zeit des Tages. Es war richtig anstrengend. Nicht die Wanderung, sondern die Hitze. Kein Schatten, kein Wasser unterwegs, jedoch einzigartige Felsformationen und grandiose Wege durch die Klippen und Hügel der Insel waren Herausforderung und Belohnung zugleich. Leider war an jenem Abend kein bezahlbares Bett mehr auf Santorini zu finden. So entschlossen wir drei uns einfach einen Strand auszusuchen um dort zu nächtigen. Vicky, die Hotelbesitzerin, statte uns noch mit Decken und Glückwünschen aus und wir machten uns an den schwarzen Strand von Perissa. Zuerst mit einem noch etwas mulmigen Gefühl, da in Sichtweite die Clubs und Tavernen einen Volltrunkenen nach dem Anderen produzierten, doch je später die Nacht wurde, umso schöner, ruhiger und romantischer wurde es. Aufgrund der starken Winde haben wir uns einen Burgwall aus Sonnenliegen gebaut und konnten ungestört die Nacht verbringen. Als Belohnung dafür gab es einen wundervollen Sonnenaufgang sowie ein erfrischendes Meerbad im Morgengrauen.

Diese Nacht war es auch, in welcher wir uns entschieden haben, wieder den Weg nach Kreta zu gehen. Wieder zurück nach Plakias. Der Ort, an dem wir uns so wohl gefühlt haben. Ich war eine ganze Zeit lang hin und her gerissen. Mein Kopf wollte weiter ziehen, neues entdecken und räumlich einen Fortschritt machen. Doch warum eigentlich? Warum sollte ich die Reise, die Zeit die ich mir genommen habe um mich wohl zu fühlen an Fortschritt und Raum festmachen. So nahm ich mir den Druck und mache das, was mir augenscheinlich gerade am besten tut. Ein schlauer Spruch sagt: Es hat keine Bedeutung wohin du reist, entscheidend ist das du reist und die Menschen, die dich umgeben. Und da ich mit Rachel, Rebecca und den anderen Hostelgästen in Plakias gerade überglücklich bin, entschied ich mich/ wir uns, einfach zurück zu kehren.

Offroad-Tour

So galt es am letzten Tag auf Santorini die Zeit bis 4:00 Uhr morgens, der Zeitpunkt an dem die Fähre in Richtung Kreta ablegt, noch sinnvoll zu nutzen. Ich sage einmal so viel: Wir haben in nur einem Tag, die komplette Hauptinsel Thira erkundet. Und zwar mit Hilfe von ATV/Quads. Ein unglaublicher Spaß. Zu Beginn noch etwas vorsichtig, ging es los. So gut wie jedes Dorf auf der Insel haben wir besucht. Einzigartige Orte wie den roten Strand, den alten Leuchtturm und die Ruinen des antiken Thiras auf dem höchsten Punkt der Insel, haben wir besucht. Mit der Zeit wurden unsere Fahrkompetenzen immer besser und wir immer mutiger. So rasten wir mit unseren 100ccm Maschinen querfeldein über Sandpisten und Vulkangestein. Richtig witzig. An der Ostküste der Insel verfolgten wir mit Begeisterung den Künsten der Kite-Surfer. Wahnsinnig beeindruckend, dieser Sport. Einer der Kite-Surfer hat Sprünge mit geschätzt 15-20m Höhe und 100m Distanz vollbracht. Eine individuelle Entdeckungstour der Insel mit ATVs kann ich nur empfehlen. Gerade wenn einfach auf gut Glück links oder rechts abbiegt, ohne Plan und Ziel, entdeckt man wundervolle Gegenden, die teilweise ganz frei von Touristen ist. Alte bewohnte Dörfer, die von Authentizität strotzen, spannende Pisten und Straßen in den Klippen oder über die Berge Santorinis. Und wenn man Glück hat, kann man sich mit den Einheimischen unterhalten. Immerhin leben 3.000 Griechen auf Santorini. Im Vergleich zu den > 2.000.000 Touristen im Jahr eine überschaubare Menge.

All das wäre aber so nicht möglich gewesen, wenn nicht Vicky, die Hotelbesitzerin, ihr Hotel als unser Basislager für 2 Tage zurVerfügung gestellt hätte. Obwohl wir längst ausgecheckt hatten haben wir uns jederzeit sehr willkommen gefühlt und Vicky hat uns stets mit frischem Kaffee und Schinken-Käse Toast versorgt. So ging also auch unsere Zeit auf Santorini dem Ende zu. Die Zeit bis unsere Fähre abfuhr genossen wir mit hitzigen Diskussionen,viel Gelächter und Sterne gucken, sie flog nur so dahin. Auf der Fähre galt es dann wieder einen geeigneten Schlafplatz zu finden bzw. zu erobern und der folgende Tag war mit Bustranfers bis Plakias, an der Südküste Kretas, gut gefüllt.

 

Und hier sitze ich also wieder. An demselben Platz, an dem ich schon den letzten Bericht geschrieben habe… es geht mir gut. Naja, abgesehen von einem kleinen Kater der letzten Nacht. Da das Hostel gerade überbucht ist, hat uns Uli einen gemütlichen Platz auf der Terrasse eines der Bungalows bereitet. Viel zu viele Optionen für Touren, Besichtigungen und Kultur liegen nun vor mir. Ich habe hier noch viel zu entdecken und freue mich sehr auf die nächsten Tage.

 

Ich halte euch auf dem Laufenden.

Peace und Pizza, Schilli


FunFacts

- Ein Mittagsschläfchen im Park. Als ich aufwachte, lag ein streunender Hund direkt an mich gekuschelt. Er war mindestens so überrascht wie ich. Wir wurden kurzzeitig Freunde.

- Ich dachte eigentlich wäre es eine typisch deutsche Tugend, alles was passiert schlecht zu reden. Doch die russische Mitbewohnerin

hat dies perfektioniert. Arme Frau.

- Eventuell habe ich die Chance für einen Monat auf dem südlichsten Punkt Europas, der Insel Gavdos in einer kleinen Hotelanlage mit

Bauernhof für Kost und Logis zu arbeiten. Mal sehen.

- Nach einem Monat lebe ich immer noch über meinem Budget. Im Schnitt 125% meiner Planung.

- Crazy Salad. Eine Spezialität der Region: Wassermelone, Feta, Salami und Nüsse. Gar nicht mal so schlecht.

- lch habe doch tatsächlich einen Monat gebraucht um zu realisieren: Wenn der Grieche/ die Griechin den Kopf schüttelt und „Nee“ sagt, bedeutet dies Ja!

- Mit dem vollen Linienbus erst einmal zum Tanken fahren. Habe ich so auch noch nicht erlebt. 380 € hat Mr. Busfahrer bezahlt.

- Ich bin beim planschen auf einen Seeigel getreten. Mistviecher! Trage nun die Widerhaken für ne Weile in mir herum...NERV!


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