#5 | Die drei Lügen von Plakias | 23. Reisetag

No Plan

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No Plan - Plakias Youth Hostel Song
Songtext & Chords. Written by Rachel, Jette and Schilli in Plakias on july 20th 2016
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Wir haben einen Song geschrieben! Wir, das sind Rachel (Neuseeland), Jette (New York) und ich. Dieser Song erzählt von einem magischen Ort, meiner Wahlheimat der letzten 10 Tage, dem Youth Hostel in Plakias. Was sich seit meiner Ankunft hier entwickelt hat ist faszinierend. Eine solche Gemeinschaft habe ich auf meinen Reisen noch nie gespürt. Von 8 bis 60+ Jahren teilen wir uns nicht nur die Bungalows, sondern vor allem unsere gemeinsame Zeit, Erlebnisse, Gedanken und Emotionen. Es hat etwas von einer Kommune, einer Traumwelt, in welche manch Gast bereits regelmäßig seit 15 Jahren entflieht bzw. seine Akkus auflädt.

Ich kann leider nicht behaupten, dass meine Akkus aufgeladen sind. Was aber eine gute Sache ist. Ich war sehr aktiv, habe bei kaum einer Gelegenheit „Nein“ gesagt und war fast jeden Tag unterwegs und eindeutig jede Nacht am Feiern. So sitze ich auch heute, noch mit etwas Raki im Kopf, auf der Terasse des Hotels und versuche mich nicht von meinen Freunden hier ablenken zu lassen. So lange meine Wäsche in der Waschmaschine läuft, habe ich Zeit zu Schreiben, das ist der Deal.

Ich hatte das große Glück bereits im Bus Richtung Plakias Marc (Frankreich), Rachel (s.o.) und Simone (Italien) kennen zu lernen, mit welchen ich so gut wie jeden Tag gemeinsam philosophieren, debattieren, touren, lachen, musizieren und feiern konnte. Als dann noch die Schriftstellerin Daniela (Italien) und Jette (s.o.) dazu kam, war das Kernteam perfekt. Doch auch jeder andere Reisende hier im Hostel ist eine Erwähnung wert. Von Energieheilern, Jongleuren, Anwälten, Schülern, Langzeitreisenden, Lehrern….es war eine sehr homogene Gruppe. Am liebsten würde ich einen Artikel für jeden Menschen hier schreiben, doch das möchte ich euch ersparen. Tolle Menschen aus aller Welt habe ich hier auf jeden Fall getroffen, ich glaube der Punkt ist klar. Und ich weiß jetzt schon, dass mir der Abschied morgen sehr schwer fallen wird und ich diese Traumwelt vermissen werde. Zumindest hat das Kernteam beschlossen gemeinsam abzureisen um sich dann Stück für Stück zu trennen. Das macht es vielleicht einfacher.

 

Es sind Unmengen, einzigartiger Erlebnisse, die ich in meiner Zeit an der Südküste erlebt habe. Tolle Ausflüge, Wanderungen, diverse Flusswanderungen, Bootstouren, Partys, Strände, Spiele und witzige Situationen, die ich leider nicht alle niederschreiben kann bzw. will. Natürlich picke euch/mir jedoch die Highlights raus.

Flusswanderung/-en

Unweit vom Hostel gibt es einen kleinen Fluss/Bach, der aus den Bergen kommt und kurz vor Plakias eine zauberhafte Schlucht in den Stein geformt hat. Ein Must-Do, laut Uli, dem deutschen Hostel-Manager. So machten wir uns bereits am ersten Tag auf in das Abenteuer. Durch einen Olivenhain und einem relativ flachen

Flussbett, ging es flussaufwärts in die Schlucht. Wir passierten die Ruinen einer alter Mühle und den Steinhäusern der ehemaligen Bewohner. Eine traumhafte Kulisse. Immer dichter zeigte sich die Pflanzenwelt um die Flussufer. Was sehr gut war, denn bei 36°C war der Schatten eine pure Wohltat. Das kristallklare kühle Nass an den Beinen machte die Wanderung sogar richtig angenehm. Schöne Felsformationen formten kleine Wasserfälle und Bassins, in denen wir kurz Rast machten und ein Bad nahmen. Teilweise war richtig Kletterei angesagt.

Natürlich klappte das ohne Probleme, doch bereits nach wenigen Metern im Fluss habe mir meine Badehose komplett zerrissen. Spätestens damit, war das Eis zwischen allen gebrochen. Gern geschehen, es war offensichtlich, dass dies mir passieren musste. Am letzten, natürlich Pool angekommen, fanden wir sogar ein am Baum befestigtes Seil, mit welchem wir uns ins Wasser schwingen konnten. Gefährlich, aber unendlich lustig. Auf dem Weg zurück haben wir Wildkräuter für die Hostelküche gesammelt. Alles voller Oregano, Rosmarin und Salbei. In einer Taverne, mit einer Panoramaterasse und einem Ausblick, der wahrlich glücklich macht, trafen wir uns mit einer anderen Gruppe und hier habe ich richtig lecker gegessen. Es wird hier ja alles geteilt. So zögerte ich nicht, mich auch wieder einmal an Schnecken zu probieren. Und es bleibt dabei: Ich mag ALLES außer Oliven! Die Schnecken waren richtig lecker. Die Flusswanderung hat mir so sehr gefallen, dass ich sie 3 Tage später, mit einer anderen Gruppe gleich noch einmal machte.

One Rock Beach

In der näheren Umgebung der Küstenstadt Plakias befinden sich diverse Strände. Teilweise gut ausgestattet und touristisch, teilweise abgelegen und einsam. Der „geheime“ Hostelstrand befindet sich ca. 45 Gehminuten vom Hostel entfernt. Das Hostel hat ihn „One Rock Beach“ getauft, da sich in der schmalen Bucht ein großer Fels genau mittig befindet. Um den Strand zu erreichen, gilt es ein paar Meter senkrecht abzuklettern. Herausfordernd, jedoch ein wahrer Segen, da man hier seine Ruhe hat. Der Süden Kretas bleibt vom Massentourismus zwar nicht verschont, jedoch ist hier deutlich weniger los. Es ist richtig angenehm hier was das betrifft. Auch das Preisniveau hier unten ist deutlich niedriger. Doch nicht nur die Ruhe macht den One Rock Beach zu etwas besonderem. Hier hatten wir auch die Möglichkeit uns im Klippenspringen zu beweisen. Etwa 7m sind es, die es über – leider schmerzhaft spitze – Felsen, zu erklimmen gibt, wenn man den Sprung wagen möchte. Gefühlte 2 Stunden verbrachte ich an der Absprungkante…ich war der Erste und Einzige an dem Tag, der von unserer Gruppe den Aufstieg gewagt hatte…ich war brutal aufgeregt und nervös…doch ich tat es! Und es war richtig geil! Dreimal kamen wir wieder an den One Rock Beach und jedes Mal war ein Sprung vom Felsen obligatorisch. Auch wenn die Wellen es an einem Tag leider nicht ermöglichten an den One Rock Beach zu gehen. An vielen Tagen war es fast unmöglich im Meer zu schwimmen. Brutale Wellen und heftiger Wind machten teilweise die Strandbesuche zu einem schmerzhaften Ereignis. Doch im Zweifel hieß es, einen der großen Hotelpools in der Nachbarschaft zu besuchen. „Erschleichen von Leistungen“ ist glaube ich der offizielle deutsche Begriff dafür.

Erster Versuch

...Routine


Das Kloster und der Palmenstrand in Prevelli

Kultur und Geschichte darf aber natürlich auch nicht zu kurz kommen. So besuchten wir ein altes Kloster, welches sich seit hunderten von Jahren in der wunderschönen Bucht von Prevelli befindet. Immer noch aktiv von orthodoxen Mönchen bewirtschaftet ist sie für Besucher für einen kleinen Obulus zu besichtigen. Nachdem sich die Damen mit Tüchern bedeckten, verbrachten wir interessante Stunden im Kloster und erfuhren einiges über dessen Bedeutung imWeltkrieg und während der Kolonialzeit. Das integrierte Museum zeigte beeindruckende Dokumente, Gemälde und heilige Gegenstände. Unweit des Klosters besichtigten wir ein Kriegsdenkmal und ein Monument der Freundschaft zwischen Griechenland und dem Britischen Commonwealth.

Weiter ging unsere Wanderung an einen der schönsten Orte der Südküste. Dem Palmenstrand von Prevelli. Ca. 1,5 Stunden Wanderung in brutaler Hitze und unberechenbaren Winden führte uns zu ihm. Natürlich gut gefüllt mit Touristen haben wir schnell beschlossen den Strand zu verlassen und uns in den Palmenwald zu begeben. Märchenhafte Szenerien von Palmen und Felsformationen. Diese Schlucht bietet unglaublich viel Abwechslung. Wir entschieden den Fluss etwas aufwärts zu gehen und erreichten Bassins voll glasklarem Wasser und einer beeindruckend Fauna. Es soll hier auch Schildkröten geben, jedoch war der Besuch eines Adlers und ein paar Fischen der einzige Kontakt mit der kretanischen Tierwelt. Mit dem Boot ging es dann zurück nach Plakias wo wir, wieder einmal, nach einem grandiosen Mahl bis in die frühen Morgenstunden in der Taverne saßen und unsere Gemeinschaft abfeierten.

Ich hatte also einzigartig schöne Tage hier in Plakias. Es war toll, Zeit mit so wundervollen Menschen teilen zu dürfen. Jedoch ist es nun auch Zeit zu gehen. Und zwar tatsächlich. Eigentlich wollte ich bereits am Mittwoch abreisen, doch es gehört hier zum guten Ton zu verlängern. „I will leave tomorrow“ eine der drei Lügen von Plakias trifft also auch auf mich zu. Ob es die anderen beiden tun, lasse ich hier einmal offen. Sie lauten: „I will not drink alcohol today“ und „I love you“… Was mir hier etwas fehlt ist der Kontakt zu den Einheimischen. Es ist schön viele Reisende zu treffen, doch ist für mich der Kontakt zu Einheimischen ein Hauptmerkmal des Reisens. Mein Freund Yannis (Griechisches Festland) ist der einzige Grieche hier im Hostel. Von seinen Geschichten konnte ich einiges über die Griechen und Ihre Eigenarten lernen. Doch nun ist es an der Zeit die Scheinwelt der Hostel-Kommune zu verlassen und einen nächsten Schritt zu gehen.

 

Wie es weiter geht…wir werden sehen. Gruß und Kuss, Schilli


FunFacts

- Eine Tradition Kretas: Väter schenken ihren Söhnen Handfeuerwaffen wenn sie 18 werden….beruhigend…

- Natürlich habe ich meinen Geldbeutel verloren. Für ganze 18 Stunden. Ein Hostelgast hat ihn gefunden. Eine Runde Raki für alle!

- Ein Hostelausflug zu einer kleinen Dorftaverne im Landesinneren. Einsame Spitze. Lecker, lokal, authentisch, billig. Und zurück

ging es auf der Ladefläche eines Pickups über Bergpässe und durch Schluchten.

- Gänsehautromantik. Ein einsamer Ausflug ins Meer für ein Bad im Vollmondlicht.

- Große Hostel-BBQ-Party. Jetzt ratet mal wer als einer der zwei Grillmeister agieren durfte.

- Ceviche: Rohfischsalat. Ein traumhaftes Gericht von Rachel. Ultralecker!


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Kommentare: 1
  • #1

    Mo (Freitag, 22 Juli 2016 13:49)

    1. Den Song will ich auf jeden Fall mal mit dir spielen!
    2. Das mit dem Fotografieren wird doch noch dein Ding ;)
    3. Du kletterst auch alles hoch was du findest... Woher du das wohl hast *g*
    4. das klingt so überragend! Wenn du weißt wo du dich im August aufhalten wirst... Ich habe noch einen Besuch offen
    5. Pass auf dich auf (und verlier nicht immer alles :D)