#4 | Fühlt sich an wie Urlaub ...nur komischer... | 14. Reisetag

Die zweite Reisewoche ist nun auch vorbei. So langsam gewöhne ich mich an Kreta. Die Griechen sind weiterhin lustig und in den Hostels schlafe ich wie ein Baby. Bisher gab es diesbezüglich wirklich noch gar keine Probleme. Dass ein deutscher Mitbewohner eines Nachts vor Husten fast gestorben

ist, habe ich nur von meiner kanadischen Mitbewohnerin am nächsten Tag erfahren. Also ich schlafe prächtig. Ob ich die Zimmer des Nachts im Schlaf wachhalte? Es hat mich zumindest noch niemand darauf angesprochen. =)

Es ist nun auch mal an der Zeit ein Wort über die griechische Sprache zu verlieren. Obwohl unser Wortschatz zu großen Teilen auf dem Altgriechischen aufgebaut ist…ich verstehe kein Wort. Es klingt sehr interessant und schön, wie ich finde, vor allem aus dem Mund einer Griechin. Jedoch kann ich es weder ansatzweise verstehen, noch kann ich es lesen. Verrückte Buchstaben wohin man nur guckt. Den notwendigen, respektvollen Basiswortschatz habe ich natürlich schon drauf. Begrüßung, Dankbarkeit und Verabschiedung kann ich gut nutzen. Einmal hat mich die Verkäuferin wohl verwundert gefragt ob ich griechisch spreche. Leider habe ich sie nicht verstanden. Nunja, ein großartiger Start für die Reise, so beuge ich dem Kulturschock in den arabischen Ländern etwas vor. Viele tolle Dinge habe ich in der vergangenen Woche gesehen und erlebt. Von dreien möchte ich euch gerne berichten.

Samaria Schlucht

Um es direkt vorneweg zu nehmen. Es war einer der schönsten Wanderungen, die ich jemals gemacht habe. Früh morgens ging es los. Und wenn ich sage früh, dann meine ich es auch so. 5.30 Uhr ging es zum Bus. Leider konnte Maddi aus Kanada mich nun

doch nicht begleiten. Mauro aus Argentinien hat sich jedoch direkt bereit erklärt, mit zu machen. Unterwegs hat uns unser lustiger Reisebegleiter Marco einiges Interessantes über die Region und den Tagesablauf erzählt. Er war sehr detailreich und belesen in griechischer Mythologie, was mich sehr begeisterte. Das anstrengendste hatten wir schon hinter uns, sagte Marco; das frühe Aufstehen. Doch es war jede Minute wert. Als zweiter Bus erreichten wir die Schlucht, also noch vor den großen Massen. Die Sonne stand noch tief und wir konnten unsere Wanderung auf ca. 1.200m ü. N.N. beginnen. Hier in den Lefka Ori („weißen Bergen“) werden die Gipfel bis 2.450m hoch und unter anderem hat der Gott Zeus hier wohl gerne Urlaub gemacht….diese Griechen…

Erst ging es steil bergab auf ca. 400m. Wir passierten abenteuerliche Passagen und wunderschöne Flora und Fauna. Mauro, der leider mit dünnbesohlten Schuhen unterwegs war, spürte schon recht bald, dass der Tag für Ihn richtig anstrengend wird. Ich hatte zum Glück meine Hiking-Schuhe mit dabei und es sollte sich lohnen, diese mitgenommen zu haben. Traumhafte Szenerien führten uns zu den ersten Verengungen der Schlucht. Entlang des kleinen Flusses hielten wir dann Rast an einer kleinen Siedlung in welcher über 5.000 Jahre lang durchgehend Menschen gelebt hatten. Durchgehend bis 1962, dann wurden die Einwohner aufgrund der Einrichtung des Nationalparks Samaria umgesiedelt. So ging es also weiter, den insgesamt 16km langen Pfad in Richtung Küste. Nach ein paar Kletterübungen am Fels kamen wir an das „Iron Gate“, der engsten Stelle der Schlucht. Eine Enge von 3m zwischen ~300m hohen Felswänden auf beiden Seiten kann ganz schön beeindruckend sein.

Nach ein paar weiteren Stunden über Stock und Stein erreichten wir die Küste. Ein Sprung ins erfrischende Nass war genau das Richtige. Der schwarze Sand des Küstenortes war sehr schön anzusehen. Der Ort konnte durch Schiffe erreicht werden und so machten also auch wir uns auf den Weg zur Fähre, die uns ins nächste Dorf bringt, in welchem der Bus auf uns wartete. Ein genialer Tag mit ordentlich Muskelkaterpotential, was ich die nächsten Tage zu spüren bekam.

Chania

Nach einem gemütlichen Tag am Strand direkt hinter meinem Hostel ging es am nächsten Tag, gemeinsam mit Mauro nach Chania. Mein Hostel liegt etwas außerhalb im kleinen Dorf Agii Apostoli, aber das Bussystem auf Kreta ist einfach, günstig und komfortabel. Die venezianische Stadt hat diverse Besatzungen durchgemacht und besticht durch traumhafte Aussichten und einzigartige Bauten. Wie zum Beispiel die Kirche der drei Religionen. Eine Mischung aus katholisch, orthodox und islamisch. Verrückt anzusehen…ein Kirchturm mit Glocken direkt neben einem Minarett. Zwar durch verschiedenste Kriege entstanden, gefällt mir dieses Gebäude ganz gut. Ein Ort, in welchem drei verschiedene religiöse Gruppen ihren Glauben in Gemeinschaft mit Andersgläubigen ausleben könnten. Ein schönes Symbol.

Im zweiten Weltkrieg von deutschen Bombern angegriffen, werden heute hier die Schiffe des EU Einsatzes EUNAVFOR MED betankt und beladen. Unter Anderen auch deutsche Kriegsschiffe, die im Mittelmeer Flüchtlinge bergen und Schleusern das Handwerk legen sollen. Natürlich fasziniert auch der 700 Jahre alte, venezianische Leuchtturm. Doch besonders gefallen mir die ausgefallenen, wechselhaften und authentischen Gässchen der Altstadt. Verschiedenste Baustiele, farbenfrohe Gestaltungen, Einbindung von Pflanzen und Mobiliar zeigen die vielen kleinen Tavernen, Läden und Kunsthandlungen in verschiedensten Formen. Aber es ist eben wie es ist: Es sind massenweise Touristen unterwegs. Unzählige…na gut, es ist Hauptreisezeit in Europa, aber die Touristen und damit auch die vom Tourismus abhängigen Einwohner, sind total scharf darauf Geld auszugeben, oder es zu verdienen.

Um hier wenigstens ein kleines Statement zu setzen, habe ich mir zu Mittag ein Restaurant ausgesucht, das auf einem Schild damit wirbt, dass sie keinen Schlepper auf die Straße stellen um Passanten zum Essen zu drängen. Ob wohl die Griechen sehr freundlich und meist auch respektvoll sind, geht es einen irgendwann tierisch auf den S***. Viel netter war ein griechischer Wirt, der uns zwar als Verkäufer angesprochen hat, als er jedoch erfuhr dass ich aus der Nähe von Stuttgart komme, uns zu einem Raki eingeladen hat. Er ist jedes Jahr zum Weinfest in Stuttgart und scheint dort wohl gute Erfahrungen oder Geschäfte gemacht zu haben. Und ja: Ich war auch erst unsicher, aber er war tatsächlich gratis und es gab keine weitere Akquise.

Bootstour

Und hier ist sie, die Antwort auf die Frage im Internet. Ja, ich bin bei gutem Seegang über ein Tau gestolpert und habe mir mein Knie aufgeschlagen. Ich bin so ein Idiot. Habe es aber überlebt. Ein 12/13 jähriges schwedisch Mädchen war so lieb mich mit Wasser und Taschentüchern zu pflegen. (Ja Moritz, ich hatte selber Taschentücher, aber wenn eine schwedische Familie Hilfe anbietet, konnte ich nicht nein sagen.) Aber nun zur Tour. Von Chania aus, habe ich von einem Schlepper anquatschen lassen und dann auch tatsächlich die Tour gebucht. Für 15 € kann man nicht viel falsch machen, dachte ich mir. Und es war auch überragend. Wir sind mit einem historischen Schiff (dem angeblich ältesten, seetauglichen Schiff in Chania) zu einer Insel gefahren. Von hier aus soll laut Mythologie der Held Talos viele Schiffe zerstört haben. Talos, ein bronzener Riese, der täglich, zum Schutz Kretas, dreimal um die Insel lief um Steine nach Schiffen zu werfen. Sollte es dennoch ein Schiff geschafft haben, hat er die Eindringlinge umarmt und sie damit verbrannt….griechische Mythologie ist echt witzig!

Egal, von dort ging es dann zur ersten Schnorchel-Station. Hier liegt ein deutsches Kriegsflugzeug aus dem 2. Weltkrieg. Genauer eine Junkers 52. Viel Wiedererkennungswert hatte das Wrack für mich als Laien zwar nicht, aber ich hatte total viel Spaß mit meiner Unterwasserkamera und es war abwechslungsreich. Die zweite Station war eine noch kleinere Insel, die lediglich aus ein paar Felsen, einem Sandstrand und der für Griechenland typischen Mini-Kirchen besteht. Hier konnte ich ein paar Fische vor die Linse bringen, was mich natürlich enorm begeisterte. Ich fühle mich quasi wie ein Dokumentarfotograph, obwohl ich diesbezüglich wirklich nichts auf dem Kasten habe. Für mich war es jedenfalls spannend und herausfordernd. Ich freue mich sehr auf meinen ersten richtigen Tauchgang. So voll ausgestattet mit Sauerstoff etc. Dies werde ich aber wohl erst machen, wenn ich in Ländern unterwegs bin, wo es etwas günstiger ist.

Heute ging es dann von Chania an Kretas Südküste nach

Plakias. Einem kleinen Dorf direkt am Meer. Hier habe ich das südlichste Hostel Europas bezogen und bin total begeistert. Es hat etwas von einem Hippie-Dorf, was ich sehr abfeier. Keine 10 Minuten vor Ort und ich war der König mit meiner Guitarlele (Eine Mischung aus Gitarre und Ukulele). Aktuell fühle ich mich noch wie im Urlaub. Ich habe immer noch das Gefühl, bald wieder in Deutschland an den Schreibtisch zu müsse/dürfen. Ich kann es immer noch nicht greifen, was es wohl bedeutet erst einmal auf unbestimmte Zeit unterwegs zu sein. Wie es hier weiter geht, werdet ihr dann wohl nächste Woche erfahren).

 

Bis dahin alle Liebe euch, Schilli.


Funfacts

- Schwarzer Sand kommt direkt aus der Hölle! Hot Hot Hot!

- Oliven schmecken immer noch modrig und ekelhaft. Sorry Griechenland, da einigen wir uns wohl kaum.

- Ich habe den ersten Verlust zu beklagen. Ich habe meine Mütze im Bus liegen lassen. =(

- In Chania auf der Straße traf ich zufällig auf Miro und Vanessa aus Australien. Bekannte aus dem Hostel in Heraklion.

- Seit dem Farewell Festival habe ich schon > 1.000 Bilder geschossen.

- Gemütlich am Strand liegen? War an einem Tag nicht. Internationales Volleyballturnier. Sehr beeindruckend!


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Kommentare: 1
  • #1

    Markus Warnke (Freitag, 15 Juli 2016 06:11)

    Hi Schilli, guuut und kurzweilig geschrieben, bin eh ein Kreta-Fan. Vielleicht kommst ja noch in den Süden - ganz anders wie der Norden. Schau Dir auch die Lassithi-Hochebene an und geh dort ausgiebig wandern. Wir Touristiker sagten schon vor 25 Jahren: Kreta hat alles, vereint viele Urlaubsziele in einem... P.S.: auch schön => Knossos, Vai, Matmata... Viele Grüße ausm Ländle, Markus